Weltcup Weltcup Herren

Domen Prevc eilt der Konkurrenz weiter davon. Auch beim zweiten Einzelwettbewerb in Willingen ließ der Slowene keine Zweifel aufkommen und siegte souverän vor dem Japaner Ren Nikaido, der seinen zweiten Platz vom Vortag wiederholte. Über den dritten Rang durfte sich Philipp Raimund freuen, der damit vor den Olympischen Spielen noch einmal ordentlich Selbstvertrauen tankte.

Selten hat das Skispringen über eine ganze Saison hinweg eine solche Machtdemonstration erlebt wie derzeit durch Domen Prevc. Nach seinem Sieg in der Qualifikation lag der Slowene bereits nach dem ersten Durchgang 13,6 Punkte vor seinem Teamgefährten Anže Lanišek, der sich zur Halbzeit auf Rang zwei einreihte. Auch im zweiten Durchgang spielte Prevc wieder einmal mit der Konkurrenz und lag am Ende sogar satte 31,7 Punkte voraus. Die Goldmedaillen bei den Olympischen Spielen in Predazzo scheinen praktisch schon für ihn reserviert zu sein, wenn er seine Sprünge weiterhin wie am Fließband abrufen kann.

Auf die Frage, ob er mittlerweile nicht Mitleid mit der Konkurrenz habe, antwortete er: „Ich hoffe, dass ich ihnen etwas zum Nachdenken gebe. Aber ich denke, das ist nur das Ergebnis davon, dass zum richtigen Zeitpunkt alles zusammengepasst hat – harte Arbeit in den letzten paar Saisons und dieses Jahr ganz besonders. Jeden Tag habe ich mich darauf konzentriert, etwas zu tun, das mich besser macht, das mich erfolgreich macht. Im Sommer habe ich jeden Tag etwas getan, das mir beim Skispringen helfen würde. Ich denke also, man muss jeden Tag konsequent arbeiten. Dann müssen die Ergebnisse kommen, egal was passiert. Ich bin einfach super glücklich, dass die Dinge zusammenkommen.“

Dahinter kristallisiert sich – zumindest nach den Eindrücken in Willingen – mit Ren Nikaido der wohl gefährlichste Jäger heraus. Den kleinen Rückschlag im ersten Durchgang, in dem er sich nur auf Position sieben einreihte, kompensierte er mit einem starken zweiten Versuch auf 152,5 Meter. Wie schon am Vortag bedeutete dies für ihn unter dem Strich den zweiten Rang. Bei der Pressekonferenz gab sich der Japaner kämpferisch und stellte klar, dass er schon die Möglichkeit habe zu gewinnen und dies in Zukunft auch noch häufiger beweisen wolle.

Erfreulich aus deutscher Sicht ist, dass auch heute wieder ein DSV-Adler vorne mithalten konnte. Nach dem Podiumsplatz von Karl Geiger am gestrigen Tag war es dieses Mal Philipp Raimund, der auf ganzer Linie überzeugen konnte. Bereits nach dem ersten Durchgang lag er an dritter Stelle, und auch wenn Nikaido im Finaldurchgang noch an ihm vorbeiziehen konnte, gelang es ihm, sich noch Anze Lanisek zu schnappen. Die Zuschauer an der Mühlenkopfschanze durften sich damit an allen drei Tagen über einen deutschen Podestplatz freuen.

„Ich muss sagen, dass ich mit Willingen sehr zufrieden bin. Die Sprünge waren eigentlich alle auf Top-Niveau. Gestern hat es nicht ganz funktioniert, dass ich es zeigen konnte, weil es mit dem Wind etwas schwierig war, der sehr wechselhaft war. Aber nichtsdestotrotz waren die Sprünge auf einem hohen Niveau. Ich habe es heute auch endlich im Flug hinbekommen und wurde mit Platz drei belohnt“, strahlte Raimund bei der anschließenden Pressekonferenz und führte zur Leistung des DSV-Teams aus: „An beiden Tagen war es natürlich ein cooles Teamergebnis – und dann auch noch vorgestern mit Platz zwei im Mixed-Team. Mega cool, und ich bin sehr happy mit Willingen.“

Rang vier ging an den Norweger Marius Lindvik, der sich gegenüber dem Vortag deutlich verbessert zeigte, als er über den 22. Platz nicht hinauskam. Für die größte Überraschung des Tages sorgte allerdings Niko Kytosaho, der mit Rang fünf in Willingen sein bisher bestes Karriereergebnis erzielte. „Eigentlich hatte ich gestern schon einen guten Tag, hatte aber im ersten Durchgang etwas Pech und konnte danach im Ranking nicht mehr so viel klettern. Aber heute hatte ich kein Pech und bin sogar noch besser gesprungen. Ich bin total happy, dass alle drei Sprünge – also auch der in der Qualifikation – so gut waren, und es ist echt schön, hier so nah am Podium zu sein“, freute sich der Finne, für den Willingen ab sofort zu seinen Lieblingsschanzen zählt. „Eigentlich habe ich die Schanze bisher gar nicht so sehr gemocht, aber da es immer Aufwind gibt und ich Aufwind liebe, liegt es jetzt vielleicht daran“, so Kytosaho weiter.

Ebenfalls stark aufgelegt präsentierte sich Kristoffer Eriksen Sundal (6), den man bei den Olympischen Spielen sicherlich ebenfalls auf der Rechnung haben sollte. Anze Lanisek büßte nach seinem starken ersten Sprung im Finale einiges ein und beendete den Wettbewerb auf Rang sieben.

Andreas Wellinger (8.) gelang zum zweiten Mal in Folge der Sprung in die Top 10. Damit bestätigte der Ruhpoldinger seinen deutlichen Aufwärtstrend. Entsprechend positiv fiel auch sein Fazit aus: „Mega geile Stimmung, saucoole Sprünge und weite Flüge. Mit meinem letzten Sprung habe ich eines meiner kleinen Ziele abgehakt, nämlich einen 150er-Sprung – und der hat richtig Spaß gemacht. Insgesamt waren die Sprünge heute noch einmal besser als gestern. Im ersten Durchgang mit den -3 Windpunkten habe ich für mich festgestellt: Sprungqualität ja, Flug nein. Im zweiten Durchgang war dann beides ein „Ja“. Das habe ich richtig genießen können.“

Polens Routinier Piotr Zyla tankte mit dem neunten Platz ebenfalls Selbstvertrauen – genauso wie Felix Hoffmann (10.).

Karl Geiger (21.), Luca Roth (26.) und Pius Paschke (28.) sammelten ebenfalls Weltcuppunkte, wenngleich sie sich für den heutigen Tag sicherlich noch mehr ausgerechnet hatten. Geiger und Roth waren dennoch zufrieden.

„So schlecht war es heute gar nicht. Speziell im zweiten Sprung hatte ich aber echt kein Windglück. Die Sprünge waren okay, vielleicht nicht ganz so sauber wie gestern, aber in Willingen braucht man auch immer ein bisschen Glück dazu. Drei aus unserem Team hatten das, und deshalb: das reicht, und ich bin sehr zufrieden mit dem Wochenende“, bilanzierte Geiger.

Sein Teamgefährte Luca Roth sagte: „Ich bin recht zufrieden, auch gerade mit dem heutigen Wettkampf. Was die Sprünge angeht, habe ich mich noch einmal verbessern können, auch wenn ich nicht ganz so viel Glück hatte wie andere. Aber es geht in die richtige Richtung, was man, glaube ich, sehen muss.“

Deutlich mehr haderte Pius Paschke: „Für die Mannschaft war es ein cooles Wochenende mit vielen schönen Ergebnissen. Es ist klasse, dass so viele Leute an die Schanze gekommen sind – und man ihnen damit etwas zurückgeben konnte. Aus meiner persönlichen Sicht war es jedoch recht enttäuschend, dass die Sprünge nicht ganz so liefen, wie erhofft. Der zweite Sprung wäre wieder ein bisschen besser gewesen, aber bei den wechselhaften Verhältnissen war das etwas schwierig, und leider gehörte ich da nicht zu den Glücklichen.“

>>> Ergebnis Wettkampf

>>> Ergebnis Qualifikation

Weltcup Weltcup Herren

Domen Prevc hat sich vor 22.125 Zuschauern an der Mühlenkopfschanze in Willingen in überlegener Art und Weise seinen nächsten Saisonsieg gesichert. Hinter dem erneut starken Japaner Ren Nikaido platzierte sich überraschenderweise Karl Geiger, der damit endgültig aus seinem Formtief herausgekommen zu sein scheint. Mit Felix Hoffmann und Andreas Wellinger sprangen noch zwei weitere Deutsche unter die Top 10.

Schon während des ersten Durchgangs rieben sich die Zuschauer verwundert die Augen, als sie sahen, wie viel der Sprung auf 140,5 m von Karl Geiger wert war. Der Oberstdorfer reihte sich nicht nur im direkten Anschluss an seinen Versuch an der Spitze des Feldes ein, sondern verweilte dort bis zum allerletzten Athleten, dem Weltcupführenden Domen Prevc. Nur der Slowene war in der Lage, Geiger mit 146,5 m zu knacken. Rang drei ging zur Halbzeit an den Japaner Ren Nikaido vor dem Österreicher Manuel Fettner (4.) und Andreas Wellinger (5./134 m), der damit genauso wie Teamkollege Geiger für eine faustdicke Überraschung sorgte. Vor allem nach den beiden äußerst schwachen Trainingssprüngen am Freitag schien Wellinger bei weitem nicht auf einem solchen Level zu sein. Über weite Teile des ersten Durchgangs lag er hinter Geiger auf der zweiten Position und sorgte damit zur Freude des Willinger Publikums lange für eine deutsche Doppelführung.

Im zweiten Durchgang galt es dann, diese exzellente Vorstellung zu bestätigen, was den beiden DSV-Sorgenkindern dieser Saison auch gelingen sollte. Mit 138,5 Metern platzierte sich Wellinger auf dem sechsten Platz im Endergebnis und durfte sich damit über sein bisher bestes Saisonergebnis freuen. „Ich bin häufig nicht im zweiten Durchgang gewesen, habe aber trotzdem immer gewusst, dass es in die richtige Richtung geht. Und heute habe ich es mal aufs Papier gebracht, und das ist sehr, sehr gut für die Seele“, schilderte der Ruhpoldinger im Anschluss.

Noch stärker präsentierte sich allerdings Karl Geiger, der mit 142 m sogar noch einmal seine Weite verbesserte und als Dritter auf das Podium sprang. Auch wenn Nikaido mit einem Satz auf 147 m noch an ihm vorbeizog, den Jubelschrei im Auslauf hat man sicherlich noch bis ins benachbarte Winterberg gehört.

„Es war wirklich ein sehr besonderer Moment für mich, weil es sich diese Saison noch nicht abgezeichnet hat, dass ich in der Lage bin, aufs Podium zu springen. Aber die letzten zwei Wochen waren sehr produktiv und effektiv, und es gingen wirklich Schritte in die richtige Richtung. Und ja, heute habe ich einfach zwei wirklich gute Sprünge gemacht, und ich bin unglaublich glücklich, erleichtert und dankbar, dass mir das gelungen ist“, sagte Geiger auf der anschließenden Pressekonferenz.

Neben ihm und Wellinger durfte sich auch Felix Hoffmann über einen gelungenen Tag freuen und wurde als zweitbester Deutscher Tagesvierter. Nach dem kleinen Rückschlag bei der Skiflug-WM in Oberstdorf scheint auch er wieder zu seiner starken Form zurückzufinden.

„Oberstdorf war schwierig für Felix, weil er zwei Wochen raus war, nur einmal auf der Schanze stand und dann gleich zum Skifliegen musste – er hat da nicht ganz so optimal reingefunden. Von Anfang an war es ein bisschen schwierig, aber auch verständlich, weil er körperlich noch nicht da war, wo er hätte sein sollen. Jetzt wird es langsam immer besser, und heute waren die Sprünge schon auf einem deutlich höheren Niveau. Fliegen kann er ja. Heute hat er aus meiner Sicht 90 % seiner Leistung abrufen können“, lobte Bundestrainer Stefan Horngacher, der sich angesichts des tollen Mannschaftsergebnisses auch selbst erleichtert zeigte.

„Mir geht es heute mal richtig gut – und auch dem gesamten Team. Weil jeder sich den Hintern aufgerissen hat, man so viele Dinge auf jeder Station gemacht hat, alle mehr als 100 % gegeben und alles zu Hause liegen gelassen haben, um nur für die Sache zu arbeiten. Und wenn es dann mal so aufgeht wie heute in diesem Stadion vor so vielen Zuschauern, dann reißt das das ganze Team mit. Und jeder ist motiviert weiterzumachen. Das ist jetzt genau zum richtigen Zeitpunkt gekommen.“

Nur einer war heute einmal mehr in seiner ganz eigenen Liga unterwegs – Domen Prevc. Mit 155 m blieb der Slowene im Finaldurchgang nur einen halben Meter unterhalb des aktuellen Schanzenrekords von Johann Andre Forfang und setzte sich am Ende mit 22 Punkten Vorsprung auf den zweitplatzierten Ren Nikaido wieder einmal sehr deutlich durch.

Bester Österreicher wurde Manuel Fettner auf dem fünften Rang. Hinter Andreas Wellinger (6.) rundeten Kristoffer Eriksen Sundal (7.), Vladimir Zografski (8.), Ryoyu Kobayashi (9.) und Qualifikationssieger Daniel Tschofenig (10.) die Top 10 ab.

>>> Ergebnis Wettkampf

>>> Ergebnis Qualifikation

Weltcup Weltcup Damen

Rechtzeitig vor den Olympischen Spielen scheint Eirin Maria Kvandal in Form zu kommen. Die Norwegerin sicherte sich bei der Generalprobe in Willingen ihren ersten Saisonsieg vor der Weltcupführenden Slowenin Nika Prevc sowie der Japanerin Nozomi Maruyama. Agnes Reisch wurde als beste Deutsche Vierte.

Damit unterstrich Kvandal einmal mehr, dass ihr die Mühlenkopfschanze in Willingen besonders gut liegt. Im vergangenen Jahr konnte sie bereits das Einzelspringen im Sauerland für sich entscheiden. „Willingen gehört zu meinen Lieblingsschanzen im Weltcup. Ich bin sehr glücklich, dass ich den Sieg aus dem letzten Jahr wiederholen konnte, und es macht mir unglaublich viel Spaß, hier zu springen. Generell mag ich die Großschanzen viel lieber, und das hier ist die größte, die es gibt. Von daher passt das sehr gut zusammen.“

Bereits nach dem ersten Durchgang führte sie mit 138,5 m das Feld an und baute im zweiten Versuch mit einem Satz auf 143,5 m ihren Vorsprung noch weiter aus. Seriensiegerin Nika Prevc musste sich an diesem Tag zwar um 11,3 Punkte gegenüber Kvandal geschlagen geben, baute mit dem zweiten Platz ihren Vorsprung in der Weltcupgesamtwertung auf Maruyama jedoch weiter aus. „Ich habe wesentlich bessere Sprünge gezeigt als gestern, daher habe ich es heute umso mehr genossen. Nun fühle ich mich auch schon deutlich entspannter“, gab Prevc zu.

Nozomi Maruyama zeigte sich ebenfalls zufrieden mit ihrem dritten Rang: „Ich habe bei diesen schwierigen Bedingungen mein Bestes abrufen können. Daher bin ich sehr glücklich mit dem Verlauf dieses Wettbewerbs.“

Aus deutscher Sicht konnte vor allem Agnes Reisch überzeugen. Nach einem schwierigen ersten Durchgang, den die Allgäuerin auf dem neunten Zwischenrang abschloss, katapultierte sie sich im zweiten Durchgang mit einer Weite von 134 m noch bis auf die vierte Position nach vorne. Auch wenn sie das Podium knapp verpasste, brachte sie das Publikum entlang der Mühlenkopfschanze mit ihrem zweiten Sprung in Ekstase. „Heute war es turbulent, und man musste Glück haben. Der erste Sprung war nicht ganz so gut, dafür war der zweite wieder cool, und es hat richtig Spaß gemacht, Ski zu springen“, so Reisch, die sich über den großen Zuschauer Zuspruch in Willingen sehr freut. „Generell erleben wir Damen es nicht so häufig, vor so einer Kulisse zu springen, daher versuche ich, das einfach zu genießen. Und klasse, dass ich die Zuschauer mit einem guten Sprung am Ende auch belohnen konnte.“

Hinter der Norwegerin Anna Odine Ström (5.) reihte sich Selina Freitag auf Rang sechs ein. „Im ersten Durchgang hatten wir leider durch den Wind gar keine Chance, und im zweiten Durchgang habe ich schon fast zu früh Gas gegeben, weshalb der Sprung nicht ganz so sauber eingelaufen ist. Aber insgesamt weiß ich, dass ich in den Sprüngen ein gutes Grundniveau habe, und mit solchen Fehlern am Ende noch Sechste zu werden, ist sehr gut. Daher bin ich recht zufrieden, auch wenn ich natürlich gerne auf dem Podium gestanden hätte.“ Dahinter unterstrich Silje Opseth als Siebtplatzierte noch einmal das starke norwegische Ergebnis.

Katharina Schmid beendete den ersten von insgesamt zwei Einzelwettbewerben im Sauerland auf der achten Position. „Es war besser als in der letzten Zeit, daher bin ich eigentlich ganz happy mit meinen Sprüngen. Aktuell bin ich zwar noch nicht ganz da, wo ich gerne wäre, aber ich bin zufrieden, mal wieder in den Top-8 zu sein. Und gerade der zweite Sprung hier vor dem heimischen Publikum hat unglaublich viel Spaß gemacht“, erklärt Schmid. Die beiden Japanerinnen Ringo Miyajima und Kurumi Ichinohe rundeten die Top-10 ab.

Mit Juliane Seyfarth (11.), Anna Hollandt (28.) und Emely Torazza (29.) sammelten drei weitere DSV-Damen Weltcuppunkte. Dabei stand vor allem Seyfarth nach dem Wettbewerb die Freude ins Gesicht geschrieben. „Ich habe endlich gelernt, wie man in Willingen springt. So kann es morgen weitergehen“, strahlte sie. Bei Hollandt und Torazza verbleiben hingegen noch die ein oder anderen Baustellen. „Meine Sprünge waren jetzt nicht ganz so gut, aber ich sauge die Stimmung auf, und es macht mega Spaß, weil die Fans schon richtig on fire sind. Da sind die Sprünge nicht ganz so wichtig, wenn es gerade nicht läuft“, lässt sich Hollandt nicht entmutigen.

Emely Torazza führt aus: „Ich bin nicht ganz zufrieden, sondern hätte es mir lieber so vorgestellt wie letztes Jahr. Es war eine etwas andere Vorbereitung, die nicht ganz so gut lief. Aber Punkte mitzunehmen ist gut, ich hatte diese Saison ja noch nicht so viele Gelegenheiten, dort hineinzuspringen.“ Während den Olympischen Spielen wird sie an den COC-Wettkämpfen teilnehmen. „Es ist vielleicht ganz gut, um dort nochmal Lockerheit mitzunehmen“, so die junge Nachwuchsathletin.

DSV-Bundestrainer Heinz Kuttin zog nach dem zweiten Durchgang ein positives Fazit: „Zum Schluss bin ich wieder sehr zufrieden, aber im ersten Durchgang war es schon wieder unglaublich, wie die Verhältnisse gewechselt haben und auch unsere drei Top-Athletinnen vom Pech verfolgt waren. Die Sprünge waren alle in Ordnung, aber da bist du chancenlos, wenn du über 30 Punkte hinten liegst. Das war ernüchternd, umso besser war der zweite Durchgang. Da waren sie alle sehr kämpferisch und haben wirklich nochmal einen guten Sprung gemacht.“

Hinter den eigenen Erwartungen zurück blieben hingegen die zuletzt so starken Österreicherinnen. Während Julia Mühlbacher den 13. Platz belegte, kam Lisa Eder heute nicht über den 15. Rang hinaus. „Meine Sprünge waren nicht gut, der Wind war auch nicht der Beste – von daher eine schlechte Kombination. Irgendwie passt mein Sprungstil auch gar nicht zu dieser Schanze. Es ist immer brutal schwer, dass ich hier ins Fliegen komme und ein System da ist. Ich glaube, dass der Fokus jetzt schon für mich auf Olympia liegt“, resignierte Eder.

>>> Endergebnis

Skiflug-Weltmeisterschaften

Das Teamspringen bei den Skiflug-Weltmeisterschaften in Oberstdorf bot nicht nur hochklassigen Sport, sondern auch schwierige Bedingungen mit anhaltendem Schneefall und einen Zwischenfall, der den Wettkampf nachhaltig prägte. Vor 10.500 Zuschauern sicherte sich Japan souverän den ersten Skiflug-Weltmeistertitel der Geschichte, während die deutsche Mannschaft das Podest verpasste.

Die japanische Auswahl präsentierte sich über beide Durchgänge hinweg extrem stabil und setzte sich verdient an die Spitze. Ryoyu Kobayashi, Tomofumi Naito, Naoki Nakamura und Ren Nikaido lieferten durchweg weite und saubere Sprünge. Besonders Nakamura überzeugte mit Flügen jenseits der 220 Meter und legte damit den Grundstein für den Goldgewinn. Das Quartett lieferte sich bis zum Schluss einen engen Kampf mit dem österreichischen Team.

Angeführt von Stefan Kraft und Stephan Embacher hielt das ÖSV-Team lange Anschluss an Japan, musste sich am Ende jedoch knapp geschlagen geben. Neben Kraft und Embacher hielten sich die ÖSV-Adler mit Fettner und Hörl bis auf 0,4 Punkte Vorsprung zur letzten Gruppe auf Goldkurs, am Ende wurde es Silber. Rang drei und damit Bronze sicherte sich Norwegen. Vor allem Marius Lindvik setzte mit einem Flug auf 230 Meter ein sportliches Ausrufezeichen zum Schluss und sicherte dem Team damit das Podest ab.

Die deutsche Mannschaft zeigte vor heimischem Publikum eine ordentliche, wenn auch nicht fehlerfreie Leistung und belegte am Ende Rang vier. Pius Paschke, Felix Hoffmann, Karl Geiger und Philipp Raimund kamen zumindest teilweise an die Medaillenränge heran. Besonders Karl Geiger überzeugte im ersten Durchgang mit 217,5 Metern, kleinere Unsicherheiten sowie fehlende Meter in der Gesamtleistung verhinderten jedoch den Sprung aufs Podium.

Kuriose Szene: Ski-Chaos um Domen Prevc

Für große Unruhe sorgte ein Zwischenfall rund um Domen Prevc zum Ende des ersten Durchgangs. Marius Lindvik, welcher schon auf dem Balken saß und gerade kurz vor seinem Start war, wurde von hinten von einem Slatnar-Ski erwischt. Anschließend rutschten die Ski unkontrolliert die Schanze hinunter. Ein Ski landete ganz unten im Auslauf, einer blieb in der Bande oberhalb des Juryturms stecken. Grund für die Schreckensszene war das Abstellen der Ski vom frisch gebackenen Skiflug-Weltmeister selbst – ein Fehler, der sich zukünftig nicht wiederholen sollte. Prevc wollte gerade in die Materialkontrolle, als sich die angelehnten Ski am Ablauf lösten. Nach einer Jury-Besprechung wurde Prevc daraufhin nicht mehr zum Start im ersten Durchgang zugelassen. Die vier bzw. drei slowenischen Herren durften zwar erneut antreten, der eine Sprung fehlte damit jedoch für die Wertung. Im Kampf um die Medaillen wäre es für das slowenische Quartett jedoch ohnehin schwierig geworden. Nach einem phänomenalen Sprung von Domen im Finale landete das Team dennoch auf Platz 6.

Nach den intensiven Tagen von Oberstdorf richtet sich der Blick nun bereits nach vorne. Am kommenden Wochenende steht mit dem Heimweltcup in Willingen das nächste Highlight auf dem Programm. Vor der stimmungsvollen Kulisse im Sauerland will die deutsche Mannschaft erneut angreifen, und sich das nötige Selbstvertrauen für die Olympischen Winterspiele in Predazzo holen.

Weltcup Weltcup Herren

Bereits zum neunten Mal in dieser Saison steht der „Domenator“ ganz oben. Diesmal wurde es am Ende jedoch fast noch spannend, denn nur 3,5 Punkte Vorsprung trennten Domen Prevc vom Japaner Ryoyu Kobayashi auf Rang Zwei.

Schon den Sieg in der Qualifikation machten Prevc und Kobayashi unter sich aus. Mit 7,1 Punkten Vorsprung sicherte sich Domen Prevc bereits hier den ersten Platz. Diesen lies er sich auch im folgenden Wettkampf nicht nehmen. Mit 137,5 und 136,5 Metern und sicherte sich Prevc 277,7 Punkte und stand am Ende auch im zweiten Bewerb in Sapporo ganz oben. Auf Platz Zwei landete der Japaner Ryoyu Kobayashi mit Weiten von 136,5 und 138,5 Metern und 274,2 Punkten.

Österreicher mit überragender Teamleistung

Geschlossen stark zeigte sich im heutigen Wettkampf das Team aus Österreich. Bis auf Jonas Schuster auf Rang 18 konnten sich alle übrigen Athleten unter den besten Zehn platzieren. Daniel Tschofenig legte mit 134,5 und 138,5 Metern vor und wurde mit 265,8 Punkten Dritter. Er schmiss damit seinen Teamkollegen Manuel Fetter vom Podest, der nach dem ersten Durchgang noch auf Podestkurs lag, am Ende aber mit Platz Vier knapp daneben landete. Auf Platz Fünf folge mit Jan Hörl ein weiterer Athlet aus dem Team von Andreas Widhölzl. Komplettiert wurde die starke Mannschaftsleistung von den beiden jungen Athleten Maximilian Ortner (7.) und Stephan Embacher (8.). Gesprengt wurde das österreichische Ergebnis nur durch Ren Nikaido auf Platz Sechs.

Wer gut aufgepasst hat vermisst einen Namen im Team der Österreicher: Stefan Kraft. Kraft blieb im Wettkampf jedoch nur die Rolle des Zuschauers, nachdem er in der Qualifikation aufgrund einer Abweichung von 5mm am Anzug disqualifiziert wurde.

Philipp Raimund zurück in den Top Ten, Karl Geiger unter den besten 15

Im vergleich zum ersten Wettkampf konnte sich Philipp Raimund wieder etwas steigern und landete auf Platz Neun. Bereits in der vorangegangenen Qualifikation zeigte er mit Rang Sieben, dass mit ihm wieder zu rechnen ist. Auch Karl Geiger zeigte sich gestärkt. Auch, wenn die Olympia-Qualifikation nach dem 27. Platz im gestrigen Wettkampf nicht mehr drin war, geht es mit Platz 14 langsam wieder in die richtige Richtung. Nicht in den Punkten platzieren konnten sich Luca Roth (46.) und Ben Bayer (47.)

Auf Platz Zehn und Elf landeten mit Halvor Egner Granerud und Marius Lindvik die besten Norweger. Kacper Tomasiak wird als Zwölfter erneut bester Pole.

Offizielles Ergebnis

Weiter geht es für die Herren nun am kommenden Wochenende mit den Skiflugweltmeisterschaften in Oberstdorf weiter. Los geht es mit der Qualifikation am Donnerstag, bevor es dann am Freitag und Samstag in insgesamt vier Durchgängen um die Medaillen geht. Am Sonntag steht zum Abschluss des Wochenendes der traditionelle Team-Bewerb auf dem Plan.

Weltcup Weltcup Herren

Für den Skisprungcirkus geht es derzeit weiter in Asien. Während die Damen ihre Asien-Tour im chinesischen Zhangjiakou starten, sind die Herren traditionell ein Wochenende in Sapporo zu Gast. Auf der Hokkaido-Insel gab es zum Auftakt am Samstagmorgen deutscher Zeit bereits ein echtes Gefühlschaos – nämlich aus deutscher Sicht mit Karl Geiger. Weniger überraschend war dafür die Spitze des Feldes. 

Nach elf zweiten Plätzen seit seinem letzten Sieg war Jan Hörl heute seinem sechsten Weltcup-Sieg dicht auf den Fersen. Am Ende musste er sich nach seiner Halbzeitführung aber doch wieder dem Gesamtweltcup-Führenden Domen Prevc geschlagen geben. Und nicht nur das, sondern er verpasste am Ende sogar als unglücklicher Vierter das Podest. Der Slowene Prevc setzte sich im Finale mit einem wieder einmal sehr deutlichen Vorsprung von 22,1 Punkten deutlich gegen gleich zwei Japaner durch. Naoki Nakamura und Ren Nikaido lieferten sich ein spannendes Finale und reihten sich hinter dem Mann in Gelb auf zwei und drei ein. Für Nakamura damit das bisher beste Karriereresultat.

Leer ging dafür einer der Mitfavoriten aus, nämlich Ryoyu Kobayashi. Am Vortag zeigte er noch seine Ambitionen für den Heimweltcup, heute stürzte er dann im ersten Durchgang mehr oder weniger ab – mit Windpech im letzten Flugdrittel. Seine Chancen für den Sieg waren somit bereits vergeben. Mit einer kleinen Aufholjagd gelang ihm am Ende mit Rang fünf dennoch ein gutes Resultat. Zurückgefallen war auch Daniel Tschofenig, der im Finale trotz zunehmender Rückenwindbedingungen noch den Sprung in die Top Ten schaffte (8.). Dennoch war es besonders für die Alpenrepublik wieder ein starkes Mannschaftsergbnis mit fünf Athleten unter den besten Neun.

Karl Geiger kämpft weiter um Olympianorm – letzte Chance am Sonntag

Ein emotionaler Tag mit einer echten Gefühlsachterbahn war es vor allem für Karl Geiger. Für ihn war die Aufgabe im Vorfeld der Japan-Reise klar: Die letzte Chance nutzen, doch noch das Olympiaticket zu lösen. Im ersten Durchgang war er mit Platz 13 und einem wirklich guten Sprung auf dem besten Weg. Mit seinem zweiten Sprung (27.) war die Hoffnung jedoch plötzlich dahin – die Enttäuschung in Geiger’s Gesicht nicht zu übersehen. Um die Olympianorm nach den Vorgaben des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) nun noch erfüllen zu können, benötigt er morgen zwingend einen Platz unter den besten Acht – eine aktuell nahezu unlösbare Aufgabe für den Oberstdorfer.

Bester Deutscher wurde Philipp Raimund, der zur Rückkehr nach seiner krankheitsbedingten Pause keinen optimalen Tag erwischte. Besonders sein erster Sprung missglückte für seine Verhältnisse der bisherigen Saison. Die Top Ten verpasste er somit als 15. Mit von der Partie war auch Luca Roth, der durch seine zwei COC-Siege in Sapporo und Zhangjiakou vor wenigen Tagen erneut ins Team gerutscht war. Er schaffte zwar den Sprung ins Finale, dies lief für ihn jedoch eher unglücklich, da aufgrund einer punktgleichen Platzierung 31 Athleten im zweiten Durchgang am Start waren. Luca Roth reihte sich am Ende auf dem letzten 31. Platz ein und verpasste somit sogar die Weltcup-Punkte. Sein Mitstreiter aus dem B-Kader, Ben Bayer, der zuletzt ebenfalls im Continentalcup zweimal auf dem Podest stand, verpasste gestern die Qualifikation und war somit heute nicht am Start.

Weltcup Weltcup Herren

Karl Geiger steckt in einer der schwierigsten Phasen seiner Karriere. Nach Jahren an der Weltspitze kämpft der Oberstdorfer in dieser Saison um den Anschluss. In Garmisch-Partenkirchen sprach er am Neujahrstag mit uns über seine aktuelle Lage, die Ursachen der Probleme und seine Perspektiven für die Skiflug-WM sowie die Olympischen Spiele.

Skispringen-News.de: „Karl, du hast schon vor vielen Herausforderungen in deiner Karriere gestanden, aber würdest du sagen, dass das hier dieses Mal die größte ist?“

Karl Geiger: „Ja, das würde ich schon so sagen. Leistungstechnisch war ich zwar schon einmal in einer ähnlichen Situation, aber davor hatte ich noch nicht diese großen Erfolge. Deshalb ist es nicht einfach, das so hinzunehmen und weiterzuarbeiten. Aber Sport ist einfach ein schnelllebiges Geschäft. Nach jedem Wettkampf wird einem eiskalt die Liste vor die Nase gehalten, und dann steht dort, was es wert ist. Von daher: Ja, es ist eine Herausforderung.“

Skispringen-News.de: „Wie kann man sich die Veränderungen gegenüber dem Vorjahr vorstellen? Ist das Fluggefühl durch die neuen Anzüge ein anderes oder was sind die Hauptprobleme?“

Karl Geiger: „Das momentane Reglement und die Abstimmung, die ich habe, passen nicht zusammen. Grundsätzlich ist das neue Reglement kein Problem. Es müsste mir eigentlich zugutekommen, weil ich ein absprungstarker Athlet bin und es auch über die Flugform immer ganz gut gemacht habe. Aber die Abstimmung passt nicht, und es war von Anfang an schwierig. Das war bei ein paar anderen Teamkollegen, zum Beispiel bei Felix Hoffmann oder Hille Raimund, anders – für sie war es kein großer Unterschied. Bei Andi Wellinger, Pius Paschke und mir ist es so, dass wir damit springen können, aber es ist nicht so effektiv. Wir müssen schauen, dass wir effektiver werden, und daran scheitern wir momentan.“

Skispringen-News.de: „In Garmisch-Partenkirchen bist du beispielsweise auch einen Tag früher angereist. Aber so eine zusätzliche Testmöglichkeit bringt in der Kürze der Zeit dann auch nichts, oder?“

Karl Geiger: „Ich sage es mal so: Am Material ändere ich momentan nichts mehr. Ich habe gesagt, ich brauche jetzt die Konstanz und muss an meinem Sprung arbeiten. Wenn das Material nicht auf mich zugeschnitten ist, dann muss ich meinen Sprung auf das Material zuschneiden. Das ist möglich, aber nicht leicht.“

Skispringen-News.de: „Die Rückkehr nach vorne ist ja dein großes Ziel. Wie schwer ist das für dich gerade auch mental?“

Karl Geiger: „Es ist sehr schwer. Speziell, wenn man dann so ein Brett wie in Oberstdorf bekommt – das muss man erst einmal verkraften, und da geht auch das Kopfkino los. Das geht nicht spurlos an mir vorbei. Da muss man wirklich wieder mit sich selbst ins Reine kommen, das ist der erste Schritt. Aber es ist möglich, und ich weiß auch, dass ich das kann, weil ich in solchen Situationen eigentlich ziemlich gut bin. Aber einfach ist es sicher nicht.“

Skispringen-News.de: „Kannst du so etwas gut aus dem Privatleben raushalten, oder merkt es deine Familie, wenn es nicht läuft – so wie man es bei anderen Arbeitnehmern auch merkt, wenn es auf der Arbeit nicht gut läuft?“

Karl Geiger: „Also, so ein Tag wie in Oberstdorf – da braucht man mir, glaube ich, nur ins Gesicht zu schauen. Das sieht und merkt jeder, weil man das auch nicht komplett trennen kann. Aber ich versuche, das innerhalb kürzester Zeit wieder wegzupacken und zu sagen: Das ist jetzt der Sportler und nicht der Mensch oder die Privatperson. Ich habe unglaubliches Glück mit meiner Familie. Wir sind alle gesund, uns geht es gut, und es gibt viele schöne Momente, die man auch abseits vom Sport genießen und aufsaugen kann. Da möchte ich die Stimmung nicht verderben, sondern versuche, handlungsorientiert zu sein und zu schauen: Was kann ich als Nächstes machen? Wenn ich mir dann einen Plan überlegt habe, kann ich das auch irgendwann wieder wegpacken.“

Skispringen-News.de: „Was trägt dich jetzt durch diese ganz schwere Zeit? Spürst du noch die Liebe zum Sport oder überwiegen inzwischen die Zweifel?“

Karl Geiger: „Die Liebe zu diesem Sport ist ungebrochen, auch wenn er gerade gnadenlos ist. Ich habe viele positive und nette Nachrichten erhalten und wirklich viel Aufbauarbeit von den Leuten um mich herum erfahren. Ich hatte einfach das Gefühl, dass wirklich alle hinter mir stehen – oder zumindest die meisten. Die wichtigsten auf jeden Fall. Das macht es natürlich leichter, wieder aufzustehen, den Schnee abzuklopfen und weiterzulaufen.“

Skispringen-News.de: „Mit der Skiflug-WM und den Olympischen Spielen stehen noch zwei große Saisonhöhepunkte an. Kannst du uns an deinen bisherigen Erinnerungen teilhaben lassen, und wie schätzt du die Situation derzeit ein?“

Karl Geiger: „Bei der Skiflug-WM habe ich im Einzel schon einmal einen Titel gewonnen und mit dem Team drei Medaillen geholt. Das sind natürlich ganz besondere Momente, gerade jetzt hier in der Heimat, auf die ich hinarbeite. Ich möchte dort auch im Team helfen können, mit meinen Sprüngen und Flügen. Momentan bin ich dazu noch nicht in der Lage, aber es sind definitiv große Ziele – die Skiflug-WM und die Olympischen Spiele. Ich möchte das im Moment aber noch nicht zu sehr forcieren, weil ich an meinem Sprung arbeiten will. Wenn mein Sprung passt oder besser wird, dann bin ich auch in der Lage, bei diesen großen Events der Mannschaft zu helfen und gute Ergebnisse zu erzielen. In der aktuellen Form würden mir allerdings auch die Olympischen Spiele, die zwar sehr schön sind, nichts bringen. Ich war zweimal dabei und kenne den olympischen Flair und Spirit – das ist etwas ganz Besonderes. Aber wenn ich dort an den Start gehe, möchte ich auch in der Lage sein, schlagkräftig zu sein.“

Skispringen-News.de: „Dankeschön und weiterhin viel Erfolg.“

Karl Geiger: „Vielen Dank.“

Weltcup Weltcup Herren

Am späten Samstagnachmittag fand in Zakopane der Super-Team-Wettbewerb statt – ein Format, bei dem pro Nation nur zwei Athleten an den Start gehen. Für viele Springer war es ein kräftezehrender Tag: Wer an allen Durchgängen inklusive Training und Qualifikation teilnahm, absolvierte insgesamt sechs Sprünge.

Für eine Überraschung zum Auftakt sorgte das ukrainische Duo: Yevhen Marusiak eröffnete mit einem hervorragenden Satz, und auch Vitaly Kalinichenko überzeugte. Nach dem ersten Durchgang lag die Ukraine sensationell auf Rang vier – deutlich vor dem deutschen Team.

Für Deutschland verlief der Auftakt hingegen enttäuschend. Karl Geiger missglückte sein erster Sprung komplett, was nur Rang zehn bedeutete. Auch Pius Paschke konnte mit seinem Versuch nur zwei Plätze gutmachen, sodass es nach Durchgang eins lediglich für Platz acht reichte. Ein Ausrufezeichen setzte das österreichische Duo: Jan Hörl dominierte bereits mit dem ersten Sprung, und Stephan Embacher zog souverän nach. Nach dem ersten Durchgang führte Österreich vor Slowenien und der Schweiz.

In Durchgang zwei kämpften zwölf Teams um den Einzug ins Finale. Für Deutschland war das Minimalziel klar: ein Platz unter den besten acht. Trotz Rückenwind gelang Geiger ein etwas besserer Sprung, doch Paschke verlor erneut an Boden. Das DSV-Duo rettete sich gerade noch als achte Mannschaft ins Finale. Die Ukraine hielt sich weiterhin gut vor den deutschen Adlern. Vor allem Polen rückte dank des jungen Kacper Tomasiak nach vorne. Österreich baute seinen Vorsprung deutlich aus – der Sieg schien bereits zu diesem Zeitpunkt sicher. Dahinter behaupteten sich Slowenien und Polen auf den Plätzen zwei und drei.

Im dritten Durchgang waren noch acht Teams im Rennen. Norwegen überraschte mit Sundal und rückte vorübergehend auf Rang zwei vor. Karl Geiger zeigte einen guten Abschlusssprung und brachte Deutschland auf Platz sieben. Pius Paschke schob das Team Am Ende noch auf Rang sechs – nur hauchdünn gegen die Ukraine. Für Polen setzte Tomasiak den entscheidenden Schlusssprung und sicherte sich und seine Teamkollegen Dawid Kubacki Rang drei vor Heimpublikum. Anže Lanišek krönte den slowenischen Auftritt mit einem Satz auf 140 Meter und rettete damit Platz zwei – hinter dem souveränen Sieger Österreich mit Jan Hörl und Stephan Embacher.

Anzugmanipulation im italienischen Team

Wieder einmal war heute auch ein Anzug Thema. Nämlich der des Italieners Francesco Cecon, der kurz nach seinem ersten Sprung im ersten Durchgang disqualifiziert wurde. Als Grund wurde vom Internationalen Skiverband im Liveticker „Manipulation des Anzugs vor dem Start“ eingeblendet. Was sich genau dahinter in seinem Fall verbirgt, wurde nicht genannt. In jedem Fall sorgte er dafür, dass sein Teamkollege Giovanna Bresdaola gar nicht erst zum Einsatz kam.

Fettner in der Qualifikation vorne

In der vorangegangenen Qualifikation am frühen Nachmittag präsentierten sich besonders die österreichischen Skispringer in herausragender Form, sodass das Fehlen von Stefan Kraft und Daniel Tschofenig kaum auffiel. Manuel Fettner sicherte sich mit 133,7 Punkten den ersten Platz, dicht gefolgt von seinen Teamkollegen Jan Hörl (131,6 Punkte) und Maximilian Ortner, der sich den dritten Rang mit dem Slowenen Anže Lanišek (jeweils 130,7 Punkte) teilte. Insgesamt landeten fünf ÖSV-Athleten unter den Top Acht, darunter auch Stephan Embacher (5. Platz) und Jonas Schuster (8. Platz).

Auch die Slowenen zeigten sich stark: Neben Lanišek überzeugte Timi Zajc (7.), der nach seiner Disqualifikations-Sperre zurück im Weltcup ist. Der Gesamtweltcup-Führende Domen Prevc landete „nur“ auf Rang zehn. In Abwesenheit von Philipp Raimund und Felix Hoffmann zeigten sich die teilnehmenden drei Deutschen leicht verbessert. Karl Geiger belegte Platz 19, Pius Paschke wurde 24. und Andreas Wellinger Rang 34.

ÖSV Weltcup Weltcup Herren

Neben dem Slowenen Domen Prevc hat sich in den letzten Wochen vor allem Stephan Embacher ins Rampenlicht gesprungen. Der 19-jährige Österreicher stellte in Garmisch-Partenkirchen mit einem Sprung auf 145,5 Meter einen neuen Schanzenrekord auf und sorgte damit zugleich für den längsten Sprung, den es in der 74-jährigen Geschichte der Vierschanzentournee je gegeben hat. Doch auch insgesamt belegte er beim ersten großen Saisonhighlight einen starken dritten Platz in der Gesamtwertung.

„Ich hätte nie gedacht, dass ich die Tournee auf dem Podium abschließen kann. Es ist so cool – auch zusammen mit Jan (Hörl) oben stehen zu dürfen, ist mega. Es war einfach eine richtig, richtig gute Tournee“, schwärmte Embacher in Bischofshofen am Mikrofon des ORF. Auch sein Cheftrainer Andreas Widhölzl war voll des Lobes für den Youngster: „Hut ab, wie Stephan es in seinen jungen Jahren durchgezogen hat und wie cool er dabei geblieben ist.“

Doch der Reihe nach. Zum ersten Mal richtig auf sich aufmerksam im Weltcup machte der aktuelle Junioren-Weltmeister am 26.11.2025, als er mit dem zweiten Platz in Falun seine erste Podiumsplatzierung in einem Einzelwettbewerb feierte. Abseits dieses Resultats sammelte „Bambi“, wie er von seinem österreichischen Landsmann Stefan Kraft gerne genannt wird, mehrere Top-10-Platzierungen. Ein durchaus gelungener Saisonstart, mit dem man ihm allerdings nicht unbedingt einen Podiumsplatz bei der Tournee zugetraut hätte.

Bei der Generalprobe zur Vierschanzentournee in Engelberg erlebte Embacher dann eine Schrecksekunde, als er am ersten Wettkampftag stürzte. Doch er zeigte sich davon völlig unbeeindruckt und stellte am darauffolgenden Tag mit 145 Metern einen neuen Schanzenrekord auf der Gross-Titlis-Schanze auf. Ex-DSV-Bundestrainer Werner Schuster, der an diesem Tag als Eurosport-Experte fungierte, sagte im Anschluss zu diesem Sprung, dass dieser „noch nicht einmal optimal“ gewesen sei – das zeigt, wie viel Potenzial bei Embacher eigentlich noch vorhanden ist.

In Oberstdorf startete Embacher dann sehr ordentlich in die Vierschanzentournee und wurde Siebter, ehe er in Garmisch-Partenkirchen so richtig aufdrehte und dort den Grundstein für den dritten Platz in der Tournee-Gesamtwertung legte.

Neuer Schanzenrekord: 145,5 Meter – „Ich bin ohne Rücksicht auf Verluste gesprungen“

Am Silvestertag zündete Embacher mit 145,5 Metern in Garmisch-Partenkirchen eine richtige Rakete und zeigte den längsten Sprung in der Tourneegeschichte. „Ich bin den Sprung genau gleich angegangen wie sonst auch und bin ohne Rücksicht auf Verluste gesprungen. Ich habe von der Höhe her gleich gemerkt, dass es weit geht. In den Trainingssprüngen zuvor war es vom Tisch her noch nicht ganz so gut. Ich bin dort noch sehr flach rausgekommen, aber trotzdem schon relativ weit gesprungen. In dem Quali-Sprung war ich gut ein bis zwei Meter höher und habe gewusst, dass der gut geht“, äußerte sich Embacher im Anschluss am Mikrofon von Skispringen-News.de.

Im ORF-Interview führte er zu diesem ganz besonderen Sprung weiter aus: „Ich habe ihn am Tisch gut getroffen und war gleich in einer Position, in der ich Gas geben und ihn durchziehen konnte. Klar, die Landung war auf Sicherheit, aber das passt – man muss in der Quali nicht alle Risiken eingehen. Nach Engelberg den zweiten Schanzenrekord binnen einer Woche aufstellen zu dürfen, ist einfach mega.“

Noch einmal genauer auf den Landedruck angesprochen, sagte Embacher gegenüber Skispringen-News.de: „Es würde, glaube ich, schon gehen, dass man auf der Schanze in diesem Weitenbereich einen Telemark setzt, aber ich habe die Sicherheitsvariante bevorzugt, da ich schon einen Sturz in dieser Saison hatte. Von daher brauche ich keinen zweiten.“

Probleme mit der Hüfte seit dem Sturz in Engelberg

Doch auch wenn er den Sturz mental gut verarbeitet hat, ist dieser nicht ganz spurlos an ihm vorbeigegangen. „Seit dem Sturz habe ich ein paar Probleme mit der Hüfte gehabt, habe es aber mit den Physios immer wieder in den Griff bekommen. Bei diesem Qualisprung ist es mir auch wieder ein bisschen ‚reingeschossen‘, aber auch hier haben wir es gut gemanagt bekommen und bleiben weiter dran.“

Podiumsplätze in Garmisch-Partenkirchen und Innsbruck

Getragen von der großen Euphorie des Vortages legte der 19-Jährige am Neujahrstag in Garmisch-Partenkirchen mit dem dritten Platz im Wettkampf eindrucksvoll nach. Am Bergisel wiederholte er dieses Podiumsergebnis und wurde erneut Dritter. Das Tourneefinale in Bischofshofen schloss er auf Position fünf der Tageswertung ab, womit es ihm gelang, den dritten Rang in der Gesamtwertung erfolgreich bis zum Schluss zu verteidigen. Nur Teamkollege Jan Hörl und Dominator Domen Prevc waren besser als der aufstrebende ÖSV-Youngster.

„Wir haben es uns im Duell um den zweiten Platz in der Tourneewertung schon gegeben, aber ich gönne es Jan von Herzen. Er ist so ein cooler Typ und immer für mich da – zum Beispiel in Innsbruck, wo er zu mir gesagt hat, dass ich einfach ruhig bleiben und meine Sachen durchziehen soll. Auch generell verstehen wir uns alle sehr gut im Team. Es ist eine coole Truppe, und hier hilft jeder jedem.“

Was die Fortschritte in seiner Entwicklung seit den Junioren-Weltmeisterschaften angeht, schildert Embacher: „Im Sommer bin ich gleich gut reingestartet und habe die richtigen Schlüsse gezogen. Ich habe viel Erfahrung gesammelt und es, glaube ich, ganz gut umgesetzt. Von daher finde ich meine Entwicklung sehr cool und möchte daran anschließen und weiter kämpfen.“

DSV Weltcup Weltcup Herren

Die deutsche Skisprung-Nationalmannschaft der Herren wird am kommenden Wochenende lediglich mit drei Athleten beim Weltcup im polnischen Zakopane antreten. Nominiert sind Karl Geiger, Andreas Wellinger und Pius Paschke.

Grund für das reduzierte Aufgebot sind zwei Ausfälle, die sich bereits zur Vierschanzentournee abgezeichnet hatten: Felix Hoffmann verzichtet aufgrund anhaltender Kniebeschwerden im linken Knie auf die Reise nach Polen. Nach der Vierschanzentournee ließ Felix Hoffmann sein linkes Knie per MRT überprüfen. Die Untersuchung ergab zwar keine strukturellen Verletzungen, bestätigte jedoch die vermutete Reizung der deutschen Teamärzte. Diese wird nun mit konservativen Maßnahmen und Physiotherapie behandelt, zudem soll das Knie in den kommenden Tagen komplett geschont werden. Ein Start beim Weltcup in Zakopane ist damit ausgeschlossen.

Auch Philipp Raimund wird nicht nach Polen reisen. Er hatte bereits beim Finale in Bischofshofen mit zurückkehrenden Erkältungsbeschwerden zu kämpfen. In Abstimmung mit dem medizinischen Team wurde daher entschieden, dass ein Wettkampfeinsatz noch zu früh wäre und seine vollständige Genesung Vorrang hat.

„Da unsere COC-Mannschaft in Japan unterwegs ist, werden wir in Zakopane mit Karl Geiger, Pius Paschke und Andreas Wellinger an den Start gehen. Alle drei Athleten wollen die Wettkämpfe nutzen, um an ihrer Sprungtechnik zu arbeiten“, erklärt Bundestrainer Stefan Horngacher das nur dreiköpfige Mannschaftsaufgebot.