Weltcup Weltcup Herren

Andreas Wellinger und Pius Paschke haben den ersten Super-Team Wettbewerb in diesem Weltcupwinter für sich entschieden und der deutschen Mannschaft in Titisee-Neustadt einen Heimsieg beschert. Nach drei Durchgängen erzielte das DSV-Duo insgesamt 873,3 Punkte und verwies damit die Österreicher (Daniel Tschofenig/Jan Hörl; 850,0 Punkte) sowie die Norweger (Halvor Egner Granerud/Kristoffer Erikson Sundal; 829,2 Punkte) auf die Ränge zwei und drei.

„Es war ein sehr schöner Wettbewerb. Die Schanze war mega gut präpariert und ich habe selten in Titisee-Neustadt eine Konkurrenz erlebt, die von den Windbedingungen so fair war, wie diese. Es ist sonst oftmals sehr wechselhaft, aber heute war es wirklich ein Traum hier zu springen. Wir haben auf einem richtig guten Niveau agiert und sechs tolle Sprünge gezeigt. Wenn man dann am Ende ganz oben stehen darf, ist es umso schöner“, resümierte Paschke, den sein gelbes Trikot als Gesamtweltcupführender weiterhin zu beflügeln scheint. „Es könnte sogar sehr gut möglich sein, dass es mein erstes Podium überhaupt auf deutschem Boden war. Das muss ich mir nochmal genau ansehen, aber von dem her, umso schöner“, so der 34-Jährige weiter.

Wellinger und Paschke traten beim Super-Team Wettbewerb von Beginn an dominant auf und sammelten in allen sechs Sprüngen jeweils die meisten Punkte aller Nationen. Den souveränen Auftritt des deutschen Duos würdigten auch die zweitplatzierten Österreicher. „Wir haben ganz gut in den Wettkampf hineingefunden, aber die Deutschen waren heute einfach unschlagbar. Da müssen wir schauen, wie wir sie bei den nächsten Wettbewerben wieder ein bisschen mehr ärgern können. Dafür Hut ab, aber wir können mit dem zweiten Platz auch sehr gut leben“, bilanzierte Hörl, der gemeinsam mit Wisla-Sieger Tschofenig das „Super-Team“ Österreichs bildete.

Stefan Kraft wurde nicht nominiert, weshalb für ihn und viele weitere Athleten der Arbeitstag nach zwei Probedurchgängen vorzeitig endete. „Es ist immer eine schwierige Entscheidung für uns als Trainer und auch eine Art „Luxusproblem“. Genauso wie die Reduzierung auf fünf Startplätze im Weltcup, die uns bei der Breite an guten Leuten auch nicht entgegenkommt. Aber wir müssen damit umgehen, lieber so als anders“, führt ÖSV-Trainer Andreas Widhölzl hierzu aus.

Zufriedenheit herrschte dahinter auch bei den drittplatzierten Norwegern. „Im Ergebnis zeigt sich, wo wir momentan wirklich stehen. Gegenüber den Deutschen und den Österreichern sind wir aktuell im Hintertreffen, können aber dennoch mit unseren gezeigten Sprüngen zufrieden sein. Wir werden weiter hart daran arbeiten, um bei den nächsten Wettkämpfen noch näher an die beiden derzeitigen Top-Nationen heranzukommen“, bilanziert Halvor Egner Granerud.

Killian Peier und Gregor Deschwanden sicherten den Schweizern dahinter einen überraschend starken vierten Platz (807,6 Punkte) vor den beiden Japanern Ryoyu Kobayashi und Ren Nikaido (794,7 Punkte). „Mit dem heutigen Tag bin ich ehrlich gesagt nicht zufrieden, aber der letzte Sprung war mein bislang bester Versuch hier in Titisee-Neustadt. Das gibt mir Selbstvertrauen für die Einzelwettbewerbe morgen und übermorgen“, so Nikaido.

Ebenfalls im finalen dritten Durchgang der besten acht Nationen vertreten, waren die Polen (Aleksander Zniszczol/ Pawel Wasek; 791,5 Punkte), Slowenen (Timi Zajc/Anze Lanisek; 783,1 Punkte) und US-Amerikaner (Erik Belshaw/Tate Frantz; 723,8 Punkte), die sich auf den Rängen sechs bis acht einreihten. „Wir können mit dem Ergebnis natürlich noch nicht zufrieden sein, jedoch waren die Sprünge von Aleksander (Zniszczol) und Pawel (Wasek) schon recht gut. Generell war das Niveau dieses Wettkampfes aber unglaublich hoch. Meiner Meinung nach haben wir eine so hochklassige Konkurrenz wie heute bei einem Super-Team Wettbewerb noch nie zuvor erlebt. Mich haben vor allem die Schweizer sehr überrascht, speziell Killian Peier, der sich extrem verbessert gezeigt hat“, erklärt der polnische Cheftrainer Thomas Thurnbichler.

Für Finnland, die Türkei, Kasachstan und die Ukraine war der Wettbewerb nach zwei Durchgängen beendet. Die Franzosen verpassten bereits nach der ersten Runde die Qualifikation für die Top-12 Nationen und wurden am Ende 13.

Leyhe zeigt starken Trainingssprung – restliches deutsches Team noch mit Reserven

Während Paschke und Wellinger auf ganzer Linie überzeugen konnten, lief es bei den anderen fünf deutschen Athleten am ersten Tag in Titisee-Neustadt noch nicht komplett rund. Einzig Stephan Leyhe gelang es im ersten Training sein Potential unter Beweis zu stellen. Mit einer Weite von 138 Metern reihte er sich hier auf einer starken vierten Position ein. Im zweiten Probesprung platzierte er sich auf Rang 18 (133 Meter).

Für Markus Eisenbichler begann der Tag mit einer Weite von 127,5 Metern und Rang 33. Der Trend scheint bei ihm jedoch in die richtige Richtung zu gehen. So beendete er das zweite Training bereits auf Position 15 (134 Meter).

Karl Geiger sprang zum Auftakt auf 126 Meter und Rang 26. Im zweiten Durchgang gelang ihm ein kleiner Schritt nach vorne auf 130 Meter und Platz 23. „Es war ein ordentliches Training, auch wenn es noch nicht ganz auf dem Niveau gewesen ist, auf dem ich gerne wäre. Wichtig war jedoch heute auf der Schanze gut reinzukommen und den Rhythmus aufzunehmen. Das hat funktioniert“, so der Oberstdorfer anschließend.

Philipp Raimund startete mit einem Sprung von 130 Meter und Rang 26. Im zweiten Probesprung landete er bei 126,5 Metern und auf Position 34.

Nachwuchshoffnung Adrian Tittel fand sich nach einer Weite von 125,5 Metern im ersten Trainingssprung auf Rang 40 wieder, im zweiten Versuch steigerte er sich auf 127 Meter und Platz 36. „Dafür, dass es meine ersten beiden Sprünge überhaupt auf der Schanze in Titisee-Neustadt waren, ist es ganz ok gelaufen. Ich habe gut hineingefunden“, erklärte er später am Mikrofon.

Am morgigen Samstag findet der nächste Einzelwettbewerb der Herren statt. Los geht es um 16:00 Uhr. Zuvor beginnt um 14:30 Uhr die Qualifikation. Insgesamt sind 58 Athleten in Titisee-Neustadt am Start, die besten 50 Springer dürfen im ersten Wertungsdurchgang antreten.

Weltcup Weltcup Herren

Wo wird gesprungen?

Die Wettbewerbe in Titisee-Neustadt werden auf der Hochfirstschanze ausgetragen, welche nach dem Berg „Hochfirst“ benannt ist. Es ist die größte Naturschanze Deutschlands. Der Austragungsort Titisee-Neustadt befindet sich im Hochschwarzwald in Baden-Württemberg, unweit von der Schweiz. Die Gemeinde besteht aus den Ortsteilen Titisee und Neustadt, wobei Titisee mit seinem gleichnamigen See einem wahren Tourismusmagneten gleicht. Die Schanze gehört geografisch gesehen zum Ortsteil Neustadt. In diesem Jahr ist der Weltcup in Neustadt die vierte Station im Kalender der Herren.

Die Schanzendetails der Hochfirstschanze im Überblick:

Hillsize:142 m
K-Punkt:125 m
Schanzenrekord:148 m (Domen Prevc, 11.03.16)
Baujahr:1950 (letzter Umbau: 2003)
Zuschauerkapazität:25.000

Programm:

Freitag, 13.12.24
13:15 Uhr – Offizielles Training
15:45 Uhr – Super Team (ZDF, Eurosport)

Samstag, 14.12.24
14:30 Uhr – Qualifikation
16:00 Uhr – Einzelwettbewerb (ZDF, Eurosport)

Sonntag, 15.12.24
14:30 Uhr – Probedurchgang
16:00 Uhr – Einzelwettbewerb (ZDF, Eurosport)

Weltcup Weltcup Herren

Daniel Tschofenig hat sich im polnischen Wisla seinen ersten Weltcupsieg überhaupt gesichert. Der 22-jährige Österreicher sammelte mit Sprüngen auf 132 Metern sowie der Tagesbestweite von 135,5 Metern insgesamt 276,8 Punkte und setzte sich knapp vor dem Schweizer Gregor Deschwanden (275,4 Punkte) durch. Pius Paschke (273,9 Punkte) sicherte sich mit dem dritten Rang einen weiteren Podiumsplatz und verteidigte das Gelbe Trikot.

Es war ein Erfolg, der sich gewissermaßen angedeutet hat: denn bereits in der gestrigen Qualifikation ließ Daniel Tschofenig die gesamte Konkurrenz hinter sich. Im ersten Einzelwettkampf des Wochenendes bestätigte er dann erneut seine starke Form und führte das Feld mit einer Weite von 132 Metern schon nach dem ersten Wertungsdurchgang an. Im zweiten Durchgang behielt Tschofenig die Nerven und parierte souverän den Angriff des Schweizers Gregor Deschwanden. Schlussendlich trennten die beiden stärksten Athleten des heutigen Tages im Endklassement gerade einmal 1,4 Punkte. Deschwanden verfehlte damit seinen ersten Karrieresieg nur hauchdünn, verzeichnete jedoch sein bislang bestes Saisonergebnis.

Grund zur Freude hatte einmal mehr auch die deutsche Mannschaft. Pius Paschke setzte seinen derzeitigen Höhenflug in Wisla weiter fort und belegte den dritten Platz. Nach dem ersten Durchgang hatte der Weltcupführende noch an der zweiten Position gelegen, jedoch musste er nach dem zweiten Versuch Deschwanden noch vorbeiziehen lassen. Das Gelbe Trikot des Spitzenreiters verteidigte Paschke souverän, da sich seine bislang ärgsten Verfolger Stefan Kraft (Platz 7) und Jan Hörl (Platz 4) beide hinter ihm einreihten. Tschofenig zog durch seinen Tagessieg in der Weltcupgesamtwertung sowohl an Kraft als auch an Hörl vorbei und liegt nun hinter Paschke auf der zweiten Position.

„Wettkampftyp“ Karl Geiger macht seinem Ruf wieder alle Ehre

Neben Pius Paschke schaffte mit Karl Geiger ein weiterer DSV-Adler den Sprung in die Top-10. Nach schwachen Trainingsdurchgängen gelang es dem Oberstdorfer rechtzeitig zum Wettkampf hin seine besten Sprünge des Wochenendes abzurufen. Am Ende wurde er dafür mit dem achten Platz belohnt.

„Der Tag gestern und auch der heutige Probesprung waren schon mega frustrierend für mich. Ich habe nicht viel anders gemacht als in Ruka oder in Lillehammer, aber es hat irgendwie gar nichts zusammengepasst. Ich bin dann nach dem Probedurchgang nochmal in mich gegangen, habe kurz mit Stef (Stefan Horngacher) geredet und mich selbst noch einmal gepusht. Dann habe ich die Entschlossenheit zusammengenommen und alles versucht reinzulegen, was in den Beinen drin ist. Das ist mir gut gelungen“, strahlte Geiger am ARD-Mikrofon.

Leistungssteigerung bei Raimund/Leyhe – Rückschlag für Wellinger/Eisenbichler

In aufsteigender Form präsentierten sich Philipp Raimund (Platz 14) und Stephan Leyhe (Platz 18). Beide lieferten konstant gute Sprünge ab und holten sich damit Selbstvertrauen für den zweiten Wettkampf in Wisla am morgigen Sonntag. Luft nach oben gibt es unterdessen noch für Andreas Wellinger (Platz 22) und Markus Eisenbichler, der den zweiten Durchgang der Top-30 verpasste.

„Pius hat es heute wieder sehr gut gemacht und einen tollen Job abgeliefert. Auch Karl hat ansprechende Sprünge gezeigt, obwohl es vom Training her gar nicht so ausgesehen hat. Philipp und Stephan haben sich zudem deutlich verbessert gezeigt. Andi hat leider ein paar Probleme mit der Anlaufspur und kommt noch nicht so in die Position, wie es sich gehört“, bilanzierte Cheftrainer Stefan Horngacher in der ARD. Zu Markus Eisenbichler führt er aus: „Er muss einfach so springen wie im Training, dann genügt es. Leider ist es ihm heute nicht gelungen, die Trainingsleistungen im Wettkampf umzusetzen. Daran muss er arbeiten.“

Norweger mit drei Athleten unter den Top-10

Wiedererstarkt präsentierte sich unterdessen die norwegische Mannschaft. Mit Kristoffer Eriksen Sundal (Platz 5), Halvor Egner Granerud (Platz 6) und Fredrik Villumstad (Platz 9) schafften gleich drei Springer den Sprung unter die Top-10 (und damit genauso viele Athleten, wie die gewohnt starken Österreicher). Auch Marius Lindvik legte einen vielversprechenden Finalsprung hin, kam nach einem Patzer im ersten Durchgang allerdings nicht mehr über den 17. Rang hinaus.

Der zweite Einzelwettkampf in Wisla findet am morgigen Sonntag, 08.12.2024 um 15:15 Uhr statt (live bei ARD/Eurosport). Zuvor startet um 13:45 Uhr die Qualifikation.

Schanzen Weltcup Weltcup Damen Weltcup Herren

Endlich ist es so weit: am kommenden Wochenende (22.11.-24.11.2024) startet die neue Skisprungsaison der Damen und Herren auf der Großschanze (HS140) im norwegischen Lillehammer. Zum Auftakt wartet am Freitag ein Mixed-Wettbewerb auf die einzelnen Nationen, gefolgt von jeweils einer Einzelkonkurrenz am Samstag bzw. Sonntag. Skispringen-News.de hat sich mal im Springerlager umgehört und nachgefragt, auf was es bei dieser Schanze besonders ankommt bzw. was die Anlage speziell macht.

Wer hat seine Hausaufgaben in der Sommervorbereitung am besten gelöst? Zugegeben, die Antwort hierauf werden Skisprungfans wegen der unterschiedlichen Belastungssteuerung im Hinblick auf die einzelnen Saisonhighlights sicherlich noch nicht in Gänze erhalten, dennoch wird Lillehammer einen ersten Eindruck zu den Kräfteverhältnissen in dieser Wintersaison liefern. Und wie sieht es aus Sicht der Athletinnen und Athleten aus? Neben einem für sie bedeutenden, ersten Gradmesser wird es wohl vor allem darauf ankommen, sich mit einem positiven Ergebnis zum Auftakt direkt ein gutes Gefühl für die nächsten Stationen zu verschaffen, um damit möglicherweise auch in den sog. „Flow“ hineinzukommen.

Herren-Bundestrainer Stefan Horngacher analysiert die Schanze, die sich rund 180 km nördlich von der Hauptstadt Oslo befindet, wie folgt: „Lillehammer hat einen etwas eigenen Charakter. Es ist eine ältere Schanze, die sich durch einen sehr scharfen Radius auszeichnet. Hinzu kommt ein etwas eigener Schanzentisch, aber prinzipiell liegt uns die Anlage sehr gut. Andi Wellinger tut sich hier leider manchmal ein bisschen schwer, hat aber letztes Jahr auch schon super Weltcups dort gezeigt. Die Anlage ist also nicht so speziell, dass wir uns jetzt verstecken müssten.“

Im vergangenen Jahr wurde Andreas Wellinger hinter dem späteren Gesamtweltcupsieger Stefan Kraft aus Österreich Zweiter. Platz drei ging auf der Großschanze an Jan Hoerl (ebenfalls Österreich). Mit Karl Geiger (P4), Pius Paschke (P7), Stephan Leyhe (P11) und Philipp Raimund (P12) sprangen vier weitere DSV-Adler in die Top-15 und sorgten damit für ein starkes mannschaftliches Ergebnis.

„Wenn ich gut in Form bin, kann ich es und wenn ich nicht gut in Form bin, dann fällt es mir oft schwer in Lillehammer. Die Schanze hat einen bisschen eigenen Charakter vom Anlauf her, aber auch eine schöne Flugkurve, wenn man genügend Druck hinbringt. Darauf werden wir hinarbeiten und dann hoffentlich ordentlich in die neue Saison starten“, so Wellinger.

Und was sagt die internationale Konkurrenz zum „Lysgardsbakken“? „Es ist eine sehr besondere Schanze, die nicht so einfach ist, wie sie auf den ersten Blick ausschaut. Sie hat vom Absprung an ihre Feinheiten und man muss extrem gut fliegen können. Zudem braucht man auch immer ein bisschen Glück von den Bedingungen her. Wir freuen uns in jedem Fall schon auf das Wochenende“, schildert Daniel Tschofenig (Österreich). Lokalmatador Halvor Egner Granerud führt aus: „Es ist sehr schön im Winter dort zu fliegen. Die Eisspur gefällt mir sehr gut, vor allem bei Temperaturen von Minus 5 Grad und kälter.“

Lieblingsschanze von Katharina Schmid

Bei den DSV-Damen freut sich vor allem Katharina Schmid auf den Lysgardsbakken. Gegenüber Skispringen-News.de bestätigt die Oberstdorferin, dass es ihre persönliche Lieblingsschanze im Weltcupkalender ist. „Ich hoffe, dass ich vom ersten Trainingssprung an einfach gut reinkomme und mir damit ein gutes Gefühl aufbaue. Dann weiß ich, dass es funktioniert“, so Schmid weiter.

Beim letztjährigen Kräftemessen auf der Großschanze in Lillehammer siegte die Französin Josephine Pagnier vor der Kanadierin Alexandria Loutitt und der Norwegerin Eirin Maria Kvandal. Katharina Schmid wurde als beste deutsche Starterin Achte. Luisa Görlich, die sich nach einem Kreuzbandriss, den sie sich beim Weltcupfinale in Planica zugezogen hatte, derzeit auf dem Weg zu ihrem Comeback befindet, belegte Rang 14.

„Es ist wichtig, gut durch den Radius zu kommen. Lillehammer ist eine Fliegerschanze – entweder hat man Glück mit dem Wind oder nicht. Wir werden darauf hinarbeiten, dass wir dort genauso gut abliefern können, wie hier beim letzten Sommer Grand Prix in Klingenthal“, erklärt Selina Freitag.

DSV SGP Herren Sommer Grand Prix Weltcup Weltcup Herren

Für die deutschen Skispringer begann der vergangene Weltcupwinter 2023/2024 mit einer Reihe von Top-Ergebnissen. Doch je länger die Saison andauerte, umso schwerer tat sich die Mannschaft von Bundestrainer Stefan Horngacher im internationalen Vergleich. Einzig Andreas Wellinger gelang es konstant bei nahezu allen Wettbewerben vorne mitzuspringen. Skispringen-News.de blickt gemeinsam mit Cheftrainer Horngacher sowie einigen DSV-Adlern noch einmal auf die vergangene Saison zurück und wirft zugleich auch einen Blick auf die Vorbereitung für den anstehenden Weltcupwinter.

„Ich habe ein gutes Gefühl, wir sind schon relativ weit“, erklärte ein sichtlich zufriedener Bundestrainier Stefan Horngacher am Rande des finalen Sommer Grand Prix Wochenendes in Klingenthal. Es sind Worte, die viele deutsche Skisprungfans im Hinblick auf den Saisonstart am 22.11.2024 in Lillehammer freuen dürfte. „Wir sind sehr nah dran, ähnlich wie zum selben Zeitpunkt im vergangenen Jahr. Mannschaftlich haben wir uns beim letzten internationalen Vergleich in Klingenthal geschlossen gut präsentiert. Auch unsere nationale Gruppe hat trotz schwierig wechselhafter Windbedingungen mit qualitativ guten Sprüngen überzeugen können“, lobte Horngacher seinen Kader gegenüber Skispringen-News.de.

Mit Pius Paschke (P4), Andreas Wellinger (P8), Markus Eisenbichler (P14) und Stephan Leyhe (P15) gelang insgesamt vier DSV-Adlern in der Einzelkonkurrenz der Sprung unter die Top-15. Luca Roth (P18), Karl Geiger (P20), Philipp Raimund (P21), Constantin Schmid (P26) und Felix Hoffmann (P29) lösten dahinter ebenfalls das Ticket für den zweiten Durchgang. Am Folgetag gewannen die beiden formstärksten DSV-Adler des letzten Winters, Wellinger und Paschke, gemeinsam mit Selina Freitag und Katharina Schmid zudem den Mixed-Team Wettbewerb.

Andreas Wellinger: „Hätte mein derzeitiges Niveau selbst nicht so gut eingeschätzt“

„Vom Springerischen her ist mir in den letzten Wochen der richtige Schritt gelungen. Das war sehr ordentlich, wenngleich es aktuell noch nicht immer die feine Klinge ist. Bis zum Saisonstart gilt es daher für mich den Sprung noch weiter zu stabilisieren“, schildert Wellinger, der sich selbst überrascht von seinen starken Auftritten bei den beiden letzten Sommer Grand Prix Wettbewerben zeigte.

„Letzte Saison hatte ich einen sehr guten Sommer und im Anschluss einen richtig starken Winter, wo ich bis auf die letzten 3-4 Wochenenden immer vorne mitspringen konnte. Der aktuelle Sommer war für mich jedoch etwas holprig. Im Juli/August diesen Jahres lief es nicht so gut, erst ab September ist es für mich wieder bergauf gegangen. Daher kam es auch etwas unerwartet, dass ich beim Sommer Grand Prix in Hinzenbach Erster und Zweiter werden konnte. Ich hätte mein derzeitiges Leistungsniveau selbst nicht so gut eingeschätzt“, berichtet der frischgebackene Deutsche Meister weiter.

Auf seine Ziele für die neue Saison angesprochen, erklärt Wellinger: „Ich möchte von Lillehammer bis Planica einfach jedes Wochenende ordentlich Skispringen, dann werden sicherlich wieder einige Podestplätze bei Herauskommen und hoffentlich auch Ergebnisse in den Gesamtwertungen, mit denen ich zufrieden bin.“

Und wie sieht es aktuell bei den weiteren DSV-Adlern aus? Skispringen-News.de hat sich im Springerlager umgehört.

Pius Paschke: „Ich war hier in Klingenthal und generell beim Sommer Grand Prix noch nie so gut platziert, wie dieses Mal. Es waren echt coole Sprünge. Generell mag ich es allerdings lieber im Winter zu springen, da auf Eis das Fahrgefühl ein bisschen feiner ist als auf der Keramikspur. Hier tue ich mich dann auch leichter, die ideale Position bis zur Kante zu finden. Aber heute hat es auch so gut funktioniert und es ist schön zu sehen, dass man vorne mit dabei ist. Im Winter geht es für mich in erster Linie darum, mich technisch weiterzuentwickeln. Letztes Jahr waren schon viele gute Sachen dabei, die ich aber noch konstanter abrufen und ausbauen möchte. Wie man in Klingenthal gesehen hat, entwickelt sich im Flug schon etwas. Darauf liegt mein Hauptaugenmerk und der Rest ergibt sich dann von alleine.“

Stephan Leyhe: „Letztes Jahr habe ich bis zur Vierschanzentournee sehr stark begonnen, danach wurde es eher durchschnittlich. Mein Ziel für den kommenden Winter sind Top-10 Platzierungen. Ich weiß, dass ich hierzu in der Lage bin. Beim Sommer Grand Prix in Klingenthal waren die Sprünge durchaus solide, auch wenn ich im Training schon deutlich bessere Leistungen gezeigt habe und daran leider nicht herangekommen bin.“

Karl Geiger: „Die Richtung passt, aber die Qualität der Sprünge könnte noch besser sein. Alles in allem gibt es noch etwas zu tun. Ich möchte mir daher auch erstmal keine großartigen Ziele setzen, sondern mich voll und ganz auf die finale Vorbereitung bis zum Start in Lillehammer konzentrieren. Es ist einfach wichtig, die Zeit bis dahin gut zu nutzen, denn die Form ist noch nicht ganz so, wie sie sein sollte. Noch kann man aber etwas tun, damit man im Winter gut dasteht.“

Philipp Raimund: „Klingenthal lief nicht so gut. Ich mag die Schanze nicht wirklich und es hat sich leider wieder gezeigt, dass ich hier nicht die Sprünge zeigen kann, die ich eigentlich kann. Nach dem guten Auftritt in Hinzenbach ist dieses Ergebnis hier schon ein bisschen ernüchternd, trotzdem bin ich aber mit Blick auf den Winter guter Dinge. Im letzten Jahr war mein zweiter Platz in Lake Placid mein absolutes Highlight. Ich werde nicht vergessen, wie hoch ich da nach dem Schanzentisch im Hang stand und ins Weite geguckt habe. Dieses Podiumsergebnis war mega geil und mein Ziel ist es, dort wieder hinzukommen. Ansonsten ist meine Devise für die Saison: dabei sein, mitmachen und Spaß haben.“

Adrian Tittel: „Auch wenn ich jetzt nicht mehr bei den Junioren springe, gehe ich die Saison so an wie im letzten Jahr. Ich versuche ganz normal meine Sachen zu machen und die Sprünge so zu verbessern, dass es passt. Dann schauen wir mal, was am Ende bei herauskommt. Für mich wird es ziemlich wichtig sein, Weltcuperfahrung zu sammeln. Ich versuche die Atmosphäre aufzusaugen, daraus zu lernen und gut skizuspringen.“

Constantin Schmid: „Mit dem Sommer Grand Prix Wochenende in Klingenthal bin ich nicht so zufrieden. Ich habe hier nicht meine besten Sprünge gezeigt und mich ein bisschen schwergetan. Aber wie man anhand der vorherigen Wochen gesehen hat, stimmt meine Form grundsätzlich schon. Letzten Sommer hatte ich deutlich mehr Ausschläge nach oben bzw. unten, dieses Mal war es alles sehr konstant. Die Basis ist aus meiner Sicht besser als im letzten Jahr. Ich hoffe, dass ich im Winter den Beweis hierfür erbringen und wieder häufiger oben aufschlagen kann.“

DSV Plauderecke SGP Herren Sommer Grand Prix Weltcup Weltcup Herren

Beim letzten Sommer Grand Prix der Skispringer in Klingenthal haben wir uns mit Eurosport-Experte Martin Schmitt getroffen und mit ihm über seine Favoriten für die neue Weltcupsaison gesprochen. Im Interview gegenüber Skispringen-News.de wirft der zweimalige Gesamtweltcupsieger einen Blick auf seine bisher gesammelten Eindrücke aus der Sommervorbereitung und erzählt uns auch, wie sein Leben nach der aktiven Zeit im Skispringen aktuell aussieht. Mit 28 Weltcupsiegen, vier WM-Titeln, einer Goldmedaille bei den Olympischen Spielen sowie den bereits angesprochenen zwei Weltcupgesamtsiegen zählt Schmitt bis heute zu den erfolgreichsten deutschen Skispringern überhaupt.

Martin, welche Eindrücke nimmst Du aus dem Sommer Grand Prix mit, insbesondere im Hinblick auf die aktuelle Form der Skispringer?

„Man kann zum jetzigen Zeitpunkt schon herauslesen, dass die Norweger es wissen wollen! Vor allem natürlich nach der letzten Saison, in der es doch ein bisschen holprig war und es teilweise auch intern ein paar Schwierigkeiten gab. Jetzt haben sie sich wieder zusammengerauft, sind hochmotiviert und blicken alle voller Vorfreude auf ihre Heim-WM in Trondheim. Diese gibt ihnen natürlich noch einmal einen extra großen Push. Wie man im Rahmen des Sommer Grand Prix gesehen hat, bringen sie jetzt schon die passende Form mit.

Aber ich glaube auch, dass sich das deutsche Team nicht verstecken muss. Beim letzten internationalen Vergleich vor der neuen Saison in Klingenthal ist Pius Paschke ganz gut gesprungen. Andi Wellinger war hier noch nicht an seinem persönlichen Optimum, lag aber trotzdem stetig auf Tuchfühlung. Technisch muss man vielleicht noch das ein oder andere bei den DSV-Adlern verbessern, vielleicht auch noch in Sachen Abstimmung. Aber wichtig war in erster Linie die Erkenntnis, dass man es aus eigener Kraft schaffen kann und dann auch vorne mit dabei ist. Mit diesem guten Gefühl reist das deutsche Team nach Hause, daher ist alles ok.“

Es stehen auch in dieser Wintersaison wieder zahlreiche Highlights auf dem Programm. Worauf freust Du dich persönlich?

„Die Vierschanzentournee ist natürlich jedes Jahr ein Highlight, aber auf Trondheim freue ich mich dieses Mal ganz besonders. 1997 durfte ich hier meine erste Weltmeisterschaft erleben mit vielen schönen Erinnerungen, daher ist es toll für mich jetzt wieder dorthin zur nordischen Ski WM zurückzukehren und es noch einmal vor Ort zu genießen (wenn auch dieses Mal nicht mehr als aktiver Skispringer). Das ist für mich ein ganz besonderes Highlight.“

Stichwort aktive Karriere – wenn Du heutzutage an einer Schanze stehst, gibt es auch nochmal Momente, an denen Du gerne selbst nochmal springen würdest oder hast Du mit dem Thema zum Karriereende komplett abgeschlossen?

„Als ich hier am Freitag beim Qualitag in Klingenthal, wo es vom Wind her sehr turbulent zuging, oben am Trainerturm gestanden und auf den Schanzentisch geblickt habe, habe ich mir nochmal gedacht: nein, ich vermisse es wirklich nicht mehr! (lacht) Ich bin ja jetzt schon zehn Jahre nicht mehr gesprungen und da ist die Versuchung auch nicht mehr ganz so groß, dass man die Skier nochmal anschnallt.“

Aktuell fungierst Du als Experte für den TV-Sender Eurosport, doch wie sieht sonst Dein Leben nach der Karriere aus?

„Ich bin immer noch sehr nah am Sport dran. Neben meinem Engagement für Eurosport betreue ich im deutschen Skiverband die jüngste Lehrgangsgruppe und versuche dort meine Erfahrung weiterzugeben mit dem Ziel mitzuhelfen, dass es auch künftig gute deutsche Skispringer gibt. Zudem betreibe ich noch eine Marketing-Agentur, mit der ich Sportler in der Vermarktung betreue. Somit habe ich auch weiterhin einen umfassenden Blick auf das Thema Skispringen.

Zum Abschluss noch eine kurze Einschätzung: Welche Namen kommen Dir als erstes in den Sinn, wenn Du über die Favoriten für die neue Saison nachdenkst?

„Es ist natürlich immer eine schwierige Frage. Aktuell ist man geneigt zu sagen: die Norweger! Speziell bei den beiden Sommer Grand Prix Wettbewerben in Wisla und Klingenthal haben sie einen starken Eindruck hinterlassen. Die Slowenen werden aber sicherlich auch wieder gut dabei sein, Timi Zajc ist hier zuletzt super gesprungen. Stefan Kraft wird sicherlich auch regelmäßig vorne mitspringen und für Siege gut sein, gleiches gilt für Ryoyu Kobayashi. Andi Wellinger schätze ich zudem ganz hoch ein, so wie er arbeitet und bei der Basis, die er mitbringt. Dies führt auch dazu, dass er mit einer unglaublichen Ruhe agiert.

Letztlich wird entscheidend sein, wer wie gut in die neue Saison hineinstartet und Erfolgserlebnisse sammelt. Dadurch baut sich dann Selbstvertrauen auf und man gelangt in den vielzitierten „Flow“. Es können viele auf diesen Zug aufspringen, aber die nächsten Wochen werden ganz wichtig sein.“