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Foto: Tadeusz Mieczyński / Skijumping.pl
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Das polnische Herrenteam zählt zu den erfolgreichsten Teams des letzten Winters. Kamil Stoch konnte die Vierschanzentournee bereits zum dritten Mal gewinnen, Dawid Kubacki wurde Dritter bei der Tournee und Piotr Zyla gewann Gold bei der Nordischen Ski-Weltmeisterschaft in Oberstdorf. Doch damit nicht genug, denn des Weiteren sammelten sie über den Winter hinweg diverse Podestplätze in den Team- und Einzelwettbewerben. Und natürlich stehen sie auch dieses Jahr wieder weit oben auf dem Favoritenzettel. Grund genug, das Team einmal genau unter die Lupe zu nehmen.

Kamil Stoch greift auch in seiner 18. Saison wieder ganz vorne an

Als aller Erstes ist natürlich Kamil Stoch, oder wie er auch genannt wird „King Kamil“, zu nennen. Mit seinen 34 Jahren gehört er definitiv nicht zum alten Eisen im Skispringen. Der dreimalige Vierschanzentourneesieger ist einer der besten Skispringer aller Zeiten. Auch wenn sein erster Weltcupsieg (23. Januar 2011) schon über 10 Jahre zurückliegt und er schon alles gewonnen hat, was man im Skispringen gewinnen kann. Er ist nach wie vor top-motiviert und bereit, auch in dieser Saison wieder voll anzugreifen.

Vor ein paar Tagen berichtete er auf Instagram von den Interviews, die er in den letzten Wochen gegeben hat. Am häufigsten wurde er gefragt, wann er denn seine Karriere beenden wird. Seine Antwort darauf war: „Eines Tages wird sie enden, aber bisher habe ich viel Energie, Motivation und Freude an dem, was ich tue. Ich habe viele sportliche Träume und die Kraft sie zu realisieren.“ Mit dieser Aussage macht Kamil Stoch klar, dass er auch dieses Jahr wieder um Siege und Podeste kämpfen möchte. Auch in seiner mittlerweile 18. (!) Saison können wir uns auf viele tolle Sprünge von „King Kamil“ freuen.

Dawid Kubacki als Garant für Top-Platzierungen

Auch wenn der Fokus der Skispringer in der Vorbereitung ganz klar auf dem Winter und den Großereignissen wie Olympia oder Vierschanzentournee liegt, so schadet es nicht, schon im Sommer beim Skisprung-Grand-Prix eine kleine Standortbestimmung durchzuführen. Wo stehe ich im Vergleich zu den anderen Springern aus anderen Nationen? Auch wenn selten alle Top-Springer vor Ort sind, so gibt es einem doch eine kleine Orientierung, wo man steht. Dawid Kubacki dürfte nach seiner Teilnahme an vier Einzelwettbewerben eine positive Bilanz gezogen haben: Ein Sieg, ein dritter Platz und am Ende der zweite Rang in der Gesamtwertung hinter Halvor Egner Granerud, der ebenfalls nur an vier der acht Wettbewerbe teilgenommen hat. Die Sommer-Vorbereitung, die der Vater einer kleinen Tochter mit dem dritten Platz bei den polnischen Meisterschaften abgeschlossen hat, ist für ihn ohne Verletzungen oder andere Zwischenfälle verlaufen. Somit stehen alle Zeichen darauf, dass Kubacki, ähnlich wie Stoch, auch diese Saison wieder weit vorne zu finden sein wird.

Zyla komplettiert starkes polnisches Trio

Neben Kubacki und Stoch haben die Polen aber noch ein weiteres heißes Eisen im Feuer: Piotr Zyla, der Weltmeister von der Normalschanze aus der vergangenen Saison. Der, so scheint es zumindest, immer gut gelaunte Pole schloss den Weltcup 2020/21 auf Rang sieben ab und war damit einer von drei Polen, innerhalb der Top-10 der Gesamtwertung. Außer dem polnischen Team waren nur die Norweger mit drei Springern in den Top-10 vertreten. Neben dem guten Mannschaftsergebnis und dem Willen, dieses Ergebnis in diesem Jahr erneut zu erreichen, dürfte Zyla auch aus seinem polnischen Meistertitel von Ende Oktober Motivation für den Weltcup-Winter geschöpft haben. Aber natürlich gibt so ein Titel auch Selbstvertrauen, was einem im Winter helfen kann, wenn es mal an einem Wochenende nicht so gut laufen sollte.

Stekala: „One-Hit-Wonder“ oder neue Konstante im Team?

Nachdem Andrzej Stekala in den letzten Jahren im Weltcup keine Rolle gespielt hat und größtenteils im Continentalcup unterwegs war, überraschte er in der letzten Saison, als er weit vorne auf dem 16. Rang der Gesamtwertung landete und über den Winter hinweg 473 Punkte einsammeln konnte. Durch seine guten und konstanten Leistungen im Winter, durfte er unter anderem in den Teamwettbewerben bei der Nordischen Ski-Weltmeisterschaft und der Skiflug-WM in Planica für das polnische Team an den Start gehen. In beiden Fällen gewann das Team mit Stoch, Kubacki, Zyla und Stekala Bronze. Zusätzlich wurde er unverhofft Zweiter beim Heimweltcup in Zakopane Mitte Februar. Fraglich ist jedoch, ob diese letzte Saison von Stekala ein „One-Hit-Wonder“ bleibt oder ob er auch diese Saison wieder um die Top-20 des Weltcups mitspringen kann.

Können sich Hula, Wolny und Muranka steigern?

Stefan Hula, Jakub Wolny und Klemens Muranka komplettieren das polnische Aufgebot für den morgigen Weltcupstart in Nizhny Tagil. Hula ist schon seit der Saison 2005/06 im Weltcup dabei, konnte sich aber nie nach ganz vorne an die Weltspitze vorkämpfen. In der vergangenen Saison wurde er 74. mit nur zwei Punkten, allerdings nah er auch nur an vier Wettbewerben teil. Größtenteils war er im Continentalcup (COC) zu finden, in dem er letztes Jahr Sechster wurde und zwei Siege einsammeln konnte. Auch für diesen Winter sind keine großen und weiten Flüge des 35-Jährigen zu erwarten. Vielmehr wird es für ihn darum gehen, sich im polnischen Team zu behaupten und vielleicht dauerhaft im Weltcup zu bleiben, auch wenn das schwer werden wird.

Besser sieht es für Jakub Wolny und Klemens Muranka aus. Auch wenn Wolny kein Garant für Top-Platzierungen im Weltcup ist, so sammelte er doch im letzten Winter konsequent Punkte. Regelmäßig befand er sich im Bereich von Platz zehn bis 30 und schloss den Weltcup als 27. ab. In der Vorbereitung auf den Winter konnte er beim Sommer-Grand-Prix in Wisla Mitte Juli einen Einzelsieg von Jan Hörl aus Österreich und seinem Landsmann Dawid Kubacki erzielen. Allerdings war er im letzten Winter, vor allem zu Beginn, nicht die ganze Zeit im Weltcup vertreten. Zeitweise sprang er im COC und konnte dort auch einen Sieg feiern. Alles in allem wird Wolny versuchen, sich dieses Jahr fest im Weltcup zu etablieren und über die komplette Saison im Weltcup Kader vertreten zu sein.

Klemens Muranka dürfte die letzte Vierschanzentournee wahrscheinlich nie in einem Leben vergessen. Sein falsch positiver Coronatest sorge für mächtigen Wirbel. Nachdem er positiv getestet wurde, musste das gesamte polnische Team kurz vor der Tournee in Quarantäne und hätte somit nicht an der Tournee teilnehmen dürfen. Dies sorgte für einen Aufschrei in der gesamten Skisprungwelt. Eine Vierschanzentournee ohne die Polen? – Undenkbar! Nach vielen Besprechungen und weiteren PCR-Tests, welche alle negative ausfielen, durfte das polnische Team schließlich doch an der Tournee teilnehmen. Aufatmen in der Skisprungwelt! Muranka beendete die Tournee als 32. und wurde 31. im Gesamtweltcup. Er wird, ähnlich wie Wolny, versuchen konstant Punkte zu sammeln und vielleicht auch das ein oder andere Mal in die Top-10 zu springen.

Polnische Damen weit weg von der Weltspitze

Während andere Top-Nationen wie Deutschland, Österreich oder Norwegen neben ihren starken Männern auch starke Frauen haben, sieht das bei den Polen anders aus. Deren beste Athletin in der letzten Saison war Anna Twardosz auf Rang 44 mit gerade mal acht Pünktchen. Nur Kinga Rajda konnte als weitere Frau einen Punkt für die Polinnen sammeln. Beim diesjährigen Sommer-Grand-Prix wurde sie respektable 27. mit 52 Punkten. Ob dies allerdings ein Fingerzeig für diese Saison ist, bleibt abzuwarten. Neben ihr sind bei den Sommer-Wettbewerben des Continentalcup und Grand-Prix noch weitere Polinnen angetreten. Die meisten von ihnen waren erst Anfang 20 und könnten damit Potenzial für die Zukunft haben. Dazu zählen Nicole Konderla (19 Jahre), Johanna Swab (24 Jahre), Kamila Karpiel (19 Jahre) oder Wiktoria Przybyla (17 Jahre). Man darf also durchaus gespannt sein, was aus den jungen Damen wird und ob sie vielleicht in ein paar Jahren um Siege im Weltcup mitspringen können. Bis dahin ist es jedoch noch ein weiter Weg.

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