Bråthen: „Einer meiner härtesten Tage als Sportdirektor“

Clas Brede Bråthen und Adrian Livelten, Foto: Konstanze Schneider

Erst vor Kurzem wurde im Norwegischen Skiverband die Nationalmannschaft für den kommenden WM-Winter benannt. Nachdem bereits weitreichende Budget-Kürzungen angesprochen wurden, folgt nun die Schock-Nachricht. Das norwegische B-Team wird es nicht mehr wie gewohnt geben.

Wie bereits im Mai veröffentlicht, muss das Budget im Norwegischen Skiverband von etwa 3 Mio. Euro auf circa 2 Mio. Euro gekürzt werden. Dies hat vor allem weitreichende Folgen für den B-Kader. Wie die norwegische Tageszeitung Dagbladet berichtet, muss das Förderprogramm der jungen Talente eingestellt werden. 

Die sogenannte Toppidrettssatsingen, wie der B-Kader in Norwegen genannt wird, bestand bisher aus 15 Athleten. Für die A-Mannschaft war es das wichtigste Rekrutierungsumfeld. „Unglaublich traurig! Es war wirklich schrecklich, nachdem wir die Nachricht erhalten haben. Es ist fast unwirklich, dass eine Nation wie Norwegen in diese Situation gerät“, so Andreas Vilberg, der seit einem Jahr Cheftrainer des B-Kaders ist. Unter den 15 Skispringern befand sich in der letzten Saison auch noch Anders Håre, der in der kommenden Saison nun zum neunköpfigen A-Team zählt.

Bråthen und Stöckl bestürzt

Clas Brede Bråthen, Sportdirektor Skispringen in Norwegen, zeigt sich ebenfalls betroffen: „Junge und fortschrittliche Sportler erhalten nicht die Möglichkeiten und das Training, das sie verdienen.“ Im norwegischen Skiverband hatte der B-Kader bis dato eine wichtige interne Rolle. Für die Springernation war die Initiative das wichtigste Erfolgskriterium der letzten Jahre. Laut Bråthen belief sich das Budget für die B-Mannschaft im vergangenen Jahr noch auf rund 285.000 Euro. Die meisten Athleten dieser Gruppe werden nun nur noch in ihren regionalen Teams, in Trondheim, Lillehammer und Oslo trainieren. Bisher war das zwar auch der Fall, jedoch werden gemeinsame Trainingslager und internationale Auftritte demnächst nicht möglich sein.

Traurig sei vor allem die Tatsache, dass viele der aktuellen Nationalteam-Athleten auch die benannte Sport-Initiative durchlaufen haben. Doch dieses Sprungbrett zwischen beiden Kadern gibt es nun nicht mehr.

Auch für den Cheftrainer der Nationalmannschaft, Alexander Stöckl, sind es bedrückende Nachrichten. „Die Stimmung ist sowohl bei uns, als auch bei den Athleten ziemlich schlecht“, so der Österreicher. „Es war ein langer Prozess. Wir haben Zeit und Energie aufgewendet, um Lösungen zu finden. Wir haben die Möglichkeit geprüft, Prioritäten auf andere Weise zu setzen. Das sei aber nicht möglich gewesen“, so Stöckl.

Laut Stöckl und Bråthen wäre es fatal, keine Teilnehmer in der zweiten Liga des Skispringens, dem Continentalcup, zu sehen. Bråthen findet deutliche Worte: „Dann muss sich die Gewerkschaft die Frage stellen, warum wir existieren.“

Für Vilberg geht Traumjob verloren

„Als die Springer die Nachricht erhielten, waren sie unglaublich enttäuscht und verärgert. Aber wir können nichts dagegen tun. Es wurde entschieden, dass wir Geld sparen müssen. Es gibt jetzt 15 enttäuschte Jungs. Sie bekommen einen ganz anderen Sommer als sie es gewohnt sind “, so Vilberg gegenüber Dagbladet.

Andreas Vilberg ist seit vielen Jahren im Springerumfeld aktiv und war bisher unter anderem auch einer der Co-Trainer der Nationalmannschaft. Momentan ist er aufgrund der aktuellen Situation nur zu 50 Prozent im Skiverband beschäftigt. Er arbeitet aktuell mit dem A-Team in Oslo zusammen. Der 34-Jährige war selbst Skispringer und hofft nun, dass die Initiative wieder aufgenommen werden kann, sobald wieder genug Geld vorhanden ist.

Quelle: Dagbladet.no

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