Am Montag steht für die Herren auf der Normalschanze in Predazzo der erste Einzelwettkampf auf dem Programm. Bundestrainer Stefan Horngacher rechnet sich speziell für die kleine Anlage viel aus, wie er uns in einem Interview bei der Generalprobe in Willingen verriet. Außerdem gibt der Bundestrainer eine Einschätzung zum derzeitigen Leistungsstand seiner Top-Athleten sowie zu den Olympia-Favoriten.
„Stefan, was rechnest du dir bei Olympia aus?“
Stefan Horngacher: „Ja, also auf der kleinen Schanze rechnet sich Deutschland immer etwas aus. Da ist man schon immer gut gewesen. Und ich glaube, wir haben mit dem Felix (Hoffmann) und Hille (Raimund) zwei ganz starke Springer, aber man darf auch den Andi (Wellinger) nicht unterschätzen. Wenn der mal in Schwung kommt mit seinem langen Hebel, den er hat, das hilft auch extrem auf der kleinen Schanze. Er hat auch schon viele Medaillen gewonnen und ist ja auch nicht umsonst Olympiasieger auf der Normalschanze. Also ich bin aktuell sehr zuversichtlich, weil wir jetzt drei Sportler haben, die wirklich auch Medaillenchancen haben. Das sind jetzt nicht irgendwie hinterhergesagte Chancen, sondern die sind realistisch. Wir müssen halt jetzt in Ruhe weitermachen und versuchen, dass wir dann am Tag X optimal dastehen.“
„Ist Domen Prevc Favorit bei allen Wettbewerben?“
Stefan Horngacher: „Also auf der kleinen Schanze kann ich mir eigentlich nicht vorstellen, dass Domen den anderen so weit vorne wegspringt. Er wird sicher vorne dabei sein, aber er wird hier nicht seinen Flug so extrem ausspielen können und so viel rausholen. Er wird sicher gut sein. Aber es werden auch so Leute wie Kobayashi oder Nikaido, vielleicht auch der eine oder andere Österreicher, der heute nicht da war (Jan Hörl, Stephan Embacher) ganz stark sein – ich glaube, die bereiten sich gerade auch richtig gut vor. Das werden ganz enge Kisten, und du kannst am Ende nur hoffen, dass du genau am Tag X die richtigen Sprünge machst. Dann bist du dabei bei der Musik – oder halt nicht.“
„Ein paar Worte zu Philipp Raimund und seinem derzeitigen Leistungsstand?“
Stefan Horngacher: „Hille hat es jetzt hier in Willingen ganz gut gemacht, aber er hat immer ein bisschen Probleme, speziell bei Aufwindverhältnissen, dass er oben durchkommt. Im ersten Sprung am Samstag hat er den Ski zu weit auseinandergenommen. Beim zweiten Sprung war es dann schon deutlich besser, aber man ist relativ schnell ein bisschen weit weg von der Elite, hier auf einer so großen Anlage. Da muss er noch ein bisschen besser werden. Und bei so Windspringen – er hat es schon ab und zu mal hinbekommen –, aber das ist ein bisschen seine Achillesferse, würde ich sagen, wo er noch nicht ganz so bereit ist. Aber in Predazzo mit dem Rückenwind, das ist genau sein Wetter, und da werden wir einiges von ihm sehen.“
„Felix Hoffmann ist in Willingen auch gut gesprungen. Man hatte bei der Skiflug-WM in Oberstdorf noch so ein bisschen den Eindruck, auch wegen seiner Verletzung, dass er ein bisschen den Anschluss verloren hat. Aber jetzt scheint er doch wieder pünktlich da zu sein?“
Stefan Horngacher: „Ja, Oberstdorf war schwierig für ihn, denn er war zwei Wochen raus, war nur einmal auf der Schanze, und dann ging es gleich zum Skifliegen. Er hat nicht ganz optimal reingefunden, von Anfang an war das schwierig, was auch verständlich war. Auch körperlich war er noch nicht da, wo er sein sollte. Jetzt wird es langsam immer besser. Technisch springt er schon wieder deutlich auf höherem Niveau, und fliegen kann er ja. In Willingen hat er so 90 Prozent seiner Leistung abrufen können.“
„Und bei Andi Wellinger ist es so, dass du auch das Gefühl hast, dass sich der Knoten jetzt gelöst hat?“
Stefan Horngacher: „Der Prozess läuft, und er hat in Willingen endlich mal im Wettkampf zwei Sprünge hingekriegt, die er schon im Training gezeigt hat. Training und Wettkampf sind immer zwei Paar Schuhe. Er hat das in Oberstdorf leider nicht hinbekommen, war dann als Vorspringer dabei, das hat er gut gemacht – richtig gut. Das Training in Willingen war dann nicht ganz optimal, aber heute hat er eine deutliche Steigerung gezeigt. Bei ihm ist es ganz, ganz wenig, und dann funktioniert das sofort richtig gut. Da bin ich echt sehr, sehr froh, dass das so ist. Und ja, logisch: Der Knoten hat sich schon länger gelöst. Er hat es nur nicht so in den Wettkampf reingebracht. Und das ist eigentlich das Wichtigste, dass er jetzt in Willingen mal ein gutes Ergebnis gemacht hat, und dann löst sich das Ding von selbst auf.“

