US Ski Team

Sie gehören zu den erfolgreichsten Wintersport-Nationen der Welt: Im ewigen Medaillenspiegel bei olympischen Winterspielen, liegen die Vereinigten Staaten von Amerika auf Rang drei und Kanada auf Rang fünf. Im Skispringen sind beide Nationen jedoch lediglich ein kleines Licht, dass weit weg vom Skisprung-Mekka Europa leuchtet. Eine Tatsache, die reicht, dass aus bitteren Rivalen, wie im Eishockey, gute Freunde werden. So verkündeten die beiden Teams im Jahr 2012 eine sogenannte Kooperation. Durch gemeinsames Training und Meisterschaftsspringen sowie dem Austausch von Know-How, wollte man den Abstand auf die Top-Nationen verkürzen. Bahnbrechende Erfolge konnte man jedoch bislang noch nicht landen, zumal Erfolge amerikanischer Springer in den letzten Jahren die Ausnahme blieben.

Zwischen Genie und Wahnsinn pendelte der beste US-Amerikaner Kevin Bickner in den letzten Jahren. Der 24-Jähriger besitzt einen aggressiven Flugstil, der Potenzial, aber auch zahlreiche Probleme mit sich bringt. So vermag der talentierte Amerikaner diesen noch nicht völlig zu kontrollieren. So zu sehen, bei seinem besten Weltcup-Resultat in Vikersund im Jahr 2017. Nach einem sensationellen neuen Landesrekord von 244,5 Meter stürzte er sich auch im zweiten Durchgang mit voller Attacke nach unten. Jedoch verlor er im letzten Flugviertel derart die Kontrolle über die Ski, dass er bei 233,5 Metern böse zu Fall kam. Statt einem Platz unter den Top-10, reichte es also „nur“ zu Rang 15. Doch spätestens hier wurde sein enormes Potenzial deutlich. Dieses abzurufen war jedoch in den letzten Jahren ein größeres Problem. Seine größten Erfolge gelangen ihm mit den Rängen 18 und 20 bei den Olympischen Spielen 2018. In der vorherigen Saison holte der US-Boy lediglich in Engelberg (22.) und Garmisch-Partenkirchen (26.) Weltcup-Punkte. Nun geht es für Bickner vorrangig darum, seine Sprünge zu stabilisieren. Rein vom Potenzial hätte der stärkste Amerikaner durchaus die Möglichkeiten dauerhaft in die Top-20 zu springen. Die erste Chance auf ein Ausrufezeichen, könnte bereits die Skiflug-WM in Planica sein.

„Das ist nun mal die Welt, in der wir leben“: Andrew Urlaub berichtet über Corona-bedingte Schwierigkeiten

Neben Bickner wurden mit Casey Larson, Andrew Urlaub, Decker Dean und Patrick Gasienica vier weitere Springer in den Kader berufen. Der bekannteste darunter ist wohl Casey Larson, der bei der Nordischen Ski WM in Seefeld bereits einen 28. Platz erringen konnte. Im Sommer zwang diesen aber eine langwierige Schulterverletzung zu einer Pause. So benötigt der 21-Jährige vorerst noch etwas Zeit. „Ich bin noch nicht bereit für Wettkämpfe, aber endlich zurück auf der Schanze“, freut er sich in den sozialen Netzwerken. So traten Andrew Urlaub und Dean Decker bei den GP-Springen in Wisla an, wo sie die Ränge 42 und 37 sowie 40 und 35 erzielten. Ersterer verrät im Interview mit usanordic.org einige spannende Einblicke. „Als Team hatten wir einen ziemlich späten Start in den Sommer. Wir fangen normalerweise Anfang Juni an zu springen, diesmal war es Mitte Juli. Es war wenig Vorbereitungszeit für einen internationalen Wettstreit und die Konstanz hat aufgrund zu weniger Sprünge gefehlt. Wenn ich zurückblicke, bin ich sehr froh, dass wir gegangen sind. Es war ein guter Grundstein für den Sommer und im Hinblick auf den Winter“, erklärt Andrew Urlaub. Die fehlende Vorbereitungszeit lag in erster Linie an den Corona-Beschränkungen, die der 19-Jährige folgendermaßen beschreibt „Am Anfang war es sehr schwierig, weil wir viel reisen. Um April und Mai, als wir versuchten, Pläne für den Sommer zu schmieden, war es quasi unmöglich. Fast täglich folgten neue Regeln, Vorschriften und Reiseverbote. Erst im Juni nahm unsere Planung Gestalt an. Dann trafen wir in Wisla erstmals unsere internationalen Konkurrenten, die bereits Ende Mai, Anfang Juni, ihre ersten Sprünge machten. Dieser Tatsache ins Auge zu sehen war schon schwer, während wir lange warten mussten“, erklärt er. Im Sommer und Herbst verbrachte das amerikanische Team viel Zeit in Slowenien, wo sie laut Andrew Urlaub voraussichtlich im Winter ihr Quartier beziehen werden. Von dort soll es dann zu den jeweiligen Wettkampf-Stationen gehen. Zeit in der Heimat wird der junge Amerikaner, der ironischerweise aus einer Wrestling-Familie stammt, in den nächsten Monaten kaum verbringen. „Ich tue dies, um machen zu können, was ich liebe. Daher wird es mich wenig beeinflussen. Das ist nun mal die Welt, in der wir gerade Leben“, erklärt er. Da ist es hilfreich, dass ihm zumindest Kampfstärke bereits im Blut liegen sollte. Für Urlaub sowie seine Kollegen Decker und Gasienica wird es wohl vorrangig darum gehen, sich unter den besten 20-30 im COC zu etablieren. Doch auch bei den Weltcups werden wir von Zeit zu Zeit den ein oder anderen US-Boy neben Bickner sehen.

Auf den Schanzen dieser Welt und in den sozialen Netzwerken zuhause: Boyd-Clowes will die Top-30 attackieren

Der einzige wettbewerbsfähige Springer aus Kanada, war in den letzten Jahren der 29-Jährige Mackanzie Boyd-Clowes. Mit mal lustigen, mal politischen und gesellschaftskritischen Posts, hat sich dieser auch neben der Schanze einen Namen erarbeitet. Böse Zungen könnten behaupten, dass der Kanadier zwar in den sozialen Netzwerken Weltklasse, jedoch auf der Schanze lediglich Mittelklasse ist. Ganz richtig ist dies aber natürlich nicht: Aus seinen schon immer begrenzten Möglichkeiten als kanadischer Springer, holt er seit Jahren extrem viel heraus. So gibt es in seinem Heimatland nach der Stilllegung der Schanzenanlagen von Calgary keine Schanze mehr, auf der Boyd-Clowes im Sommer trainieren kann. „Heute vor 2 Jahren habe ich wahrscheinlich für immer meine letzten Sprünge in gemacht. Wie ist es, ein Skispringer zu sein, der nirgendwo Skispringen kann? Seltsam, wahrscheinlich manchmal irgendwie traurig. Ich habe das Glück, dass es so viele gibt, die daran arbeiten, dass ich trotz der Rückschläge weiterhin auf der Schanze wetteifern kann“, so der Kanadier Ende September auf seinem Instagram-Kanal. In seiner zehnjärigen Weltcup-Laufbahn gelang ihm mit Rang neun beim Skifliegen am Kulm bislang ein Top-10-Platz. Ansonsten kämpfte er meist um den Einzug in den zweiten Durchgang. Dies gelang ihm bei den Olympischen Spielen bereits dreimal. Während es in Sotschi zu Rang 25 reichte, erzielte er vier Jahre später in Pyeongchang die Plätze 26 und 21. In der Saison 2019/20 gelang ihm mit Rang 17 in Engelberg ein kleines Ausrufezeichen. Zuletzt bewies er auch im Rahmen der Raw-Air, dass er jederzeit unter die besten 30 der Welt springen kann. Genau das wird auch das Ziel in der kommenden Saison sein. Um dieses zu erreichen gilt es vor allem, seine oft guten Trainingsleistungen auch in den Wettbewerb zu bringen. Beim COC in Wisla gelang dem 29-Jährigen dies mit den Rängen 20 und 22 noch nicht so ganz, wenngleich Resultate zu dieser Jahreszeit nicht überbewertet werden sollten.

Neben Boyd-Clowes besitzt lediglich Metthew Soukup über Weltcup-Erfahrung. Im letzten Winter belegte dieser die Ränge 46 und 48 in Sapporo und 51 am Kulm. Der Weg nach oben dürfte für den 23-Jährigen sehr schwierig werden. Mit einem siebten Platz beim COC in Frenstatt konnte er zwar im Sommer 2019 einmal kurz aufzeigen, verpasste jedoch auch in der „2. Liga des Skispringens“ ansonsten immer die Top-20. Zuletzt belegte er beim Sommer-GP in Wisla die Plätze 45 und 39. Zum Team gehören mit Joshua Maurer, Nigel Lauchlan und Stephane Tremblay noch drei weitere Springer. Im Weltcup werden sich die Kanadier jedoch voll und ganz auf ihren Vorflieger verlassen müssen.

Neue Schanzenanlagen und eine mögliche Olympiabewerbung: Kann das Skispringen in Kanada gerettet werden?

Nach dem Super-Gau aus dem Jahr 2018, als die Schanzenanlage von Calgary stillgelegt wurde, gibt es aktuell zumindest wieder Hoffnung für die Wiederbelebung des kanadischen Skispringens. So setzt sich insbesondere der neue Renndirektor Sandro Pertile dafür ein, Teams wie Kanada im Skisprung-Zirkus zu erhalten. „Geographische Expansion ist notwendig. Ich möchte die Anzahl der Länder erhöhen, die an Pokalwettbewerben teilnehmen“, erklärte Pertile gegenüber skijumping.pl. Demnach folgten auch Gespräche mit kanadischen Vertretern. „Ich wurde von Sandro Pertile kontaktiert, der auch mit Nik Petrov, dem Direktor für Skispringen in Kanada, sprach. Es ging um die Entwicklungsrichtung dieser Disziplin in unserem Land. Der kanadische Verband ist bereit, uns zu helfen“, verrät der ehemalige kanadische Springer Jean Séguin. Ansetzen wollen die Verantwortlichen vor allem im Nachwuchs-Bereich, wo es gilt junge Talente nach und nach heranzuführen. „Wir möchten mit einem „Bump-to-Jump-Programm“ beginnen, bei dem kleine Hügel gebaut werden, die im Laufe der Zeit durch größere ersetzt werden. Vielleicht können wir Plastikmatten aus Calgary bekommen“, so Séguin hoffnungsvoll. Mögliche Standorte für dieses Projekt wären die Pisten von Lac des Fées und Camp Fortune am Stadtrand von Ottawa.

Wieder aktuell ist auch die Idee, im Winter 2030 Olympische Winterspiele abzuhalten. Diese war zunächst, angesichts der Corona-Pandemie, zur Seite gelegt worden. Da allerdings in Vancouver, angesichts der Spiele 2010, bereits vieles an Infrastruktur besteht und es mit Sapporo aktuell nur einen Gegenkandidat gibt, sehen die Kanadier ihre Chance gekommen. Für das Skispringen in Kanada wäre dies die zweite große Chance, nachdem vor zehn Jahren ein positiver Effekt vollständig ausblieb.

Quellen: berkutschi.com, skijumping.pl, usanordic.org

Französischer Skiverband Italienischer Skiverband Weltcup

Nur mit Skier an den Füßen stürzen sie sich die riesigen Schanzen dieser Welt hinunter und sind den wilden Treiben der Kräfte und der Natur beinahe schutzlos ausgeliefert: Den Lebensweg eines Skispringers zu bestreiten ist wahrlich nicht leicht und erfordert eine große Portion Mut. Während sich die Athleten großer Skisprung-Nationen immerhin über finanzielle Unterstützung, ein großes Betreuerteam und zahlreiche Teamkollegen verlassen können, sind andere beinahe völlig auf sich alleine gestellt. Auch im anstehenden Winter möchten einige der sogenannten Einzelkämpfer ihren Traum als Skispringer leben und mit den Besten der Welt wetteifern. Bevor wir in unserer Saisonvorschau täglich eine Skisprung-Nation genauer beleuchten werden, möchten wir euch heute fünf tapfere und ambitionierte Einzelkämpfer vorstellen.

Das Leben als Athlet kleinerer Skisprung-Nationen ist durchaus von Anstrengung geprägt. Während sich die Spitzenleute aus Deutschland, Österreich oder Polen vornehmlich auf das Springen konzentrieren können, haben die sogenannten Exoten alle Hände voll zu tun. Besonders schwerwiegend ist dabei der finanzielle Aspekt. Ohne Unterstützung des Verbandes und mit geringen Preisgeldern, gilt es Sponsoren zu finden oder über den Sommer Nebentätigkeiten anzunehmen. Während der Saison müssen schließlich organisatorische Dinge, wie Hotel- und Flugplanungen, oft in Eigenregie durchgeführt werden. Selbst an der Schanze selbst gibt es maximal eine Handvoll Leute, die sich um Dinge wie Material und Wachs kümmern. Besonders bitter: Da sich das Skispringen immer mehr zur Materialschlacht entwickelt, haben die Exoten kaum eine Chance, wirklich vorne mitzuhalten. So fehlt es in diesem Bereich an Know-How und finanziellen Mitteln, um mit den Top-Nationen mitzuhalten, was sich schlussendlich in der Sprungweite der Athleten widerspiegelt. Oft treten diese nur in der Qualifikation oder zu Beginn des Wettbewerbes an – also zu jener Zeit, in der im Fernsehen noch mehr oder wenige wichtige Vorberichte laufen und Zuschauer lieber aufs Handy als in Richtung Schanze schauen. Während es meist um die Topstars der Szene geht, werden die sogenannten Kleinen des Skisprungsports leider häufig übergangen. Dass es einige trotz widriger Umstände dennoch versuchen, zeugt von enormen Kampfgeist und verdient ein besonderes Maß an Respekt.

Vladimir Zografski: Wird er erneut der beste „Exot“?

Einer der „berühmtesten“ und begnadetsten Einzelkämpfer der letzten Jahre ist der Bulgare Vladimir Zografski. Sein Weltcup-Debüt gab dieser bereits im Alter von gerade einmal 15 Jahren. Obwohl der 27-Jährige seit zwölf Jahren der einzige Bulgare im Weltcup ist, hat dieser zumindest mehrmals das Glück gehabt, mit echten Fachleuten zusammenarbeiten zu können. So agierten bereits Joachim Winterlich, Vater und Ex-Springer Emil Zografski und Alex Pointner als Berater und Trainer an seiner Seite. Vielleicht mit ein Grund, warum Zografski zuletzt der stärkste Einzelkämpfer war. Sein großes Talent bewies er bereits im Jahr 2011, als er Gold bei den Junioren-Weltmeisterschaften holte. Zwar blieb im Anschluss die ganz große Karriere aus, für Achtungserfolge war er jedoch immer gut. Sein bestes Resultat feierte der Bulgare zum Auftakt der Saison 2018/19 mit einem sechsten Rang in Ruka. Wenig später sprang er bei der Tournee viermal ins Finale und belegte insgesamt einen starken 18. Platz. Wie bereits im Winter 2012/2013 belegte der 1,65-Meter große Skisprungfloh im Gesamtweltcup Rang 33. Seinen vielleicht größten Erfolg feierte er bei den Olympischen Winterspielen, als er von der Normalschanze Rang 14 belegte. Auch in der letzten Saison gelangen ihm fünfmal Weltcup-Punkte und ein 16. Platz in Willingen. Wie es in der kommenden Saison für ihn laufen wird, ist schwer abzusehen. Mit den Rängen 41 und 22 beim schwach besetzen Sommer Grand-Prix deutete er zumindest eine gewisse Instabilität an. Ansonsten zeigte sich der Sksiprung-Exot auf Instagram bei Sommertrainings in Oberstdorf und Ramsau. Klar ist jedoch: Weht der Wind in die richtige Richtung, hat der 57 Kilogramm leichte Zografski mit seinem aggressiven Sprungstil durchaus die Chance, auch in der Saison 2020/21 für die ein oder andere Überraschung zu sorgen.

Jonathan Learoyd: Schafft er den Weg zurück in den Weltcup?

Nicolas Dessum, Emanuel Chedal oder Vincent Descombes Sevoie: Blickt man ein paar Jahre zurück, so hatten die Franzosen durchaus ein paar namenhafte Springer in ihren Reihen. Davon ist allerdings wenig übrig geblieben. Das hoffnungsvollste Talent ist der 20-Jährige Jonathan Learoyd. Zwar hat er mit Matthis Contamine und Paul Brasme noch zwei Kollegen an seiner Seite, allerdings fehlte es oft an Kontinuität und Kompetenz im Trainerstab. Sinnbildlich der diesjährige Frühling: Nachdem der Verband bereits Heinz Kuttin als neuen Trainer vorstellte, sprang dieser im letzten Moment noch ab. Zu neuen Höhenflügen soll den Franzosen nun David Jiroutek verhelfen. Für Learoyd gilt es erst einmal die völlig verkorkste Vorsaison zu vergessen. Dass er Skispringen kann, hat der Franzose mit britischer Herkunft jedenfalls schon öfter gezeigt. So gewann er im Dezember 2017 ein Continental-Cup-Springen und untermauerte sein Können mit zwei weiteren Podiumsplätzen. Seine ersten Weltcup-Punkte gelangen ihm als 26. beim Tournee-Auftakt in Oberstdorf. Eine bemerkenswerte Saison 2017/18 schloss er mit Rang 27 bei den Olympischen Spielen und Rang 25 am Holmenkollen ab. In der Folgesaison holte er zwar keine Weltcup-Punkte, schaffte jedoch bei der WM zweimal den Sprung ins Finale. Im vergangenen Winter folgte jedoch ein enormer Leistungsabfall. So konnte er lediglich beim COC-Auftakt in Ruka und in Iron Mountain punkten. Im Weltcup schaffte er nicht einmal den Sprung unter die besten 50. Demnach beendete er die Saison sogar vorzeitig: „Mit meinen Trainern haben wir die Entscheidung getroffen, dass es Zeit für mich war, anzuhalten und mir die Zeit zu nehmen, meine Batterien aufzuladen und Freude am Leben zu finden“, kündigt Jonathan Learoyd in sozialen Netzwerken an. „Ich werde stärker zurückkommen“, schloss er. Vielversprechend lief jedoch auch der Sommer noch nicht. So gelangen ihm beim COC in Wisla nur die Plätze 36 und 40. Trotzdem freut sich der Franzose auf den Winter. „Lass den Winter beginnen. Freue mich, dass es bald wieder los geht“, zeigte er sich auf Instagram bereit für den Saisonstart. Prognose: Mit Weltcup-Punkten dürfte es für den 20-Jährigen dennoch schwierig werden.

Alex Insam: Wann setzt der Flug-Spezialist zu neuen Höhenflügen an?

Fast alles, was man über die Franzosen und Jonathan Learoyd sagen kann, gilt auch für den einzigen italienischen A-Kader-Athleten Alex Insam. So liegt die beste Zeit des 23-Jährigen auch ein paar Jahre zurück. Dabei offenbarte er vor allem auf den ganz großen Anlagen sein fliegerisches Potenzial. Nachdem er im Jahr 2017 überraschend Junioren-Vize-Weltmeister wurde, glänzte er vor allem beim Saison-Abschluss in Planica. Nach einem neuen Landesrekord (232,5 Meter) im Probedurchgang landete er auch im Wettkampf auf einen starken 15. Platz. Seine ersten Weltcup-Punkte konnte er sich kurz zuvor als 25. in Vikersund sichern. Sein Fluggefühl zeigte er auch bei der Skiflug-WM in Oberstdorf 2018, wo er als 27. den Sprung unter die besten 30 schaffte. Kurz darauf belegte er bei den Olympischen Spielen sogar Rang 23 von der Großschanze. In der Saison 2019/20 war der Italiener jedoch weit von Weltcup-Punkten entfernt. Sein bestes Resultat war ein 20. Platz beim COC-Heimspringen in Predazzo. Über die aktuelle Verfassung von Insam kann nur spekuliert werden. So nahm er weder beim GP noch beim COC in Wisla teil und fehlte zuletzt bei den italienischen Meisterschaften aufgrund von Muskelbeschwerden. Zumindest diese sollten nun überwunden sein, zumal fondoitalia.it von einem Trainingscamp mit Insam berichtet, dass vom 4. bis 8. November in Predazzo abgehalten wurde. Auf seiner Instagram-Seite gibt er seinen Fans einen spektakulären Einblick auf seine Arbeit im Windkanal von Stockholm, wo er dank modernster Technik an seiner Flugposition arbeiten konnte. „Danke für diese fantastische Erfahrung und all das neue Wissen. Lass das nun auch auf die Schanzen transportieren“, zeigt er sich angriffslustig. Ob die Arbeit sich gelohnt hat, sehen wir vielleicht schon beim Weltcup-Auftakt in Wisla, wo es für Insam darum geht, um den Einzug ins Finale mitzukämpfen.

Sergei Tkatschenko: Schafft der junge Kasache den Sprung in die Top-30?

Was die Kasachen in den letzten Jahren von anderen Nationen unterschied, war es, dass sie trotz ihrer klaren Unterlegenheit meist auch bei den Teamwettkämpfen mit vier Springern vertreten waren. Dies war in jüngster Vergangenheit leider wieder seltener der Fall. Die Kasachische Fahne hielt zuletzt fast ausschließlich Sergei Tkatschenko hoch, der mit Abstand der beste Springer seines Landes und das größte Talent seit einiger Zeit ist. Dies bewies er vor allem bei den Juniorenweltmeisterschaften 2019, als er als erster kasachischer Skispringer eine Medaille gewann. Wie bereits die Beispiele Zografski und Insam zeigen, ist dies jedoch noch keine Garantie, um auch im Weltcup eine Rolle zu spielen. Es scheint geradezu, dass es vor allem im zunehmenden Alter für die „Exoten“ immer schwieriger wird, wenngleich auch Tkatschenko selbstredend noch am Anfang seiner Karriere steht. So machte dieser in der Saison 2019/20 einen Sprung nach vorne und sammelte erstmals Weltcup-Punkte. Hierbei waren Rang 24 in Engelberg, 29 in Predazzo und 27 beim letzten Saisonspringen in Lillehammer durchaus Achtungserfolge. Im Sommer hat sich der 21-Jährige rar gemacht und trat bei den internationalen Springen nicht an. Klar ist jedoch, dass Tkatschenko das technische Können und das Talent besitzt, seine Achtungserfolge vom Vorjahr zu wiederholen, wenn nicht sogar zu übertreffen. So sind die Top-30 auch in der Saison 2020/21 das Ziel: Hier gilt es sich für den Kasachen langfristig zu etablieren.

Artti Aigro: Wenig Gewicht und viel Weite?

Auf eine große Tradition an Skispringern kann der nördlichste Baltikan-Staat, Estland, nicht zurückblicken. Vor einigen Jahren jedoch, konnte Kaarel Nurmsaluu als Kombinierer und Skispringer ein paar wenige Erfolge feiern. Auf seinen Spuren befindet sich nun der 21-Jährige Artti Aigro. Da ein estländisches Team weiterhin kaum existiert, trainiert Aigro häufig gemeinsam mit der finnischen Mannschaft, die leistungsmäßig ungefähr auf einer Ebene mit dem talentierten Esten liegt. Aufgrund der Verbindung zu Finnland, ist es nicht überraschend, dass er sein bestes Weltcup-Resultat als 19. in Ruka erzielte. Wenngleich ihm in der Saison 2018/19 keine weiteren Weltcup-Punkte gelangen, durfte er sich immerhin über fünf Top-10-Plätze im COC freuen. Erst im Februar 2020 konnte er sich in Sapporo für oftmals gute Trainingsleistungen mit Rang 25 im Weltcup belohnen. Kurz darauf bestätigte er mit Rang 26 am Kulm seine Ambitionen. Dass er auch ein guter Flieger ist, zeigte er bereits ein Jahr zuvor, als er als Vorspringer 228 Meter in Planica segelte. In diesem Sommer präsentierte sich Aigro erneut in ordentlicher Form. So gelangen ihm beim COC in Wisla mit den Rängen 21 und 26 in beiden Wettbewerben Punkte. Zuletzt machte er zudem bei den finnischen Meisterschaften auf sich aufmerksam. Zwar kam er nicht an die besten Finnen Nico Kytösaho und Annti Aalto heran, distanzierte jedoch das restliche Teilnehmerfeld auf der Großschanze von Lahti um fast 40 Punkte. Wozu solche Leistungen im Winter reichen, bleibt abzuwarten. Mit nur 50 Kilogramm Körpergewicht und einer sauberen Technik, ist Aigro durchaus ein Mann der Lüfte. Um im Weltcup zu bestehen, ist jedoch auch die Athletik ein großer Faktor. Dass Aigro an dieser hart arbeitet, lässt zumindest dessen letzter Instagram-Post schließen, welcher ihn mit einer schwer beladenen Hantelstange zeigt. Stärker denn je, möchte der 21-Jährige im anstehenden Winter fleißig Punkte sammeln.

Einzelkämpfer vor schwerer Zukunft: Geht es nur gemeinsam?

Auch im nächsten Winter wachsen die Bäume für die Einzelkämpfer voraussichtlich nicht in den Himmel. Die aktuelle Corona-Pandemie erschwert die Lage vor allem für diese Springer noch einmal enorm. Dafür sorgen unter anderem die Kosten für Corona-Tests, die Athleten und Verbänden an die Grenze ihrer Möglichkeiten kommen lassen könnten. Bleibt zu hoffen, dass die Springer trotz aller Schwierigkeiten bei den Weltcups mitmachen und das ein oder andere Erfolgserlebnis feiern können. Denn es sind gerade die Überraschungen vermeintlicher Underdogs, die den Sport und vor allem das Skispringen ausmachen. In den letzten Jahren haben sich die Top-Springer zunehmend auf wenige Nationen konzentriert. Um ein buntes Teilnehmerfeld zu bewahren, gilt es nun jenen die Daumen zu drücken, die einen fast schon einsamen Kampf für ihr Land führen. Dieser ist von enormer Bedeutung, zumal gerade Kinder und Jugendliche Vorbilder benötigen, um mit dem Skispringen zu beginnen. Brechen diese weg, droht dauerhaft ein immer kleiner werdendes Teilnehmerfeld im Skisprung-Weltcup. Ein möglicher Weg aus diesem Abwärtsstrudel, sind Kooperationen zweier oder mehrerer Nationen. So gehen bereits jetzt die US-Amerikaner und Kanadier einen gemeinsamen Weg. Wohin dieser führen könnte, lest ihr morgen in Teil zwei unserer Saisonvorschau.

Quellen: fondoitalia.it, berkutschi.com

ÖSV

Er ist ein Ausnahmekönner seines Faches: Mit 53 Weltcupsiegen, zwei Tourneesiegen und einer gewaltigen Medaillensammlung bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen hat das „Jahrhunderttalent“ das Skispringen über Jahre mitbestimmt. Doch die glorreichen Zeiten des Gregor Schlierenzauers liegen nun schon eine Weile länger zurück. Nach seinem Vize-WM Titel im Jahr 2015 lernte der Österreicher viele der negativen Seiten im Leben eines Spitzensportlers kennen. Doch aufgeben kommt für den ehrgeizigen Sportler nicht in Frage. In Zusammenarbeit mit seinem früheren Weggefährten, Werner Schuster, konnte der krisengeplagte Adler wieder einzelne Highlights setzen und zuletzt sogar bei den österreichischen Meisterschaften gewinnen. Im Interview mit der Zeitung „Der Standard“ erzählte der 30-Jährige nun über seine persönliche Wandlung und seine Zielsetzungen für den nächsten Winter.

Verfolgt man die Karriere von Gregor Schlierenzauer, so könnte man den Eindruck gewinnen, zwei verschiedene Athleten verfolgt zu haben. Auf der einen Seite der ruhige und reflektierte Schlierenzauer, der sich mit akribischer Arbeit zurück in die Weltspitze kämpfen will. Auf der anderen Seite der von unglaublichen Ehrgeiz getriebene junge Überflieger, der mit einer selten gesehenen Leichtigkeit von Weltcupsieg zu Weltcupsieg sprang. Das einzige, dass der Seriensieger damals ganz und gar nicht konnte, war zu verlieren. So betrachtete er selbst zweite Plätze als Niederlage und ließ seinem Ärger freien Lauf. Doch der enorme Anspruch und die zum Teil übertriebene Erwartungshaltung an sich selbst, musste auch er irgendwann Tribut zollen. So geschehen in der Saison 2015/16, die Schlierenzauer vorzeitig abbrach. „Es hat Zeiten gegeben, wo ich von der Energie her am Limit war, wo ich mir auch selbst eine Auszeit genommen habe und verletzt war. Man lernt, dass es eben auch eine Kehrseite der Medaille gibt“, verrät er. Der Österreicher reagierte rechtzeitig und bekam schließlich die Unterstützung, die er zu jener Zeit benötigte. „Ich habe mir professionelle Hilfe von außen genommen, um für mich aufzuarbeiten, was alles in meinen jungen Jahren passiert ist. Es ist ja sehr viel in sehr kurzer Zeit in hoher Intensität auf mich hereingeprasselt, das muss man erst verarbeiten“, so der 53-malige Weltcupsieger. Während der Skispringer noch im den Anschluss kämpft, hat der Mensch Schlierenzauer sein Tief längst hinter sich gelassen. „Natürlich war es sehr herausfordernde Zeit, aber als Mensch habe ich viel mehr mitgenommen als zu Zeiten, in denen ich von Sieg zu Sieg gesprungen bin“. Dementsprechend zeigt sich der Österreicher sogar dankbar, dass seine Karriere nicht nur von Höhen geprägt war. „Wenn man auf das große Ganze schaut, ist das das Wunderschöne, was man im Leben eines Spitzensportlers alles so erfährt. Es ist auch eine Lebensschule, die ich nicht missen möchte“, erkennt er.

Schlierenzauer auf der Suche nach Automatismen und Stabilität

Klar ist aber auch, dass der Ehrgeiz und das Feuer noch immer im ehemaligen Seriensieger brennt. Betrachtet man die Fakten, so hat dieser in der letzten Saison als 20. im Gesamtweltcup zumindest den Anschluss an die erweiterte Weltspitze einigermaßen geschafft. Ein erster Schritt, doch der 30-Jährige benötigt nach einigen Technik-Umstellungen noch immer Zeit, die Automatismen wieder zu perfektionieren. „Es geht speziell um die Ausführung, um das technische Leitbild, wo ich wieder hin muss. Das muss man tagtäglich üben wie einen Tennisschwung, wenn man da gewisse Dinge umstellt, braucht das Zeit. Ich denke, dass ich da von der Idee her gut auf dem Weg bin – aber das ist keine Garantie, dass ich es auch sehr gut umsetzen kann,“ erklärt der zweimalige Tournee-Sieger. Ansätze sind beim Flug-Künstler schon länger zu sehen, sei es beim vierten Platz in Nizhny-Tagil, beim sechsten Platz in Innsbruck oder Rang sieben in Willingen im letzten Winter. Im Sommer konnte er sogar erstmals nach acht Jahren wieder einen österreichischen Meistertitel landen.  „Es ist eine schöne Bestätigung, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Es war doch schon eine Zeit her, dass ich ganz oben gestanden bin.“ Doch bereits kurz nach dem Sieg von der Normalschanze, offenbarte Schlierenzauer mit Platz acht auf der Großschanze zwei altbekannte Probleme. Zum einen, die guten Sprünge von der Normalschanze mit auf große Anlagen zu transportieren und zum anderen, die fehlende Stabilität auf Top-Niveau zu erhalten. Daran gilt es nun bis zum Winter zu arbeiten.

Sprung für Sprung in Richtung Spitze: Schlierenzauer will es nochmal nach oben schaffen

Nachdem Schlierenzauer aufgrund einer hartnäckigen Virus-Infektion im Sommer drei Wochen Trainingszeit verloren hatte, ist zumindest gesundheitlich alles angerichtet. Der Weltcup-Rekordsieger peilt nun den letzten Schritt zur absoluten Spitze an, will jedoch vorerst von Sprung zu Sprung denken. „Wenn man meine Karriere mitverfolgt hat, dann geht es schlussendlich darum, ob ich es noch mal ganz nach oben schaffe oder nicht. Das ist mein Ziel, ganz klar – aber ich weiß auch, dass es nicht so einfach ist und oft auch Glück und ein gewisses Momentum braucht. Ich war letztes Jahr knapp dran, und mir ist es nicht gelungen, den allerletzten Schritt zu gehen. Von dem her steige ich heuer auf die Bremse und sage: Wichtig ist, Sprung für Sprung meine Qualitäten umzusetzen“, beschreibt er. Gelingt Schlierenzauer dieses Vorhaben, wäre dies in erster Linie eine Bestätigung für seinen langen und arbeitsintensiven Weg. Wieder der absolute Held der Öffentlichkeit, wie zu Glanzzeiten zu sein, treibt ihn hingegen kaum an. „Was sind denn schon Helden? Für mich sind Helden die, die schwere Operationen machen, die Leben retten. Natürlich ist der Sport immer sehr kurzfristig. Was man für sich erreicht, das kann einem keiner wegnehmen. Es gab Momente, in denen ganz Österreich extrem emotional war im Skispringen, das muss man genießen und dankbar sein – aber man darf das nicht überbewerten und muss am Boden bleiben“, zeigt er sich reflektiert. Dass seine Zeit als Seriensieger endlich ist, wurde dem Österreicher ohnehin irgendwann bewusst. „Jeder entwickelt sich weiter, es gibt Reglementänderungen, schlussendlich bin ich auch nur ein Mensch aus Fleisch und Blut“, sagt er. Eine Erkenntnis, die eben nur eine Karriere mit Höhen und Tiefen so klar und deutlich offenbaren kann.

Quelle: Der Standard

Polnischer Skiverband Weltcup Herren

Knapp drei Wochen vor Saisonstart muss der Skisprung-Zirkus einen herben Dämpfer hinnehmen. Wie der polnische Skiverband mitteilte, wird der Weltcup-Auftakt im polnischen Wisla ohne Zuschauer von der Bühne gehen. Grund hierfür ist selbstredend die Corona-Pandemie, die derzeit auch in Polen hohe Wellen schlägt.

„Theoretisch wartet eine richtig geile Saison. Aber ich befürchte, dass es eine beschissene wird“, so lautete bereits im Sommer die böse Vorahnung von Andreas Wellinger im Bezug auf das wahrscheinliche Fehlen der Zuschauer. Eine Befürchtung, mit der der Olympiasieger von 2018 nicht so ganz Unrecht haben könnte. Nachdem bereits die Standorte Garmisch-Patenkirchen, Ruka, Engelberg und Titisee Neustadt erklärten, keine Fans an den Schanzen zuzulassen, zog nun auch Wisla nach. Nicht nur für die einheimischen Springer eine enorme Enttäuschung, zumal die polnischen Fans für ihren Enthusiasmus bekannt sind und jedes Springen in ein stimmungsvolles Volksfest verwandeln. Doch auch vor den feierlustigen Polen mach die Pandemie keinen halt. Im Gegenteil: Polen gilt als RIsikogebiet und verzeichnete in den letzten Tagen zum Teil mehr als 20.000 neue Fälle. Demzufolge ist es aktuell verboten Sportveranstaltungen unter Beteiligung der Öffentlichkeit zu organisieren.

Die Verantwortlichen hoffen nun, dass keine weiteren staatlichen Beschränkungen hinzukommen, die zu einer kompletten Absage der Wettbewerbe führen könnten. Laut Plan soll am Freitag, dem 20. November die Qualifikation erfolgen, ehe am Samstag ein Team- und am Sonntag ein Einzelspringen stattfinden. Wo und wann im Weltcup wieder Zuschauer mit dabei sein können steht aktuell in den Sternen. Oberstdorf hofft derzeit noch, dass sie ihr Konzept mit 2.500 Zuschauer verwirklichen können. Bezüglich der Nordischen Ski-WM, der Skiflug-WM und der beiden österreichischen Tournee-Stationen gibt es aktuell keine Neuigkeiten. Die aktuellen Zahlen in Europa machen jedoch nur wenig Hoffnung.

Quelle: skijumping.pl

National Norwegischer Skiverband

Wir alle erinnern uns gut an den Raketen-Start von Daniel-André Tande in die vergangene Weltcup-Saison. Nach zahlreichen gesundheitlichen Problemen war der Skiflug-Weltmeister von 2018 in Wisla und Kuusamo nicht zu schlagen. Ob ihm ein solch grandioser Auftakt noch einmal gelingen kann? Die Form scheint zumindest schon mal zustimmen, so konnte der 26-Jährige die norwegischen Meisterschaften von der Normalschanze für sich entscheiden.

Eigentlich ist Daniel André Tande ein Mann für die ganz großen Anlagen. In typisch norwegischer Manier nutzt er seine glänzenden Flugfertigkeiten um auf den Flugschanzen dieser Welt zu triumphieren. So wie beispielsweise bei der Skifklug-WM in Oberstdorf im Jahr 2018. Dass es für Tande allerdings auf jeder Schanzengröße weit gehen kann, hat er auch im Weltcup hinlänglich bewiesen. Es ist in erster Linie eben alles eine Frage der aktuellen Verfassung, die über Sieg und Niederlage entscheidet. Gerade der begnadete Norweger ist bekannt dafür, dass bei ihm die Schwelle zwischen Podest und einem Platz im Mittelfeld extrem knapp ist. Während sich der 26-Jährige bei den Titelkämpfen von der Großschanze noch mit Rang sechs begnügen musste, zeigte er sich nun bereit für den Weltcup-Auftakt. Beim Normalschanzen-Springen vom Midtstubakken gewann er mit Sprüngen auf 103,5 und 105 Metern sowie 277,5 Punkten. Knapp dahinter (275,5 Punkten) landete Halvor Egner Granerud mit Sprüngen auf 103,5 und 105,5 Metern. Der 24-Jährige hätte das Springen sogar gewinnen können, doch Sieger Tande entschied das Springen dank der besseren Haltungsnoten für sich. Nichts desto trotz bestätigte Granerud damit seinen starken Wettkampf von der Großschanze, bei dem er ebenfalls Silber gewann. Nach der enttäuschenden schwächeren Saison scheint er sein kleines Zwischentief jedenfalls vollständig überwunden zu haben. Das Podest komplettiert Marius Lindvik, der das Springen auf der Großschanze noch souverän gewinnen konnte. Der Tournee-Zweite aus dem Vorjahr sprang 102 und 103,5 Meter, handelte sich mit einer Punktzahl von 259,6 Zählern jedoch bereits einen ordentlichen Rückstand ein. Rang vier belegte überraschend Fredrik Villumstad, der im Jahr 2020 noch bei keinem internationalen Springen im Wettkampffeld gestanden hat. Mit 255 Punkten behauptete sich dieser knapp vor Kombinierer Jarl-Magnus Riiber. Der beste Springer im Feld der Kombinierer ist auch bei den Spezialisten kein unbeschriebenes Blatt und konnte in Kuopio sogar einen COC-Sieg erringen. Dass mit Johan André Forfang ein potenzieller Weltklasse-Springer hinter Riiber landet, ist aus Sicht des Olympia-Dritten von der Normalschanze dennoch bedenklich. Nach einer durchwachsenen Vorsaison, scheint der 25-Jährige auch jetzt noch nicht so ganz in Fahrt zu kommen. Die Plätze Sieben und Acht belegten Oscar Petersen Westerheim und Bendik Jakobsen Heggli.

Bekannte Gesichter fehlen bei den Titelkämpfen: Norweger weiter mit Verletzungs-Sorgen

Dem Ergebnis ist jedoch bereits zu entnehmen, dass bei den Titelkämpfen einige prominente Gesichter passen mussten. So laboriert Robert Johansson laut Berkutschi derzeit an Rückenproblemen. Ob es sich hierbei um schwerwiegendere Probleme handelt, ist augenblicklich nicht bekannt. Bei Teamkollegen Anders Fannemel ist dies bedauerlicherweise der Fall. Der ehemalige Skiflug-Weltrekordler befürchtet aufgrund anhaltender Knieprobleme sogar ein zeitnahes Karrierenende. An dieses verschwendet der 20-Jährige Thomas Aasen Markeng definitiv noch keinen Gedanken. Bei den Titelkämpfen von der Normalschanze musste der Youngstar jedoch ebenfalls zuschauen. Berkutschi zufolge musste sich dieser kürzlich einer Operation unterziehen bei der ihm eine Schraube im Knie entfernt wurde. Jedoch soll Markeng zuversichtlich sein, bald wieder mitmischen zu dürfen.

Lundby laboriert an sogenannten „Springerknie“

Die Verletzungs-Sorgen der Norweger sind auch bei den Springerinnen allgegenwärtig. So musste Spitzenspringerin Maren Lundby nach den Titelkämpfen von der Großschanze auch in Oslo passen. Was hinter den Problemen von Lundby steckt, enthüllte nun skokipolska.pl. Demnach leide die Dominatorin der letzten Jahren an einem sogenannten „Springerknie“. Dieses kann durch die ungleichmäßige Belastung des Knies bei der Telemark-Landung entstehen. Nun arbeitet Lundby an einer Technik-Umstellung bei der Landung, die bewirken soll, dass fortan das rechte Bein mehr belastet wird. Wie kompliziert ein derart drastischer Eingriff in den natürlichen Bewegungsablauf ist, weiß auch Simon Ammann. Der viermalige Olympiasieger stellte seine Landung nach seinem schweren Sturz in Bischofshofen um, hat seine Probleme jedoch nie vollständig in den Griff bekommen. Die Norwegerin bemüht sich nun über spezielles Technik-Training Schritt für Schritt nach vorne zu kommen, um bald wieder schmerzfrei auf Weitenjagd gehen zu können. Ob die 26-Jährige beim Damen-Auftakt in Lillehammer mit dabei sein wird, ist dem Artikel nicht zu entnehmen.

Nach spannenden Zweikampf: Silje Opseth Meisterin bei den Damen

In Abwesenheit der besten Norwegerin setzte sich Silje Opseth mit Sprüngen auf 102,5 und 98,5 Meter durch. Silber sicherte sich Eirin Maria Kvandal mit 101 und 101,5 Metern. Wie auch bei den Herren gewann auch bei den Damen nicht die Springerin mit den weitesten Sprüngen, sondern die mit der besten Haltung. Trotz 9,5 Punkten weniger von den Kampfrichtern verpasste Kvandal den Sieg mit 250,3 Zählern nur um 4,2 Punkte. Rang drei ersprang die ebenfalls Weltcup-erfahrene Anna Odine Strøm. Mit Sprüngen auf 91 und 98,5 Metern und 215,4 Punkten konnte sie dem hohen Niveau der Erstplatzierten jedoch nichts entgegensetzen. Allerdings gelang es ihr die ViertplatzierteThea Minyan Bjørseth (211,4 Punkte) knapp hinter sich halten. Die restlichen Springerin hatten dagegen bereits einen Rückstand von 80 Punkten auf die Spitze, was das recht hohe Leistungsgefälle bei den norwegischen Springerinnen verdeutlicht.

Ergebnis

Quellen: berkutschi.com, skokipolska.pl

DSV Weltcup

Kein Start beim Sommer-Grand-Prix, kein Vergleich mit internationalen Springern und eine quälende Ungewissheit bezüglich der Corona-Pandemie: So wirklich wissen die DSV-Adler weder, wo sie aktuell stehen, noch wo die Reise in der neuen Saison hingeht. Die einzigen Ratgeber in dieser Zeit sind, auf sich selbst zu schauen, fokussiert zu trainieren und vor allem den Spaß am Springen nicht zu vergessen. Die heiße Phase der Vorbereitung hat längst begonnen und die Athleten warten nun sehnsüchtig darauf, dass beim Saison-Auftakt in Wisla die ersten Würfel fallen.

Besonders erwartungsfroh dürfte der frisch gekürte deutsche Meister Markus Eisenbichler auf den Auftakt warten. Der 29-Jährige möchte daran anknüpfen, wo er beim letzten Springen der Vorsaison mit Rang zwei in Lillehammer aufgehört hat. Die Chancen dafür stehen jedenfalls nicht schlecht. So dominierte der Weltmeister die nationalen Titelkämpfe klar und präsentierte sich auch in den Lehrgängen in Top-Form: „Er springt schon länger auf einem sehr gutem Niveau“, bestätigt auch Trainer Stefan Horngacher auf der Pressekonferenz im Rahmen der deutschen Meisterschaften. Von der, für alle Athleten, neuen Corona-Situation, will sich „Eisei“ nicht aus der Ruhe bringen lassen und blickt zuversichtlich in Richtung Winter. „Ich habe trotz allem gut trainieren können und diesen Umstand auch genutzt. Ich möchte meinen Sport ausüben als Skispringer, alles andere werden die Verantwortlichen schon richtig entscheiden“, so Eisenbichler. Gedanken an einen Corona-Bedingten Abbruch der Saison verschwendet der Siegsdorfer jedenfalls nicht. „Ich zerbreche mir nicht den Kopf darüber, weil ich es eh nicht ändern kann“, erklärt er. Dass bei den meisten Springen wohl keine Zuschauer dabei sein können, schmerzt dem Weltmeister von 2019 dann aber doch etwas. „Natürlich hätte ich gerne Zuschauer dabei, weil das nochmal extra pusht, aber ich werde dennoch alles geben, die Fans vor den Bildschirmen zu begeistern“, so Eisenbichler, der trotz allem den ein oder anderen emotionalen Ausbruch verspricht. „Ich jubele auch manchmal bei guten Sprüngen im Training“, verrät er schmunzelnd.

Karl Geiger mit guter Mine zum bösen Spiel: „Besser Wettkämpfe ohne Zuschauer, als gar keine Wettkämpfe“

Für Teamkollegen Karl Geiger ist das fehlen der Fans gleich doppelt bitter, zumal neben dem traditionellen Tournee-Auftakt auch die Nordische Ski-WM daheim in Oberstdorf stattfinden wird. Trotz allem zeigt er sich bemüht, das Positive aus der Situation zu ziehen. „Es ist ein merkwürdiges Gefühl, wenn keine Leute da sind, aber es ist auch eine Challenge, auf die man sich einstellen muss. Besser wir haben Wettkämpfe ohne Zuschauer als gar keine Wettkämpfe“, so der Weltcup-Zweite aus dem Vorjahr. In Hinblick auf den Weltcup-Auftakt zeigt sich der DM-Dritte zuversichtlich. „Wir haben gut trainiert und brauchen uns nicht zu verstecken. Ich schaue auf mich und hoffe beim Auftakt gut dazustehen“, so der Oberstdorfer. Vor der höhepunktreichen Saison hat Geiger in der Vorbereitung ordentlich Gas gegeben. „Ich habe versucht die Anfahrtshocke und den Absprung zu stabilisieren, damit es im Flug noch weiter geht“, erklärt der 27-Jährige. „Zudem habe ich versucht athletisch noch einmal draufzulegen“, fügt er hinzu.

Freund dank verletzungsfreier Vorbereitung wieder in der Spur? – „Bin ganz gut durchgekommen“

Im Training Gas geben, konnte auch der verletzungsgeplagte Severin Freund endlich wieder. Der Fünfte bei den Deutschen Meisterschaften sieht sich bereits wieder auf einem ordentlichen Niveau. „Ich bin ganz gut durchgekommen und stehe athletisch gut da“, zeigt er sich mit der Vorbereitung zufrieden. „Ich bin teilweise gar nicht hinter meinem Niveau von früher, auch wenn ich damals vielleicht körperlich noch mehr vertragen habe. Dafür habe ich aber an Erfahrung gewonnen, was auch an der ein oder anderen Stelle hilft“, erklärt er. Der Schritt zurück in die Weltspitze dürfte dennoch schwierig werden, da das Niveau im Skispringen fortlaufend steigt. „Es schaffen extrem viele vom Absprung schnell ins System zu finden und aerodynamisch zu fliegen. Der Sport entwickelt sich extrem in der Spitze und Breite“, so der Wahl-Münchner. „Mit der Form meiner besten Zeit würde ich heute auch gar nicht mehr ganz vorne reinspringen. So läuft eben die Entwicklung“, gibt er zu. Der Weltmeister von 2015 hat zwar seine Glanzzeiten als großartiges Kapitel in seiner Karriere abgespeichert, konzentriert sich nun jedoch voll auf das Hier und Jetzt. „Ich will mich persönlich weiterentwickeln und das Beste aus der Situation machen“, erklärt er. Ein erster Schritt könnte dabei ein Weltcup-Startplatz zum Saisonauftakt sein.

Wer darf zum Auftakt ran? – „Martin Hamann ist ein fix-Starter“

Mit Markus Eisenbichler, Karl Geiger, Andreas Wellinger, Martin Hamann, Pius Paschke, David Siegel, Richard Freitag und Constantin Schmid als Teamkollegen, ist dieser jedoch gar nicht so leicht. Neben den gesetzten Eisenbichler und Geiger, hat es Bundestrainer Stefan Horngacher vor allem Youngster Martin Hamann angetan. „Martin Hamann ist ein fix-Starter. Er hat sich den Bonus-Startplatz mit zwei Siegen im COC erkämpft und hat im Training bewiesen, dass er auch verdient hat diesen zu nutzen“, so der Bundestrainer über den DM-Zweiten. Zum Team wird trotz mäßiger deutschen Meisterschaften mit großer Wahrscheinlichkeit auch das aktuell größte deutsche Talent, Constantin Schmid, zählen. Wann dieser zur absoluten Weltspitze aufschließen kann, ist laut Horngacher nur noch eine Frage der Zeit. „Ich weiß noch nicht ob es dieses Jahr soweit ist, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass er eines Tages auch mal unser Vorflieger sein wird“, zeigt er sich überzeugt vom Potenzial seines Schützlings.

Wellinger begeistert Horngacher: „Können im Winter auf ihn zählen“

Trotz eines etwas missratenen Einzelwettkampfes bei der DM, glaubt dieser auch fest an eine erfolgreiche Rückkehr von Olympiasieger Andreas Wellinger. „Ich sehe seine Entwicklung sehr positiv. Wie er sich zurück gekämpft hat ist imponierend. Er hat im Frühling und Sommer schon sehr starke Sprünge gezeigt, ist aber jetzt etwas in einem Tief“, so Horngacher. Dies sei dem DSV-Coach zufolge jedoch „auch nicht tragisch“. „Besser so, als wenn die Kurve zu schnell nach oben geht. Man wird nämlich etwas arbeitsmüde wenn es zu schnell geht. Wir können aber im Winter auf ihn zählen und ich bin sicher, dass er, wenn er gesund bleibt, gute Platzierungen erzielen wird“, zeigt er sich zuversichtlich. Neben Wellinger hat auch Siegel nach seinem Kreuzbandriss wieder Fuß gefasst. Zwar offenbarte sowohl die DM als auch der Sommer Grand Prix in Wisla, dass der ehemalige Junioren-Weltmeister noch einen weiten Weg vor sich hat, so könnte er dennoch in absehbarer Zeit ins Team finden. Darum kämpft aktuell auch Richard Freitag, der weiterhin auf der Suche nach der Top-Form ist. Wenig Probleme offenbart dagegen Routinier Pius Paschke, der, wie man es von ihm gewohnt ist, konstant ordentliche Sprünge zeigt, die ihm bei der DM sogar Rang vier eingebracht haben. Die komplette Saison fehlen, wird dagegen Stephan Leyhe. Dem Willinger gehe es nach seiner Kreuzbandverletzung zwar sehr gut, so möchten Trainer und Athlet dennoch kein Risiko eingehen.

Horngacher lobt Team-Chemie: „Gibt keine Grabenkämpfe“

Wer beim Auftakt ran darf ist noch nicht final entschieden. Neben der DM spielen auch die Internen Wettkämpfe und die Trainingseindrücke in die Entscheidung des Trainers mit ein. Für das Team ist der harte Konkurrenzkampf jedoch kein Problem. „Es gibt keine Grabenkämpfe, die Jungs verstehen sich gut und das Match wird an der Schanze ausgetragen und auch da hält jeder für jeden die Daumen“, freut sich Horngacher über die positive Team-Chemie. Voraussetzungen, die dem ehemaligen polnischen Nationaltrainer positiv voraus blicken lassen. „Wir haben eine gute Mischung aus Etablierten und Jüngeren. Wir haben ein sehr gutes Team und wollen einen besseren Einstieg haben als im vergangenen Jahr“, zeigt er sich hochmotiviert. Bis dahin stehen nun noch einige Leergänge bevor, bei denen sich die Athleten den letzten Schliff holen wollen. Im Anschluss möchten es Eisenbichler und Co vor allem bei den Highlights Skiflug-WM, Tournee und Nordische-Ski-WM so richtig krachen lassen.

Quelle: interne Informationen

National

Zwei Springen, zwei Siege: Der japanische Skisprung-Floh Yukiya Sato hat die nationalen Titelkämpfe von der Normalschanze und der Großschanze gewonnen. Vorflieger Ryoyu Kobayashi kam überraschenderweise in keinem der beiden Springen auf das Podest. Altmeister Noriaki Kasai gelang zwar auf der Großschanze der Sprung unter die besten Zehn, wird jedoch beim Auftakt in Wisla nicht zum japanischen Team gehören.

Mit seinen Weltcup-Siegen in Nizhny-Tagil und Sapporo war der nur 1,61 Meter große Yukiya Sato eine der ganz großen Überraschungen in der letzten Saison. Lediglich mit der Konstanz hatte der 25-Jährige noch etwas zu kämpfen. Bei den japanischen Titelkämpfen gelangen ihm jedoch ausschließlich starke Sprünge. Auf der Normalschanze von Hakuba gewann Sato mit Sprüngen auf 97 und der Schanzenrekordweite 101 Meter und erzielte 255,2 Punkte. Zweiter wurde Junshiro Kobayashi mit 98,5 Meter und 100,5 Meter. So gelangen diesem zwar in Summe die weiteren Sprünge, jedoch patzte er gleich zweimal bei der Landung, weshalb er nur 247,5 Punkte sammeln konnte. Das Podest komplettierte der Routinier Daiki Ito, der mit Sprüngen auf 94,5 und 97,5 Meter insgesamt 243,5 Punkte erzielen konnte. Knapp am Podest vorbei schrammten dagegen Keiichi Sato und Yuken Iwasa. Dahinter platzierte sich der Gesamtweltcup-Sieger der Saison 2018/19 Ryoyu Kobayashi. Mit Weiten von 89 und 91,5 Meter blieb dieser ganze 34 Punkte hinter dem Sieger zurück. Ein beträchtlicher Abstand, der durchaus Sorge macht in Hinblick auf die bevorstehende Saison. Mit Rang 16 lief es auch für Skisprung-Legende Noriaki Kasai alles andere als rund. Nach einem respektablen achten Platz nach Durchgang eins, verlor der 48-Jährige leider im Finale deutlich an Boden. Überraschend war dies allerdings nicht, da Kasai vor allem im fortgeschrittenen Alter nur noch auf den ganz großen Anlagen eine Chance haben dürfte.

Yukia Sato legt auf der Großschanze nach: Ryoyu Kobayashi nur Siebter

Beinahe identisch verlief das Springen auf der Großschanze. Mit Sprüngen auf 129 und 127,5 Meter und 279,2 Punkten musste sich Sato diesmal jedoch nicht auf die Haltungsnoten verlassen. Auf den weiteren Podiumsplätzen tauschten Junshiro Kobayashi und Daiki Ito ihre Positionen. So gelang es Zweiteren mit einem ganz starken Finalsprung auf 130 Meter, seinen mäßigen ersten Durchgang vergessen zu machen. Mit 274,7 Punkten behauptete er sich um 0,8 Punkte vor den älteren Kobayashi-Bruder, der zweimal 127 Meter sprang. Die Plätze vier und fünf gingen wie schon auf der Normalschanze an Keiichi Sato und Yuken Iwasa. Als Sechstplatzierter behauptete sich Naoki Nakamura vor Ryoyu Kobayashi, der von der Großschanze sogar nur Siebter wurde. Mit Sprüngen auf 122,5 und 125 Metern hielt er diesmal allerdings immerhin den abstand auf Rang eins mit 15,5 Punkte deutlich geringer. Nichts desto trotz dürfte der Weltklasse-Springer mit dem Wochenende alles andere als zufrieden sein. Gleiches gilt auch für Noriaki Kasai. Mit Rang neun schnitt dieser zwar besser ab als auf der Normalschanze, so konnte er sich dennoch nicht für das Weltcup-Team qualifizieren. Dieses wird vorerst, Daiki Itô Daiki, Naoiki Nakamura, Junshiro Kobayashi, Ryoyou Kobayashi, Keiichi Satô und Yukiya Sato bilden. Damit bleibt auch abzuwarten, ob sich der Skiflug-Spezialist noch für die WM in Planica empfehlen kann.

Sara Takanashi behauptet sich im Duell mit Yukia Ito

Bei den Damen-Wettkämpfen hatte erwartungsgemäß Sara Takanashi die Nase vorne. Die Weltcup-Rekordsiegerin setzte sich mit Sprüngen auf 94,5 und 93 Metern und 231,5 Punkten vor Yuki Ito durch. Die etatmäßige Nummer zwei im japanischen Team sprang mit 92,5 und 93 Meter jedoch immerhin auf Augenhöhe mit Takanashi, wenngleich am Ende fünf Punkte zum Sieg fehlten. Den dritten Platz sicherte sich Jun Maruyama, die sich mit Sprüngen auf 87,5 und 91 Metern jedoch bereits einen beträchtlichen Rückstand auf die Spitze einhandelte. Auf den vierten Platz landete Yuka Kobayashi. Die Schwester der Kobayashi-Brüder Ryoyu und Junhiro erzielte im zweiten Durchgang bei starken Aufwind sogar die Final-Bestweite. Insgesamt erzielte sie 187 Punkte. Da bei den Damen kein Meisterschaftsspringen von der Großschanze ausgetragen wurde, gingen Takanashi und Co im Rahmen eines Japan-Pokalspringens von der HS131-Schanze. Dabei gewann die Favoritin mit Sprüngen auf 122,5 und 126 Punkten hauchdünn vor Yukia Ito. Dritte wurde erneut Jun Maruyama.

Swiss Ski

Irgendwie schienen die Schweizer Meisterschaften in diesem Jahr unter einen schlechten Stern zu stehen. Nachdem die beiden Springer Kilian Peier und Andreas Schuler positiv auf Covid-19 getestet wurden, mussten diese ohnehin schon zwei Wochen später als geplant stattfinden. Doch gerade für den besten Schweizer der letzten Jahre, Kilian Peier, wollte die Pechsträhne nicht abreißen. Der Sieg von Gregor Deschwanden trat damit fast schon in den Hintergrund.

Alles war angerichtet für ein Duell Kilian Peier gegen Simon Amann auf der, aus dem Sommer-Grand-Prix bekannten Anlage in Einsiedeln. Doch bereits nach dem ersten Durchgang war alles anders. So führte überraschenderweise Gregor Deschwanden mit einem Satz auf 116 Meter. Zwar sprang Kilian Peier einen halben Meter weiter, kam bei der Landung jedoch hart zu Fall und musste zum Schock aller aufgrund einer Knieverletzung die Reise ins Krankenhaus antreten. Nach Abschluss des ersten Durchganges hatten Amann und Dominik Peter mit 110,5 Metern bereits einen bertächtlichen Rückstand auf den überraschend stark springenden Deschwanden. Mit 109 Meter im zweiten Durchgang ließ dieser sich den Titel nicht nehmen und setzte sich mit 289 Punkten klar vor seinen Konkurrenten durch. Den Kampf um Silber gewann der erst 19-Jährige Peter mit 0,5 Punkten Abstand vor dem 20 Jahre älteren Vierfach-Olympiasieger. Beide erzielten mit 106,5 Meter auch im Finale die gleiche Weite und erzielten insgesamt 273,5 und 273 Punkte. Der Silbermedaillengewinner sicherte sich damit auch den Junioren-Titel. Die Ränge vier und fünf belegten Sandro Hauswirth (259,5 Punkte) und Lars Kindlimann (229,8 Punkte). Auf den folgenden Plätzen rangieren zwei Springer aus der Juniorenwertung. So sicherte sich Olan Lacroix mit 106,5 und 94,5 Meter den Silber-Rang, während Yannick Wasser Bronze gewann.

Zudem trugen auch die Schweizer Damen, die im Weltcup aktuell keine Rolle spielen ihre Titelkämpfe auf der kleineren HS77-Schanze aus. Diesen gewann die 15-jährige Sina Arnet mit 70 m und 74.5 m und 245.5 Punkten vor Emely Torazza (68 m und 70 m; 230.2 Punkte) und Rea Kindlimann (63.5 m und 66 m; 215.0 Punkte).

Nach den Titelkämpfen folgte der Schock: Kilian Peier fällt für die ganze Saison aus

Trotz aller Meister-Freuden waren die Gedanken aller mit Sicherheit auch beim gestürzten Kilian Peier, bei dem schnell der Verdacht auf einen Kreuzbandriss die Runde machen. Laut der Facebook-Seite Equipe West hat sich der schlimme Verdacht nun bestätigt. Somit müssen die Schweizer im angehenden Winter auf ihren vermutlich besten Athleten verzichten. Nach den vielen Verletzungen im Vorjahr, hat sich die traurige Serie der Knieverletzungen nun auch mit den schmäleren Keilen fortgesetzt. So kann man Risiken zwar minimieren, aber niemals ganz ausschließen. Wir wünschen Kilian Peier, dass er auch diese Hürde in seiner Laufbahn übersteht und mit voller Kraft in die Olympia-Saison 2021/22 starten kann.

Ergebnis Herren

Ergebnis Damen

DSV National

Oberstdorf und Markus Eisenbichler: Eine Kombination die einfach perfekt zusammenpasst. Bei den Deutschen Meisterschaften gewann der Siegsdorfer souverän vor Martin Hamann und Lokalmatador Karl Geiger. Das Flug-Genie feierte damit seinen allerersten Erfolg bei nationalen Titelkämpfen und zeigt, dass mit ihm wieder zu rechnen ist.

Zwei Sprünge, zwei Paukenschläge – Markus Eisenbichler ist wieder in absoluter Top-Form. Der 29-Jährige landete mit Sprüngen auf 140,5 und 139 Meter in beiden Versuchen über Hillsize. Mit 300,2 Punkten verwies er die nationale Konkurrenz, trotz leichter Schwächen bei der Landung, klar in die Schranken. Nach seinem ersten DM-Titel zeigte sich der Favorit erleichtert. „Ich bin schon öfter gut gesprungen im Vorfeld und habe es dann vermasselt. Ich wollte auch endlich mal zu dem Kreis der Titelträger gehören und es hat mich schon genervt, dass ich es in den letzten Jahren nicht wurde“, so der Titelträger. Überflieger Eisenbichler setzte damit auch gleich mal einen Fingerzeig in Richtung internationaler Konkurrenz. In dieser Form könnte es durchaus schwierig werden, den Flug-Künstler bei der WM auf seiner Lieblings-Flugschanze in Planica zu schlagen. Rang zwei belegte Martin Hamann mit knapp 20 Punkten Rückstand auf den Sieger. Der 23-Jährige von der SG Nickelhütte Aue erzielte mit Sprüngen auf 135,5 und 129,5 Meter insgesamt 282,4 Punkte. Was im ersten Moment nach einer Überraschung klingt, hatte sich im Sommer bereits angedeutet. So gewann Hamann zwei Continental-Cup-Springen in Wisla und präsentierte sich auch im Training so stark wie noch nie. Das Podest komplettierte Karl Geiger, der bei der letzten Tournee als zweitplatzierter endlich Frieden mit seiner Heimschanze schließen konnte. Trotz zwei konstanter Sprünge auf 130 und 130,5 fiel der Rückstand auf Eisenbichler mit 274,7 Punkten jedoch schon recht deutlich aus. So gibt es für den letztjährigen Zweiten im Gesamtweltcup noch einiges zu tun, um wieder ganz vorne angreifen zu können.

Knapp am Podest vorbei schrammte dagegen Routinier Pius Paschke. Mit 129,5 Meter und 128,5 Meter zeigte er dennoch wieder seine Verlässlichkeit und hat gute Chancen seinen zuletzt sicheren Weltcup-Startplatz zu behalten. Mit Rang fünf in der Endabrechnung, hat sich auch der Wahl-Münchner Severin Freund zurückgemeldet und seine Ansprüche auf einen Start beim Weltcup-Auftakt untermauert. Wenngleich er zugab, dass ihm nach den schweren Verletzungen nicht aller harten Einheiten so leicht fallen wie früher, zeigte sich Freund zuversichtlich: „Ich bin richtig gut durchgekommen und vom athletischen Niveau voll da“, so der 32-Jährige. Der ehemalige Weltcup-Gesamtsieger behauptete sich mit Sprüngen auf 129,5 und 124 Meter knapp vor Moritz Bär.

Freitag solider Siebter – Rückkehrer Wellinger und Siegel fallen im Finale zurück

Mit Spannung wurde auch der Auftritt von Richard Freitag erwartet. Nach einer völlig enttäuschenden letzten Saison gelangen dem Sachsen zumindest zwei gleichmäßige Sprünge und ein solider siebter Platz. Ein wenig enttäuscht dürfte dagegen Youngstar Constantin Schmid sein, der mit 118,5 und 124,5 Meter nur Achter wurde. Die Top-10 komplettierten Phillipp Raimund und Felix Hoffmann.

Nach langer Verletzungspause lief es für David Siegel und Andreas Wellinger noch nicht wie gewünscht. Während sich David Siegel mit 131 Meter in Durchgang eins noch eine aussichtsreiche Ausgangsposition sichern konnte, fiel er mit nur 113,5 Meter im Finale noch auf Rang 11 zurück. Noch schlechter lief es für den Olympiasieger von 2018. Nach einigermaßen soliden 123,5 Meter im ersten Versuch, landete Wellinger in Durchgang zwei bereits bei 116 Meter. Beide dürften damit Schwierigkeiten haben, beim Weltcup-Auftakt in Wisla mit von der Partie zu sein. Allerdings wären sie längst nicht die ersten Springer, denen nach einem Kreuzbandriss nicht so schnell der Anschluss gelingt. In diesem Fall ist wohl allem voran Geduld gefragt.

Quelle: DSV, interne Informationen

National Slowenischer Skiverband

Der neue Meister in Slowenien heißt wieder einmal Timi Zajc. Nachdem der 20-Jährige bereits in den Jahren 2017, 2018 und 2019 nationale Titelgewinne feiern durfte, setzte er seine beeindruckende Serie auf der Normalschanze von Kranj fort. Einiges an Arbeit wartet dagegen noch auf die Prevc-Brüder, die mit den Podestplätzen wenig zu tun hatten.

„Je größer die Schanze, desto besser Timi Zajc“: Eine These, die man in der Vergangenheit durchaus aufstellen konnte. In der vergangenen Saison erlebte Timi Zajc ein Wechselbad der Gefühle. Vor allem um den Jahreswechsel mochte beim Youngstar so gar nichts gelingen. Nach Platz 23 bei der Tournee und den Rängen 29 und 33 auf der Normalschanze von Predazzo, mussten erst die ganz großen Bakken kommen, um den slowenischen Flugkünstler wieder in Form zu bringen. So meldete er sich mit zwei Podestplätzen am Kulm und Rang drei in Titisee-Neustadt eindrucksvoll in der Weltspitze zurück. Zajc ist ein typischer slowenischer Flieger, der sich nach dem Absprung ohne Angst nach vorne stürzt und mit viel Geschwindigkeit den Hang hinuntergleitet. Demzufolge gelang ihm auch sein einziger Weltcupsieg in Oberstdorf auf der Heini-Klopfer-Flugschanze. Umso erfreulicher für den Gesamt-14. des Vorjahres, dass es aktuell auch von der Normalschanze funktioniert. So sicherte er sich den Meistertitel mit 286,4 Punkte. Den Grundstein legte er in Durchgang eins, als er die Konkurrenz mit 108 Meter bereits um sieben Punkte distanzierte. Ein solider Versuch auf 105 Meter reichte am Ende, um Platz eins sicher zu verteidigen. „Ich bin ein wenig überrascht, ich hätte nicht gedacht, dass ich heute mit den Besten mithalten kann. Meine Sprünge sind noch nicht perfekt, ich habe immer noch viele Reserven“, wird der 20-jährige auf der Internetseite des slowenischen Skiverbandes zitiert. Zweiter wurde der 27-Jährige Rok Justin mit zwei gleichmäßigen Sprüngen auf 104 und 104,5 Metern und 277,8 Punkten. Durchaus eine Überraschung, zumal Justin in seiner Karriere erst viermal unter die Top-20 im Weltcup kam. Im Gegensatz zu den meisten Landsleuten, ist der Sprungstil des Silber-Medaillen-Gewinner mehr auf Höhe als auf Geschwindigkeit ausgerichtet. Demzufolge waren seine besten Platzierungen (18. in Predazzo und 16. in Rasnov) ebenfalls von der Normalschanze. Das Podest komplettierte der 22-jährige Boar Pavlovcic mit 273,6 Punkten. Ihm gelang im zweiten Durchgang mit 110 Metern auch der weiteste Satz des Tages. Wie Justin, kam Pavlovcic im Weltcup bislang nicht über einen 16. Platz hinaus. Der Sommer hat allerdings auch immer ein wenig seine eigenen Gesetze. Mit Ziga Jelar (4.) und Anze Lanisek (5.) verpassten zwei Springer, die sich im Vorjahr in der erweiterten Weltspitze etablieren konnten, das Podest knapp. Auf Rang sechs landete Sommer-Grand-Prix-Neuentdeckung Jan Bombek. Der 19.-Jährige machte in Wisla mit Rang 15 auf sich aufmerksam.

Prevc-Trio noch nicht in Form

Nachholbedarf haben dagegen die drei Prevc-Brüder. Peter Prevc konnte sich als Achter zwar immerhin in den Top-10 halten, sprang aber seiner Form vom Winter weit hinterher. Dieser hatte sich noch beim aller letzten Wettkampf der Saison in Lillehammer mit einen Sieg eindrucksvoll zurückgemeldet. Bruder Cene verpasste die Top-10 als Elfter knapp, nachdem er im ersten Durchgang mit 94 Meter nur auf Platz 18. rangierte. Noch schlechter lief es für den jüngsten im Bunde. Flug-Spezialist Domen Prevc bewies einmal mehr seine Antipathie für Normalschanzen und landete nur auf Rang 24. Allerdings fiel der 21-Jährige zuletzt auch wegen einer Handverletzung aus.

Favoritensieg bei den Damen: Ema Klinec fliegt souverän zum slowenischen Meistertitel

Bei den Damen holte sich Ema Klinec erwartungsgemäß den Meistertitel. Die 22-Jährige distanzierte ihre Konkurrentin mit Sprüngen auf 110.5 und 106 Metern sowie 292,1 Punkten deutlich. Damit deutete die Weltcup-Achte aus dem Vorjahr an, dass sie den Spitzenspringerinnen um Lundby, Hölzl oder Takanashi in der neuen Saison ordentlich auf die Pelle rücken könnte.  Das Podium komplettierten Ursa Bogataj (108.5 m und 100.5 m; 265.9 Punkte) und Nika Kriznar (97.5 m und 104 m; 249.2 Punkte). Auf Rang vier verpasste die erst 19-jährige Jerneja Bercl das Podium mit 244,9 Punkten knapp. Fünfte wurde ehemalige Oberstdorf-Siegerin Spela Rogej. Insgesamt waren 20 Springerinnen am Start, was zeigt, dass die Sloweninnen durchaus breit aufgestellt sind. Zum Vergleich: Bei den norwegischen Titelkämpfen waren nur neun Springerinnen am Start.

Jugendmeisterschaften in Ljubona: Nika Prevc tritt in die Fußstapfen ihrer Brüder

In Ljubona wurden nun auch die größten slowenischen Talente der U20 und U18 gesucht. Von der HS-95 Schanze gewann Favorit Jan Bombek (266 Punkte), der auch durchaus Chancen haben dürfte, beim Weltcup-Auftakt dabei zu sein. Der 19-Jährige kam auf Weiten von 95,5 und 91 Meter und verwies Zak Mogl mit 22 Punkten Vorsprung auf Platz zwei. Dieser konnte in der Vergangenheit lediglich beim COC kämpfen und dürfte vorerst keine CHance auf das Weltcup-Team haben. Jenej Presecnik komplettierte das Podium mit 235,5 Punkten als Drittplatzierter. In der U18-Wertung siegte Maksim Bartolj knapp vor Gorazd Zavrsnik und Uros Vrbek. Bei den U20 Damen gewann Jerneja Brecl, die bereits bei den Erwachsenen-Titelkämpfen mit Rang vier das Podest verpasste, vor Katra Komar und Nika Prevc. Die 19-Jährige setzte sich mit Sprüngen auf 89,5 und 88 Metern souverän durch. In der U18 triumphierte dagegen Nika Prevc, die bereits Achte bei den Damen und Dritte in der U20 wurde. Die jüngere Schwester von Peter, Cene und Domen setzte sich mit 240 Punkten deutlich vor Nika Vetrih und Jerica Jesenko durch. Die Tatsache, dass Nika Prevc gerade einmal 15 Jahre alt ist, beweist, dass sie eindeutig das Talent ihrer Brüder besitzt und wohl schon bald auch den Weltcup aufmischen könnte.

Ergebnis Herren

Ergebnis Damen

Ergebnis Junioren U20

Ergebnis Junioren U18

Ergebnis Juniorinnen U20

Ergebnis Juniorinnen U18

Quelle: Berkutschi