Plauderecke

DSV Plauderecke

Obwohl für die Skispringer in Planica bereits das offizielle Saisonfinale stattfand, ging die Reise für einige Top-Athleten noch weiter. Im polnischen Zakopane wurde erstmalig das sogenannte „Red Bull Target Jumping“ ausgetragen. Statt auf Weite kam es bei diesem Show-Event in erster Linie auf Präzision an – das Ziel war es, mit acht Sprüngen pro Team möglichst genau die Marke von 1000 Metern zu treffen. Den Sieg sicherte sich am Ende hauchdünn die Mannschaft von Teamkapitän Martin Schmitt.

Insgesamt fünf Teams gingen bei diesem erstmals ausgetragenen Wettbewerb an den Start, die von wahren Skisprunglegenden als Teamkapitän angeführt wurden. Martin Schmitt, Andreas Goldberger, Gregor Schlierenzauer, Thomas Morgenstern und Adam Malysz schickten jeweils vier Athleten auf der Großschanze ins Rennen. Doch bevor es so weit war, mussten zunächst die Legenden selbst ihr Sprungtalent noch einmal unter Beweis stellen. Auf einer Mini-Schanze (K4) traten sie gegeneinander an und gingen so selbst noch einmal auf „Weitenjagd“. Wie groß die Bedeutung dieses direkten Vergleiches im weiteren Verlauf noch werden würde, zeigte sich allerdings erst im späteren Tagesverlauf.

Auf der Großschanze ging es dann in erster Linie um Taktik und Präzession. Vor jedem einzelnen Sprung nahmen die jeweiligen Teamkapitäne Funkkontakt mit ihren Athleten auf und bestimmten anhand der derzeit vorherrschenden Windbedingungen gemeinsam die Anlaufluke sowie die zu erzielende Weite (auf die Einrechnung von Windpunkten und Haltungsnoten wurde bei diesem Show-Event verzichtet). Hinzu kam aber noch eine weitere Challenge: im laufenden Wettbewerb durfte jede Zielweite nur einmal verwendet werden. Während im ersten Durchgang von allen fünf Teams fast durchweg größere Weiten in Angriff genommen und erzielt wurden, waren im zweiten Durchgang von einigen Athleten Weiten deutlich unterhalb des Kalkulationspunktes gefragt. Denn das Ziel war nach allen acht Sprüngen mit dem Team möglichst nah an der 1000 Meter Marke zu sein.

Spannung bis zum letzten Sprung – Wellinger überzeugt mit Treffsicherheit

Die Entscheidung fiel erst mit dem letzten Sprung aller Teams und ihren jeweiligen Schlussspringern, die je nach Vorleistung ihrer Teamkollegen unterschiedliche Weiten erreichen mussten. Für Andreas Wellinger aus dem Team von Martin Schmitt standen am Ende noch 128 Meter auf der Uhr, die er mit einer Punktlandung tatsächlich erreichte. Damit hatte die Mannschaft exakt die Marke von 1000 Metern getroffen.

Danach ging es mit dem Polen Maciej Kot weiter, der für das Team von Gregor Schlierenzauer noch 140,5 Meter erzielen musste und in Absprache mit Schlierenzauer natürlich auch eine deutlich höhere Anlaufluke wählte als z.B. Wellinger zuvor. Nach einem Sprung auf 136 Meter kam das Team am Ende auf eine Gesamtweite von 995,5 Metern.

Für Daniel Tschofenig aus dem Team von Thomas Morgenstern und Domen Prevc aus der Mannschaft von Adam Malysz war die Vorgabe vor dem letzten Sprung mit jeweils 125 Metern identisch. Während Tschofenig bei 124 Metern (Gesamtweite des Teams: 999,0 Meter) landete, kam Domen Prevc in seinem Versuch auf 123,5 Meter (Gesamtweite des Teams: 998,5 Meter).

„Weitenjäger“ Schmitt sichert seinem Team mit einem 4 Meter Sprung den Sieg

Doch im Kampf um den Sieg wurde es noch einmal dramatisch. Gregor Deschwanden, der für das Team von Andreas Goldberger antrat, musste zum Schluss noch 107 Meter weit springen. Und ähnlich wie Wellinger zuvor sollte auch dem Schweizer dieses Kunststück mit einer Punktlandung gelingen. Damit erreichte sowohl das Team von Martin Schmitt als auch die Truppe von Andreas Goldberger mit den Sprüngen ihrer vier Athleten punktgenau die angestrebte Gesamtweite von 1000 Metern. In so einem Fall sah das Reglement vor, dass die beiden Teamkapitäne den Sieger unter sich ausmachen – und zwar durch ihre zuvor erreichte Weite auf der eigens präparierten Mini-Schanze (K4).

Hier zeigte Martin Schmitt, dass er nicht nur als Taktiker, sondern auch als Springer noch immer das gewisse Etwas besitzt: Mit einem Satz auf 4 Meter übertraf er Goldberger, der auf 3 Meter kam – und sicherte seinem Team damit den Sieg beim allerersten Red Bull Target Jumping.

„Fliegen, wie ein Schmetterling und zustechen, wie eine Biene“

Schmitts Team bestand aus Dawid Kubacki, Stephan Embacher, Anze Lanisek und Andreas Wellinger. Nach dem Triumph gab Schmitt einen Einblick in seine Teamstrategie: „Fliegen wie ein Schmetterling und zustechen, wie eine Biene“, scherzte er und lobte seine Athleten: „Die Jungs haben einen fantastischen Job gemacht. Es war wirklich toll.“ Anze Lanisek konterte mit einem Lächeln: „Er hat aber auch einen tollen Job gemacht, denn wegen ihm haben wir heute gewonnen. Danke Martin! Wir haben es genossen.“

Dawid Kubacki zeigte sich ebenfalls begeistert und brachte das Publikum zum Lachen: „Ich bin sehr glücklich, denn es ist mein erstes Podium in dieser Saison“, scherzte er schmunzelnd am Mikrofon. „Mir hat es sehr viel Spaß gemacht, hier zu springen. Es war einfach eine tolle Atmosphäre hier in Zakopane.“

Auch Andreas Wellinger war von der Spannung des Events beeindruckt: „Es war ein toller Wettbewerb. Wir haben eine Rekordweite von Domen Prevc hier in Zakopane von 150,5 Meter gesehen, genauso wie 77 Meter von Piotr Zyla. Am Ende waren es vier Teams, die gerade einmal 1,5 Meter vom Ziel entfernt waren – das ist verrückt und hat unglaublich viel Spaß gemacht.“

Auf Rang zwei landete das Team von Andreas Goldberger mit Timi Zajc, Valentin Foubert, Jacub Wolny und Gregor Deschwanden vor der Mannschaft rund um Thomas Morgenstern, in dem Kacper Tomasiak, Aleksander Zniszczol, Alex Insam und Daniel Tschofenig an den Start gingen.

Treffsicherheit auch bei Alex Insam & Ryoyu Kobayashi

Neben Andreas Wellinger und Gregor Deschwanden konnten auch Alex Insam und Ryoyu Kobayashi mit jeweils einem ihrer Sprünge exakt die Zielvorgabe ihrer Teamkapitäne treffen. Eine Leistung, die beim Target Jumping von Red Bull den Unterschied machen kann im Vergleich zur sonst erforderlichen Weitenjagd. So hat Domen Prevc mit seinem neuen, inoffiziellen Schanzenrekord von 150,5 Metern im ersten Durchgang seinem Team das Leben vergleichsweise sogar etwas schwerer gemacht, da dadurch umso kürzere Sprünge (auch unter 100m) von den übrigen Teammitgliedern verlangt wurden.

Unter dem Strich bot das Red Bull Target Jumping nicht nur einen spannungsgeladenen Wettbewerb mit völlig neuem Ansatz, sondern auch ein Wiedersehen internationaler Skisprungstars in lockerer Atmosphäre.

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Luisa Görlich ist zurück: nach dem zweiten Kreuzbandriss in ihrer Karriere, den sie sich beim Saisonfinale in Planica vergangene Saison zuzog, feierte sie am vergangenen Wochenende im slowenischen Ljubno ihr langersehntes Weltcupcomeback. Und wie: mit den Plätzen 12 und 13 erfüllte sie auf Anhieb direkt die WM-Norm und wurde vom DSV neben Katharina Schmid, Selina Freitag, Agnes Reisch und Juliane Seyfarth für die Nordischen Skiweltmeisterschaften nominiert. Gegenüber Skispringen-News.de hat sie sich kürzlich einem kleinen „Skisprung-Kreuzverhör“ unterzogen.

Steckbrief

Name: Luisa Görlich
Geburtsdatum: 21. Dezember 1998
Wohnort: Oberstdorf
Hobbies: spazieren gehen mit dem Hund, ganz viel Kaffee trinken und viel mit Freunden unternehmen 🙂

Bitte vervollständige diese Sätze (zu Dir persönlich)…

Ich würde mich mit folgenden drei Worten beschreiben…hilfsbereit, zielstrebig und freundlich 🙂

Abseits der Schanze bin ich als…Kaffeetrinkerin tätig 🙂 Ne Spaß, ich studiere Psychologie

Dieser Song darf auf meiner Playlist nicht fehlen…ich höre alles querbeet, aber irgendetwas im Deutsch Pop Bereich

Diese drei Apps nutze ich am häufigsten…Instagram, Whatsapp und Candy Crush

Bitte vervollständige diese Sätze (zum Skispringen)…

Zum Skispringen gekommen bin ich durch…meine Zwillingsschwester Sophia.

Im Skispringen ist es wichtig…den Kopf auszuschalten. Ich spreche aus Erfahrung, denken ist dabei nicht gut 🙂

Mein Vorbild ist…habe ich keins!

Mein persönliches Karrierehighlight war bisher…der Gewinn der Goldmedaille bei den Nordischen Skiweltmeisterschaften in Planica 2023 mit dem Team.

Der Tiefpunkt meiner Karriere war…mein erster Kreuzbandriss, den ich mir 2018 in Falun während eines Wettkampfwochenendes im COC zugezogen habe.

Ich möchte in meiner Skisprungkarriere auf jeden Fall noch folgendes erleben/erreichen…ich möchte auf jeden Fall zu den Olympischen Spielen!

Nach einem Misserfolg baut mich folgendes wieder auf/lenkt mich folgendes am besten ab…mit meiner Familie & Freunden zu telefonieren.

Meine Lieblingsschanze ist…Oberhof (die 90 Meter Schanze) & die Großschanze in Lillehammer. Lillehammer ist rundum schön. Die Schanze, der Ausblick….einfach alles!

Diese Schanze mag ich nicht…jetzt darf ich nichts falsches sagen 🙂 Ich würde hier Ljubno und Hinterzarten nennen.

Mein Ritual vor einem Sprung…die wichtigsten Punkte zusammenfassen.

Der größte/beste Skispringer aller Zeiten ist für mich…ich fand Peter Prevc immer sehr stark!

Die größte/beste Skispringerin aller Zeiten ist für mich…da habe ich Zwei! Sara Takanashi & die Katha (Katharina Schmid)!

Mein kuriosestes Erlebnis beim Skispringen war bisher…es ist häufig sehr kurios, sei es durch das Wetter oder die Organisation. Zao ist aber immer sehr speziell. Wir hatten hier mal in einem Jahr dichten Nebel, Schneesturm einfach alles und der Wetterbericht hat gesagt, dass es in einer Stunde gut wäre. Und dann hat es sich tatsächlich so verbessert, dass der Himmel auf einmal klar war und wir springen konnten. Der Wetterbericht war auf den Punkt genau. Wir dachten alle, dass wir gar nicht mehr springen würden, zumal auch die Trainingsdurchgänge & Qualifikation zuvor abgesagt werden mussten. Und letztes Jahr hat es in Zao geregnet wie sau, was da vorher auch noch nie jemand so erlebt hat. Das Wasser ist den kompletten Berg hinuntergelaufen. Zao ist also immer für eine Überraschung gut!

Mit dieser Teamkollegin verstehe ich mich am besten bzw. hatte ich bisher am meisten Spaß? Mit der Katha, mit ihr war ich auch zumeist immer auf einem Zimmer.

Im Vergleich zu den Männern fehlt mir im Damenskispringen aktuell am meisten….die Medienpräsenz & das Verständnis für den Sport. Leider werden wir heutzutage immer noch gefragt: „Wie, ihr Damen macht das auch? Oder: Das kommt doch jetzt erst neu?….Wo ich mir dann immer denke: ne, also eigentlich gibt es Frauenskispringen schon sehr lange!

Abseits des Skispringens verfolge ich noch folgende Sportarten…Leichtathletik & Football

Bitte entscheide Dich!

Großschanze oder Normalschanze? Großschanze

Skispringen oder Skifliegen? Ich würde gerne mal Skifliegen 🙂

4er-Teamwettkämpfe oder Super-Team? Ganz klar 4er-Team!

Vierschanzentournee, WM oder Olympia? Vierschanzentournee ist echt cool. Ich hoffe wir können es bald selbst erleben.

Schnee/Eisspur (Winter) oder Keramik/Mattenspur (Sommer)? Schnee/Eisspur

Fliegerin oder starker Absprung…was trifft auf Dich zu? Ich bin eher die Fliegerin!

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Severin Freund zählt zu den erfolgreichsten deutschen Skispringern der letzten Jahre. Am 27.03.2022 beendete der Gesamtweltcupsieger aus der Saison 2014/2015 seine aktive Karriere und steht seither als TV-Experte vor der Kamera. An der Seite von Moderatorin Lena Kesting gibt Freund als Nachfolger von Toni Innauer bei den Übertragungen des ZDF seine Expertise und Erfahrungen aus 15 Weltcupjahren an die Zuschauer weiter. Skispringen-News.de hat sich mit dem Olympiasieger von 2014 über sein Leben nach dem Leistungssport sowie über das damalige Karriereende unterhalten.

Skispringen-News.de: „Hallo Severin, die Skisprungfans wissen natürlich, dass Du seit deinem Karriereende als TV-Experte für das ZDF fungierst. Doch kannst Du uns mal teilhaben lassen, wie Dein Leben sonst so aussieht?“

Severin Freund: „Sehr schön (lacht). Neben dem ZDF gibt es auch noch ein paar andere Projekte, aber ich habe ehrlich gesagt erst einmal die Familie vorangestellt, weil sie in der Zeit, als ich aktiv gesprungen bin, wirklich sehr viel mitgemacht haben. Das ist auch etwas, was ich aktuell sehr genieße. Das Leben als Leistungssportler ist doch sehr speziell und wenn man dann mal etwas anderes erleben kann, ist es auch ganz schön.“

Skispringen-News.de: „An was musstest Du Dich in der neuen Rolle als TV-Experte am meisten gewöhnen?“

Severin Freund: „Ich glaube an das Ganze drum herum. Der TV-Bereich ist einfach eine ganz andere Welt mit eigenen Regeln und eigenen Zeitplänen etc. Und als Leistungssportler kommt man ja an die Schanze und hat genau eine Aufgabe, die da heißt: möglichst gut Skispringen! Das hier ist ein bisschen anders. Aber es macht sehr, sehr viel Spaß und man kann natürlich auch die ganze Atmosphäre mit ein bisschen mehr Weitblick aufnehmen, was sehr schön ist.“

Skispringen-News.de: „Gab es bereits einen kuriosen/lustigen TV-Moment, von dem Du berichten kannst?“

Severin Freund: „Es gab bislang noch nichts richtig schlimmes. Klar, manchmal funktionieren ein paar Dinge nicht so, wie man es sich vorher gedacht hat. Und manchmal streikt vielleicht auch schonmal die Technik, aber damit muss man immer rechnen. Ich weiß aber noch, dass ich in Wisla mal an einem kleinen Monitor oben am Schanzentisch kommentiert habe, weil der Weg in die Kommentatorenkabine zu weit weg war. Sonst hätte ich runterlaufen müssen, vielleicht 10 Springer mitkommentiert und dann direkt wieder hoch gemusst. Da hat man mir im Bereich des Schanzentisches etwas eingerichtet. Aber es ist auf jeden Fall eine coole Crew und es wird alles immer so gemacht, dass es nachher auch funktioniert.“

Skispringen-News.de: „Wenn Du an der Schanze bist…gibt es auch Momente, in denen du das Springen vermisst?“

Severin Freund: „Nein, ehrlicherweise nicht (lacht). Es war eine sehr, sehr schöne Zeit für mich aber auf die Schanze muss ich nicht mehr zurück.“

Skispringen-News.de: „Warum war es damals für Dich der richtige Zeitpunkt aufzuhören?

Severin Freund: „Ich hatte eine sehr schöne und erfolgreiche Zeit, aber auch eine schwierige Phase mit vielen Verletzungen. Dass ich es danach noch einmal für mich geschafft habe mit zwei Teammedaillen einen sehr schönen Abschluss hinzulegen, war fantastisch. Vor allem waren es mit Oberstdorf und Vikersund auch Orte, die mir viel bedeutet haben. Danach gab es nichts mehr, was mich noch großartig gereizt hätte. Gleichzeitig hatte ich auch irgendwie nicht mehr das Gefühl, dass da noch so wahnsinnig viel mehr im Tank ist – und deswegen war es perfekt.“

Skispringen-News.de: „Die Liste Deiner Erfolge ist lang: Gesamtweltcupsieger, Olympiasieger, 3x Weltmeister, Skiflugweltmeister, 22 Weltcupsiege und 10 WM-Medaillen. Was war rückblickend Dein persönliches Karrierehighlight?“

Severin Freund: „Für mich war es der Gewinn des Gesamtweltcups 2014/2015. Hiervon hatte ich schon als Kind geträumt. Auch wenn es am Ende richtig knapp war, dieser Triumph war für mich das Wertvollste in meiner Karriere.“

Skispringen-News.de: „Und was war der bitterste Moment Deiner Karriere?

Severin Freund: „Im Nachhinein wahrscheinlich mein zweiter Kreuzbandriss. Ich glaube mit einem Kreuzbandriss wäre es vielleicht noch möglich gewesen, dass man das Ganze nochmal aufholt, aber mit dem zweiten Kreuzbandriss war die Ausfallzeit und damit auch der Weg schon unheimlich lang. Deswegen: ja, es wäre vielleicht noch mehr drin gewesen, auch mit zwei Kreuzbandrissen. Ich habe mein Bestes gegeben, aber für ganz nach vorne hat es zumindest im Einzel nicht mehr gereicht und das war sicherlich ein bitterer Moment.“

Skispringen-News.de: „Was würdest Du jungen Athleten als Tipp mit auf den Weg geben? Welche Nachwuchstalente siehst du aktuell national/international?

Severin Freund: „Wir haben national einige gute Springer, auch wenn wir aktuell vielleicht nicht ganz so gut dastehen wie z.B. die Österreicher, die im Nachwuchs alles dominieren. Aber auch eine solche Situation hat ihre Tücken, denn man merkt gerade in Österreich, dass es gar nicht so einfach ist, die jungen Sportler im Weltcup zu etablieren.

Wir sind hier in Deutschland ganz gut aufgestellt und haben jetzt im Nachwuchs mit Werner Schuster jemanden, der genau weiß, von was er spricht. Und zu dem Tipp: Ich denke, dass grundsätzlich jeder Sportler seinen eigenen Weg finden/gehen muss. Wenn man im Moment jedoch auf einen Springer wie Pius (Paschke) schaut und seine Geschichte sieht, kann man daraus auch als junger Athlet noch sehr viel lernen.“

Skispringen-News.de: Vielen Dank für das Gespräch!

Severin Freund: „Sehr gerne. Bis zum nächsten Mal!“

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Eine der derzeit größten deutschen Nachwuchshoffnungen im Skispringen ist Adrian Tittel, der kürzlich seine erste Vierschanzentournee absolvierte. Bei den Junioren-Weltmeisterschaften 2024 in Planica gewann der 20-Jährige Silber mit dem Team, Bronze im Einzel und auch im Mixed-Team. Damit sicherte er sich für die Weltcupsaison 2024/2025 einen dauerhaften Startplatz in der Mannschaft von Bundestrainer Stefan Horngacher. Gegenüber Skispringen-News.de hat sich der Rohdiamant aus dem Erzgebirge einem kleinen „Skisprung-Kreuzverhör“ unterzogen.

Steckbrief

Name: Adrian Tittel
Geburtsdatum: 21.02.2004
Wohnort: Zella-Mehlis
Hobbies: Ski- und Fahrradfahren

Bitte vervollständige diese Sätze (zu Dir persönlich)…

Ich würde mich mit folgenden drei Worten beschreiben…ungeduldig, ruhig und zielstrebig

Abseits der Schanze bin ich als…Sportsoldat tätig.

Dieser Song darf auf meiner Playlist nicht fehlen…an der Schanze höre ich nicht so viel Musik, nur im Auto und da schaue ich nicht so auf die Titel 🙂

Am liebsten höre ich folgende Musik…von allem etwas, also querbeet

Diese drei Apps nutze ich am häufigsten…Instagram, TikTok und Whatsapp

Bitte vervollständige diese Sätze (zum Skispringen)…

Zum Skispringen gekommen bin ich durch…das Skifahren mit meinem Vater. Ich bin über jeden Hügel gesprungen und da hat mein Vater zu mir gesagt, dass wir jetzt mal zum Skispringen gehen. Dann war es anfänglich bei mir noch die Nordische Kombination, ehe ich zum Spezialspringen gewechselt bin.

Im Skispringen ist es wichtig…gut abzuspringen 🙂

Mein Vorbild ist…Karl Geiger!

Mein persönliches Karrierehighlight war bisher…die letzte Junioren-Weltmeisterschaft in Planica mit den drei gewonnen Medaillen.

Der Tiefpunkt meiner Karriere war…vor zwei Jahren als ich die Junioren WM verpasst habe. Ich bin davor einfach nicht gut genug gesprungen, weshalb es nicht für eine Nominierung gereicht hat.

Ich möchte in meiner Skisprungkarriere auf jeden Fall noch folgendes erleben/erreichen…ich denke, dass jeder gerne Olympiasieger werden will 🙂 Aber in jedem Fall möchte ich Weltcups gewinnen und Weltmeistertitel feiern.

Nach einem Misserfolg baut mich folgendes wieder auf/lenkt mich folgendes am besten ab…einfach nur nach Hause zu kommen zur Familie.

Meine Lieblingsschanze ist…bisher war Ruka ganz geil, aber Titisee-Neustadt ist auch nicht schlecht.

Diese Schanze mag ich nicht…Wisla und die 90-Meter-Schanze in Eisenerz.

Mein Ritual vor einem Sprung…habe ich keins.

Der größte/beste Skispringer aller Zeiten ist für mich…puh, da gab es viele! Ich denke da aber zuerst an Jens Weißflog, Sven Hannawald und Severin Freund.

Die größte/beste Skispringerin aller Zeiten ist für mich…das ist für mich die Katha (Katharina Schmid)!

Mein kuriosestes Erlebnis beim Skispringen war bisher…in Iron Mountain. Es war sehr krass, als die ganzen Leute mit ihren Trucks da waren, sich Hütten gebaut haben und voll abgegangen sind. Das war glaube ich bisher am coolsten.

Mit diesem Teamkollegen verstehe ich mich am besten bzw. hatte ich bisher am meisten Spaß? Philipp Raimund!

Abseits des Skispringens verfolge ich noch folgende Sportarten…eigentlich alles im Wintersport, nur Langlauf finde ich ehrlich gesagt ein klein bisschen langweilig (lacht). Und im Sommer gucke ich gerne Formel 1 und natürlich Fußball.

Bitte entscheide Dich!

Großschanze oder Normalschanze? Großschanze

Skispringen oder Skifliegen? Skifliegen war ich noch nicht, aber ich glaube es ist mega!

4er-Teamwettkämpfe oder Super-Team? Ich halte persönlich nicht so viel vom Super-Team, daher ganz klar 4er-Team!

Vierschanzentournee, WM oder Olympia? Ich denke, Olympia ist das Highlight schlechthin.

Schnee/Eisspur (Winter) oder Keramik/Mattenspur (Sommer)? Schnee/Eisspur

Noch mehr Absprungkraft oder noch bessere Flugqualitäten? Ich bin eher der Abspringer, daher sage ich die Flugfähigkeiten.

Plauderecke Weltcup Weltcup Damen

Bei den Nordischen Skiweltmeisterschaften 2023 in Planica feierte Luisa Görlich gemeinsam mit Anna Rupprecht (inzwischen Anna Hollandt), Selina Freitag und Katharina Althaus (inzwischen Katharina Schmid) ihren bislang größten Karriereerfolg: die Goldmedaille im Teamspringen der Damen. Rund elf Monate später zog sich die 26-Jährige beim Weltcupfinale der Saison 2023/24 an gleicher Stelle einen Kreuzbandriss zu, durch den sie bis heute eine Zwangspause im Weltcup einlegen muss. Skispringen-News.de hat mit der DSV-Athletin über ihren Sturz, den Heilungsprozess des Knies sowie ihren persönlichen „Comeback-Fahrplan“ gesprochen.

Planica, 21. März 2024: Nach einer guten Wintersaison 2023/24 mit einigen Top-15 Ergebnissen kommt Luisa Görlich beim Weltcup-Finale der Damen in Planica während des Probedurchgangs zu Fall und zieht sich einen Riss des Kreuzbandes im rechten Knie zu. Bereits 17 Stunden später wird sie in München erfolgreich operiert und begibt sich in den langen Regenerations-/ Rehabilitationsprozess. Einen Weg, den Görlich schon einmal bestreiten musste, denn 2018 erlitt sie in Falun während eines Wettkampfwochenendes im COC ebenfalls einen Kreuzbandriss.

Skispringen-News.de: „Hallo Luisa, wie geht es Dir aktuell?“

Luisa Görlich: „Mir geht es sehr gut. Das Knie macht, was es soll, und auch sonst kann ich mich nicht beschweren :-).“

Skispringen-News.de: „Merkst Du noch etwas von der Verletzung?“

Luisa Görlich: „Ich habe mit dem Knie echt Glück. Es ist ganz, ganz selten, dass ich noch etwas hiervon spüre. Wenn man neue Bewegungen macht, mal ganz am Anfang aber im Alltag schränkt es mich gar nicht ein.“

Skispringen-News.de: „Wie lange hat es gedauert, bis der Schock verarbeitet war und wie bist Du auch mental mit der Situation umgegangen?“

Luisa Görlich: „Mein Glück war, dass alles recht schnell ging. Zwischen Kreuzbandriss und OP lagen gerade einmal 17 Stunden, d.h. man hatte gar nicht so viel Zeit, um sich überhaupt irgendwelche Gedanken zu machen. Bis diese angekommen sind, war alles schon wieder ganz :-). Danach habe ich mich versucht, auf das Knie und die Aufbauphase insgesamt zu konzentrieren, daher war es sowohl körperlich als auch mental vollkommen ok. Klar, körperlich hat es anfangs etwas gedauert, vor allem unmittelbar nach der OP, als ich die ersten 2-3 Wochen nur zu Hause herumliegen und mich mit den Krücken nicht so viel bewegen konnte. Aber von der mentalen Seite her war es schon wieder ganz gut, weil ich wusste, dass man schon wieder dabei ist daran zu arbeiten, dass alles wieder funktioniert.“

Skispringen-News.de: „Wie ging es nach der Bergung an der Schanze damals weiter?“

Luisa Görlich: „Direkt nachdem es passiert ist, war ich im Medizinerzelt, wo alles vorbesprochen wurde. Unser Teamarzt, der direkt vor Ort war, hat für den nächsten Morgen einen MRT-Termin ausgemacht. Es wurde festgelegt, dass bei Bestätigung eines Kreuzbandrisses im Anschluss direkt operiert wird. Und so war es dann auch, um 7:00 Uhr fand der MRT-Termin statt und um 08:50 Uhr lag ich bereits auf dem OP-Tisch. Es ging also extrem schnell.

Ganz anders im Übrigen als bei meinem ersten Kreuzbandriss vor sechs Jahren. Hier hatte es eine Woche gedauert, bis wir überhaupt richtig mitbekommen haben, dass es ein solcher ist. Bis zur eigentlichen OP war dann ein Monat vorüber. Zu diesem Zeitpunkt war ich beim jetzigen Kreuzbandriss schon in der Reha. Es ist also schon ein großer Unterschied gewesen.“

Skispringen-News.de: „Hattest Du durch die Erfahrung aus dem ersten Kreuzbandriss schon an der Schanze Rückschlüsse gezogen, dass es auch dieses Mal einer sein könnte?“

Luisa Görlich: „2018 habe ich es zunächst gar nicht gemerkt, weil ich nicht gestürzt war. Aber hier war es mir recht schnell klar, denn wenn das Kreuzband reist, knackt es – und das habe ich gehört! Daher war ich mir mit unserem Teamarzt recht schnell einig, dass es das Kreuzband sein müsste. Aber klar, man braucht noch die Gewissheit mittels MRT.“

Skispringen-News.de: „Hast Du Dir den Sprung im Nachgang noch einmal angesehen und bist auf „Fehlersuche“ gegangen oder hast Du Dich davon komplett distanziert?“

Luisa Görlich: „Tatsächlich hätte ich ihn mir, was die Landung betrifft, extrem gerne angeschaut. Wir hatten aber von diesem Sprung nur den Schanzentisch und den Flug auf Video. Das heißt, technisch gesehen, hätte ich zwar schon Fehler sehen können aber nichts, was auf den Sturz hinweist. Somit habe ich ihn mir nicht angesehen, weil das eigentliche Problem im Landebereich nicht darauf zu sehen war. Wenn es verfügbar gewesen wäre, hätte ich es mir aber gerne angeschaut, weil ich dann festgestellt hätte, ob mein Gefühl, wie das Ganze abgelaufen ist, auch bildlich zusammengepasst hätte.

Ich glaube persönlich, dass es nicht wirklich Fehler gab, weil direkt beim Landen, als das Knie den Boden berührt hat, es schon kaputt gegangen war. Es stellt sich daher die Frage, ob es vielleicht bei einem vorherigen Sprung schon beschädigt wurde. Das reicht ja dann meistens leider schon aus. Aber man wird es nicht mehr erfahren.“

Skispringen-News.de: „Kamen Dir jetzt nach deinem zweiten Kreuzbandriss (vor allem, weil du den langen Weg zurück kennst) irgendwelche Zweifel an einem Comeback?“

Luisa Görlich: „Nach meinem ersten Kreuzbandriss habe ich eigentlich immer zu mir gesagt: Einmal ist keinmal, beim zweiten Mal mache ich es aber nicht mehr. Da aber nach dem zweiten Kreuzbandriss alles so schnell ging und man sich wenig Gedanken drüber machen konnte, wie es weitergeht, gab es tatsächlich nie den Punkt, dass ich mal gesagt habe, ich lasse es. Man muss auch dazu sagen, dass ich großes Glück habe, dass der Operateur solch gute Arbeit geleistet hat und mein Knie wirklich vorzeigbar ist. Es war von Anfang an alles ziemlich gut, ich konnte schnell wieder alles machen und habe auch jetzt gar keine Probleme. Es hat also nirgendwo in dieser Kette gestockt und ich hatte auch nie den Eindruck, dass es nicht funktioniert und ich überlegen müsste, ob es weitergeht oder nicht. Das Knie ist vom Gefühl her auch so gut, dass ich diese Saison nicht als Übergang ansehe, sondern gucke, was passiert und auch noch versuchen möchte zu springen. Dann schauen wir mal, was bei herauskommt.“

Skispringen-News.de: „Abgesehen vom Zeitpunkt der OP, wie sind die beiden Kreuzbandrisse auch im Heilungsprozess miteinander zu vergleichen?“

Luisa Görlich: „Der erste Kreuzbandriss ist 2018 in Falun bei einem COC-Wettkampf, den ich gewonnen hatte, passiert. Ich bin dort nicht gestürzt, aber habe gemerkt, dass mein Schienbein wehtut. Erst eine Woche später haben wir dann festgestellt, dass es das Kreuzband ist und ich bin beim Finale in Oberstdorf nicht mehr mitgesprungen. Ich musste dann mein Abitur noch abschließen und bin anschließend operiert worden.

Und dieses Mal war direkt klar: ok, das Knie ist kaputt! Man musste nur gucken, was genau. Das war der Unterschied. Hier ging also alles deutlich schneller, was man auch merkt. Man sagt ja, dass Kreuzbandrisse innerhalb von 24 Stunden operiert werden sollen oder innerhalb von einem Monat, wenn die Schwellung zurück ist. Ich habe festgestellt, wenn man innerhalb von 24 Stunden operiert, es einfach brutal bei der Heilung hilft. Also hier den Unterschied im Regenerations-/Rehabilitationsprozess zwischen den beiden Knien zu spüren, war für mich echt faszinierend. Das hätte ich so nie gedacht, aber es ist schon eine ganz andere Hausnummer im positiven Sinne.“

Skispringen-News.de: „Hast Du seither noch mehr Respekt vor der Schanze in Falun oder künftig vor Planica, wenn Du dort hinkommst oder beschäftigt es einen „Vor-Ort“ dann nicht mehr?“

Luisa Görlich: „Ich war ehrlich gesagt seitdem nicht mehr in Falun, auch weil dort kein Wettkampf mehr für uns war. Aber ich wäre gerne nochmal dort, weil es einfach auch eine schöne Anlage ist. Ich glaube, man kann es schon differenzieren, weil die Schanze in dem Sinne nichts mit dem Sturz oder der Verletzung zu tun hat. Ich glaube, wenn es jetzt ein anderer Sturz gewesen wäre, wie z.B. damals bei Daniel-Andre Tande auf der Flugschanze, ist es doch nochmal etwas ganz anderes. Aber hier weiß ich, es lag nicht an der Schanze selbst, sondern hatte irgendwelche anderen Ursachen oder Probleme, die vorher waren. Und vielleicht hilft es auch, sich an die schönen Momente zu erinnern, die man mit dem jeweiligen Ort verbindet. Wie bei mir damals in Planica das WM-Gold mit dem Team.“

Skispringen-News.de: „Kannst Du uns noch einen Einblick geben, wie der Weg für Dich nach der OP, die im März 2024 stattfand, ausgesehen hat?“

Luisa Görlich: „Nach der OP war ich noch drei Tage im Krankenhaus und habe drei Wochen zu Hause fast nur im Bett verbracht, weil mit den Krücken keine großartige Bewegung möglich war. Die Physiotherapie hatte zwischenzeitlich begonnen und ich habe versucht, das zu machen, was man machen konnte. Nach sieben bis acht Wochen war ich dann für vier Wochen in Reha, was ziemlich gut fürs Knie aber auch den Kopf war. Man macht zwar recht viel in der Physio, aber in der Reha probiert man dann immer noch Sachen aus, die man sich nicht ganz so traut. Von daher hilft es dem Kopf zu sehen: ok, das Knie ist eigentlich wieder ganz und es funktioniert wieder so, wie man es kennt. Von Juli bis Mitte September habe ich in Oberstdorf dann alleine mit einem Trainer ein Aufbautraining absolviert. Und seit Ende September trainiere ich wieder spezifischer mit den anderen Mädels.“

Skispringen-News.de: „Wie sieht Dein persönlicher, weiterer „Comeback-Fahrplan“ aus?“

Luisa Görlich: „Im Normalfall sollte man nach einem Kreuzbandriss ungefähr ein Jahr warten, aber es ist auch immer ein wenig Athleten abhängig. Bei mir war es gut, dass es „nur“ das Kreuzband war und nicht noch Bänder oder sonstiges betroffen waren. Zudem verhält sich das Knie gut und stabil. Daher ist der weitere Plan, dass ich im Dezember wieder sozusagen an das Gerät herangeführt werde, auf die „Langläufer“ gehe und mich auf Stabilität und Landung vorbereite. Mal gucken, wie sich das Knie dann verhält. Wenn es gut läuft, geht’s im Januar wieder auf die Sprungski und ich kann mit 90- oder 60-Meter Schanzen anfangen. Dann gucken wir, ob das Knie hält. Generell mache ich mir keinen Stress, aber ich möchte schon gerne im Winter noch zu Sprüngen kommen und nicht die ganze Saison pausieren. Sonst müsste ich wieder bis zum Sommer warten und dann zieht sich das echt lange.“

Skispringen-News.de: „Wie schwer ist es für Dich nicht ungeduldig zu werden, gerade auch wenn ein Höhepunkt, wie z.B. die WM in Trondheim ansteht, sondern dem Körper die Zeit zu geben, die er braucht?“

Luisa Görlich: „Es ist gar nicht so einfach, vor allem weil das Knie nach vier bis fünf Monaten echt gut war und ich alles ohne Schmerzen machen konnte. Dann zieht sich das Ganze schon sehr, auch im Hinblick darauf, endlich den nächsten Schritt machen zu dürfen. Aber wie gesagt, ich mache mir keinen Stress und versuche es mit der nötigen Ruhe anzugehen, die es braucht. Im besten Fall gehe ich auf die Skier und es funktioniert. Im schlimmsten Fall braucht es noch ein bisschen länger. Aber das Ziel ist natürlich, dass man so anfängt, dass man nicht nochmal den ganzen Spaß durchmachen muss. Denn wenn es ein drittes Mal auftaucht, will dir dein Körper damit auch etwas signalisieren. Also es ist nicht einfach, aber ich habe gute Mittel, um mich abzulenken.“

Skispringen-News.de: „Zum Abschluss noch eine Frage abseits der Verletzung. Wie zufrieden warst Du bis dahin mit deiner Weltcupsaison 2023/2024?“

Luisa Görlich: „Es war im Grunde genommen eine gute Saison, auch wenn das Ende natürlich nicht ganz so cool war. Ich hatte recht viele Top-15 Platzierungen und kann von dieser Seite aus sehr viel positives mitnehmen. Auch der zehnte Rang in Garmisch-Partenkirchen hat mich persönlich sehr gefreut. Es ging für mich also in die richtige Richtung, vor allem auch an der Großschanze. Und das habe ich mitgenommen.“

Skispringen-News.de: „Vielen Dank für dieses sehr offene Interview und die interessanten Einblicke. Wir, aber auch die gesamten Skisprung-Fans, wünschen Dir eine gute, restliche Genesung und natürlich auch viel Erfolg bei Deinem Weg zurück auf die Schanze.“

Luisa Görlich: „Sehr gerne und bis bald!“

DSV Plauderecke SGP Damen Sommer Grand Prix Weltcup Weltcup Damen

Im April diesen Jahres hat der Deutsche Skiverband bekannt gegeben, dass Heinz Kuttin neuer Bundestrainer der Skisprung-Damen wird und damit das Erbe von Maximilian Mechler antreten wird. Dieser hatte den Posten im November 2023 kurz vor Beginn der Weltcupsaison überraschend niedergelegt. Skispringen-News.de hat im Rahmen des Sommer Grand Prix in Klingenthal mit dem erfahrenen Österreicher, der das Zepter nun von Interimstrainer Thomas Juffinger übernommen hat, gesprochen und zugleich auch eine Einschätzung von Selina Freitag zu ihrem neuen Coach eingeholt.

„Mit Heinz kehrt so ein bisschen die „alte Schule“ zurück. Man merkt einfach, wieviel Erfahrung er hat und mitbringt. Die Vorbereitung mit ihm im Sommer verlief richtig gut. Wir haben viel getüftelt und ein bisschen was am Material umgestellt. Dabei hat sich das Knowhow direkt bemerkbar gemacht, was er mitbringt“, berichtet Selina Freitag voller Respekt über ihren neuen Cheftrainer Kuttin. Auf Nachfrage von Skispringen-News.de, wie wichtig dieses Mal die frühzeitige Bekanntgabe des neuen Bundestrainers für die Damen zur Schaffung von Klarheit war, sagt sie in Bezug auf den plötzlichen Wechsel im November 2023: „Mit Max war es damals natürlich sehr kurzfristig und alles ein bisschen durcheinander, was sich dann auch irgendwo auswirkt. So wie wir es jetzt angehen konnten und einfach Klarheit haben, können wir unser Ding machen und uns auf die Arbeit konzentrieren.“

Im Anschluss zu diesem Interview mit Selina Freitag haben wir mit dem neuen Bundestrainier Heinz Kuttin über seine ersten Monate im neuen Amt, seine Zielsetzung und die Sommervorbereitung gesprochen.

Heinz, wie fällt Dein Fazit nach dem Sommer Grand Prix in Klingenthal aus, was gleichzeitig auch das letzte internationale Kräftemessen für die Damen vor der neuen Saison war?

„Für uns war es ein wichtiges Wochenende. Ursprünglich hatten wir die Teilnahme an zwei Sommer Grand Prix Veranstaltungen geplant, aber Wisla ist leider abgesagt worden. So wussten wir nicht wirklich, wo wir stehen, wenn die ganze Weltelite, mit Ausnahme von Eva Pinkelnig, am Start ist. Aber es war in Summe sehr gut. Wir haben gesehen, wenn Katharina (Schmid) ihre guten Sprünge zeigt, was sie im Stande ist zu leisten. Sie hat im Mixed-Wettbewerb einen kleinen Fehler eingebaut, auch im Einzelwettkampf war der erste Durchgang nicht optimal, aber trotzdem kann sie voll mithalten und das ist sehr gut.

Selina (Freitag) hat uns in Klingenthal positiv überrascht. Ich hätte nicht gedacht, dass sie aktuell schon so weit ist und so sicher in den Top-10 liegt. Das ist natürlich sehr positiv für die ganze Mannschaft.“

Was sagst Du zu den weiteren Athletinnen im Team? Es waren hier ja auch viele junge Nachwuchstalente dabei?

„Das ist das Ziel, was wir uns vorgenommen haben. Wir wollen über die breite Basis in Deutschland schauen, welche Mädels es gibt, die das Potential für spätere Einsätze im Weltcup mitbringen. In den letzten Wochen und Monaten haben wir sehr viel mit ihnen gearbeitet und haben junge, talentierte Mädchen nach Klingenthal mitgenommen. In der Qualifikation hat es dann nicht ganz gereicht. Sie waren mit der Großschanze und den dort herrschenden, wirklich schwierigen Windverhältnissen noch etwas überfordert. Aber sie haben auch Mut bewiesen und gut gekämpft. Dass ist das, was wir sehen wollen. Wir wissen, dass es sicherlich noch zwei bis drei Jahre dauert, bis sie wirklich anschließen können. Aber wir haben neben diesem langfristigen Ziel auch schon einen mittelbaren Plan. So glauben wir, dass Alvine Holz sowie Emily Torazza so weit sind und regelmäßig um die Top-20 mitkämpfen können, vielleicht sogar an die Top-15 herankommen. Wir möchten sie gemeinsam über die nächsten Jahre hinweg aufbauen.“

Wie bist Du das neue Amt als Bundestrainer angegangen?

„Ich bin das neue Amt mit sehr viel Enthusiasmus angegangen und habe ein klares Ziel für unser Team ausgegeben. In den nächsten drei Jahren möchte ich mit der Mannschaft am Saisonende zumindest einmal das Gelbe Trikot gewinnen. Unser Fokus liegt also darauf, dass wir möglichst viele Athletinnen dorthin führen.“

Selina Freitag hat Dich als ein „Herr der alten Schule“ betitelt. Wie siehst Du Dich selbst?

„Da hat sie bestimmt eher mein Alter angesprochen (lacht). Ich könnte ja von allen der Vater sein. Aber ich habe natürlich schon viel Erfahrung und gewisse Dinge kann man auch nicht wegleugnen, die schon vor 10 Jahren oder vor 15 Jahren gut waren und auch heute noch gut sind. Es hat sich allerdings auch vieles weiterentwickelt. Egal, ob es das Material ist, die ganze Abstimmung mit den Bindungen oder die Skier. Und da sind wir schon sehr gut aufgestellt.“

DSV Plauderecke SGP Herren Sommer Grand Prix Weltcup Weltcup Herren

Beim letzten Sommer Grand Prix der Skispringer in Klingenthal haben wir uns mit Eurosport-Experte Martin Schmitt getroffen und mit ihm über seine Favoriten für die neue Weltcupsaison gesprochen. Im Interview gegenüber Skispringen-News.de wirft der zweimalige Gesamtweltcupsieger einen Blick auf seine bisher gesammelten Eindrücke aus der Sommervorbereitung und erzählt uns auch, wie sein Leben nach der aktiven Zeit im Skispringen aktuell aussieht. Mit 28 Weltcupsiegen, vier WM-Titeln, einer Goldmedaille bei den Olympischen Spielen sowie den bereits angesprochenen zwei Weltcupgesamtsiegen zählt Schmitt bis heute zu den erfolgreichsten deutschen Skispringern überhaupt.

Martin, welche Eindrücke nimmst Du aus dem Sommer Grand Prix mit, insbesondere im Hinblick auf die aktuelle Form der Skispringer?

„Man kann zum jetzigen Zeitpunkt schon herauslesen, dass die Norweger es wissen wollen! Vor allem natürlich nach der letzten Saison, in der es doch ein bisschen holprig war und es teilweise auch intern ein paar Schwierigkeiten gab. Jetzt haben sie sich wieder zusammengerauft, sind hochmotiviert und blicken alle voller Vorfreude auf ihre Heim-WM in Trondheim. Diese gibt ihnen natürlich noch einmal einen extra großen Push. Wie man im Rahmen des Sommer Grand Prix gesehen hat, bringen sie jetzt schon die passende Form mit.

Aber ich glaube auch, dass sich das deutsche Team nicht verstecken muss. Beim letzten internationalen Vergleich vor der neuen Saison in Klingenthal ist Pius Paschke ganz gut gesprungen. Andi Wellinger war hier noch nicht an seinem persönlichen Optimum, lag aber trotzdem stetig auf Tuchfühlung. Technisch muss man vielleicht noch das ein oder andere bei den DSV-Adlern verbessern, vielleicht auch noch in Sachen Abstimmung. Aber wichtig war in erster Linie die Erkenntnis, dass man es aus eigener Kraft schaffen kann und dann auch vorne mit dabei ist. Mit diesem guten Gefühl reist das deutsche Team nach Hause, daher ist alles ok.“

Es stehen auch in dieser Wintersaison wieder zahlreiche Highlights auf dem Programm. Worauf freust Du dich persönlich?

„Die Vierschanzentournee ist natürlich jedes Jahr ein Highlight, aber auf Trondheim freue ich mich dieses Mal ganz besonders. 1997 durfte ich hier meine erste Weltmeisterschaft erleben mit vielen schönen Erinnerungen, daher ist es toll für mich jetzt wieder dorthin zur nordischen Ski WM zurückzukehren und es noch einmal vor Ort zu genießen (wenn auch dieses Mal nicht mehr als aktiver Skispringer). Das ist für mich ein ganz besonderes Highlight.“

Stichwort aktive Karriere – wenn Du heutzutage an einer Schanze stehst, gibt es auch nochmal Momente, an denen Du gerne selbst nochmal springen würdest oder hast Du mit dem Thema zum Karriereende komplett abgeschlossen?

„Als ich hier am Freitag beim Qualitag in Klingenthal, wo es vom Wind her sehr turbulent zuging, oben am Trainerturm gestanden und auf den Schanzentisch geblickt habe, habe ich mir nochmal gedacht: nein, ich vermisse es wirklich nicht mehr! (lacht) Ich bin ja jetzt schon zehn Jahre nicht mehr gesprungen und da ist die Versuchung auch nicht mehr ganz so groß, dass man die Skier nochmal anschnallt.“

Aktuell fungierst Du als Experte für den TV-Sender Eurosport, doch wie sieht sonst Dein Leben nach der Karriere aus?

„Ich bin immer noch sehr nah am Sport dran. Neben meinem Engagement für Eurosport betreue ich im deutschen Skiverband die jüngste Lehrgangsgruppe und versuche dort meine Erfahrung weiterzugeben mit dem Ziel mitzuhelfen, dass es auch künftig gute deutsche Skispringer gibt. Zudem betreibe ich noch eine Marketing-Agentur, mit der ich Sportler in der Vermarktung betreue. Somit habe ich auch weiterhin einen umfassenden Blick auf das Thema Skispringen.

Zum Abschluss noch eine kurze Einschätzung: Welche Namen kommen Dir als erstes in den Sinn, wenn Du über die Favoriten für die neue Saison nachdenkst?

„Es ist natürlich immer eine schwierige Frage. Aktuell ist man geneigt zu sagen: die Norweger! Speziell bei den beiden Sommer Grand Prix Wettbewerben in Wisla und Klingenthal haben sie einen starken Eindruck hinterlassen. Die Slowenen werden aber sicherlich auch wieder gut dabei sein, Timi Zajc ist hier zuletzt super gesprungen. Stefan Kraft wird sicherlich auch regelmäßig vorne mitspringen und für Siege gut sein, gleiches gilt für Ryoyu Kobayashi. Andi Wellinger schätze ich zudem ganz hoch ein, so wie er arbeitet und bei der Basis, die er mitbringt. Dies führt auch dazu, dass er mit einer unglaublichen Ruhe agiert.

Letztlich wird entscheidend sein, wer wie gut in die neue Saison hineinstartet und Erfolgserlebnisse sammelt. Dadurch baut sich dann Selbstvertrauen auf und man gelangt in den vielzitierten „Flow“. Es können viele auf diesen Zug aufspringen, aber die nächsten Wochen werden ganz wichtig sein.“

Plauderecke Schweizer Skiverband

In der Schweiz ist er aktuell das Talent der Stunde: Remo Imhof. Der 19-Jährige hat zuletzt bei der Junioren-WM in Whistler überzeugt und beim Continentalcup in Klingenthal sein bis dato bestes COC-Ergebnis eingefahren. Nun schielt Remo Imhof nach mehr. Skispringen-news.de-Redakteur Lars-Henrik Wacker hat mit dem jungen Schweizer nach dem Sonntags-Wettkampf in Klingenthal gesprochen.

Skispringen-news.de: Gratulation zum zweiten Platz in Klingenthal. Wie bewertest du dein Wochenende in Klingenthal.

Remo Imhof: Unglaublich. Zum ersten Training hatte ich noch etwas Schwierigkeiten gehabt. Aber dann habe ich immer besser zurecht gefunden, zu meiner JWM-Form. Ich bin dann richtig gut vom Tisch gekommen, habe den Sprung laufen lassen – und das hat sicher gut geholfen.

Skispringen-news.de: Du hast es schon erwähnt – die Junioren-WM. Man merkt dir die Leistungsexplosion an. Bei der JWM in den Top 10, in Klingenthal nun Zweiter. Was hast du für dich in der letzten Zeit gefunden, dass es auf einmal besser läuft?

Remo Imhof: Die Lockerheit und das Selbstverständnis. Ich kann an die Schanze gehen und weiß, dass ein guter Sprung kommt. Das macht mich sehr stolz. Ich habe viel im Mentalen mit den Coaches gearbeitet und eben auch im Kraftraum. Und jetzt passt es auf der Schanze.

Skispringen-news.de: Generell fällt das Schweizer Skisprung-Team etwas kleiner aus. Du gehörst zu den jungen Vertretern. Wie muss man sich die Entwicklung eines Youngsters – wie du einer bist – in der Schweiz vorstellen?

Remo Imhof: Wir haben ein junges Team und sind frisch an die Schule nach Engelberg gewechselt. Dort haben wir super Trainingsmöglichkeiten, wo wir den halben Tag Schule haben und die andere Tageshälfte können wir trainieren. Wir sind eine junge, motivierte Truppe – auch mit jungen und teils erfahrenen Coaches, die sehr motiviert sind und ihr bestes geben. Das hilft sicher, wenn alle motiviert sind und die Resultate auch langsam kommen. Ich genieße es, jeden Tag mit ihnen zusammenzuarbeiten.

Skispringen-news.de: In dieser Zusammenarbeit – hast du auch Vorbilder im Team?

Remo Imhof: Mein Vorbild ist Andreas Schuler. Er hat ja leider letzte Saison aufgehört. Aber er ist mein Vorbild, weil er immer locker drauf war. Wir sind auch von klein auf im gleichen Skiclub.

Skispringen-news.de: Reden wir noch ein bisschen über deine Anfänge. Wie bist du zum Skispringen gekommen?

Remo Imhof: Als ich vier Jahre alt war, war ich oft bei meiner Großmutter. Sie hat viele Skirennen geschaut und ich logischerweise auch. Und irgendwann kam dann auch Skispringen. Das hat mir so gefallen, wie die durch die Lüfte gesprungen sind. Dann wollte ich das auch machen. Und mit sechs Jahren konnte ich das Skispringen ausprobieren in Einsiedeln. Da hat es mich dann direkt gepackt. Ein halbes Jahr später bin ich dann auch dem Skiclub beigetreten. Ich bin dabei geblieben und hatte immer Spaß.

Skispringen-news.de: Wenn du mal nicht beim Skispringen bist, was machst du abseits der Schanze?

Remo Imhof: Ich spiele noch Darts und wenn ich noch Zeit habe, gehe ich gerne zur Fastnacht mit meinen Kollegen. Da trommeln (Tambouren) wir. Das zählt so zu meinen Hobbies.

Skispringen-news.de: Das klingt auf alle Fälle interessant. Gib uns doch noch einen Ausblick – was sind deine nächsten Ziele?

Remo Imhof: Ich hoffe, dass ich es noch zur WM schaffe. Auch zum Skifliegen möchte ich diese Saison noch sehr gerne. Und ein Traum ist es, in ein, zwei, drei Jahren mal die Vierschanzentournee zu gewinnen.

Skispringen-news.de: Ehrgeizige Ziele, dann wünschen wir dir alles Gute auf deinem weiteren Weg. Vielen Dank für das Interview.


Zur Person:

Remo Imhof ist am 19.11.2003 zur Welt gekommen und in Ried Muotathal (Kanton Schwyz) aufgewachsen. Mit sechs Jahren hat Remo seine ersten Sprung-Versuche gemacht. Der 19-Jährige gehört dem Club Einsiedeln an. Sein Debüt im Alpen-Cup feierte der junge Schweizer im März 2017 in Hinterzarten. Seither verbucht Remo Imhof viele Wettkämpfe im FIS- sowie Continentalcup. Bei der Junioren-WM in Whistler im Februar belegte Remo Imhof Platz acht im Einzel. Rang zwei beim Continentalcup in Klingenthal ist das beste COC-Resultat der noch jungen Karriere.

DSV Plauderecke

Selbstbewusst, zielstrebig und sehr herzlich – so lässt sich DSV-Adler Simon Spiewok (21) passend umschreiben. Der junge Adler, der für den TuS Neuenrade an den Start geht, hat aber auch auf den Schanzen der Welt viel drauf – und möchte künftig regelmäßig im Weltcup mitmischen. Skispringen-news.de-Redakteur Lars-Henrik Wacker hat sich mit Simon ausgetauscht – unter anderem über die aktuelle Wintersaison, das Erwachsenwerden und seinen Namensgeber Simon Ammann.

Skispringen-news.de: Simon, rund die Hälfte der Wintersaison 2022/2023 ist schon um. Wie bewertest du bis dato deinen Winter?

Simon Spiewok: Bisher war es auf jeden Fall eine harte Saison, mit vielen Höhen und Tiefen. Ich merke aber, dass ich mich im Vergleich zu den letzten Jahren gut steigern konnte. Ich merke auch, dass es von Saison zu Saison immer härter wird, in die Weltspitze reinzukommen. Aber ich bin auf einem relativ guten Weg. Mir fehlt da nicht mehr ganz so viel. Ich muss aber weiterhin konsequent bleiben und dann denke ich, kann ich die nächste Halbzeit vom Winter auch gut meistern.

Skispringen-news.de: In dieser Saison im Continentalcup hast du mit Platz 16 in Ruka und Platz 13 in Engelberg zweimal deine COC-Bestleistung übertroffen. Zwischendrin gab es dann aber auch mehrere Springen, in denen es nicht für den zweiten Durchgang gereicht hat. Wie erklärst du dir die Schwankungen?

Simon Spiewok: Das kann natürlich ganz schnell gehen. Die Leistungsdichte im COC ist natürlich auch ziemlich hoch. Wenn ich mal einen guten Sprung erwische, dann kann ich mich um die Top 15 einreihen. Aber wenn mal ein Sprung daneben geht, sehe ich noch nicht mal den zweiten Durchgang. Da muss also jeder Sprung sitzen, sonst passiert das mal. Aber das passiert jedem. Das passiert auch im Weltcup. Und deshalb heißt es, in jedem Sprung bestmöglich zu performen, sonst sieht es im zweiten Durchgang schlecht aus.

Skispringen-news.de: Eine besondere Situation hast du in diesem Winter in Garmisch-Partenkirchen erlebt. Du warst zum ersten Mal als Teil der nationalen Gruppe bei der Vierschanzentournee dabei. Mit etwas Abstand: Wie blickst du auf das zurück, was da alles passiert ist?

Simon Spiewok: Es war auf jeden Fall eine schöne Erfahrung bei der Vierschanzentournee. Ich konnte viele Eindrücke sammeln. Die Kulisse war eine ganz andere, dann ist das Fernsehen mit dabei, Zuschauer, Fans und alles. Da ist dann auch die Nervosität ein bisschen größer. Dass ich disqualifiziert wurde, ist natürlich blöd. Aber das weiß ich nun für das nächste Jahr und dann hoffe ich, dass ich beim nächsten Mal bei der Vierschanzentournee besser angreifen und performen kann.

Skispringen-news.de: Die Entwicklung von jungen Skispringern über einen längeren Zeitraum zu beobachten, ist immer sehr spannend. Du bist mir das erste Mal bei der Deutschen Meisterschaft in Oberwiesenthal, im Oktober 2017, aufgefallen – damals ist noch der jugendliche Simon Spiewok die Schanze runter gehüpft. Heute steht ein junger Mann vor mir. Du wirkst sehr reif und erwachsen. Inwiefern haben dich gerade die letzten Monate in deiner Persönlichkeitsentwicklung voran gebracht?

Simon Spiewok: Ich selbst merke das natürlich gar nicht. Das kann man von Außen wahrscheinlich am besten betrachten. Aber man wächst mit seinen Herausforderungen. Man lernt seine Schwächen kennen – und natürlich auch seine Stärken. Da versucht man eben beides bestmöglich zu verbessern. Der Weg geht dann weiter, man wird älter und sammelt Erfahrungen. Ich denke, dass ist bei jedem Menschen so.

Skispringen-news.de: In deinem Leben spielt auch eine Skisprung-Legende eine ganz besondere Rolle, nämlich Simon Ammann. Deine Eltern haben sich vom Schweizer inspirieren lassen – und so heißt du nun auch Simon. Seither hast du diesen ganz besonderen Blick auf die Karriere von Simon Amman. Diesen Winter seid ihr sogar im Continentalcup zusammen gesprungen. Wie war es für dich, gegen deinen Namensgeber zu springen? Und: Kennt Ammann eigentlich deine Geschichte mit dem Namen?

Simon Spiewok: Ne, dazu kam es leider noch nicht. Ich hoffe, dass passiert noch in der nächsten Zeit. Ich hoffe, dass Simon Ammann bis dahin noch nicht aufhört. Aber ich denke, er wird sich darüber sehr freuen. Es ist ziemlich cool. Als ich noch ein kleines Kind war, habe ich ihn ziemlich bewundert, wie er Ski springt. Und jetzt bin ich mit ihm im COC dabei, kann mit ihm springen. Auf jeden Fall ist das noch eine Aufgabe, die ich erledigen muss (lacht).

Skispringen-news.de: Dann halte uns gerne mal auf dem Laufenden, wie Simon Ammann deine ganz persönliche Geschichte abfeiert. Aber so wie wir dich kennen, wirst du die nächste Zeit auch noch anders nutzen. An was möchtest du in den nächsten Wochen arbeiten?

Simon Spiewok: Rein skispringerisch gibt es noch sehr viel, an dem ich arbeiten kann. Da hilft mir die kleine Pause vom COC ganz gut. Da sammel ich so viele Sprünge wie möglich und versuche in eine noch bessere Form reinzukommen, wie Anfang des Winters, damit ich den Rest des Winters noch sehr gut abschneiden kann. Das ist natürlich ziemlich schwer. Aber wenn ich hart genug trainiere, dann klappt das schon.

Skispringen-news.de: Dann wünschen wir dir natürlich frohes Schaffen, eine gute zweite Hälfte und vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast.


Zur Person:

Simon Spiewok ist am 12. Januar 2002 in Lüdenscheid zur Welt gekommen und in Meinerzhagen aufgewachsen. Den Weg zum Skispringen hat Simon eher zufällig gefunden: In der ersten Klasse wollte er eigentlich nur seinen besten Freund beim Training an der Schanze in Meinerzhagen besuchen. Der dortige Trainer drückte ihm Schuhe und Skier in die Hand – und schon war es um ihn geschehen. Für den jungen Adler aus Nordrhein-Westfalen ging die Reise weiter. 2015 wechselte Simon Spiewok an das Skiinternat in Willingen, wo er auch sein Abitur abgelegt hat. Bei seinem ersten Start im Alpencup 2017 in Hinterzarten konnte Simon Spiewok als 13. direkt Punkte sammeln. Zu seinen Erfolgen zählen Team-Silber bei den OPA Games in Planica (2018) und Team-Bronze bei der Junioren-Weltmeisterschaft 2022 in Zakopane. Der DSV-Adler ist seit der Saison 2022/23 Teil des B-Kaders und meistens im Continentalcup unterwegs. Bei seinem Vierschanzentournee-Debüt in Garmisch-Partenkirchen ist der 21-Jährige aufgrund eines nicht regelkonformen Anzuges in der Qualifikation disqualifiziert worden. Simon Spiewok ist Teil des Zoll Ski Teams. Außerdem belegt der Wahl-Schwarzwälder (Trainingsstützpunkt in Furtwangen) den Studiengang Fashion Management. In seiner Freizeit widmet sich Simon auch anderen Sportarten wie Fußball und Basketball. Zudem hat der 21-Jährige ein Interesse für Mode und Animes.

Plauderecke

Im Mai 2021 zog sich Agnes Reisch in Tschagguns (Österreich) einen Kreuzbandriss zu. Die Olympia-Saison 2021/2022 war dadurch Geschichte. Nach monatelangem Aufbau ist die 23-Jährige nun wieder zurück, hört aber ganz genau auf die Zeichen ihres Körpers. Bei der Deutschen Meisterschaft in Hinterzarten hat Skispringen-news.de-Redakteur Lars-Henrik Wacker mit Agnes Reisch nach dem Einzel-Wettkampf über die aktuelle Situation und den anstehende Wintersaison gesprochen.

Skispringen-news.de: Agnes, herzlichen Glückwunsch zum Vize-Meistertitel. Wie zufrieden bist du mit deiner Leistung?

Agnes Reisch: Ich bin zufrieden. Es war mein zweiter Wettkampf nach meiner Verletzung. Ich habe immer noch ein bisschen Probleme mit dem Knie und hab deshalb nicht alles im Sommer mitgemacht. Dafür bin ich aber dankbar, dass ich den Wettkampf mitmachen und mich zeigen konnte.

Skispringen-news.de: Wie muss man sich das Skispringen bei dir in diesem Sommer beziehungsweise Herbst vorstellen – sowohl körperlich als auch mental?

Agnes Reisch: Mal gut, mal schlecht. Am Anfang habe ich mir wenig Gedanken gemacht. Dann hat das Knie mal mehr gezwickt und auch der Kopf hat angefangen zum Nachdenken. Ich bin dann dran geblieben und irgendwann ging es wieder.

Skispringen-news.de: Lange Verletzungsphasen bringen ja die Möglichkeit, auch abseits der Schanze was zu verändern. Was hast du in der vergangenen Zeit noch gemacht?

Agnes Reisch: Also ich bin vom Schwarzwald ins Allgäu gezogen und wohne jetzt wieder in Missen-Wilhams. Ich starte für den WSV Isny, trainiere aber in Oberstdorf. Ansonsten bin ich im Zoll-Ski-Team und bin sehr dankbar, da aufgenommen worden zu sein, um eben den Leistungssport professionell ausüben zu können. Für den Kopf ist das eine ziemliche Sicherheit, wenn man weiß, da steht jemand hinter einem.

Skispringen-news.de: Was sind die Ziele für den neuen Winter?

Agnes Reisch: In der Comeback-Saison muss man erst mal schauen, wie’s dem Knie geht. Da gibt es noch ziemliche Unterschiede zwischen links und rechts. Mein Knie zwickt immer noch relativ oft und da muss ich einfach schauen. Ich möchte mich aber auf jeden Fall bei ein paar Weltcups zeigen und Spaß am Skispringen haben.

Skispringen-news.de: Dafür wünschen wir dir natürlich alles Gute – und dass das Knie hält. Vielen Dank für das Interview.


Zur Person:

Agnes Reisch (11. Oktober 1999) ist seit 2013 international als Skispringerin unterwegs. Ihr Debüt im Weltcup feierte die 23-Jährige am 30. Januar 2016 beim Weltcup in Oberstdorf. Darüber hinaus gewann die Springerin vom WSV Isny bei der JWM 2017 in Park City Gold im Teamspringen. Dazu kommen noch zwei mal Silber und Bronze (2017 und 2019) hinzu. Ein Kreuzbandriss zwang Agnes Reisch im Mai 2021 zu einer fast einjährigen Pause. Mittlerweile hat sich die Oberallgäuerin zurück auf die Schanze gekämpft.