Vierschanzentournee Weltcup Weltcup Herren

Nach dem spannenden Auftaktspringen zur 73. Vierschanzentournee steht für die Skispringer am heutigen Montag ein Ruhetag auf dem Programm, ehe es traditionell an Silvester und Neujahr in Garmisch-Partenkirchen weitergeht. Wir haben mal versucht zu beleuchten, wem die Große Olympiaschanze mehr und wem eher weniger entgegen kommt.

Bei Betrachtung der Ergebnislisten aus den letzten beiden Jahren sticht bei den Herren vor allem ein Name hervor: Anze Lanisek. Dieser feierte im vergangenen Winter nicht nur den Sieg auf der Großen Olympiaschanze, sondern war im Jahr zuvor auch starker Zweiter. Nach einem schwierigen Saisonstart ging die Formkurve des Slowenen zuletzt steil bergauf. Den Auftaktwettbewerb in Oberstdorf – eine Schanze, auf der er sich immer eher schwer tut, schloss er am Sonntag auf Platz 15 ab. Bei den vorangegangenen Weltcups lag er zuletzt jedoch auch schon unter den Top-10 des Gesamtklassements. Man darf daher gespannt sein, ob er von seinen guten Auftritten in Garmisch aus jüngerer Vergangenheit zehren und die starken Österreicher bei der zweiten Tourneestation an der Spitze ein wenig aufmischen kann.

Stichwort Österreich und Stefan Kraft: Für den Führenden in der Tourneewertung ist Garmisch-Partenkirchen zuletzt häufig so etwas wie die „Schicksalsschanze“ gewesen, etwa vergleichbar mit dem Bergisel in Innsbruck für das deutsche Team. Kraft scheint rechtzeitig zur Tournee die passende Form erreicht zu haben, doch bezwingt er auch die Anlage in Garmisch? Er selbst sagt: „Ich habe in den letzten Wochen viel probiert und vielleicht auch auf das ein oder andere gute Ergebnis verzichtet, weil ich noch ein bisschen mit dem Gefühl in der Hocke sowie dem Material gespielt habe. In Engelberg habe ich das schon gut aussortieren können, aber dass das jetzt so gut aufgeht, macht mich schon sehr happy.“
Auf Garmisch angesprochen führt er aus: „Es ist immer so ein bisschen das Problemkindchen bei mir, aber ich habe einen guten Sommer dort gehabt und konnte auch einen Trainingswettkampf gewinnen. Deshalb gehe ich optimistisch ans Werk“, so Kraft. Der Trend gibt ihm dabei in jedem Fall recht, denn beim letzten Weltcup zu Jahresbeginn 2024 erreichte er einen vorzeigbaren sechsten Rang. Schwieriger war es 2023, als er nicht über den 18. Platz hinaus kam oder 2022 als er auf Position 59 bereits an der Qualifikation zum Wettbewerb scheiterte.

Und wie sieht es bei den beiden anderen österreichischen Überfliegern Jan Hörl (aktuell Tourneezweiter) und Daniel Tschofenig (aktuell Tourneedritter) aus? Hörl zeigte sich in den Vorjahren in Garmisch zweimal konstant als Fünfter und Tschofenig reihte sich auf den Rängen 18 und 7 ein. Doch Beide kommen derzeit in einer solchen Überform daher, dass sie die Sprünge fast vom Fließband aus abrufen können. Oder etwa doch nicht?

„Wir wissen, dass Garmisch nicht immer die leichteste Schanze für uns ist. Aber wir haben ein extrem starkes Team und wissen auch, was zu tun ist“, äußert sich Tschofenig eher verhalten. Etwas euphorischer ist da schon Cheftrainer Andreas Widhölzl, der in der Vergangenheit eher Oberstdorf als Schwachpunkt für die Österreicher ausgemacht hat. „Ich bin froh, dass Oberstdorf hinter uns liegt, was für uns eher die Angststation war. In den letzten Jahren waren wir hier nie so gut und sind danach immer erst besser geworden. Die Vorzeichen sind also ganz gut.“

Und aus deutscher Sicht? Pius Paschke belegte bei den Neujahrsspringen zuletzt die Plätze 24 und 10. Doch da sich der Routinier aus Kiefersfelden derzeit in der Form seines Lebens befindet, fällt es schwer, diese Resultate als Maßstab heranzuziehen. Wichtig wird für ihn auf jeden Fall sein, möglichst nah an den drei Österreichern dranzubleiben und wenn einer von ihnen eine Schwäche zeigt, passend zur Stelle zu sein. Seine deutliche Leistungssteigerung gegenüber den beiden Wettbewerben in Engelberg und während des Oberstdorf-Wochenendes spielen ihm dabei mental in die Karten.

Von den reinen Ergebnissen aus den beiden Vorjahren war Andreas Wellinger in Garmisch zuletzt bester DSV-Athlet. 2024 stand er als Dritter hinter Anze Lanisek und Ryoyu Kobayashi auf dem Podium, im Jahr zuvor belegte er Rang acht. Vielleicht können ihn die positiven Erinnerungen hieran etwas beflügeln, damit er sich von seinem derzeitigen 20. Tourneeplatz aus weiter nach vorne arbeiten kann.

Wer die Anlage in Garmisch ebenfalls sehr mag, ist Stephan Leyhe. Er beschreibt uns im Gespräch die Schanze wie folgt: „Sie hat einen knackigen, also eher scharfen Radius. Der Tisch ist von der Tendenz her ein bisschen kürzer und man erreicht eine eher höhere Flugkurve. Mir macht es dort immer sehr viel Spaß und es ist auch neben Bischofshofen meine Lieblingstourneeschanze.“ Vielleicht ein gutes Omen für eine vordere Platzierung, die Leyhe nach dem 48. Platz beim Auftaktspringen in Oberstdorf mit Blickrichtung auf die weiteren Weltcupwettbewerbe auch dringend braucht. Ähnlich wie sein Teamgefährte Philipp Raimund, der mit dem 40. Rang beim Auftaktspringen ebenfalls deutlich hinter seinen eigenen Erwartungen und Möglichkeiten zurückblieb.

In Garmisch stößt zum aktuellen A-Kader dann auch die nationale Gruppe hinzu, zu der u.a. Markus Eisenbichler zählen wird. Nach seiner Nichtnominierung in Oberstdorf ist davon auszugehen, dass er dem Trainerteam eine deutliche Leistungssteigerung zeigen und damit zugleich auch den Druck auf Leyhe und Raimund noch einmal erhöhen möchte. Neben Eisenbichler nominierte Bundestrainer Stefan Horngacher für Garmisch auch Felix Hoffmann, Constantin Schmid und Luca Roth.

Vierschanzentournee Weltcup Weltcup Herren

Mit dem Quali-Sieg in Oberstdorf hat Daniel Tschofenig das erste Ausrufezeichen bei der 73. Vierschanzentournee gesetzt. Ein Sprung auf 141,5 Meter brachte dem 22-jährigen Österreicher insgesamt 167,5 Punkte ein. Hinter ihm reihten sich seine vier Landsmänner Stefan Kraft, Michael Hayböck, Jan Hörl und Maximilian Ortner ein und sorgten damit für ein unglaubliches Mannschaftsergebnis des ÖSV. Hoffnung aus deutscher Sicht macht vor allem Pius Paschke, der sich nach zwei mäßigen Trainingssprüngen in der Qualifikation deutlich steigerte und Rang sechs belegte.

Der erste Tourneetag war eine eindrucksvolle Machtdemonstration der österreichischen Mannschaft. Nachdem Jan Hörl mit einer Weite von 139,5 Metern den ersten Probedurchgang bereits deutlich für sich entschied, hatte Teamkollege Tschofenig im zweiten Probedurchgang die Nase vorne. Damit nicht genug, legte Tschofenig in der abendlichen Qualifikation noch einmal nach. Mit einem Sprung auf 141,5 Meter sicherte er sich die 3.000 Schweizer Franken und viel Selbstvertrauen für das morgige Auftaktspringen der 73. Vierschanzentournee.

„Vollkommen unglaublich! Wir haben in Engelberg schon ein starkes Ergebnis erzielt, aber was heute hier passiert ist, ist fast nicht in Worte zu fassen. Wir haben über den Sommer hinweg gute Arbeit geleistet, die sich jetzt voll auszahlt“, sagte Tschofenig im Anschluss am ZDF-Mikrofon. „Mit diesem Mannschaftsergebnis habe ich selbst nicht gerechnet. Im Training sind sie alle schon sehr gut gesprungen und haben jetzt nochmal bessere Sprünge gezeigt. Das ist schon auf einem sehr hohen Niveau. Also Hut ab vor den Jungs, dass sie trotz der großen Anspannung so cool bleiben. Aber Konzept, Form und Lockerheit stimmen“, freute sich Cheftrainer Andreas Widhölzl.

Bedeutsamer Qualisprung von Pius Paschke

Aus deutscher Sicht ruhen die Hoffnungen bei der diesjährigen Vierschanzentournee vor allem auf dem Gesamtweltcupführenden Pius Paschke. Im Training tat sich der Routinier aus Kiefersfelden allerdings äußerst schwer und kam in beiden Durchgängen nicht über 122,5 Meter hinaus, was ihn lediglich auf die Plätze 19 und 29 brachte. Doch rechtzeitig zur Qualifikation meldete sich der fünffache Saisonsieger mit 139 Metern und Rang sechs wieder zurück.

„Eigentlich war es ganz entspannt bis zu den ersten beiden Sprüngen, in denen es nicht ganz so gut ging. Dann musste ich mal kurz überlegen und daran arbeiten, den Fokus wieder richtig hinzubekommen, was mir gut gelungen ist. Mit dem Qualisprung bin ich sehr zufrieden, bis auf die Landung, bei der es mich leider ein bisschen hinten reingezogen hat“, schilderte Paschke im Anschluss sichtlich erleichtert. Wie wertvoll dieser Sprung für seine Psyche wirklich ist, werden wir dann morgen im Wettkampf sehen.

Ebenfalls einen guten Eindruck hinterließ Karl Geiger, der sich hinter dem Schweizer Gregor Deschwanden (Platz 7) und dem Norweger Johann Andre Forfang (Platz 8) auf Position neun platzierte. „Jeder Sprung von mir ist ein Stückchen besser geworden. Ich bin im Arbeitsmodus, schaue dass ich immer dran bleibe und jeden Sprung nutze. Top-10 ist immer gut“, so Geiger.

Luft nach oben ließ Andreas Wellinger, der sich auf Rang 13 platzierte. „Es ist noch nicht so die Energie von der Kante drin. Ich bin zwar gut geflogen und von der Stabilität her war es auch in Ordnung, aber so ganz die Leichtigkeit, dass ich von der Kante die Höhe mitnehme und das in den Flug übersetze ist mir noch nicht gelungen. Da fehlt nicht viel, nur Kleinigkeiten – aber ich bin solide reingestartet und morgen geht’s weiter.“

Auch die übrigen deutschen Athleten konnten sich allesamt für den morgigen Wettkampf auf der Schattenbergschanze qualifizieren. Stephan Leyhe platzierte sich auf dem 33. Platz, Philipp Raimund reihte sich auf der 39. Position im Gesamtklassement ein und Adrian Tittel belegte den 45. Rang.

Titelverteidiger Ryoyu Kobayashi wiedererstarkt

In verbesserter Form präsentierte sich Vierschanzentournee-Titelverteidiger Ryoyu Kobayashi. Der Japaner segelte bei schlechten Windbedingungen in der Qualifikation auf 125 Meter und platzierte sich auf dem elften Rang. In den beiden Probedurchgängen zuvor klassifizierte er sich mit den Plätzen fünf und sechs in Reichweite der formstarken Österreicher.

Ammann und Kubacki scheiden aus
Zwei prominente Namen vergangener Jahre strandeten bereits in der Qualifikation. So wird der Schweizer Simon Ammann (Platz 51) den morgigen Wettkampf genauso verpassen, wie der Pole Dawid Kubacki (Platz 53).

Spannende K.O. Duelle zum Auftakt

Anders als bei den übrigen Weltcupveranstaltungen findet bei der Vierschanzentournee ein K.O. Modus Anwendung. So wurden anhand der heutigen Qualifikationsergebnisse insgesamt 25 Paarungen ermittelt, die sich im ersten Durchgang um den Einzug in das Finale duellieren werden. Neben den 25 Siegern kommen dabei auch die „fünf besten Verlierer“ (sog. „Lucky Looser“) weiter, sodass wie üblich 30 Athleten im zweiten Durchgang startberechtigt sind.

Qualifikationssieger Tschofenig bekommt es mit dem „nominell einfachsten Gegner“: Casey Larson (USA) zu tun, der sich als 50. und damit Letzter für den Wettkampf qualifizierte. Stefan Kraft trifft in einem rein österreichischen Duell auf den Vorletzten der Qualifikation, Stephan Embacher (49. Platz), und Michael Hayböck auf den Finnen Kasperi Valto (48. Platz).

Spannung versprechen dahinter allerdings die Paarungen, in denen die Schere nicht so weit auseinander klafft. So dürfen sich die Zuschauer u.a. auf Duelle wie Marius Lindvik vs. Markus Müller oder Domen Prevc vs. Anze Lanisek freuen. Mit Adrian Tittel vs. Pius Paschke gibt es auch eine deutsche Paarung, die gegeneinander antreten muss. Stephan Leyhe bekommt es mit dem Norweger Benjamin Oestvold zu tun, Philipp Raimund trifft auf den Bulgaren Vladimir Zografski, Karl Geiger auf den Polen Pawel Wasek und Andreas Wellinger auf Aleksander Zniszczol (ebenfalls Polen).

Polnischer Skiverband Vierschanzentournee Weltcup Weltcup Herren

Bei der 73. Vierschanzentournee wird ein prominenter Name in der Teilnehmerliste fehlen. Kamil Stoch, der den goldenen Adler 2016/2017, 2017/2018 sowie 2020/2021 gewann, hat sich gegen einen Start beim ersten großen Saisonhighlight entschieden. Wie der polnische Verband bestätigte, habe Stoch selbst mitgeteilt, dass er sich hierfür nicht bereit fühle. Beim kürzlich stattgefundenen Weltcup in Titisee-Neustadt haben wir uns mit dem „Grand-Slam“ Sieger 2017/18 noch zum gemeinsamen Interview getroffen und über seinen Saisonstart gesprochen.

Auf die Frage, wie zufrieden er mit den ersten Weltcupstationen in diesem Winter ist, teilte uns Stoch hier mit: „Jede Münze hat zwei Seiten. Ich bin einerseits enttäuscht, wie die Saison bisher gelaufen ist und hätte von mir selbst mehr erwartet – aber ok, das muss ich so akzeptieren. Und auf der anderen Seite versuche ich aber auch zu genießen, dass ich immer noch an den Wettkämpfen teilnehmen kann – und sagen wir damit auch: „auf hohem Niveau“ bin, denn wenn man im Weltcup mit dabei ist, muss man auf hohem Niveau sein, um alleine schon in den zweiten Durchgang zu kommen. Aber ich bin weiterhin auf der Suche und arbeite daran, auch weil ich in mir selbst spüre, dass ich es besser kann.“

Die genauere Analyse seiner Sprünge fällt für ihn wie folgt aus: „Ich erreiche gerade eine gewisse Grundstabilität, aber ich muss noch einen Schritt weiterkommen, um eine wirklich gute Balance zu finden. Sonst ist es, wie auf einer Achterbahn. Es gibt wieder einen Punkt, an dem ich das Gleichgewicht verliere und die Sprünge einfach instabil sind. Nach dieser Balance suche ich derzeit und hoffe, dass ich es in einigen Tagen oder Wochen schaffe.“

Nach seinen beiden anschließenden Auftritten in Engelberg, die für ihn mit den Plätzen 18 und 37 endeten, hat Stoch offenbar nicht mehr das Vertrauen gehabt, dass diese Suche bei den Wettkämpfen der Vierschanzentournee von Erfolg gekrönt sein wird. Der ehrgeizige Pole, der mit einem eigenen Trainerteam zusammenarbeitet, wird versuchen, sich stattdessen über intensives Training in eine passende Form für die weiteren Weltcups zu bringen.

„Natürlich gebe ich mein Bestes, aber ich muss jetzt auch realistisch sein und erkenne, dass es nicht so einfach werden wird. Aber im Sport und vor allem im Skispringen weiß man nie, was in den nächsten Tagen oder vor allem in den nächsten Wochen alles passiert“, räumte er in Titisee-Neustadt ein.

Natürlich haben wir mit dem dreifachen Vierschanzentourneesieger aber auch noch über seine Favoriten gesprochen. „Ich denke, dass es schon ein paar Springer gibt, die große Chancen haben, die diesjährige Vierschanzentournee zu gewinnen. Einer von ihnen ist sicherlich Pius Paschke. Er zeigt wirklich gute und stabile Leistungen. Das ist wirklich positiv für Euch und die vielen deutschen Fans“, so Stoch, für den u.a. aber auch Andi Wellinger zum Favoritenkreis zählt.

Für die Tournee nominierte Cheftrainer Thomas Thurnbichler Piotr Zyla, Pawel Wasek, Jakub Wolny, Aleksander Zniszczol und Dawid Kubacki. Letzterer hatte Engelberg ausgelassen. „Natürlich ist immer Zuversicht da und der Trend vom gesamten Team ist aktuell auch positiv. Das Resultat bei der Tournee steht für mich erstmal noch ein bisschen hinten an. Es ist ein Prozess, in dem wir uns derzeit befinden. Wir arbeiten daran und versuchen, Schritt für Schritt besser zu werden“, so Thurnbichler.

DSV Vierschanzentournee Weltcup Weltcup Herren

Wo wird gesprungen?

Das traditionelle Auftaktspringen der Vierschanzentournee findet bereits seit 1953 jährlich in der (mittlerweile) Orlen Arena Oberstdorf statt. Diese trug jedoch früher noch den Namen Schattenbergschanze, später den Namen Erdinger bzw. Audi Arena, bevor sie ihren jetzigen Namen erhielt. Oberstdorf ist ein beliebter Touristenort im Süden Bayerns, der mit dem Nebelhorn und den Allgäuer Alpen zahlreiche Möglichkeiten für Wintersport ebenso wie zum Wandern im Sommer bietet. 

Nach einem Tag Pause (30.12.) reist der Skisprungcircus weiter zur „Großen Olympiaschanze“ in der Gemeinde Garmisch-Partenkirchen, der zweiten Tournee-Station. Garmisch-Partenkirchen liegt an der Grenze zu Österreich, am Fuße des höchsten Berges Deutschlands, der Zugspitze. Traditionell findet hier am 31. Dezember der Jahresabschluss mit der Qualifikation und am 1. Januar das Neujahrsspringen der Vierschanzentournee statt.

Die Schanzendetails im Überblick:

Hillsize:137 m
K-Punkt:120 m
Schanzenrekord:143,5 m (Sigurd Petterson, 29.12.03)
Baujahr:1946 (letzter Umbau: 2003)
Zuschauerkapazität:27.000
Hillsize:142 m
K-Punkt:125 m
Schanzenrekord:144,0 m (Dawid Kubacki; 01.01.21)
Baujahr:1921 (letzter Umbau: 2007)
Zuschauerkapazität:35.000

Programm:

Samstag, 28.12.24
14:00 Uhr – Offizielles Training
16:30 Uhr – Qualifikation (ZDF, Eurosport)

Sonntag, 29.12.24
15:00 Uhr – Probedurchgang
16:30 Uhr – Einzelwettbewerb (ZDF, Eurosport)

Dienstag, 31.12.24
11:30 Uhr – Offizielles Training
13:30 Uhr – Qualifikation (ARD, Eurosport)

Mittwoch, 01.01.25
12:30 Uhr – Probedurchgang
14:00 Uhr – Einzelwettbewerb (ARD, Eurosport)

DSV Vierschanzentournee Weltcup Weltcup Herren

Nach dem Wochenende in Engelberg musste sich der deutsche Bundestrainer Stefan Horngacher von einem seiner sieben Schützlinge im Weltcup-Team verabschieden. Da kein deutscher Skispringer im FIS Continental Cup einen Quotenplatz sichern konnte, fährt das deutsche Team mit sechs Athleten weiter zum Auftakt der 73. Vierschanzentournee nach Oberstdorf.

Nach einem Dreikampf zwischen Stephan Leyhe, Markus Eisenbichler und Philipp Raimund fiel nun die Entscheidung: Das deutsche Team wird ohne Markus Eisenbichler den Tournee-Auftakt am 28. und 29. Dezember in Oberstdorf bestreiten. Nach den vergangenen Wochen, in denen vor allem Philipp Raimund zu kämpfen hatte, wurde zunächst vermutet, dass er ausscheiden könnte. Doch Bundestrainer Horngacher erklärt: „Philipp Raimund, dessen Leistungen im bisherigen Saisonverlauf schwankend waren, hat in Neustadt nach dem Weltcup eine sehr wertvolle Trainingseinheit absolviert. Wir sind zuversichtlich, dass Philipp zur Tournee wieder richtig in Schwung kommt.“

Zum weiteren Verlauf von Markus Eisenbichler erläutert Horngacher: „Leider mussten wir unser Starterfeld im Weltcup von sieben auf sechs Springer reduzieren. Markus Eisenbichler, der im Rahmen der internen Ausscheidung beim Weltcup in Engelberg Philipp Raimund unterlag, greift in Garmisch-Partenkirchen wieder ins Wettkampfgeschehen ein. Markus startet dort in der Nationalen Gruppe.“

Der Mann im gelben Trikot, Pius Paschke, zeigte bei seiner Tournee-Generalprobe im schweizerischen Engelberg am vergangenen Wochenende erstmals Schwäche und erreichte „nur“ die Plätze 10 und 18. Dennoch blickt er mit Zuversicht auf die Tournee: „Ich möchte den guten Drive der letzten Wochen mit in die Tournee nehmen. Das Selbstvertrauen stimmt, und ich weiß, an welchen technischen Details ich arbeiten muss. Bei der letztjährigen Tournee habe ich nicht nur die besten Einzelergebnisse erzielt, sondern auch sehr wertvolle Erfahrungen gesammelt. Diese möchte ich nun erneut anwenden und bin zuversichtlich, dass mir das gelingen wird.“

Vierschanzentournee Weltcup Weltcup Herren

Mit über 40.000 Zuschauern wird die große Schattenbergschanze in Oberstdorf auch in diesem Jahr wieder für eine einzigartige Atmosphäre sorgen und die DSV-Adler zu einem hoffentlich positiven Auftaktspringen der 73. Vierschanzentournee antreiben. Skispringen-News.de hat die erste Tourneestation zusammen mit Lokalmatador Karl Geiger, Vorjahressieger Andreas Wellinger und Markus Eisenbichler mal genauer unter die Lupe genommen.

„Oberstdorf ist natürlich meine Lieblingsstation bei der Tournee, weil es meine Heimat ist. In den letzten Jahren habe ich dort auch immer gute Wettkämpfe gezeigt. Ich freue mich schon jetzt riesig auf die Stimmung dort, die für mich einfach so überragend ist, wie sonst nirgendwo“, blickt Karl Geiger voraus. Doch der Zweitplatzierte der Vierschanzentournee 2020/2021 hat sich auf der Anlage nicht immer leicht getan. „Ich habe mich jahrelang sehr schwer getan auf der Schanze, weil sie nicht so einfach zu springen ist. Sie hat einen knackigen Radius und ich bin beim Absprung oftmals zu spät dran gewesen. Man verfällt dann schnell in ein bisschen Hektik/Stress, muss aber wirklich schauen, dass man vorne balanciert ankommt. Das ist durch diesen Radius, der zwar nicht mega markant ist, doch eine Challenge, um sauber durchzukommen.“

Wem diese Challenge beim letzten Mal in Perfektion gelungen ist, ist Andreas Wellinger. Er sicherte sich mit drei Punkten Vorsprung den Sieg vor dem Japaner Ryoyu Kobayashi. Platz drei ging an den Österreicher Stefan Kraft. Es waren im übrigen auch die Athleten, die am Ende in der Gesamtwertung der Vierschanzentournee ganz vorne lagen. Lediglich Kobayashi zog ab der dritten Station in Innsbruck noch an Wellinger vorbei. Somit wird Oberstdorf auch in diesem Jahr wieder ein wichtiger Gradmesser sein. Hierbei gilt der allseits bekannte Grundsatz: „In Oberstdorf kann man die Tournee nicht gewinnen, aber sie schon verlieren.“

„Bei mir kommt es immer ganz auf die Form an. Ich bin schon auf allen vier Schanzen gut gesprungen und durfte überall schon auf dem Podest stehen. Letztes Jahr war natürlich der Sieg in Oberstdorf ein ganz besonderer Moment, der für immer in Erinnerung bleibt. Auch dieses Mal freue ich mich wieder sehr auf die Kulisse im Stadion und über jede deutsche Fahne, die im Auslauf zu sehen ist“, schildert uns Andreas Wellinger.

Auch Markus Eisenbichler fühlt sich an der Schattenbergschanze immer sehr wohl. „Was ich immer extrem gerne mag, ist Oberstdorf. Es ist eine Schanze, die noch Charakter hat. Sie hat einen etwas anderen Radiusdruck und einen kurzen Tisch, aber wenn man es raus hat und die Bedingungen einigermaßen mitspielen, kann man extrem weit fliegen. Generell ist Oberstdorf einfach speziell, weil es der Auftakt in die Tournee ist und die Fahnen auf unserer Seite sind. Das ist schon cool.“

Wir sind gespannt, wie der Start für die DSV-Adler verlaufen wird. Neben dem Sieg von Andreas Wellinger erzielte die Mannschaft von Bundestrainer Stefan Horngacher im Vorjahr in Oberstdorf auch ein äußerst starkes Teamergebnis. Philipp Raimund wurde Sechster, Karl Geiger Siebter und Pius Paschke Elfter. Stephan Leyhe, der sich nach eigener Aussage immer etwas schwer mit Oberstdorf tut, sammelte mit dem 24. Platz ebenfalls in beiden Sprüngen Punkte.

Vierschanzentournee Weltcup Weltcup Herren

Wenn am 28./29.12.2024 in Oberstdorf die 73. Vierschanzentournee beginnt, wird Ryoyu Kobayashi als Titelverteidiger an den Start gehen. Doch bei den bisherigen fünf Saisonstationen war der Japaner sehr deutlich von den übrigen Spitzenathleten entfernt. Daher stellt sich die Frage, ob es ihm rechtzeitig zur Tournee noch gelingt, in Form zu kommen. Skispringen-News.de hat sich mit dem „Grand-Slam Sieger“ der Saison 2018/19 hierüber unterhalten.

„Ich bin überhaupt nicht zufrieden mit dem Wochenende“, resümierte Ryoyu Kobayashi nach den drei Wettkämpfen in Titisee-Neustadt. Und auch bei der Generalprobe für die diesjährige Vierschanzentournee in Engelberg kam er nicht über die Plätze 13 und 12 hinaus. Doch darf man den dreifachen Tourneesieger im Kampf um den goldenen Adler jetzt schon so einfach abschreiben?

Blicken wir hierzu einmal auf den letzten Weltcupwinter zurück, in dem sich ein ähnliches Bild zeigte. Vor der Vierschanzentournee erzielte Kobayashi keinen Tagessieg, stand lediglich bei einem Wettkampf auf dem Podium und beendete die beiden Springen in Engelberg gerade einmal auf den Plätzen 10 und 12. Damit zählte der inoffizielle Skiflugrekordhalter (291 Meter) auch damals nur zum erweiterten Favoritenkreis. Top-Favoriten waren andere. In Oberstdorf ließ er dann allerdings seine Muskeln spielen und belegte hinter Andreas Wellinger den zweiten Rang. Dieses unerwartete Resultat sorgte plötzlich dafür, dass der Knoten platzte. Die darauffolgenden Wettbewerbe in Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck sowie Bischofshofen schloss Kobayashi ebenfalls allesamt auf dem zweiten Platz ab und sicherte sich damit seinen dritten Gesamterfolg bei der Vierschanzentournee.

Doch wie groß ist die Zuversicht des Japaners selbst, dass ihm ein solches Kunststück dieses Mal erneut gelingen kann? Auf die Frage, was ihm derzeit noch fehlt, um wieder ganz vorne dabei zu sein, erklärt er uns ratlos am Mikrofon: „Ich weiß nicht, woran es aktuell genau liegt. Wenn Ihr mir den Punkt nennen könnt, würde ich es direkt versuchen umzusetzen.“ Aufgegeben hat er im Hinblick auf die Tournee allerdings nicht. „Es sind noch ein paar Tage bis zum ersten Wettkampf in Oberstdorf. Ich nehme mir die Zeit und bereite mich bestmöglich vor.“ Ob er als amtierender Titelträger mehr Druck verspürt, entgegnet er uns: „Dadurch, dass ich nicht in so einem guten Zustand bin, erwartet eigentlich keiner etwas von mir. Dementsprechend verspüre ich auch keinen Druck.“

Wer weiß, vielleicht ist genau dies auch die große Chance von Kobayashi, wenn er sich zu 100% auf sich konzentrieren kann und allen Erwartungen aus dem Weg gehen kann. Die Tournee hat in der Vergangenheit schließlich immer ihre eigenen Gesetze geschrieben und viele Überraschungen mit sich gebracht. Das Zeug für konstant starke Auftritte auf allen vier Schanzen hat Kobayashi in jedem Fall, was seine Tourneesiege 2018/2019, 2021/2022 und 2023/2024 beweisen. 2018/2019 gelang ihm sogar das Kunststück, als drittem Springer in der Geschichte der Vierschanzentournee alle vier Springen zu gewinnen. Zuvor schafften diesen „Grand-Slam“ nur Sven Hannawald und Kamil Stoch.

Weltcup Weltcup Herren

Daniel Tschofenig hat sich in Engelberg den zweiten Weltcupsieg seiner Karriere gesichert und damit eine perfekte Generalprobe für die bevorstehende Vierschanzentournee abgeliefert. Der 22-Jährige trotzte dem dichten Schneetreiben und setzte sich am Ende vor seinen beiden Teamkollegen Jan Hörl und Stefan Kraft durch, die den Dreifachsieg für die österreichische Mannschaft perfekt machten. Als bester Deutscher belegte Karl Geiger den neunten Platz.

„Die Österreicher machen einen unheimlich starken und geschlossenen Eindruck gerade, aber man sollte es jetzt auch nicht überbewerten. Es sind immer Momentaufnahmen, in Oberstdorf kann die Welt wieder ganz anders ausschauen“, sagte Geiger nach dem Wettkampf am ARD-Mikrofon. Zu seinem persönlichen Ergebnis führt er aus: „Es war mein bisher bestes Wochenende in diesem Weltcupwinter. Meine heutigen beiden Sprünge waren auf einem guten Niveau, aber auch noch mit Potential nach oben. Es waren noch keine Oberraketen, aber ich bin gut ins Gleiten gekommen“, so der Oberstdorfer nach seinen Flügen auf 133,5 Meter und 132,5 Meter.

Die Machtdemonstration der Österreicher begann schon im ersten Durchgang. Mit einem Sprung auf 135 Meter führte Tschofenig das Feld an vor Stefan Kraft, der die gleiche Weite erzielte. Nur dem Schweizer Gregor Deschwanden gelang es zur Halbzeit das bärenstarke österreichische Trio an der Spitze zu sprengen. Jan Hörl sortierte sich dahinter auf der vierten Position ein, der jedoch mit einem Fabelsprung auf 138,5 Meter im zweiten Durchgang noch einmal kontern konnte. Zwar fehlten ihm in der Endabrechnung 5,1 Punkte auf Tschofenig, allerdings gelang es ihm sich mit diesem Satz noch auf den zweiten Platz nach vorne zu schieben. Tschofenig wiederum ließ im Finale nichts mehr anbrennen und feierte nach 137,5 Metern seinen zweiten Weltcupsieg.

„Es ist schon ziemlich genial. Bei diesem Wetter mit dem leichten Schneefall und uns Dreien auf den Plätzen 1-3 ist es fast schon ein wenig kitschig. Viel besser kann man es fast nicht haben. Wir gehen nun sehr zufrieden in die Weihnachtspause“, freute sich Tschofenig. Sein Teamkollege Hörl fasste das Geschehen wie folgt zusammen: „Es war ein cooles Wochenende für mich, nicht nur durch den gestrigen Sieg, sondern auch mit dem heutigen Dreifacherfolg. Jetzt können wir mit einem guten Gefühl in die kurze Pause gehen und dann in Oberstdorf wieder angreifen.“

Auch Stefan Kraft war mit seinem dritten Rang am Ende mehr als zufrieden: „Wir haben uns nach der gestrigen Weihnachtsfeier heute ein kleines Weihnachtsgeschenk gemacht. Ich bin mega happy mit dem dritten Platz. Die Sprünge waren sehr gut, obwohl ich am Schanzentisch zweimal ein bisschen zu spät dran war. Aber ich konnte viel aussortieren und habe viel richtig gemacht.“

ÖSV-Shootingstar Maximilian Ortner trumpft weiterhin auf

Für großes Aufsehen sorgte einmal mehr auch Maximilian Ortner, der zunächst die auf den frühen Vormittag vorgezogene Qualifikation gewann. Im Wettkampf stellte er mit zwei Sprüngen auf jeweils 134 Meter dann noch einmal seine Klasse unter Beweis und wurde Sechster. „Mit dem Qualisieg habe ich mir heute schon ein kleines Weihnachtsgeschenk gemacht. Meine Sprünge sind eigentlich von Tag zu Tag besser geworden, daher bin ich sehr zufrieden mit dem Wochenende. Jetzt genieße ich ein paar ruhige Tage mit der Familie und dann geht’s mit voller Energie nach Oberstdorf.“

Norweger mit deutlichem Aufwärtstrend

Doch nicht nur die Österreicher schossen sich in Engelberg auf die Tournee ein, auch die Norweger machten einen großen Schritt nach vorne. Vor allem Johann Andre Forfang, der einen starken Wettkampf zeigte und sich im Finale noch an Deschwanden (am Ende Platz 5) vorbeikämpfte. Als bester „Nicht-Österreicher“ belegte er in der Endabrechnung den vierten Rang. Und auch Kristoffer Eriksen Sundal (Platz 7) und Benjamin Oestvold (Platz 8) schafften den Sprung in die Top-10, was den Norwegern entsprechend Auftrieb geben sollte.

Rückschlag für Pius Paschke – nur drei Deutsche im Finale

Für die deutsche Mannschaft lief die Generalprobe hingegen nicht wie erhofft. Neben Karl Geiger waren lediglich Andreas Wellinger (Platz 15) und Pius Paschke (Platz 18) noch im zweiten Durchgang vertreten. Stephan Leyhe (Platz 32), Adrian Tittel (Platz 41), Philipp Raimund (Platz 45) und Markus Eisenbichler (Platz 47) mussten allesamt im Finaldurchgang zuschauen.

„Heute war es mannschaftlich wirklich nicht so gut. Es war zu wenig Dynamik am Schanzentisch. Zudem haben wir den Schwerpunkt nicht optimal gefunden und auch die Flugperformance war nicht optimal. Immerhin hat sich Karl noch ganz gut rausgearbeitet, was positiv zu bewerten ist“, bilanziert Cheftrainer Stefan Horngacher am ARD-Mikrofon. Zu Pius Paschke, der in dieser Saison bereits fünf Weltcupsiege erzielt hat, heute jedoch nicht über Platz 18 hinauskam, führt er aus: „Pius war leicht krank und ist körperlich nicht ganz fit nach Engelberg angereist. Die Position und der Absprung hat bei ihm an diesem Wochenende nicht zu 100% gepasst und dann fällt man in diesem engen Feld leider schnell weit zurück.“

Entscheidung um die deutschen Tourneeplätze fällt am morgigen Montag

Wie Stefan Horngacher weiter bekannt gab, wird die deutsche Tourneemannschaft am morgigen Montag endgültig festgelegt. Während Pius Paschke, Andreas Wellinger, Karl Geiger und Adrian Tittel schon vor dem Engelberg-Wochenende als gesetzt galten, konnten Stephan Leyhe, Markus Eisenbichler und Philipp Raimund noch ihre Empfehlung für die verbleibenden beiden Tickets abgeben. Alle Drei blieben jedoch an beiden Wettkampftagen weit hinter ihren eigenen Möglichkeiten zurück, weshalb es keinen klaren Favoriten gibt und eine enge Entscheidung werden wird.

Weltcup Weltcup Herren

Auch beim zweiten Einzelwettkampf der Herren in Titisee-Neustadt war Pius Paschke für die Konkurrenz nicht zu stoppen. Der 34-Jährige bewies auf der Hochfirstschanze in einem knappen Finale erneut Nervenstärke und setzte sich am Ende mit einem hauchdünnen Vorsprung von gerade einmal 0,4 Punkten gegen einen überraschend starken Michael Hayböck durch. Der Österreicher hatte nach dem ersten Durchgang noch in Führung gelegen, konnte diese jedoch nicht gegen den derzeit stärksten DSV-Adler verteidigen. Platz drei ging an den Norweger Kristoffer Eriksen Sundal.

„An allen drei Tagen hier in Titisee-Neustadt ganz oben auf dem Podium stehen zu dürfen, ist einfach nur unglaublich schön. Das hätte ich mir vor dem Wochenende auch nicht erträumt. Ich bin extrem glücklich und habe mich riesig über die Unterstützung von den vielen deutschen Fans gefreut. Es war eine richtig coole Stimmung hier, die mir einige Gänsehautmomente beschert hat. Jetzt freue ich mich schon auf Engelberg, denn es ist eine Schanze, die ich extrem gerne mag und anschließend natürlich auf die Vierschanzentournee“, so Paschke, der damit auch seine Führung im Gesamtweltcup weiter ausbauen konnte.

Für eine große Überraschung sorgte Michael Hayböck, der zu alter Stärke zurückzufinden scheint und seinen ersten Podiumsplatz im laufenden Weltcupwinter erzielen konnte. Nach dem Sieg in der Qualifikation sprang der 33-Jährige im ersten Wertungsdurchgang auf starke 145 Meter und führte die Konkurrenz an. Im zweiten Versuch gelangen ihm dann noch einmal 143 Meter. Die Wind-Kompensation und Haltungsnoten sprachen schlussendlich jedoch knapp für Pius Paschke, der auf Weiten von 141,5 Metern sowie 142 Metern kam und dafür insgesamt 290,4 Punkte erhielt.

„Das Training am Freitag ist für mich schon sehr gut gelaufen. Ich konnte hier eine deutliche Steigerung im Vergleich zu den letzten Sprüngen verzeichnen. Leider habe ich es gestern dann mit dem 12. Platz nicht in den Wettkampf übertragen bekommen. Daher bin ich überglücklich, dass es heute so gut funktioniert und für den zweiten Rang gereicht hat. Es scheint so, als hätte ich jetzt die richtige Abstimmung gefunden, nachdem der Saisonstart äußerst schwierig war“, schildert Hayböck.

Doch nicht nur dem Österreicher war das Strahlen ins Gesicht geschrieben, sondern auch Kristoffer Eriksen Sundal, der mit 284,7 Punkten auf den dritten Platz sprang. „Im ersten Versuch stand ich Mitte des Hangs noch relativ hoch in der Luft, das war schon ein tolles Gefühl. Beim zweiten Durchgang war dann das Adrenalin sehr hoch und die Freude nachher umso größer. Vielen Dank auch an meine Teamkollegen, die mir im Auslaufbereich einen tollen Empfang bereitet haben und sich für mich mitgefreut haben – ein fantastischer Tag.“

Hinter den Top-3 des Gesamtklassements reihte sich Anze Lanisek ein, der damit seinen Aufwärtstrend weiter bestätigen konnte. „Ich bin mit dem ganzen Wochenende sehr zufrieden. Es war für mich ein großer Schritt in die richtige Richtung. In der bisherigen Saison hatte ich zumeist starke Trainingssprünge, allerdings lief es im Wettkampf dann nicht rund. Jetzt war die Performance viel besser“, so der Slowene. Die beiden Österreicher Jan Hörl und Manuel Fettner folgten dahinter auf den Positionen fünf und sechs. Marius Lindvik (Platz 7), Jakub Wolny (Platz 8), Stefan Kraft (Platz 9) und der Zweitplatzierte des Vortages, Gregor Deschwanden (Platz 10), komplettierten die Top-10.

Yevhen Marusiak überzeugt mit Platz 12

Neben dem Spitzenresultat von Hayböck stellte auch der 12. Platz von Yevhen Marusiak eine faustdicke Überraschung dar. Schon in der Vergangenheit zeigte der Ukrainer vereinzelt immer mal wieder starke Ansätze, dieses Mal gelangen ihm allerdings zwei gleichwertige Sprünge auf hohem Niveau.

Gemischte Gefühle in der deutschen Mannschaft

Während Pius Paschke an der Spitze des Feldes unaufhaltsam scheint, taten sich die übrigen DSV-Adler am dritten Wettkampftag in Titisee-Neustadt schwer. Mit zwei stabilen Sprüngen und Rang 13 konnte Markus Eisenbichler immerhin noch beweisen, dass sein Flugsystem nach und nach stabiler wird.

Andreas Wellinger blieb ergebnistechnisch hinter den eigenen Erwartungen zurück und kam dieses Mal nicht über den 14. Platz hinaus. „Mit dem Verlauf der Sprünge am heutigen Tage bin ich zufrieden, da sie immer besser wurden. Im Wettkampf war nicht viel mehr für mich möglich, da ich zweimal nicht auf der glücklichsten Seite der Windbedingungen war. Da fällt man eben runter wie ein nasser Sack. Schade, denn die Sprünge haben von der Qualität her sicherlich mehr hergegeben. Aber zum Glück geht es am Freitag ja schon in Engelberg weiter“, resümiert Wellinger.

Karl Geiger schloss das Titisee-Wochenende mit dem 17. Platz ab. „Im Prinzip waren meine Sprünge alle ok, aber der zündende Moment hat gefehlt. Generell ist das gesamte Feld sehr dicht beisammen und auf einem hohen Niveau unterwegs. Da muss schon alles passen, um vorne mithalten zu können.“

Philipp Raimund verbesserte sich leicht und erreichte gegenüber dem Vortag dieses Mal den zweiten Durchgang. Platz 30 war für ihn jedoch das Maximum. Für Stephan Leyhe (31.) und Adrian Tittel (36.) war die Konkurrenz nach dem ersten Durchgang bereits vorzeitig beendet.

„Ich bin einfach an der Schanzentischkante vorbeigefahren, also viel zu spät abgesprungen. Damit tue ich mich schwerer, als wenn ich zu früh dran bin. Es sind zwar 130 Meter gewesen, aber es hat letztlich nicht für das Finale gereicht. Eigentlich bin ich derzeit ganz gut drauf, habe es nur an den beiden Einzelwettkämpfen hier leider nicht so hinbekommen“, so Leyhe.

Weltcup Weltcup Herren

Nach dem gestrigen Sieg im Super-Team Wettbewerb hat Pius Paschke bei der ersten Einzelkonkurrenz in Titisee-Neustadt noch einmal eindrucksvoll nachgelegt. Der 34-Jährige sammelte auf der größten Naturschanze in Deutschland insgesamt 294,1 Punkte und feierte vor heimischem Publikum seinen vierten Saisonsieg. Platz zwei ging an den erneut starken Schweizer Gregor Deschwanden (287,7 Punkte) vor Daniel Tschofenig aus Österreich (281,7 Punkte). Andreas Wellinger, der nach dem ersten Durchgang noch auf dem dritten Rang gelegen hatte, wurde im Endklassement Vierter und verpasste um gerade einmal 1,7 Punkte das Podium.

„Für mich war es der bislang schönste Sieg in dieser Saison, weil wir hier vor heimischem Publikum gesprungen sind. Ich hatte wirklich Gänsehaut, als sie bei der Siegerehrung die Hymne abgespielt haben. Es ist schon noch einmal etwas ganz anderes als die bisherigen Erfolge und hat richtig viel Spaß gemacht“, strahlte Paschke. Zu seiner derzeitigen Erfolgsserie führt er aus: „Es ist aktuell schon ein bisschen wie im Traum, aber ich habe diesen schnell angenommen und probiert, trotz der Ergebnisse, bei meinen Sachen zu bleiben. Vor der Saison hätte ich nie gedacht, dass ich mal in einer solchen Situation bin, aber jetzt ist es so und ich versuche es einfach nur zu genießen.“

In beiden Wertungsdurchgängen war Paschke, der Weiten von 144 Metern und 138 Metern erzielte, nach Punkten der stärkste Springer des Feldes. Gregor Deschwanden, der unmittelbar vor dem Wettkampf noch die Qualifikation gewann, reihte sich dahinter auf dem zweiten Rang ein. Damit stellte der Schweizer sein bestes Saisonergebnis ein, denn bereits am letzten Weltcupwochenende in Wisla wurde er ganz knapp hinter Daniel Tschofenig Zweiter. Den Österreicher hatte er dieses Mal zwar im Griff, allerdings führte nun kein Weg an Paschke vorbei.

„Ich habe zwei Top-Sprünge gezeigt, aber hätte heute die Superlative davon gebraucht, um zu gewinnen. Mit meiner Leistung bin ich sehr zufrieden und hoffe darauf, dass ich irgendwann auch meinen ersten Weltcupsieg feiern darf“, resümierte Deschwanden nach dem Wettbewerb. Grund zur Freude hatte auch besagter Daniel Tschofenig, der sich mit einem starken Finalsprung noch an Andreas Wellinger vorbeischieben konnte und Platz drei ergatterte.

„Bisher habe ich in jedem Sprung etwas umgestellt, weil ich nicht gewusst habe, was hier genau wie funktioniert. Aber bei meinem zweiten Versuch hat alles zusammengepasst. Ab und zu sind es die kleinen Dinge, die man verändern muss. Und jetzt bin ich richtig froh, auf dem Stockerl stehen zu dürfen“, äußerte sich Tschofenig anschließend.

Zajc und Lanisek sorgen für Aufwärtstrend bei den Slowenen

Nach einem schwachen Super-Team Wettbewerb gestern, der für die Slowenen nur auf Platz sieben endete, konnten sich Timi Zajc und Anze Lanisek im Einzelwettkampf rehabilitieren. Während Zajc hinter Andreas Wellinger Fünfter wurde, schloss Lanisek den Wettbewerb auf Rang zehn ab. Zwischen den Beiden positionierten sich noch Jan Hörl (Platz 6), Kristoffer Eriksen Sundal (Platz 7), Maximilian Ortner (Platz 8) und Aleksander Zniszczol (Platz 9).

Kraft, Lindvik und Kobayashi außerhalb der Top-10

Nicht wie erhofft verlief der Wettkampf aus Sicht von Stefan Kraft (Platz 11), Marius Lindvik (Platz 13) und Ryoyu Kobayashi (Platz 17), die in Normalform auch zum engsten Favoritenkreis bei der bevorstehenden Vierschanzentournee zählen werden. „Die Sprünge waren in Ordnung und sicherlich eine Steigerung zu gestern. Mit dem elften Platz bin ich natürlich nicht zufrieden, da ich mir schon ein Top-5 Ergebnis erhofft hatte. Mein zweiter Sprung ist auch gar nicht so schlecht gewesen. Daher verstehe ich nicht ganz, dass ich damit noch vier Plätze verloren habe, aber ok“, so Kraft. Lindvik hadert derweil mit den technischen Feinheiten im Sprungablauf. „Ich weiß, dass ich es besser kann, als ich es aktuell zeige und werde weiter alles geben, um mich bis zur Vierschanzentournee auf ein gutes Level zu bringen.“

Und bei Ryoyu Kobayashi? Der Japaner sucht weiterhin nach seiner Form. „Ich bin überhaupt nicht zufrieden mit dem heutigen Wettkampf und weiß nicht, woran es aktuell genau liegt. Wenn Ihr mir den Punkt nennen könnt, würde ich es direkt versuchen umzusetzen“, wirkte der amtierende Vierschanzentourneesieger am Mikrofon von Skispringen-News.de ratlos.

Geiger, Eisenbichler, Leyhe und Tittel sammeln Weltcuppunkte

Hinter Paschke und Wellinger reihte sich Karl Geiger als drittbester Deutscher auf Platz 14 ein. „Die Wettkampfsprünge waren ordentlich, da kann man drauf aufbauen. Im Flug passt noch nicht alles so zusammen, wie ich es mir vorstelle. Aber ich habe mich im Wettkampf wieder deutlich steigern können und das gibt mir Aufwind. Ich muss jetzt Schritt für Schritt weiterarbeiten.“

Markus Eisenbichler belegte den 21. Platz und fasste seinen Tag wie folgt zusammen: „Der zweite Sprung war ok, der erste Durchgang hingegen nicht. Ich muss hier einfach noch stabiler werden. Zudem wäre es wichtig, dass ich künftig nicht versuche, alles gleichzeitig in einem Sprung besser machen zu wollen. Viel besser ist es, hier immer nur einen Schritt zu gehen. Daran werde ich arbeiten.“

Stephan Leyhe schloss den Wettkampf auf dem 25. Platz ab, nachdem er zur Halbzeit noch auf einem vielversprechenden elften Rang gelegen hatte. „Von den fünf Sprüngen, die ich hier in Titisee-Neustadt bislang gemacht habe, war nur einer daneben – und dass war leider der zweite Durchgang. Ansonsten geht der Trend eigentlich nach oben. Die Sprünge passen soweit und gerade der erste Wertungsdurchgang war sehr gut.“

Shootingstar Adrian Tittel sammelte dahinter mit dem 30. Platz auch noch einen Weltcuppunkt. Einzig Philipp Raimund (34. Platz) verpasste aus dem DSV-Team knapp den finalen Durchgang. „Ich finde gerade ziemlich viele kleine, unterschiedliche Fehler und komme noch nicht auf ein stabiles System. Da wir leider nur so wenige Sprünge im Weltcup haben, ist es schwer hier wieder zurückzufinden. In Wisla hatte ich einen Glücksgriff dabei, habe es dann aber leider nicht geschafft, an die Leistung aus diesem einen Sprung weiter anzuknüpfen. Jetzt heißt es für mich Video schauen und gucken, was es dieses Mal war.“

Zum Abschluss findet in Titisee-Neustadt am morgigen Sonntag noch ein weiterer Einzelwettkampf statt. Los geht es um 16:00 Uhr. Zuvor beginnt um 14:30 Uhr die Qualifikation.