Rechtzeitig vor den Olympischen Spielen scheint Eirin Maria Kvandal in Form zu kommen. Die Norwegerin sicherte sich bei der Generalprobe in Willingen ihren ersten Saisonsieg vor der Weltcupführenden Slowenin Nika Prevc sowie der Japanerin Nozomi Maruyama. Agnes Reisch wurde als beste Deutsche Vierte.
Damit unterstrich Kvandal einmal mehr, dass ihr die Mühlenkopfschanze in Willingen besonders gut liegt. Im vergangenen Jahr konnte sie bereits das Einzelspringen im Sauerland für sich entscheiden. „Willingen gehört zu meinen Lieblingsschanzen im Weltcup. Ich bin sehr glücklich, dass ich den Sieg aus dem letzten Jahr wiederholen konnte, und es macht mir unglaublich viel Spaß, hier zu springen. Generell mag ich die Großschanzen viel lieber, und das hier ist die größte, die es gibt. Von daher passt das sehr gut zusammen.“
Bereits nach dem ersten Durchgang führte sie mit 138,5 m das Feld an und baute im zweiten Versuch mit einem Satz auf 143,5 m ihren Vorsprung noch weiter aus. Seriensiegerin Nika Prevc musste sich an diesem Tag zwar um 11,3 Punkte gegenüber Kvandal geschlagen geben, baute mit dem zweiten Platz ihren Vorsprung in der Weltcupgesamtwertung auf Maruyama jedoch weiter aus. „Ich habe wesentlich bessere Sprünge gezeigt als gestern, daher habe ich es heute umso mehr genossen. Nun fühle ich mich auch schon deutlich entspannter“, gab Prevc zu.
Nozomi Maruyama zeigte sich ebenfalls zufrieden mit ihrem dritten Rang: „Ich habe bei diesen schwierigen Bedingungen mein Bestes abrufen können. Daher bin ich sehr glücklich mit dem Verlauf dieses Wettbewerbs.“
Aus deutscher Sicht konnte vor allem Agnes Reisch überzeugen. Nach einem schwierigen ersten Durchgang, den die Allgäuerin auf dem neunten Zwischenrang abschloss, katapultierte sie sich im zweiten Durchgang mit einer Weite von 134 m noch bis auf die vierte Position nach vorne. Auch wenn sie das Podium knapp verpasste, brachte sie das Publikum entlang der Mühlenkopfschanze mit ihrem zweiten Sprung in Ekstase. „Heute war es turbulent, und man musste Glück haben. Der erste Sprung war nicht ganz so gut, dafür war der zweite wieder cool, und es hat richtig Spaß gemacht, Ski zu springen“, so Reisch, die sich über den großen Zuschauer Zuspruch in Willingen sehr freut. „Generell erleben wir Damen es nicht so häufig, vor so einer Kulisse zu springen, daher versuche ich, das einfach zu genießen. Und klasse, dass ich die Zuschauer mit einem guten Sprung am Ende auch belohnen konnte.“
Hinter der Norwegerin Anna Odine Ström (5.) reihte sich Selina Freitag auf Rang sechs ein. „Im ersten Durchgang hatten wir leider durch den Wind gar keine Chance, und im zweiten Durchgang habe ich schon fast zu früh Gas gegeben, weshalb der Sprung nicht ganz so sauber eingelaufen ist. Aber insgesamt weiß ich, dass ich in den Sprüngen ein gutes Grundniveau habe, und mit solchen Fehlern am Ende noch Sechste zu werden, ist sehr gut. Daher bin ich recht zufrieden, auch wenn ich natürlich gerne auf dem Podium gestanden hätte.“ Dahinter unterstrich Silje Opseth als Siebtplatzierte noch einmal das starke norwegische Ergebnis.
Katharina Schmid beendete den ersten von insgesamt zwei Einzelwettbewerben im Sauerland auf der achten Position. „Es war besser als in der letzten Zeit, daher bin ich eigentlich ganz happy mit meinen Sprüngen. Aktuell bin ich zwar noch nicht ganz da, wo ich gerne wäre, aber ich bin zufrieden, mal wieder in den Top-8 zu sein. Und gerade der zweite Sprung hier vor dem heimischen Publikum hat unglaublich viel Spaß gemacht“, erklärt Schmid. Die beiden Japanerinnen Ringo Miyajima und Kurumi Ichinohe rundeten die Top-10 ab.
Mit Juliane Seyfarth (11.), Anna Hollandt (28.) und Emely Torazza (29.) sammelten drei weitere DSV-Damen Weltcuppunkte. Dabei stand vor allem Seyfarth nach dem Wettbewerb die Freude ins Gesicht geschrieben. „Ich habe endlich gelernt, wie man in Willingen springt. So kann es morgen weitergehen“, strahlte sie. Bei Hollandt und Torazza verbleiben hingegen noch die ein oder anderen Baustellen. „Meine Sprünge waren jetzt nicht ganz so gut, aber ich sauge die Stimmung auf, und es macht mega Spaß, weil die Fans schon richtig on fire sind. Da sind die Sprünge nicht ganz so wichtig, wenn es gerade nicht läuft“, lässt sich Hollandt nicht entmutigen.
Emely Torazza führt aus: „Ich bin nicht ganz zufrieden, sondern hätte es mir lieber so vorgestellt wie letztes Jahr. Es war eine etwas andere Vorbereitung, die nicht ganz so gut lief. Aber Punkte mitzunehmen ist gut, ich hatte diese Saison ja noch nicht so viele Gelegenheiten, dort hineinzuspringen.“ Während den Olympischen Spielen wird sie an den COC-Wettkämpfen teilnehmen. „Es ist vielleicht ganz gut, um dort nochmal Lockerheit mitzunehmen“, so die junge Nachwuchsathletin.
DSV-Bundestrainer Heinz Kuttin zog nach dem zweiten Durchgang ein positives Fazit: „Zum Schluss bin ich wieder sehr zufrieden, aber im ersten Durchgang war es schon wieder unglaublich, wie die Verhältnisse gewechselt haben und auch unsere drei Top-Athletinnen vom Pech verfolgt waren. Die Sprünge waren alle in Ordnung, aber da bist du chancenlos, wenn du über 30 Punkte hinten liegst. Das war ernüchternd, umso besser war der zweite Durchgang. Da waren sie alle sehr kämpferisch und haben wirklich nochmal einen guten Sprung gemacht.“
Hinter den eigenen Erwartungen zurück blieben hingegen die zuletzt so starken Österreicherinnen. Während Julia Mühlbacher den 13. Platz belegte, kam Lisa Eder heute nicht über den 15. Rang hinaus. „Meine Sprünge waren nicht gut, der Wind war auch nicht der Beste – von daher eine schlechte Kombination. Irgendwie passt mein Sprungstil auch gar nicht zu dieser Schanze. Es ist immer brutal schwer, dass ich hier ins Fliegen komme und ein System da ist. Ich glaube, dass der Fokus jetzt schon für mich auf Olympia liegt“, resignierte Eder.

