Domen Prevc hat sich vor 22.125 Zuschauern an der Mühlenkopfschanze in Willingen in überlegener Art und Weise seinen nächsten Saisonsieg gesichert. Hinter dem erneut starken Japaner Ren Nikaido platzierte sich überraschenderweise Karl Geiger, der damit endgültig aus seinem Formtief herausgekommen zu sein scheint. Mit Felix Hoffmann und Andreas Wellinger sprangen noch zwei weitere Deutsche unter die Top 10.
Schon während des ersten Durchgangs rieben sich die Zuschauer verwundert die Augen, als sie sahen, wie viel der Sprung auf 140,5 m von Karl Geiger wert war. Der Oberstdorfer reihte sich nicht nur im direkten Anschluss an seinen Versuch an der Spitze des Feldes ein, sondern verweilte dort bis zum allerletzten Athleten, dem Weltcupführenden Domen Prevc. Nur der Slowene war in der Lage, Geiger mit 146,5 m zu knacken. Rang drei ging zur Halbzeit an den Japaner Ren Nikaido vor dem Österreicher Manuel Fettner (4.) und Andreas Wellinger (5./134 m), der damit genauso wie Teamkollege Geiger für eine faustdicke Überraschung sorgte. Vor allem nach den beiden äußerst schwachen Trainingssprüngen am Freitag schien Wellinger bei weitem nicht auf einem solchen Level zu sein. Über weite Teile des ersten Durchgangs lag er hinter Geiger auf der zweiten Position und sorgte damit zur Freude des Willinger Publikums lange für eine deutsche Doppelführung.
Im zweiten Durchgang galt es dann, diese exzellente Vorstellung zu bestätigen, was den beiden DSV-Sorgenkindern dieser Saison auch gelingen sollte. Mit 138,5 Metern platzierte sich Wellinger auf dem sechsten Platz im Endergebnis und durfte sich damit über sein bisher bestes Saisonergebnis freuen. „Ich bin häufig nicht im zweiten Durchgang gewesen, habe aber trotzdem immer gewusst, dass es in die richtige Richtung geht. Und heute habe ich es mal aufs Papier gebracht, und das ist sehr, sehr gut für die Seele“, schilderte der Ruhpoldinger im Anschluss.
Noch stärker präsentierte sich allerdings Karl Geiger, der mit 142 m sogar noch einmal seine Weite verbesserte und als Dritter auf das Podium sprang. Auch wenn Nikaido mit einem Satz auf 147 m noch an ihm vorbeizog, den Jubelschrei im Auslauf hat man sicherlich noch bis ins benachbarte Winterberg gehört.
„Es war wirklich ein sehr besonderer Moment für mich, weil es sich diese Saison noch nicht abgezeichnet hat, dass ich in der Lage bin, aufs Podium zu springen. Aber die letzten zwei Wochen waren sehr produktiv und effektiv, und es gingen wirklich Schritte in die richtige Richtung. Und ja, heute habe ich einfach zwei wirklich gute Sprünge gemacht, und ich bin unglaublich glücklich, erleichtert und dankbar, dass mir das gelungen ist“, sagte Geiger auf der anschließenden Pressekonferenz.
Neben ihm und Wellinger durfte sich auch Felix Hoffmann über einen gelungenen Tag freuen und wurde als zweitbester Deutscher Tagesvierter. Nach dem kleinen Rückschlag bei der Skiflug-WM in Oberstdorf scheint auch er wieder zu seiner starken Form zurückzufinden.
„Oberstdorf war schwierig für Felix, weil er zwei Wochen raus war, nur einmal auf der Schanze stand und dann gleich zum Skifliegen musste – er hat da nicht ganz so optimal reingefunden. Von Anfang an war es ein bisschen schwierig, aber auch verständlich, weil er körperlich noch nicht da war, wo er hätte sein sollen. Jetzt wird es langsam immer besser, und heute waren die Sprünge schon auf einem deutlich höheren Niveau. Fliegen kann er ja. Heute hat er aus meiner Sicht 90 % seiner Leistung abrufen können“, lobte Bundestrainer Stefan Horngacher, der sich angesichts des tollen Mannschaftsergebnisses auch selbst erleichtert zeigte.
„Mir geht es heute mal richtig gut – und auch dem gesamten Team. Weil jeder sich den Hintern aufgerissen hat, man so viele Dinge auf jeder Station gemacht hat, alle mehr als 100 % gegeben und alles zu Hause liegen gelassen haben, um nur für die Sache zu arbeiten. Und wenn es dann mal so aufgeht wie heute in diesem Stadion vor so vielen Zuschauern, dann reißt das das ganze Team mit. Und jeder ist motiviert weiterzumachen. Das ist jetzt genau zum richtigen Zeitpunkt gekommen.“
Nur einer war heute einmal mehr in seiner ganz eigenen Liga unterwegs – Domen Prevc. Mit 155 m blieb der Slowene im Finaldurchgang nur einen halben Meter unterhalb des aktuellen Schanzenrekords von Johann Andre Forfang und setzte sich am Ende mit 22 Punkten Vorsprung auf den zweitplatzierten Ren Nikaido wieder einmal sehr deutlich durch.
Bester Österreicher wurde Manuel Fettner auf dem fünften Rang. Hinter Andreas Wellinger (6.) rundeten Kristoffer Eriksen Sundal (7.), Vladimir Zografski (8.), Ryoyu Kobayashi (9.) und Qualifikationssieger Daniel Tschofenig (10.) die Top 10 ab.

