Skifliegen Weltcup Weltcup Herren

Das Skifliegen in Oberstdorf hat ein weiteres Mal seine Dramatik unter Beweis gestellt. Der zweite Wettbewerbstag war besonders im ersten Durchgang von wechselnden Winden geprägt, was einigen Springern Glück brachte, während andere weniger davon hatten. Sloweniens Domen Prevc führte bereits nach dem ersten Durchgang das Feld an und konnte im Finale mit einem beeindruckenden Sprung von 231,5 Metern den bis dahin führenden Norweger Johann André Forfang kontern. Damit feierte er, wie sein Landsmann Timi Zajc am Vortag, seinen ersten Saisonsieg auf der legendären Heini-Klopfer-Skiflugschanze.

Der Zweitplatzierte nach dem ersten Durchgang, Michael Hayböck aus Österreich, landete im Finale knapp vor der grünen Linie und konnte sich nicht gegen Forfang behaupten. Hayböck musste sich letztlich mit dem dritten Platz zufriedengeben.

Timi Zajc, der am Vortag seinen ersten Saisonsieg gefeiert hatte, konnte an Tag zwei im ersten Durchgang nicht den erhofften Top-Sprung landen und lag auf Rang 13 zurück. Zwar flog er im zweiten Durchgang weiter, doch der große Angriff nach vorne blieb aus.

Ein wenig Pech im ersten Durchgang hatte Johann André Forfang, der seinen ersten Saisonsieg am Vortag nur wegen der Landung verpasste. Sein Trainer Magnus Brevig verkürzte für ihn am Sonntag gleich zweimal die Anlauflänge. Im ersten Durchgang ging die Rechnung nicht auf, denn der norwegische Flugkünstler verpasste die Punktegutschrift um knappe drei Meter. Doch im Finale, bei dem der Trainer sogar zwei Gates verkürzte, gelang es und Forfang bekam die Punkte gutgeschrieben, was ihm schlussendlich einen weiteren zweiten Platz sicherte. Für den Sieg reichte es damit erneut knapp nicht.

Für eine kleine Überraschung im ersten Durchgang sorgte der Schweizer Gregor Deschwanden, der im ersten Durchgang mit einer Weite von 234,5 Metern die Bestweite erzielte. Im zweiten Durchgang konnte er diesen Erfolg jedoch nicht wiederholen und fiel um ein paar Plätze auf Rang neun zurück.

DSV-Team fliegt weiterhin hinterher

Für die deutschen Adler hieß es auch am Sonntag erneut, das Feld von hinten aufzurollen. Karl Geiger, bestplatzierter Deutscher, flog vor heimischem Publikum auf Platz 11. Mit Sprüngen von 222 und 223 Metern gelangen ihm zwei solide Sprünge. Philipp Raimund landete nach einem versöhnlichen zweiten Sprung auf Rang 27, während sich Pius Paschke auf Platz 21 schieben konnte. Die großen Angriffsflüge nach vorne blieben jedoch bei beiden aus. Andreas Wellinger, der besonders im Finale schwere Bedingungen erwischte, holte mit seinem besten Sprung des Wochenendes, wie er im Anschluss selbst betonte, das Beste heraus und wurde 19.

Erfolgserlebnisse für Polen

Auch das polnische Team konnte am Sonntag kleine Erfolge verbuchen. Pawel Wasek verbesserte sich nach dem zweitweitesten Sprung auf 233 Metern im Finale von Platz acht auf einen starken vierten Platz. Aleksander Zniszczol (15.) und Piotr Żyła (18.) zeigten ebenfalls gute Flüge und sorgten für einen positiven Trend im polnischen Team.

Skifliegen Weltcup Weltcup Herren

Wo wird gesprungen?

Nach dem Weltcup in Polen geht es weiter mit dem ersten Weltcup im Skifliegen der Saison – auf der Heini-Klopfer-Skiflugschanze. Oberstdorf ist ein beliebter Touristenort im Süden Bayerns, der mit dem Nebelhorn und den Allgäuer Alpen zahlreiche Möglichkeiten für Wintersport ebenso wie zum Wandern im Sommer bietet. Die Skiflugschanze in Oberstdorf war zuletzt 2018 Austragungsort der Skiflug-Weltmeisterschaften. Nach dem Auftaktspringen der Vierschanzentournee ist es der zweite Weltcup der Saison in Oberstdorf.

Die Schanzendetails der Heini-Klopfer-Skiflugschanze im Überblick:

Hillsize:235 m
K-Punkt:200 m
Schanzenrekord:242,5 m (Domen Prevc; 20.03.22)
Baujahr:2017
Zuschauerkapazität:40.000

Programm:

Freitag, 24.01.2025
14:30 – Offizielles Training
17:00 – Qualifikation (Eurosport)

Samstag, 25.01.2025
15:00 – Probedurchgang
16:30 – Einzelwettbewerb (ZDF / Eurosport)

Sonntag, 26.01.2025
14:15 – Qualifikation
16:00 – Einzelwettbewerb (ZDF / Eurosport)

Weltcup Weltcup Herren

Das österreichische Team wurde der Favoritenstellung beim ersten 4er-Teamwettbewerb der Herren im laufenden Weltcupwinter gerecht. Jan Hörl, Maximilian Ortner, Stefan Kraft und Daniel Tschofenig sammelten insgesamt 1170,4 Punkte und setzten sich souverän gegen die übrigen neun Nationen durch. Platz zwei sicherten sich die Slowenen (1129,6 Punkte) vor den Norwegern (1122,9 Punkte), die das Podium auf Rang drei komplettierten. Die deutsche Mannschaft (1110,0 Punkte) belegte in der Endabrechnung die vierte Position.

Für die Österreicher lief es beim Teamwettbewerb in Zakopane von Beginn an wie am Schnürchen. Startspringer Jan Hörl brachte die derzeit stärkste Skisprungnation mit einem Sprung auf 137 Meter direkt in Führung. Seine drei Mannschaftskollegen Maximilian Ortner, Stefan Kraft und Daniel Tschofenig leisteten sich anschließend ebenfalls keine Schwäche und trugen ihren Anteil zu einem souveränen Start-Ziel-Erfolg bei. Mit einem satten Vorsprung von 40,8 Punkten lag das Quartett am Ende vor dem zweitplatzierten Team aus Slowenien (Lovro Kos, Timi Zajc, Domen Prevc und Anze Lanisek), dessen Athleten immer besser in Form kommen. Während Zajc und Lanisek in diesem Weltcupwinter schon in vereinzelten Sprüngen überzeugen konnten, fand im heutigen Wettbewerb auch Kos wieder zu alter Stärke zurück und präsentierte sich mit Weiten von 136 Metern und 137,5 Metern wiedererstarkt.

Mit konstant guten Sprüngen sicherten sich die Norweger (Kristoffer Eriksen Sundal, Benjamin Oestvold, Halvor Egner Granerud und Johann Andre Forfang) dahinter den dritten Rang. Oestvold erhielt dieses Mal den Vorzug vor Marius Lindvik, der weiterhin auf Formsuche ist, und konnte mit Weiten von 133,5 Metern bzw. 134,5 Metern seine Nominierung rechtfertigen. Wie von den letzten Weltcupspringen schon gewohnt, stach Forfang aus dem Quartett noch einmal besonders heraus und lieferte im ersten Durchgang eine Top-Weite von 142 Metern ab. Im zweiten Durchgang konnte er mit 132,5 Metern den Schlussangriff von Anze Lanisek, der mit einer Luke mehr Anlauf auf 144 Metern kam, allerdings nicht mehr ganz parieren. So zogen die Slowenen noch im letzten Sprung an den Norwegern vorbei.

Auch die deutsche Mannschaft (Karl Geiger, Pius Paschke, Philipp Raimund und Andreas Wellinger) kämpfte lange um einen Podiumsplatz mit, musste sich allerdings in der Endabrechnung mit dem vierten Platz begnügen. Zur Halbzeit hatte das DSV-Quartett noch hinter Österreich und Norwegen auf der dritten Position gelegen. Den stärksten Eindruck hinterließ dabei heute Karl Geiger (136,5 Meter/139,5 Meter), der sich einmal mehr deutlich gegenüber seinen schwachen Trainingssprüngen steigerte. Neben ihm holte sich auch Andreas Wellinger Selbstvertrauen für den morgigen Einzelwettbewerb. Mit einem Satz auf 139 Meter zeigte er im Finaldurchgang seinen bislang besten Sprung auf der Anlage.

Hinter den vier Top-Nationen platzierten sich die Polen (1037,0 Punkte) bei ihrem Heimspiel auf dem fünften Rang. Neben einem gewohnt starken Pawel Wasek und einem soliden Auftritt von Aleksander Zniszczol zeigte sich hier vor allem Dawid Kubacki deutlich verbessert, auch Kamil Stoch wirkte in seinen Versuchen stabiler. Rang sechs ging an die Schweiz (1009,2 Punkte) vor den USA (985,8 Punkte), die Siebte wurden. Hier sorgte vor allem Kevin Bickner mit Weiten von 134 Metern und 141,5 Metern für Furore. Man darf gespannt sein, ob er diese Leistung im morgigen Einzelwettkampf wiederholen kann. Platz acht ging an die Japaner (967,9 Punkte), die an diesem Wochenende ohne Ryoyu Kobayashi in Zakopane vertreten sind.

Kasachstan (9.) und Finnland (10.), bei denen Kasperi Valto wegen seines irregulären Sprunganzuges disqualifiziert wurde, schieden nach dem ersten Durchgang aus.

DSV Plauderecke

Severin Freund zählt zu den erfolgreichsten deutschen Skispringern der letzten Jahre. Am 27.03.2022 beendete der Gesamtweltcupsieger aus der Saison 2014/2015 seine aktive Karriere und steht seither als TV-Experte vor der Kamera. An der Seite von Moderatorin Lena Kesting gibt Freund als Nachfolger von Toni Innauer bei den Übertragungen des ZDF seine Expertise und Erfahrungen aus 15 Weltcupjahren an die Zuschauer weiter. Skispringen-News.de hat sich mit dem Olympiasieger von 2014 über sein Leben nach dem Leistungssport sowie über das damalige Karriereende unterhalten.

Skispringen-News.de: „Hallo Severin, die Skisprungfans wissen natürlich, dass Du seit deinem Karriereende als TV-Experte für das ZDF fungierst. Doch kannst Du uns mal teilhaben lassen, wie Dein Leben sonst so aussieht?“

Severin Freund: „Sehr schön (lacht). Neben dem ZDF gibt es auch noch ein paar andere Projekte, aber ich habe ehrlich gesagt erst einmal die Familie vorangestellt, weil sie in der Zeit, als ich aktiv gesprungen bin, wirklich sehr viel mitgemacht haben. Das ist auch etwas, was ich aktuell sehr genieße. Das Leben als Leistungssportler ist doch sehr speziell und wenn man dann mal etwas anderes erleben kann, ist es auch ganz schön.“

Skispringen-News.de: „An was musstest Du Dich in der neuen Rolle als TV-Experte am meisten gewöhnen?“

Severin Freund: „Ich glaube an das Ganze drum herum. Der TV-Bereich ist einfach eine ganz andere Welt mit eigenen Regeln und eigenen Zeitplänen etc. Und als Leistungssportler kommt man ja an die Schanze und hat genau eine Aufgabe, die da heißt: möglichst gut Skispringen! Das hier ist ein bisschen anders. Aber es macht sehr, sehr viel Spaß und man kann natürlich auch die ganze Atmosphäre mit ein bisschen mehr Weitblick aufnehmen, was sehr schön ist.“

Skispringen-News.de: „Gab es bereits einen kuriosen/lustigen TV-Moment, von dem Du berichten kannst?“

Severin Freund: „Es gab bislang noch nichts richtig schlimmes. Klar, manchmal funktionieren ein paar Dinge nicht so, wie man es sich vorher gedacht hat. Und manchmal streikt vielleicht auch schonmal die Technik, aber damit muss man immer rechnen. Ich weiß aber noch, dass ich in Wisla mal an einem kleinen Monitor oben am Schanzentisch kommentiert habe, weil der Weg in die Kommentatorenkabine zu weit weg war. Sonst hätte ich runterlaufen müssen, vielleicht 10 Springer mitkommentiert und dann direkt wieder hoch gemusst. Da hat man mir im Bereich des Schanzentisches etwas eingerichtet. Aber es ist auf jeden Fall eine coole Crew und es wird alles immer so gemacht, dass es nachher auch funktioniert.“

Skispringen-News.de: „Wenn Du an der Schanze bist…gibt es auch Momente, in denen du das Springen vermisst?“

Severin Freund: „Nein, ehrlicherweise nicht (lacht). Es war eine sehr, sehr schöne Zeit für mich aber auf die Schanze muss ich nicht mehr zurück.“

Skispringen-News.de: „Warum war es damals für Dich der richtige Zeitpunkt aufzuhören?

Severin Freund: „Ich hatte eine sehr schöne und erfolgreiche Zeit, aber auch eine schwierige Phase mit vielen Verletzungen. Dass ich es danach noch einmal für mich geschafft habe mit zwei Teammedaillen einen sehr schönen Abschluss hinzulegen, war fantastisch. Vor allem waren es mit Oberstdorf und Vikersund auch Orte, die mir viel bedeutet haben. Danach gab es nichts mehr, was mich noch großartig gereizt hätte. Gleichzeitig hatte ich auch irgendwie nicht mehr das Gefühl, dass da noch so wahnsinnig viel mehr im Tank ist – und deswegen war es perfekt.“

Skispringen-News.de: „Die Liste Deiner Erfolge ist lang: Gesamtweltcupsieger, Olympiasieger, 3x Weltmeister, Skiflugweltmeister, 22 Weltcupsiege und 10 WM-Medaillen. Was war rückblickend Dein persönliches Karrierehighlight?“

Severin Freund: „Für mich war es der Gewinn des Gesamtweltcups 2014/2015. Hiervon hatte ich schon als Kind geträumt. Auch wenn es am Ende richtig knapp war, dieser Triumph war für mich das Wertvollste in meiner Karriere.“

Skispringen-News.de: „Und was war der bitterste Moment Deiner Karriere?

Severin Freund: „Im Nachhinein wahrscheinlich mein zweiter Kreuzbandriss. Ich glaube mit einem Kreuzbandriss wäre es vielleicht noch möglich gewesen, dass man das Ganze nochmal aufholt, aber mit dem zweiten Kreuzbandriss war die Ausfallzeit und damit auch der Weg schon unheimlich lang. Deswegen: ja, es wäre vielleicht noch mehr drin gewesen, auch mit zwei Kreuzbandrissen. Ich habe mein Bestes gegeben, aber für ganz nach vorne hat es zumindest im Einzel nicht mehr gereicht und das war sicherlich ein bitterer Moment.“

Skispringen-News.de: „Was würdest Du jungen Athleten als Tipp mit auf den Weg geben? Welche Nachwuchstalente siehst du aktuell national/international?

Severin Freund: „Wir haben national einige gute Springer, auch wenn wir aktuell vielleicht nicht ganz so gut dastehen wie z.B. die Österreicher, die im Nachwuchs alles dominieren. Aber auch eine solche Situation hat ihre Tücken, denn man merkt gerade in Österreich, dass es gar nicht so einfach ist, die jungen Sportler im Weltcup zu etablieren.

Wir sind hier in Deutschland ganz gut aufgestellt und haben jetzt im Nachwuchs mit Werner Schuster jemanden, der genau weiß, von was er spricht. Und zu dem Tipp: Ich denke, dass grundsätzlich jeder Sportler seinen eigenen Weg finden/gehen muss. Wenn man im Moment jedoch auf einen Springer wie Pius (Paschke) schaut und seine Geschichte sieht, kann man daraus auch als junger Athlet noch sehr viel lernen.“

Skispringen-News.de: Vielen Dank für das Gespräch!

Severin Freund: „Sehr gerne. Bis zum nächsten Mal!“

DSV Plauderecke

Eine der derzeit größten deutschen Nachwuchshoffnungen im Skispringen ist Adrian Tittel, der kürzlich seine erste Vierschanzentournee absolvierte. Bei den Junioren-Weltmeisterschaften 2024 in Planica gewann der 20-Jährige Silber mit dem Team, Bronze im Einzel und auch im Mixed-Team. Damit sicherte er sich für die Weltcupsaison 2024/2025 einen dauerhaften Startplatz in der Mannschaft von Bundestrainer Stefan Horngacher. Gegenüber Skispringen-News.de hat sich der Rohdiamant aus dem Erzgebirge einem kleinen „Skisprung-Kreuzverhör“ unterzogen.

Steckbrief

Name: Adrian Tittel
Geburtsdatum: 21.02.2004
Wohnort: Zella-Mehlis
Hobbies: Ski- und Fahrradfahren

Bitte vervollständige diese Sätze (zu Dir persönlich)…

Ich würde mich mit folgenden drei Worten beschreiben…ungeduldig, ruhig und zielstrebig

Abseits der Schanze bin ich als…Sportsoldat tätig.

Dieser Song darf auf meiner Playlist nicht fehlen…an der Schanze höre ich nicht so viel Musik, nur im Auto und da schaue ich nicht so auf die Titel 🙂

Am liebsten höre ich folgende Musik…von allem etwas, also querbeet

Diese drei Apps nutze ich am häufigsten…Instagram, TikTok und Whatsapp

Bitte vervollständige diese Sätze (zum Skispringen)…

Zum Skispringen gekommen bin ich durch…das Skifahren mit meinem Vater. Ich bin über jeden Hügel gesprungen und da hat mein Vater zu mir gesagt, dass wir jetzt mal zum Skispringen gehen. Dann war es anfänglich bei mir noch die Nordische Kombination, ehe ich zum Spezialspringen gewechselt bin.

Im Skispringen ist es wichtig…gut abzuspringen 🙂

Mein Vorbild ist…Karl Geiger!

Mein persönliches Karrierehighlight war bisher…die letzte Junioren-Weltmeisterschaft in Planica mit den drei gewonnen Medaillen.

Der Tiefpunkt meiner Karriere war…vor zwei Jahren als ich die Junioren WM verpasst habe. Ich bin davor einfach nicht gut genug gesprungen, weshalb es nicht für eine Nominierung gereicht hat.

Ich möchte in meiner Skisprungkarriere auf jeden Fall noch folgendes erleben/erreichen…ich denke, dass jeder gerne Olympiasieger werden will 🙂 Aber in jedem Fall möchte ich Weltcups gewinnen und Weltmeistertitel feiern.

Nach einem Misserfolg baut mich folgendes wieder auf/lenkt mich folgendes am besten ab…einfach nur nach Hause zu kommen zur Familie.

Meine Lieblingsschanze ist…bisher war Ruka ganz geil, aber Titisee-Neustadt ist auch nicht schlecht.

Diese Schanze mag ich nicht…Wisla und die 90-Meter-Schanze in Eisenerz.

Mein Ritual vor einem Sprung…habe ich keins.

Der größte/beste Skispringer aller Zeiten ist für mich…puh, da gab es viele! Ich denke da aber zuerst an Jens Weißflog, Sven Hannawald und Severin Freund.

Die größte/beste Skispringerin aller Zeiten ist für mich…das ist für mich die Katha (Katharina Schmid)!

Mein kuriosestes Erlebnis beim Skispringen war bisher…in Iron Mountain. Es war sehr krass, als die ganzen Leute mit ihren Trucks da waren, sich Hütten gebaut haben und voll abgegangen sind. Das war glaube ich bisher am coolsten.

Mit diesem Teamkollegen verstehe ich mich am besten bzw. hatte ich bisher am meisten Spaß? Philipp Raimund!

Abseits des Skispringens verfolge ich noch folgende Sportarten…eigentlich alles im Wintersport, nur Langlauf finde ich ehrlich gesagt ein klein bisschen langweilig (lacht). Und im Sommer gucke ich gerne Formel 1 und natürlich Fußball.

Bitte entscheide Dich!

Großschanze oder Normalschanze? Großschanze

Skispringen oder Skifliegen? Skifliegen war ich noch nicht, aber ich glaube es ist mega!

4er-Teamwettkämpfe oder Super-Team? Ich halte persönlich nicht so viel vom Super-Team, daher ganz klar 4er-Team!

Vierschanzentournee, WM oder Olympia? Ich denke, Olympia ist das Highlight schlechthin.

Schnee/Eisspur (Winter) oder Keramik/Mattenspur (Sommer)? Schnee/Eisspur

Noch mehr Absprungkraft oder noch bessere Flugqualitäten? Ich bin eher der Abspringer, daher sage ich die Flugfähigkeiten.

Vierschanzentournee Weltcup Weltcup Herren

Stefan Kraft hat in der Qualifikation für das morgige Finale der Vierschanzentournee den stärksten Eindruck hinterlassen. Nach seinem gestrigen Sieg in Innsbruck setzte er sich auch heute in Bischofshofen mit einem Sprung auf 142 Meter (155,4 Punkte) gegen die gesamte Konkurrenz durch. ÖSV-Nachwuchshoffnung Maximilian Ortner (139,5m/147,2 Punkte) sowie der Schweizer Gregor Deschwanden (142m/146,6 Punkte) reihten sich auf den Plätzen zwei und drei ein. Kraft untermauerte damit noch einmal eindrucksvoll seine Ambitionen im Hinblick auf den goldenen Adler.

Kraft, Hörl oder Tschofenig: wer wird die 73. Vierschanzentournee für sich entscheiden? In der Tourneewertung trennen die drei bärenstarken Österreicher vor dem finalen Showdown am morgigen Tag gerade einmal 1,3 Punkte. Wenn es nach den heutigen Eindrücken geht, deutet vieles auf Stefan Kraft hin. Denn im ersten Training hatte der aktuelle Tourneeleader auf Anhieb die Nase vorne und konnte mit Rang zwei im zweiten Probeversuch den starken Eindruck noch einmal bestätigen. In der anschließenden Qualifikation führte ebenfalls kein Weg an dem erfahrenen Routinier vorbei, was ihn für das große Finale morgen gegenüber seinen beiden Landsmännern vielleicht in eine ganz kleine Favoritenstellung bringt.

„Wenn es läuft, dann läuft es. Ich habe mich sehr gut eingesprungen auf die Schanze hier in Bischofshofen, bin immer lockerer geworden und wusste von Sprung zu Sprung genau, was zu tun ist. Es hat richtig viel Spaß gemacht“, strahlte Kraft, der damit gleichzeitig eine Kampfansage in Richtung seiner beiden ärgsten Kontrahenten im Kampf um die Tourneewertung abgab. Während sich Daniel Tschofenig (137m/146,3 Punkte) hinter Ortner und Deschwanden, punktgleich mit dem Polen Pawel Wasek auf Platz vier einreihte, schloss Hörl (139m/145,8 Punkte) die Qualifikation dahinter auf dem sechsten Rang ab.

„Es ging schonmal in die richtige Richtung. Jetzt in der Quali war es ein bisschen auf der späten Seite bei mir, also es ist einfach eine Timinggeschichte. Aber ich weiß, was ich zu tun habe und kenne die Schanze gut, von daher freue ich mich morgen auf den Wettkampf“, so Hörl, der folgende Einschätzung zum Dreikampf um die Tourneewertung abgibt: „Stefan hat letztes Jahr hier in Bischofshofen gewonnen. Er kennt das und er hat den Adler schon, sodass ich glaube, dass er am wenigsten Druck hat. Von dem her werden wir versuchen, dass wir, die beiden Jüngeren, den Älteren noch ein bisschen ärgern.“ Was Hörl in jedem Fall als positives Element aus dem heutigen Tage mitnehmen kann, ist sein starker zweiter Probesprung. In diesem Versuch ließ er auch Kraft ganz knapp hinter sich.

Bei Daniel Tschofenig stimmt die Tendenz ebenfalls, nachdem er in den beiden Trainingssprüngen zunächst „nur“ die Plätze sieben und elf erreichte. „Es ist viel drin morgen. Die heutigen Sprünge waren allerdings noch nicht wirklich gut. Den in der Quali habe ich wenigstens auf dem Tisch wieder halbwegs getroffen, was Selbstvertrauen bringt, weil die beiden Sprünge vorher echt schlecht waren“, bilanzierte er im Anschluss am Mikrofon des ZDF.

ÖSV-Cheftrainier Andreas Widhölzl fasst die Ausgangslage wie folgt zusammen: „Grundsätzlich liegt allen Drei die Schanze, sie sind auch alle hier schon sehr gut gesprungen. Ich glaube, das entscheidende ist, wer morgen am besten auf dem Punkt ist, wer am coolsten bleibt, und wer auch das nötige Glück hat. Ich denke einfach der, der an dem Tag am besten in Form ist und am besten performt, wird gewinnen.“

Die Top-10 in der Qualifikation komplettierten der Norweger Benjamin Oestvold (7.), der Japaner Ryoyu Kobayashi (8.), Andreas Wellinger als bester Deutscher auf Rang 9 sowie der immer stärker werdende Slowene Domen Prevc (10.).

Alle DSV-Adler qualifiziert

Erfreulich aus deutscher Sicht ist, dass alle sechs Athleten die Qualifikation für den Abschlusswettbewerb der Vierschanzentournee geschafft haben. Im Tagesklassement reihten sich wie folgt ein: Andreas Wellinger (9.), Pius Paschke (13.), Philipp Raimund (15.), Karl Geiger (16.), Felix Hoffmann (37.), Adrian Tittel (44.).

„Heute haben sich alle ein bisschen freigesprungen von dem Tag gestern, der für uns nicht leicht war. Es waren durchaus gute Sprünge dabei. Zur Spitze fehlt noch etwas, aber wir sind auf dem richtigen Weg. Jetzt heißt es, sich morgen noch ein bisschen zu steigern und dann sind wir wieder mit dabei“, so Horngacher.

Raimund, der seine deutlich aufsteigende Form auch in Bischofshofen bestätigen konnte, fasste den Tag wie folgt zusammen: „Ich bin insgesamt sehr, sehr zufrieden mit den Sprüngen hier. Im letzten Versuch wäre sogar noch einiges mehr möglich gewesen, demnach kann ich mit viel Selbstvertrauen morgen wieder reinstarten.“

Granerud vs. Paschke – eines der spannendsten K.O. Duelle

In einem der spannendsten K.O. Duelle des morgigen Tages treffen der Norweger Halvor Egner Granerud und Pius Paschke aus Kiefersfelden aufeinander. Die weiteren Begegnungen mit deutscher Beteiligung lauten: Karl Geiger vs. Sakutaro Kobayashi, Felix Hoffmann vs. Johann Andre Forfang, Philipp Raimund vs. Naoki Nakamura, Andreas Wellinger vs. Roman Koudelka und Adrian Tittel vs. Benjamin Oestvold.

DSV Vierschanzentournee Weltcup Weltcup Herren

Traditionell bildet Bischofshofen die finale Station der Vierschanzentournee. Am Sonntag, 05.01.2025 steht für die Skispringer zunächst die Qualifikation auf dem Programm, ehe der Wettkampf am Montag, 06.01.2025 folgt. Skispringen-News.de hat sich im Vorfeld mit DSV-Adler Philipp Raimund sowie Lokalmatador Stefan Kraft über die Anlage ausgetauscht und dabei festgestellt, wie sehr die Meinungen zur Schanze doch auseinander gehen können. 

„Von den vier Tourneeschanzen ist mein Favorit ehrlich gesagt Innsbruck. Da werden mir viele andere deutsche Kollegen nicht ganz zustimmen, aber ich mag die Anlage dort“, sagte uns DSV-Adler Philipp Raimund kürzlich beim Weltcup in Titisee-Neustadt und fügte in seinem Statement hinzu: „Ganz anders als Bischofshofen, also genau andersherum, wie bei den anderen Jungs.“ Als wir ihn im Anschluss baten, ob er uns und den Skisprungfans eine der vier Tourneeschanzen nach freier Wahl ein wenig näherbringen könne, führt der 24-Jährige schmunzelnd aus:          

„Wenn ich eine der vier Schanzen vorstellen könnte, mache ich es doch gleich mit Bischofshofen, weil ich sie nicht mag und deshalb jede Kleinigkeit aufzählen kann, die ich nicht mag (lacht). Der Anlauf ist extrem flach und extrem lang: man schläft ein! Die Kante ist viel zu lang, man hat das Gefühl, es passiert einfach gar nichts! Und dann muss man hoffen, dass man die Kante irgendwie trifft, dass man davor nicht schon eingeschlafen ist und irgendwie ins Fliegen kommt. Wie es danach funktioniert, habe ich ab und zu zwar herausgefunden, ab und zu aber auch gar nicht. Also hoffe ich mal, dass es dieses Jahr dort wieder besser läuft“, so Raimund. 

Während sich also bei ihm die Vorfreude auf die letzte Tourneestation mehr als nur in Grenzen hält, ist Lokalmatador Stefan Kraft von der Anlage mehr als begeistert. Der amtierende Gesamtweltcupsieger sagt uns gegenüber am Mikrofon: „Bischofshofen ist meine Heimatschanze. Ich habe letztes Jahr meinen ersten Sieg dort feiern können und mag sie sehr, sehr gerne. Es ist eine äußerst spezielle Schanze, weshalb sie sehr cool ist.“ Auf die Frage hin, was die Anlage dort auszeichnet, schildert uns Kraft: „Es ist ganz was eigenes. Die Schanze verfügt über einen sehr flachen und sehr langen Anlauf ohne Radiusdruck. Man muss sich die Spannung dort also wirklich selbst holen, denn die Schanze gibt dir nichts retour. Das macht es sehr spannend.“  Die größte Challenge sieht der ÖSV-Adler in Sachen Timing. „Das Timing ist sehr, sehr schwer. Man fragt sich ständig: „Soll ich schon? Oder soll ich noch warten? Es verleitet sehr dazu, zu früh zu sein, aber trotzdem ist sie dann eine kleine Flugschanze.“      

Skisprungfans können also mal aufmerksam beobachten, ob sich die unterschiedlichen Meinungen zur Schanze in Bischofshofen an den beiden Veranstaltungstagen auch in den Gesichtern von Philipp Raimund bzw. Stefan Kraft ablesen lässt oder ob beide fokussiert im Tunnelblick bleiben. Im Sinne eines guten DSV-Ergebnisses hoffen wir natürlich darauf, dass Raimund spätestens vor der Kante wieder rechtzeitig aus seinem Schlaf aufwacht. 🙂    

Vierschanzentournee Weltcup Weltcup Herren

Am Bergisel, der berüchtigten „Schicksalsschanze“, mussten sich schon viele Skispringer endgültig vom Traum des goldenen Adlers verabschieden. Vor allem die deutschen Skispringer wie Richard Freitag und Karl Geiger mussten hier (zum Teil mehrfach) ihre Tourneehoffnungen begraben, so auch in diesem Jahr. Anders ergeht es derzeit den starken ÖSV-Adlern, die sich scheinbar von nichts und niemandem aus der Ruhe bringen lassen – auch nicht von einem ausverkauften Stadion in Innsbruck.

Die rot-weiß-rote Mannschaft springt weiterhin in einer eigenen Liga: Der Tournee-Führende Daniel Tschofenig sprang im ersten Durchgang bereits auf beeindruckende 132,5 Meter. Stefan Kraft zog auf seiner Lieblingsschanze nach und ließ nichts anbrennen. Der Sieger der gestrigen Qualifikation, Jan Hörl, setzte er als Letzter des ersten Durchganges noch eins drauf. Dank der guten Verhältnisse und einem absoluten Top-Sprung auf 134 Meter machte er gegenüber seinen Teamkollegen in der Tournee-Wertung sogar etwas an Boden gut und setzte sich in Führung.

Im Finale lieferten sich die drei ÖSV-Topspringer Tschofenig, Kraft und Hörl dann ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen am Bergisel. Der Sieg ging nach einem bärenstarken zweiten Sprung auf 132,5 Meter an Stefan Kraft, der damit seinen allerersten Sieg auf seiner Lieblingsschanze Bergisel sichern konnte. „Es ist ein ganz besonderer Tag, ein echter Kindheitstraum für mich. Jetzt gibt es dann erstmal eine Lasagne, das ist mein Lieblingsessen. Es wird eher ein ruhiger Abend, den Partymodus heben wir uns für den 06. Januar auf“, so Kraft nach seinem Tagessieg. Mit 1,4 Punkten setzte er sich schlussendlich gegen Jan Hörl durch. Tschofenig kam 10 Punkte hinter Kraft auf dem dritten Platz ein.

In der Tournee-Gesamtwertung ist Stefan Kraft damit mit 0,9 Punkten an Jan Hörl vorbeigezogen. Daniel Tschofenig liegt mit 1,3 Punkten ebenfalls nur minimal dahinter.

Deutsche Tournee-Hoffnungen endgültig abgehakt

Für den ersten DSV-Starter Felix Hoffmann lief es im Wettbewerb nicht optimal: Er erwischte keinen guten Sprung und verlor sein Duell. Seine Weite von 115,5 Metern reichte auch nicht für die fünf Lucky Loser. Adrian Tittel hatte ebenfalls Pech und landete zu früh auf 114 Metern. Er schied nach dem ersten Durchgang gegen seinen Duell-Partner Roman Koudelka aus Tschechien aus.

Karl Geigers Duell-Partner, der Amerikaner Kevin Bickner, legte mit 125,5 Metern gut vor. Karl Geiger schaffte zwar eine ähnliche Weite von 124 Metern, strauchelte jedoch bei der Landung, was ihn entscheidende Punkte bei den Haltungsnoten kostete. Damit verpasste er nicht nur den direkten Einzug ins Finale, sondern erlitt auch erneut einen Tiefschlag bei der Vierschanzentournee am Bergisel – eine Schanze, mit der sich der Oberstdorfer vermutlich nicht mehr anfreunden wird. Auch bei Andreas Wellinger geht es aktuell alles andere als leicht von der Hand. Er reihte sich auf dem 13. Platz sein.

Pius Paschke hingegen erwischte im ersten Durchgang endlich wieder einen ordentlichen Sprung auf 128,5 Meter. Dennoch fehlten ihm die entscheidenden Meter zur Spitze, und der Rückstand auf die starken Österreicher wuchs weiter an. Bei seinem zweiten Sprung fehlte ihm dann die Windunterstützung, um noch weitere Plätze gutmachen zu können. Er landete schließlich auf Platz acht. Die deutschen Hoffnungen dürften damit nach der dritten Station endgültig abgehakt sein.

Philipp Raimund, der nach einem starken vierten Platz im Probedurchgang große Erwartungen hatte, fand im ersten Durchgang nicht ganz zu einem lockeren Sprung. „Ich habe jetzt hier in Innsbruck funktioniert wie ein Uhrwerk. Nach dem vierten Platz im Probedurchgang habe ich mir mehr erhofft, wahrscheinlich ein bisschen zu viel. Daher hatte ich dann nicht so ganz die feine Klinge“, erklärt er nach seinem 15. Rang in der ARD. Den positiven Trend nimmt er aber dennoch mit: „Nichtsdestotrotz bin ich sehr zufrieden mit Innsbruck. Man sieht den Aufwärtstrend und dass ich schon Vierter in einem Probedurchgang werden kann verspricht viel.“

Forfang und Deschwanden verlieren weiter an Boden

Gregor Deschwanden erwischte im ersten Durchgang keine einfachen Bedingungen, zeigte aber mit 126 Metern einen starken Sprung. Dennoch verlor er im ersten Durchgang einige Plätze und Meter gegen das starke ÖSV-Trio um Hörl, Kraft und Tschofenig. Im Finale konnte er sich erneut ein wenig anpirschen und sich zumindest auf Platz vier in Schlagdistanz halten. Johann André Forfang konnte als Fünfter insgesamt nicht ganz so gut dagegenhalten. Beide büßten erneut einige Punkte gegen die ÖSV-Adler in der Tournee-Wertung ein.

Für beide dürfte der Kampf in Bischofshofen eine mehr als schwere Aufgabe werden. Das Podest in der Gesamtwertung ist bei beiden mit mehr als 23 bzw. 34 Punkten Rückstand in weite Ferne gerückt. Eins dürfte aber bereits jetzt feststehen: Der Sieger der diesjährigen Vierschanzentournee wird aus Österreich kommen. Die Frage bleibt nur, welcher Name am Ende ganz oben stehen wird.

zum Gesamtstand 73. Vierschanzentournee 2024/25

Vierschanzentournee Weltcup Weltcup Herren

Der berühmt berüchtigte Bergisel ruft: die dritte Station der Vierschanzentournee führt die Skispringer am 03.01./04.01.2025 nach Innsbruck. Für die DSV-Adler war es in der Vergangenheit häufig ein echter Schicksalsberg, der schon oft zu großem Frust führte und viele Tourneeträume vorzeitig platzen ließ. Doch durch die WM 2019 sind mit der Anlage auch große Freudenmomente verbunden. Was erwartet Pius Paschke und Co. wohl dieses Mal?

„Innsbruck ist aus geographischer Sicht sicherlich nicht der optimale Ort fürs Skispringen. Ich hoffe, dass wir stabiles Hochdruckwetter haben und es eben kein Windglückspringen wird. Ansonsten ist es echt eine coole und harmonische Schanze mit einem Kessel, der unten sehr viel Spaß macht, wenn man sozusagen in die Zuschauer reinspringt. Unter guten Bedingungen freue ich mich sehr drauf“, schildert uns Andreas Wellinger.

Ein anderer DSV-Adler geht sogar noch ein Stückchen weiter: „Von den vier Tourneeschanzen ist mein Favorit ehrlich gesagt Innsbruck. Da werden mir viele andere deutsche Kollegen nicht ganz zustimmen, aber ich mag die Anlage dort. Ganz anders als Bischofshofen, also genau andersherum, wie bei den anderen Jungs“, schmunzelt Philipp Raimund.

Wer weiß, vielleicht schließen die DSV-Adler in diesem Jahr ja wieder ihren Frieden mit der Anlage und es könnte im Fall von Pius Paschke, der aktuell auf der sechsten Gesamtposition der Tournee liegt, noch zu einer kleinen Wende führen. Das Podium ist für den fünffachen Saisonsieger aus Kiefersfelden in jedem Falle noch erreichbar. Und auch Karl Geiger hat mit den jüngsten Leistungen und seinem derzeitigen achten Platz in der Tourneegesamtwertung überzeugt. Auch für ihn ist durchaus noch ein gutes Ergebnis bei der diesjährigen Vierschanzentournee möglich.

Halten Hörl und Tschofenig dem Druck vor heimischem Publikum stand?

Bei den starken Österreichern stellt sich die Frage, ob diese dem heimischen Druck erfolgreich standhalten. Während Stefan Kraft (Tourneedritter) diese Situation schon einige Male miterlebt hat, ist es sowohl für Jan Hörl (Tourneezweiter) als auch den 22-jährigen Tourneeleader Daniel Tschofenig eine neue Herausforderung. In Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen haben sie mit Bravour ihre Klasse bewiesen, doch gelingt ihnen auch den hohen Erwartungen der vielen österreichischen Fans in Innsbruck und später auch in Bischofshofen gerecht zu werden? Oder schlägt hier die Stunde von den erfahrenen Routiniers wie Kraft, Deschwanden, Forfang oder Paschke, die derzeit knapp dahinter liegen und etwas freier aufspielen können?

Was Hörl in jedem Fall ordentlich Selbstvertrauen geben dürfte, ist sein Vorjahressieg am Bergisel. Damals kämpfte er allerdings nicht um den Tourneesieg mit. Diesen machten Ryoyu Kobayashi und Andreas Wellinger unter sich aus. Der Druck ist also dieses Jahr bei ihm ein ganz anderer.

Geheimfavorit auf den Tagessieg: Anze Lanisek?

Und wen muss man neben den bereits genannten Springern auch noch auf der Rechnung haben in Sachen Tagesgesamtsieg am Bergisel? Aus unserer Sicht wieder einmal Anze Lanisek, der sich 2024 in Innsbruck den Sieg in der Qualifikation sicherte und beim diesjährigen Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen zuletzt mit starken Sprüngen überzeugen konnte.

Hintergrund: Wie sah die bisherige Leidensgeschichte am Bergisel aus?

Der Fluch am Bergisel begann für die deutsche Mannschaft bei der Vierschanzentournee 1998/1999. Martin Schmitt gewann damals die Springen in Oberstdorf sowie in Garmisch-Partenkirchen und reiste als Tourneeführender nach Innsbruck. Ein Sturz bei der Landung sorgte jedoch dafür, dass alle Träume vom Sieg bei der Vierschanzentournee ausgeträumt waren. Schmitt beendete das Springen am Bergisel auf Platz 13 und wurde am Ende in der Gesamtwertung hinter Janne Ahonen, Noriaki Kasai und Hideharu Miyahira Vierter.

Das nächste Kapitel entstand 2016, als Severin Freund gegen Peter Prevc um den Tourneesieg kämpfte. Ein Sturz im Probedurchgang, bei dem er sich Prellungen zuzog, sorgte dafür, dass er nicht zum gewünschten Angriff gegen den Slowenen blasen konnte. Freund beendete das Springen dennoch auf einem guten zweiten Platz, den er auch nach Bischofshofen in der Gesamtwertung erreichte.

2018 war Richard Freitag als Tournee-Zweiter auf Schlagdistanz zum späteren Sieger Kamil Stoch. Einen überragenden ersten Sprung auf 130 Meter konnte er jedoch auf dem schlecht präparierten Aufsprunghang nicht stehen und musste die Tournee verletzungsbedingt abbrechen.

Markus Eisenbichler lernte den Bergisel 2019 kennen. Zur Tournee-Halbzeit lag auch er auf dem zweiten Platz, hinter Ryoyu Kobayashi. Doch nach einem Patzer im ersten Durchgang verlor er zu viele Punkte auf den Japaner, der ihm fortan in der Gesamtwertung enteilte.

Versöhnung bei der WM 2019?

2019 schien sich das Blatt am Bergisel für die deutsche Mannschaft zu wenden. Bei den nordischen Ski-Weltmeisterschaften gewann Markus Eisenbichler auf der Großschanze in Innsbruck die Goldmedaille im Einzel und Karl Geiger dahinter die Silbermedaille. Damit nicht genug: im Teamwettbewerb reichte es für Markus Eisenbichler, Karl Geiger, Richard Freitag und Stephan Leyhe ebenfalls zu Gold.

Doch wer dachte, dass die Wende nun eingeläutet wäre, der täuschte sich. So musste Karl Geiger 2020 nach Podestplätzen in Oberstdorf und Garmisch seine Tourneehoffnungen aufgrund eines schlechten 1. Durchgangs in Innsbruck begraben. 2021 wiederholte sich dies bei ihm mit dem 16. Rang erneut. Noch bitterer lief es für ihn 2023 als er als 51. bereits in der Qualifikation ausschied und damit alle Träume dahin waren.

Hannawald & Freitag sind die letzten deutschen Sieger bei der Tournee in Innsbruck

Bleibt eine Frage offen: konnte die deutsche Mannschaft in Innsbruck während der Tournee noch nie überzeugen? Doch, aber es ist schon sehr lange her! Richard Freitag siegte 2015 als letzter Deutscher am Bergisel. Zuvor war es Sven Hannawald, der bei seinem „Grand Slam“ 2002 gewann.

Fazit: Es geht also. Daher sollten sich Pius Paschke und Co. eher diese Freudenmomente als zusätzliche Motivation vor dem Wettkampf ansehen, als sich zu viel mit dem „Bergisel-Fluch“ zu beschäftigen.

Vierschanzentournee Weltcup Weltcup Herren

Mit einem Sprung auf 137,5 Meter hat sich Jan Hörl den Qualifikationssieg in Garmisch-Partenkirchen gesichert. Der Tourneezweite behielt im letzten Sprung des Jahres 2024 um gerade einmal 0,8 Punkte die Oberhand gegen seinen österreichischen Landsmann Daniel Tschofenig. Rang drei ging an Michael Hayböck und damit ebenfalls nach Österreich, die ihre Dominanz bei der 73. Vierschanzentournee weiter fortsetzten. Pius Paschke belegte am Ende Rang neun, Tourneeleader Stefan Kraft musste sich mit Platz elf begnügen.

Mit Hörl und Tschofenig stehen damit die beiden Athleten am Ende in der Qualifikation ganz oben, die sich zu Beginn des heutigen Tages ihren ersten Probesprung aufsparten. Vielleicht war es aber auch ein bewusstes Signal an die Konkurrenz mit wieviel Selbstvertrauen die Beiden nach ihren letzten Auftritten unterwegs sind und agieren können. Im zweiten Probesprung, an dem alle Athleten teilnahmen, setzte sich Hörl schon bereits an die Spitze des Feldes, Tschofenig reihte sich bei seinem Start in Garmisch hinter Johann Andre Forfang und Gregor Deschwanden auf der vierten Position ein. Pünktlich zur Qualifikation präsentierten sich Hörl und Tschofenig dann wieder geschlossen in Höchstform und sprangen nach ganz vorne. Michael Hayböck rundete als Dritter der Qualifikation das erneut bärenstarke Teamergebnis der Österreicher ab.

„Es war ein sehr cooler Sprung und wieder sehr mutig. Es erfüllt mich mit stolz, dass es gerade so gut läuft. Nun freue ich mich auf das neue Jahr und hoffe, dass es so weiter geht“, schilderte Hörl nach seinem Qualisieg. Sein Teamgefährte Tschofenig führte aus: „Ich denke, wir haben das Jahr 2024 gut verabschiedet. Es freut mich sehr, dass wir so ein konstantes und starkes Team haben, was uns auch gerade auszeichnet. Auch wenn Krafti heute in der Qualifikation ein bisschen ausgelassen hat, ist mit Michi direkt der Nächste von uns da. Das ist klasse.“

Rang vier und damit das Prädikat als „bester Nicht-Österreicher“ erarbeitete sich der Schweizer Gregor Deschwanden. Dahinter rundete der Norweger Johann Andre Forfang die Top-5 der Qualifikation ab. Auf Platz sechs folgt Vorjahressieger Anze Lanisek aus Slowenien, dem die Anlage in Garmisch-Partenkirchen scheinbar erneut Auftrieb gibt.

Karl Geiger als bester DSV-Adler auf Rang sieben

Bestplatziertester DSV-Adler war Karl Geiger auf dem siebten Platz. „Ich habe gut trainiert und war im Training auch von der Platzierung her schon ein bisschen näher dran als sonst. Der Qualisprung war dann ordentlich und das Schöne dabei ist, dass ich sogar noch einen Fehler gespürt habe, den ich noch verbessern kann“, so Geiger, der diesen wie folgt beschreibt. „Beim Absprung habe ich nicht ganz den Schwerpunkt erwischt. Ich war dann ein bisschen spät und bin durchgefahren. Aber die Verbindung und der Flug ist gut gelungen. Das ist die Hauptsache. Ich bin happy damit.“

Hinter dem Oberstdorfer reihte sich der Japaner Ren Nikaido als Achter ein, der zuvor bereits einen starken zweiten Probedurchgang absolvierte und sich dort den vierten Platz mit dem Österreicher Tschofenig teilte.

Pius Paschke, aktuell Tourneevierter, beendete die Qualifikation dahinter auf dem neunten Rang. „Es war im Rahmen, aber ausbaufähig. Ich habe im ersten Trainingssprung ganz gut angefangen, viel besser als in Oberstdorf. Von dem her war es in Ordnung, obwohl jetzt in der Quali noch ein bisschen was liegen geblieben ist. Ich habe hier nicht ganz die Höhe mitgenommen, wie ich sie gerne hätte, aber wie gesagt es ist alles im Rahmen und ich schaue, dass ich morgen daran weiterarbeite“, bilanzierte Paschke. Die Top-10 komplettierte ÖSV-Shootingstar Maximilian Ortner.

Stefan Kraft „nur“ auf Rang elf in der Quali aber mit starkem Training

Die Blicke der Skisprungwelt waren am ersten Tourneetag in Garmisch-Partenkirchen vor allem auf Tourneeleader Stefan Kraft gerichtet. Wie würde er wohl mit seinem (wie er es selbst beschreibt) „Problemkindchen“, der Schanze in Garmisch-Partenkirchen zurechtkommen? Gleich im ersten Probesprung ließ er mit der Top-Weite von 140 Metern seine Kritiker verstummen und gewann den Durchgang souverän vor Anze Lanisek und Pius Paschke. Auch sein zweiter Trainingsdurchgang endete mit 134,5 Metern und Rang sechs sehr ordentlich. Einzig in der Qualifikation kam er mit 131 Metern und Platz elf nicht ganz in Reichweite der Spitzenpositionen.

„Der ganze gestrige Tag und auch heute bei der Aktivierung haben schon viel Energieaufwand gekostet. Gestern hat auch mein Physio mehr Zeit für mich einplanen müssen als sonst. Aber es waren jetzt ganz gute Sprünge und ich fühle mich deutlich symmetrischer als noch in Oberstdorf“, sagt Kraft zufrieden. „Die linke Körperseite, vor allem in der Hüftgegend macht gerne mal zu, was ich selbst gar nicht so merke. Aber das sind so Feinheiten, die es auf der Schanze ausmachen und weshalb ich manchmal nicht ganz so gerade rauskomme. Ich weiß also, auf was ich meinen Fokus legen muss.“

Nationale Gruppe macht den Arrivierten Druck

Für den morgigen Wettkampf in Garmisch-Partenkirchen konnten sich neben Geiger und Paschke aus dem DSV-Team auch Andreas Wellinger (12.), Philipp Raimund (17.), Markus Eisenbichler (27.), Felix Hoffmann (28.), Stephan Leyhe (29.), Constantin Schmid (40.) und Luca Roth (49.) qualifizieren. Einzig Adrian Tittel (52.) wird das Neujahrsspringen verpassen.

Festzuhalten bleibt nach den heutigen Eindrücken, dass die nationale Gruppe auf die Arrivierten aus dem Weltcupteam Druck macht. Vor allem Constantin Schmid zeigte zwei starke Probesprünge, mit denen er sich jeweils deutlich vor Stephan Leyhe und Philipp Raimund platzieren konnte. Lediglich im Qualifikationsdurchgang präsentierten sich Leyhe und Raimund verbessert und behielten im teaminternen Vergleich gegen Schmid die Oberhand.

Constantin Schmid sagte anschließend im ARD-Interview: „Man liebäugelt natürlich damit, in Innsbruck weiter mit dabei sein zu können. Aber es geht erst einmal darum, seine normalen Sprünge im Wettkampf zu zeigen. Das Training war sehr gut, damit bin ich zufrieden. Auch mit der Quali bin ich nicht unzufrieden, weil die Windbedingungen nicht ganz so gut waren und man dann erst einmal runter kommen muss.“

Interessante K.O. Duelle beim Neujahrsspringen

Während Qualisieger Jan Hörl beim morgigen Neujahrsspringen auf den Schweizer Felix Trunz trifft, bekommt es Daniel Tschofenig im ersten Durchgang mit dem Deutschen Luca Roth zu tun. Michael Hayböck tritt gegen den Polen Dawid Kubacki an, der in Oberstdorf noch an der Qualifikation gescheitert war. Auch dieses Mal reichte es für ihn (48.) nur knapp für den Wettkampf.

Die übrigen Duelle mit deutscher Beteiligung sehen wie folgt aus: Karl Geiger vs. Ziga Jelar, Pius Paschke vs. Tate Frantz, Constantin Schmid vs. Stefan Kraft, Andreas Wellinger vs. Roman Koudelka, Philipp Raimund vs. Kevin Bickner, Stephan Leyhe vs. Kristoffer Eriksen Sundal, Felix Hoffmann vs. Aleksander Zniszczol, Artti Aigro vs. Markus Eisenbichler.