Alexander Stöckl für Abschaffung der Telemark-Landung ab 2022

Foto: Konstanze Schneider

Seit Jahren wird das Thema der vielen Kreuzbandrisse der Skispringer heiß diskutiert. Viele Athleten haben sich in den vergangenen Wintern bei der Landung mit dem Telemark das Kreuzband gerissen. Nun äußert sich der norwegische Cheftrainer dazu.

Die gehäuften Kreuzband-Verletzungen ziehen sich durch alle Nationen. Egal ob der Deutsche Stephan Leyhe, die Norweger Markeng und Fannemel oder die Österreicherin Seifriedsberger. Sie haben sich alle innerhalb des letzten Jahres einen Kreuzbandriss zugezogen. Der Österreicher Alexander Stöckl ist jedoch der Meinung, dass diese Verletzungen hätten verhindert werden können. Und zwar, indem man die Telemark-Landung weglässt.

Um eine möglichst hohe Wertung der Punktrichter für seinen Sprung zu bekommen, muss der Springer weit springen und dann mit einem “sauberen” Telemark landen. Allerdings ist die Ausrüstung der Springer, besonders die Schuhe, auf möglichst weite Sprünge und nicht auf eine möglichst sichere Ausrüstung ausgelegt. Das macht es dementsprechend schwieriger, eine gute Landung zu machen. In Folge dessen kommt es immer wieder zu Stürzen und monatelangen Ausfällen der betroffenen Athleten.

Der Internationale Skiverband FIS hat darauf reagiert und die Regeln für die Ausrüstung verschärft. Ab nächstem Winter soll es Änderungen an den Schuhen und Keilen geben, damit die Springer sicherer landen können. Doch dies reicht dem 46-Jährigen Österreicher nicht aus. Er legt den Fokus auf die Sicherheit der Springer. Stöckl fordert, dass man sich nach den Olympischen Winterspielen 2022 eine große Regeländerung vornehmen solle und im Zuge dessen die etablierte Telemark-Landung abschaffen sollte. Dies wäre eine enorme Veränderung in der Skisprungwelt, da die Telemark-Landung bisher Hauptausschlagepunkt für die Haltungsnoten ist. Würde diese jedoch wegfallen, müsste man sich Gedanken darüber machen, wie man dann die Sprünge aus Sicht der Kampfrichter neu bewertet.

Als ein weiteres Argument führt Stöckl an, dass die Springer mit einer einfacheren und sicheren Landung weiter springen könnten. Dies wäre vor allem für die Zuschauer spannender und spektakulärer, da die großen und weiten Sprünge das sind, was das Skispringen so spannend macht.

Allerdings gibt es auch Gegenwind für den Vorstoß von Norwegens Cheftrainer. Vor allem der technische Delegierte der FIS, Geir Steinar Loeng, hält nicht viel von Stöckls Vorschlag. Er ist der Meinung, dass die Stilbeurteilung auch die Aufgabe hat, die Sicherheit der Springer zu gewährleisten und somit nicht abgeschafft werden kann. Allerdings stand Loengs Beurteilung der Sicherheit schon einige Male in der Kritik. Er ist dafür bekannt, den Springer tendenziell mehr Anlauf zu gewähren und so ihre Sicherheit zu riskieren. So kritisierte ihn vor allem der ehemalige deutsche Cheftrainer Werner Schuster nach den Stürzen von Richard Freitag, David Siegel und Svenja Würth, wobei sich die letzten beiden genannten einen Kreuzbandriss zuzogen. Das nun ausgerechnet er für die bereits bestehende hohe Sicherheit wirbt, erscheint ungewöhnlich.

Dem Vorstoß von Stöckl, die traditionelle Telemark-Landung abzuschaffen, scheint bisher wenig Unterstützung zu finden. Wobei sich jedoch alle Beteiligten einig sind, ist, dass Stürze wie die von Leyhe, Siegel oder Markeng in Zukunft vermieden werden sollen und die Sicherheit der Springer weiter verbessert werden muss.

Quelle: VG

Ein Gedanke zu „Alexander Stöckl für Abschaffung der Telemark-Landung ab 2022

  • 25/05/2020 um 15:48
    Permalink

    Ich war viele Jahre FIS-Sprungrichter
    und vertrete mit 100%die Meinung
    von Herrn Stöckl.Die Sicherheit
    hat absoluten Vorrang.Die Sprungrichter
    haben die Möglichkeit die Dynamik,
    die Ästhetik und die Symmetrie mehr
    zu beachten und zu bewerten.
    Das Springen auf HS kann ebenfalls
    bei der Bewertung helfen.

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