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Foto: Tadeusz Mieczyński / Skijumping.pl
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2020/21 – den Start in den vergangenen Winter hatten sich die ÖSV-Adler wahrlich anders vorgestellt. Durch unzählige Erfolgen im Weltcup, bei Weltmeisterschaften und natürlich bei der Vierschanzentournee präsentierten sich die Österreicher in der jüngeren Geschichte als herausragende Skisprungnation. Mit dem Gesamtweltcupsieg von Stefan Kraft im Gepäck startete man mit hochgesteckten Zielen in den Winter. Doch dann wirbelte nicht nur die Corona-Pandemie einiges durcheinander. Bei den Frauen verpasste Marita Kramer aufgrund unglücklicher Umstände nur knapp die Trophäe für den Gesamtweltcup. Wohin geht die Reise in dieser Saison?

Nicht einmal zwei Wochen war die Saison alt, und schon war fast die komplette Mannschaft außer Gefecht gesetzt: Das Corona-Virus schlug im Team der Österreicher gnadenlos zu. Und kurze Zeit später folgte bereits der nächste Rückschlag: Stefan Kraft, gerade von seiner Infektion genesen, litt unter Rückenschmerzen und musste vorzeitig die Heimreise von der Skiflug-Weltmeisterschaft in Planica antreten. Diese plagten ihn auch im weiteren Verlauf der Saison, und doch gelang es ihm gemeinsam mit seinen Mannschaftskollegen, bei der Weltmeisterschaft in Oberstdorf ein Ausrufezeichen zu setzen: Goldmedaille im Einzelspringen von der Großschanze, Silber im Team und Bronze im Mixed-Team. Im Gesamtweltcup hingegen war die Saison schon früh gelaufen. Daniel Huber landete auf Platz 12, Stefan Kraft wurde 17. und Michael Hayböck reihte sich unmittelbar hinter seinem Zimmerkollegen ein.

Hayböck fällt nach Bandscheibenvorfall aus

Für Letzteren beginnt der Winter zunächst in der Rolle als Zuschauer vor dem Fernseher: Der 30-Jährige musste sich Anfang Oktober einer Bandscheiben-Operation unterziehen. Daher stehen für ihn nun erst einmal Physiotherapie und auch schon wieder leichtes Rumpftraining auf dem Programm, wie er in seinem Blog berichtet. Bis zur Rückkehr auf die Schanze und in den Weltcup ist also Geduld gefragt.

Und auch Stefan Kraft bleibt erneut nicht von Blessuren verschont, nach Problemen am Sprunggelenk gab er jedoch gegenüber der Kronen Zeitung Entwarnung: „Ich hatte Glück im Unglück. Es war wohl nur überdehnt, vielleicht eingerissen, hat der Physio gemeint“. Neben Kraft gehen beim Weltcup-Auftakt in Nizhny Tagil sechs weitere Sportler an den Start. Etwa Jan Hörl, der zuletzt mit zwei zweiten Plätzen beim Sommer-Grand-Prix in Wisla aufzeigte. Manuel Fettner ersprang den siebten Startplatz durch starke Leistungen im Continentalcup im Sommer und kehrt somit wieder in das Weltcupteam zurück. Und Daniel Huber kürte sich vor einem Monat zum Doppel-Staatsmeister auf der Normal- und Großschanze. „Der Kurs für den Winter stimmt“, so der 28-Jährige nach dem erfolgreichen Wochenende. Das Team wird komplettiert von Markus Schiffner, Philipp Aschenwald und dem 19-jährigen Daniel Tschofenig, der bei den Wettkämpfen in Russland erst zum dritten Mal im Weltcup dabei sein wird.

Rücktritt eines ganz Großen und Comeback eines Tourneesiegers

Die Saison 2021/22 ist auch die erste Saison nach der Ära Gregor Schlierenzauer. Im Sommer gab der Rekord-Weltcupsieger nach einer im Winter erlittenen Knieverletzung und anschließenden Verletzungspause seinen Rücktritt vom Leistungssport bekannt. Immer wieder hatte er versucht, sein System zu optimieren, die Leichtigkeit auf der Schanze wiederzufinden, auch Dinge anders zu machen. Letztlich konnte er jedoch nicht mehr an seine früheren Erfolge anknüpfen. Dennoch hinterlässt er auch im aktuellen Team eine Lücke – auch, weil sich die Aufmerksamkeit nun noch stärker auf die anderen Akteure richten wird. Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich das Team im Laufe der Saison formieren wird. Auch im Hinblick auf den Nachwuchsbereich: Die Dominanz der Österreicher in den meisten Wettbewerben im FIS-Cup und Alpencup ist überwältigend. Die teaminterne Konkurrenz ist so groß, dass es nahezu unmöglich ist, die größten Zukunftshoffnungen namentlich hervorzuheben. Denn trotz aller Erfolge ist klar: Der Weg in den Weltcup ist lang, Senkrechtstarter und Jungspunde wie einst Schlierenzauer gibt es heutzutage kaum noch.

Auch ein alter Bekannter hat durchaus Ambitionen, wieder auf dem höchsten Level mitzuspringen: Thomas Diethart, dessen überraschender Vierschanzentournee-Coup nun schon acht Jahre zurückliegt, ist zurück und stellt sich erneut der Herausforderung. Nach mehreren schweren Stürzen hatte er seine Karriere im Frühjahr 2018 beendet und war in der vergangenen Saison als Nachwuchstrainer im Deutschen Skiverband aktiv. Doch diese Aufgabe füllte den 29-Jährigen nicht aus, ihn zog es wieder als aktiven Springer auf die Schanze. Im Sommer meldete er sich mit einem Sieg im FIS-Cup bereits eindrucksvoll zurück. Ob er schon bald auch sein Comeback im Weltcup feiern wird?

Marita Kramer nimmt Gesamtweltcup in den Blick

Die Frauen, die Team-Weltmeisterinnen von Oberstdorf, starten eine Woche nach den Männern in ihre Weltcupsaison. Angeführt wird das Team von Marita Kramer. Die erst 20-Jährige startete im Winter voll durch. Sieben Weltcupsiege konnte die Salzburgerin, die auch die niederländische Staatsbürgerschaft besitzt, für sich verbuchen. Und dennoch verpasste sie den Gesamtweltcupsieg um gerade einmal 12 Punkte – aufgrund eines positiven Coronatests, dem zwar mehrere negative vorausgingen und folgten, konnte sie am Weltcup-Wochenende in Rumänien nicht an den Start gehen. Auch bei der Weltmeisterschaft war ihr das Glück nicht hold: Im Einzelwettkampf sprang sie zunächst zwar Schanzenrekord, fiel im zweiten Durchgang bei verkürztem Anlauf, verschlechterten Windbedingungen und wackeliger Landung aber auf Platz vier zurück.

„Natürlich war es in diesen Momenten zäh, aber ich habe sehr viel daraus gelernt“, so Kramer im Interview mit Der Standard. „Man kann sich noch so gut fühlen und ist dennoch auf ein gewisses Maß an Glück angewiesen. Und man muss performen, was man draufhat. Ich habe Dinge erlebt, die manche nicht in zehn Jahren erleben, trotzdem habe ich nie aufgegeben und hätte fast noch den Gesamtweltcup gewonnen“. Diese positive und ausgeglichene Einstellung wird ihr auch in der nun anstehenden Saison zu Erfolgen verhelfen. Zuletzt deutete sie mit dem Sieg beim Sommer-Grand-Prix-Finale in Klingenthal an, dass sie es der Konkurrenz schwermachen wird. Ganz sicher wird sie den nächsten Angriff auf den Gesamtweltcup starten – und Olympia-Medaillen werden in dieser Saison ja auch noch verteilt.

Anknüpfen an diese Leistungen möchte auch Daniela Iraschko-Stolz. Die mittlerweile 37-Jährige muss jedoch noch etwas Trainingsrückstand aus dem Sommer kompensieren: Anfang September wurde bei ihr nach einer Knorpelabsplitterung eine OP am linken Knie durchgeführt. Nach den Staatsmeisterschaften zeigte sie sich aber schon wieder optimistisch im Hinblick auf den Winter: „Meine Sprünge waren noch nicht so bombastisch, aber die Richtung stimmt“. Iraschko-Stolz ist ohnehin der Inbegriff für Konstanz. Seit vielen Jahren gelingt es ihr, auf einem hohen Niveau zu springen und ihre Leistung abzurufen. Ganz bestimmt auch wieder in diesem Winter.

Bei den Sommerwettbewerben hat auch Eva Pinkelnig erneut vielversprechende Sprünge gezeigt und ist im Winter für Topplatzierungen gut. Kaum einzuschätzen hingegen ist der Stand von Jacqueline Seifriedsberger, die um einen Platz im Weltcupteam kämpft. Im März 2020 zog sie sich einen Kreuzbandriss zu, wieder zurück im Training folgte dann zu Beginn des Jahres ein Meniskusriss. Mittlerweile ist auch bei den Frauen die Konkurrenz um Startplätze groß: Mit Chiara Kreuzer (geb. Hölzl, heiratete im Sommer ihren Freund Philipp), Lisa Eder und Sophie Sorschag bringt Österreich einmal mehr ein aussichtsreiches Team an den Start. Und mit Springerinnen wie Hannah Wiegele klopfen bereits die nächsten Talente an.

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