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Kalender bestätigt: Skisprung-Weltcup auf Matten – Springer äußern Sicherheitsbedenken

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Eine gute Nachricht gibt es für die Skisprung-Fans: Das Warten auf die nächste Winter-Saison wird so kurz ausfallen wie noch nie. Bereits am 5. und 6. November steht der Weltcup-Auftakt im polnischen Wisla auf dem inzwischen von der FIS abgesegneten Kalender. Mit dieser Entscheidung haben sich die Verantwortlichen aber nicht nur Freunde gemacht. Dies liegt vor allem daran, dass das Opening erstmals in der Skisprung-Geschichte auf Matten ausgetragen wird.

Noch vor einigen Jahren hatte im Skisprung-Weltcup vieles seine Richtigkeit. Die Saison wurde Ende November im finnischen Kuusamo eröffnet, wo uns Winter-Wunderland und Weihnachtsmann sofort in die richtige Stimmung versetzten. Vor rund zehn Jahre fasste die FIS jedoch den Entschluss, auf den nordländischen Flair zu verzichten und den Weltcup-Auftakt nach Mitteleuropa zu verfrachten. Tolle Stimmung und viele Fans waren seitdem in Klingenthal und Wisla garantiert, jedoch war das ganze stets mit einem immensen Aufwand verbunden, weil die Temperaturen (wer hätte das gedacht) Mitte November zu mild waren. Demnach grüßte uns regelmäßig ein weißer Auslaufhügel mit viel Grün drumherum.

„Hybrid-Springen“ zum Auftakt: Anfahren auf der Eisspur und Landen auf Matten

In dieser Saison wird jedoch auch das bisschen Weiß verschwinden. Wie die FIS inzwischen beschlossen hat, wird der Auftakt im polnischen Wisla zwar auf einer Eisspur, jedoch auch auf den vom Sommer-Grand-Prix bekannten grünen Matten stattfinden. Seit Jahren gibt es Horror-Prognosen, dass Matten-Springen im Zuge des Klimawandels bald zur auch im Winter zur Gewohnheit werden. Nun scheint all das langsam näher zu rücken, was durchaus ein gewisses Unwohl-Gefühl aufkommen lässt. Sicherlich ist aber vor allem der ungewohnt frühe Startzeitpunkt für die Herangehensweise verantwortlich. Doch warum möchte die FIS überhaupt Anfang November starten?

„Wir mussten unsere Planung an die Fußball-Weltmeisterschaft, die im November stattfinden wird, anpassen. Deshalb beginnt die Saison bereits sehr früh und es wird nach dem Auftakt in Wisla und den Wettkämpfen in Ruka eine kurze Pause geben“, so das offizielle Statement von Pertile.

Eine Fußball-WM mit Glühwein statt Bier und Skispringer, die in der WInter-Saison auf grünen Matten landen: Den sportbegeisterten Zuschauern wird im anstehenden November schon einiges zugemutet.

Keine Begeisterung im Springerlager: Kraft, Prevc und Forfang kritisieren FIS-Entschluss

Inzwischen hat sich auch der ein oder andere Springer bereits wenig erfreut von den Entschlüssen der FIS gezeigt. „Das begeistert mich nicht so sehr“, gab Stefan Kraft im Gespräch mit den “Salzburger Nachrichten“ zu. Der österreichische Vorflieger äußerte zudem Sicherheitsbedenken. „Man muss wissen, dass diese Eisspuren nur bis zehn, maximal fünfzehn Grad Außentemperatur ausreichend gekühlt werden können. Sollte Anfang November die Sonne scheinen, bremst der Anlauf zu stark“, erklärte der Top-Springer. Zuvor hatten bereits Marius Lindvik und Halvor-Egner Granerud ähnliche Töne angeschlagen. Von der Hand zu weisen sind diese Bedenken nicht. Insbesondere Planica hatte mit der wärmenden März-Sonne schon häufiger seine Probleme.

Peter Prevc haderte im Gespräch mit „siol.net“ derweil damit, “weniger Zeit zu trainieren“ zu haben, monierte die “schlechte Taktung und prophezeite, dass es “mehr Stress“ geben wird. Der slowenische Cheftrainer Robert Hrogota sieht die Sache ebenso skeptisch. „Auf der einen Seite fängt die Saison früh an. Auf der anderen Seite haben wir nach Wisla mehr Zeit für die weitere Vorbereitung“, analysierte er. Links liegen lassen möchte er das erste Wochenende aber auch nicht. „Wir werden versuchen, beim ersten Springen auf dem höchstmöglichen Level zu sein, versprach er.

Besonders hart ging jedoch der Norweger Johan-André Forfang mit dem Entschluss der FIS ins Gericht. „Ich glaube nicht, dass das eine gute Idee ist. Ich denke, wenn wir die Saison eröffnen, dann sollte das auf Schnee sein“, erklärte der Mann aus dem nordnorwegischen Tromsø der Online-Zeitung „Nettavisen“. Der 26-Jährige fürchtet, dass das Skispringen ein Stück weit seine Seele verliert. „Es ist ein gutes, bekanntes Gefühl, das ich schon immer hatte: Wenn es schneit, dann fahren wir in die Berge und fangen an zu springen. Die gesamte Winter-Aura, die den Beginn der Wettkämpfe markiert, ist etwas ganz besonderes, das mir fehlen wird“, erklärte der Norweger. Zudem befürchtet er berechtigterweise, dass sich “viele Menschen am Kopf kratzen werden und nicht verstehen, worum es da geht“.

Pertile verteidigt Entscheidung: “Müssen der Zukunft aufgeschlossen entgegenblicken“

FIS-Direktor Pertile versucht jedoch das Positive herauszupicken. „Ich akzeptiere die Meinung der Athleten, aber manchmal haben wir unterschiedliche Meinungen. Wir müssen der Zukunft aufgeschlossen entgegenblicken. Wir sind die einzige Wintersportart, die eine solche Flexibilität genießt“, erklärte er und zog einen Vergleich zum Tennis. „Man spielt es auf unterschiedlichen Bodenbelägen, aber technisch gesehen ist es der gleiche Sport“, verglich Pertile. Stellt sich nur die Frage, ob es auch noch der gleiche Sport ist, wenn die Sonne die Eispur in die Mangel nimmt. Schon jetzt ist klar: Der Schnee fehlende Schnee wird uns zum Auftakt einen Stich ins Herz versetzen. Möchte man aber zumindest eine Sache positiv sehen, so spart man sich wenigstens die zahlreichen LKW-Lieferungen an produzierten Kunstschnee. Dem Klima kann das nicht schaden und davon profitiert letztlich auch das Skispringen.

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