Domen Prevc eilt der Konkurrenz weiter davon. Auch beim zweiten Einzelwettbewerb in Willingen ließ der Slowene keine Zweifel aufkommen und siegte souverän vor dem Japaner Ren Nikaido, der seinen zweiten Platz vom Vortag wiederholte. Über den dritten Rang durfte sich Philipp Raimund freuen, der damit vor den Olympischen Spielen noch einmal ordentlich Selbstvertrauen tankte.
Selten hat das Skispringen über eine ganze Saison hinweg eine solche Machtdemonstration erlebt wie derzeit durch Domen Prevc. Nach seinem Sieg in der Qualifikation lag der Slowene bereits nach dem ersten Durchgang 13,6 Punkte vor seinem Teamgefährten Anže Lanišek, der sich zur Halbzeit auf Rang zwei einreihte. Auch im zweiten Durchgang spielte Prevc wieder einmal mit der Konkurrenz und lag am Ende sogar satte 31,7 Punkte voraus. Die Goldmedaillen bei den Olympischen Spielen in Predazzo scheinen praktisch schon für ihn reserviert zu sein, wenn er seine Sprünge weiterhin wie am Fließband abrufen kann.
Auf die Frage, ob er mittlerweile nicht Mitleid mit der Konkurrenz habe, antwortete er: „Ich hoffe, dass ich ihnen etwas zum Nachdenken gebe. Aber ich denke, das ist nur das Ergebnis davon, dass zum richtigen Zeitpunkt alles zusammengepasst hat – harte Arbeit in den letzten paar Saisons und dieses Jahr ganz besonders. Jeden Tag habe ich mich darauf konzentriert, etwas zu tun, das mich besser macht, das mich erfolgreich macht. Im Sommer habe ich jeden Tag etwas getan, das mir beim Skispringen helfen würde. Ich denke also, man muss jeden Tag konsequent arbeiten. Dann müssen die Ergebnisse kommen, egal was passiert. Ich bin einfach super glücklich, dass die Dinge zusammenkommen.“
Dahinter kristallisiert sich – zumindest nach den Eindrücken in Willingen – mit Ren Nikaido der wohl gefährlichste Jäger heraus. Den kleinen Rückschlag im ersten Durchgang, in dem er sich nur auf Position sieben einreihte, kompensierte er mit einem starken zweiten Versuch auf 152,5 Meter. Wie schon am Vortag bedeutete dies für ihn unter dem Strich den zweiten Rang. Bei der Pressekonferenz gab sich der Japaner kämpferisch und stellte klar, dass er schon die Möglichkeit habe zu gewinnen und dies in Zukunft auch noch häufiger beweisen wolle.
Erfreulich aus deutscher Sicht ist, dass auch heute wieder ein DSV-Adler vorne mithalten konnte. Nach dem Podiumsplatz von Karl Geiger am gestrigen Tag war es dieses Mal Philipp Raimund, der auf ganzer Linie überzeugen konnte. Bereits nach dem ersten Durchgang lag er an dritter Stelle, und auch wenn Nikaido im Finaldurchgang noch an ihm vorbeiziehen konnte, gelang es ihm, sich noch Anze Lanisek zu schnappen. Die Zuschauer an der Mühlenkopfschanze durften sich damit an allen drei Tagen über einen deutschen Podestplatz freuen.
„Ich muss sagen, dass ich mit Willingen sehr zufrieden bin. Die Sprünge waren eigentlich alle auf Top-Niveau. Gestern hat es nicht ganz funktioniert, dass ich es zeigen konnte, weil es mit dem Wind etwas schwierig war, der sehr wechselhaft war. Aber nichtsdestotrotz waren die Sprünge auf einem hohen Niveau. Ich habe es heute auch endlich im Flug hinbekommen und wurde mit Platz drei belohnt“, strahlte Raimund bei der anschließenden Pressekonferenz und führte zur Leistung des DSV-Teams aus: „An beiden Tagen war es natürlich ein cooles Teamergebnis – und dann auch noch vorgestern mit Platz zwei im Mixed-Team. Mega cool, und ich bin sehr happy mit Willingen.“
Rang vier ging an den Norweger Marius Lindvik, der sich gegenüber dem Vortag deutlich verbessert zeigte, als er über den 22. Platz nicht hinauskam. Für die größte Überraschung des Tages sorgte allerdings Niko Kytosaho, der mit Rang fünf in Willingen sein bisher bestes Karriereergebnis erzielte. „Eigentlich hatte ich gestern schon einen guten Tag, hatte aber im ersten Durchgang etwas Pech und konnte danach im Ranking nicht mehr so viel klettern. Aber heute hatte ich kein Pech und bin sogar noch besser gesprungen. Ich bin total happy, dass alle drei Sprünge – also auch der in der Qualifikation – so gut waren, und es ist echt schön, hier so nah am Podium zu sein“, freute sich der Finne, für den Willingen ab sofort zu seinen Lieblingsschanzen zählt. „Eigentlich habe ich die Schanze bisher gar nicht so sehr gemocht, aber da es immer Aufwind gibt und ich Aufwind liebe, liegt es jetzt vielleicht daran“, so Kytosaho weiter.
Ebenfalls stark aufgelegt präsentierte sich Kristoffer Eriksen Sundal (6), den man bei den Olympischen Spielen sicherlich ebenfalls auf der Rechnung haben sollte. Anze Lanisek büßte nach seinem starken ersten Sprung im Finale einiges ein und beendete den Wettbewerb auf Rang sieben.
Andreas Wellinger (8.) gelang zum zweiten Mal in Folge der Sprung in die Top 10. Damit bestätigte der Ruhpoldinger seinen deutlichen Aufwärtstrend. Entsprechend positiv fiel auch sein Fazit aus: „Mega geile Stimmung, saucoole Sprünge und weite Flüge. Mit meinem letzten Sprung habe ich eines meiner kleinen Ziele abgehakt, nämlich einen 150er-Sprung – und der hat richtig Spaß gemacht. Insgesamt waren die Sprünge heute noch einmal besser als gestern. Im ersten Durchgang mit den -3 Windpunkten habe ich für mich festgestellt: Sprungqualität ja, Flug nein. Im zweiten Durchgang war dann beides ein „Ja“. Das habe ich richtig genießen können.“
Polens Routinier Piotr Zyla tankte mit dem neunten Platz ebenfalls Selbstvertrauen – genauso wie Felix Hoffmann (10.).
Karl Geiger (21.), Luca Roth (26.) und Pius Paschke (28.) sammelten ebenfalls Weltcuppunkte, wenngleich sie sich für den heutigen Tag sicherlich noch mehr ausgerechnet hatten. Geiger und Roth waren dennoch zufrieden.
„So schlecht war es heute gar nicht. Speziell im zweiten Sprung hatte ich aber echt kein Windglück. Die Sprünge waren okay, vielleicht nicht ganz so sauber wie gestern, aber in Willingen braucht man auch immer ein bisschen Glück dazu. Drei aus unserem Team hatten das, und deshalb: das reicht, und ich bin sehr zufrieden mit dem Wochenende“, bilanzierte Geiger.
Sein Teamgefährte Luca Roth sagte: „Ich bin recht zufrieden, auch gerade mit dem heutigen Wettkampf. Was die Sprünge angeht, habe ich mich noch einmal verbessern können, auch wenn ich nicht ganz so viel Glück hatte wie andere. Aber es geht in die richtige Richtung, was man, glaube ich, sehen muss.“
Deutlich mehr haderte Pius Paschke: „Für die Mannschaft war es ein cooles Wochenende mit vielen schönen Ergebnissen. Es ist klasse, dass so viele Leute an die Schanze gekommen sind – und man ihnen damit etwas zurückgeben konnte. Aus meiner persönlichen Sicht war es jedoch recht enttäuschend, dass die Sprünge nicht ganz so liefen, wie erhofft. Der zweite Sprung wäre wieder ein bisschen besser gewesen, aber bei den wechselhaften Verhältnissen war das etwas schwierig, und leider gehörte ich da nicht zu den Glücklichen.“
