Olympische Spiele

Olympische Spiele

Am Montagabend stand in Predazzo bereits die letzte olympische Entscheidung bei den Skispringern auf dem Programm. Mit dem Super-Team-Event von der Großschanze schlossen die Herren die Olympischen Winterspiele nach gut einer Woche mit einer packenden Premiere und nur zwei von drei Durchgängen ab. 

Bereits bei der Olympia-Generalprobe im September gab es einen Super-Teambewerb auf den neuen Schanzen von Predazzo. Damals wie heute ein spannendes Format, bei dem nun am Entscheidungstag Teams aus insgesamt 17 Nationen am Start waren – damit auch die Chance für kleine Nationen einen Teamwettbewerb bestreiten zu können. 

Bei den diesjährigen Olympischen Winterspielen feierte das Super-Team-Event damit seine olympische Premiere und ersetzt damit das traditionsreiche Vierer-Teamspringen. Zum Premieren-Olympiasieger in diesem Format krönte sich heute das Duo aus Österreich (568.7 P.). Ein wenig überraschend konnten Jan Hörl und Stephan Embacher damit im allerletzten Wettbewerb doch noch die erste und einzige (Gold-)Medaille für die Alpenrepublik sichern. Die beiden ÖSV-Adler segelten von Anfang an auf Goldkurs und konnten dies bis zum Schluss souverän durchziehen.

Um die Medaillen dahinter lieferten sich Polen, Norwegen, Deutschland, Slowenien und Japan ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen. Letztlich hatten alle Mannschaften Aussetzer zu verzeichnen, die die Abstände umso geringer und den Wettbewerb dafür umso spannender werden ließen. Zur Spannung trug zudem der plötzliche Wetterumschwung mit stark einsetzendem Schneefall und plötzlichem Aufwind in der allerletzten Gruppe bei. Nach einer längeren Pause vor Domen Prevc sowie einem Sprungversuch von Kacper Tomasiak, der ihn fast die Medaille bei seinem letzten Sprung gekostet hätte, entschloss sich die Jury schließlich den letzten Durchgang abzubrechen. Des einen Glückes, des anderen Leids. 

Souverän konnte sich schließlich das polnische Team mit Pawel Wasek und dem zweifachen Einzelmedaillengewinner Kacper Tomasiak die Silbermedaille (547.3 P.) erkämpfen. Der erst 19-Jährige Newcomer im polnischen Team holte damit gleich drei olympische Medaillen – und das in seiner ersten wirklichen Weltcupsaison. Er ist damit der erste polnische Skispringer, dem dieses Kunststück gelingt. Bronze ging an das Duo aus Norwegen (538.0 P.). Was Johann André Forfang zunächst an Metern liegenließ, konnte Kristoffer Eriksen Sundal wettmachen und somit die erhoffte Medaille, die Sundal zweimal knapp verpasste, doch noch sichern. Beide Nationen profitierten schließlich vom Wettkampfabbruch.

Deutschland verpasst erneut eine Medaille um 0,3 Punkte

Leider sollte es auch heute wieder nicht mit einer Medaille für das deutsche Team klappen. Der Auftakt war bei Andreas Wellinger zwar solide, bei schwierigen Bedingungen gingen im jedoch bereits im zweiten Durchgang einige Meter verloren. Philipp Raimund überzeugte mit seinen Sprüngen und konnte einiges an Boden aufholen, im Kampf um die Medaillen reichte es nach dem Abbruch um hauchdünne 0,3 Punkte gegen Norwegen jedoch nur für Blech (537.7 P.). Zuvor erwischte Raimund einen super Schlusssprung, mit dem das deutsche Duo an Polen vorbeigezogen wäre. Für die beiden der Abbruch daher besonders bitter.

Für eine kleine Überraschung sorgten die beiden Japaner, die zunächst wohl alle weiter vorne gesehen hätten. Sowohl Ren Nikaido als auch Ryoyu Kobayashi konnten in den ersten beiden Durchgängen nicht ihre Top-Sprünge abliefern. Die Medaille schien bereits verloren, doch ausgerechnet zum Schluss gelang Nikaido ein super Sprung, der sie wieder komplett ins Rennen gebracht hätte – durch den Abbruch war dieses Ergebnis jedoch hinfällig. Nikaido verpasste somit seine Chance, in vier Wettbewerben vier Medaillen mitzunehmen. Das japanische Duo landete daher nur auf Platz sechs (535.2 P.).

Auch für das slowenische Team verlief der Wettbewerb sicher nicht wie geplant. Denn vor allem Anze Lanisek ließ nach einem guten Auftakt zu viele Meter liegen, um ihn sowie Mitstreiter Domen Prevc im Rennen zu halten. Auch er konnte diesen Rückstand durch Zaubersprünge nicht mehr ausreichend verkleinern. Die beiden Slowenen mussten sich sogar noch hinter Deutschland auf Rang fünf (536.1 P.) einreihen. 

Olympische Spiele

Nach ihrem Triumph auf der Normalschanze hat sich Anna Odine Stroem (284,8 Punkte) in Predazzo auch auf der Großschanze die Goldmedaille gesichert. Die Norwegerin schrieb damit zugleich Geschichte: Sie ist die erste Olympia-Siegerin überhaupt bei den Damen auf der Großschanze, da der Wettbewerb seine Premiere feierte. Rang zwei ging an ihre Teamkameradin Eirin Maria Kvandal (282,7 Punkte) vor der Slowenin Nika Prevc (271,5 Punkte). Die DSV-Damen bleiben erstmals bei den Olympischen Spielen ohne eine Medaille.

Nach den Eindrücken aus den Trainingsdurchgängen deutete einiges auf ein Gold-Duell zwischen Eirin Maria Kvandal und Nika Prevc hin. Doch wie schon auf der Normalschanze setzte sich unter dem Strich Anna Odine Stroem überraschend gegen die nominellen Top-Favoritinnen durch. Nach dem ersten Durchgang hatte noch ihre Teamgefährtin Eirin Maria Kvandal mit einem Sprung auf 129 m in Führung gelegen, Stroem folgte mit einem Sprung auf 130,5 m auf Rang zwei. Die Plätze drei und vier gingen mit Silje Opseth (126,5m) und Heidi Dyhre Traaserud (124,5m) ebenfalls nach Norwegen. Nika Prevc, die sich nach der Silbermedaille auf der Normalschanze ihren Goldtraum erfüllen wollte, kam nicht über Rang fünf hinaus.

Windbedingungen wirbeln ersten Durchgang durcheinander

Maßgeblich geprägt wurde der erste Durchgang vor allem durch den Wind. Kvandal, die im Vergleich zu den übrigen Favoritinnen etwas früher an der Reihe war, erwischte bei ihrem Versuch noch eine gute Phase. Nach den 129 m war ihre Freude im Auslauf eher verhalten, da sie sich nach dem Training doch mehr ausgerechnet hatte. Wieviel Wert dieser Sprung war, wurde erst danach klar, als der Rückenwind bei den Weltcupbesten gegen Ende stark zunahm. So erwischte es zunächst die Slowenin Nika Vodan, die bei 112 m landete und mit Rang 12 nach dem ersten Durchgang schon aussichtslos zurücklag. Auch Sara Takanashi kam nicht über 114 m hinaus (P17), Katharina Schmid strandete sogar schon bei 96,5 m (P42). Und aus deutscher Sicht sollte es bitter weitergehen, denn auch Agnes Reisch (111 m/P13) hatte mit der Medaillenentscheidung schon zur Halbzeit nichts mehr zu tun. Die Jury reagierte darauf und ging vor Abigail Strate zwei Luken nach oben. Da sich die Windbedingungen jedoch nur leicht verbesserten, war es für die Folgeathletinnen ebenfalls schwierig, vorne hineinzuspringen. So war auch für die zuvor hochgehandelte Kanadierin Strate (117 m/P26) klar, dass sie heute leer ausgehen würde. Gleiches galt im Anschluss auch für Selina Freitag (115,5 m/P28). Anna Odine Stroem war die einzige Dame aus dem Topklassement, der es gelang, mit Kvandal mitzuhalten. Auch Lisa Eder (P15/125,5 m), Nozomi Maruyama (P7/128 m) und Nika Prevc (P5/128 m) bissen sich im ersten Durchgang an den Bedingungen die Zähne aus.

Im zweiten Durchgang gelang es Nika Prevc (127,5 m) dann, die norwegische Vierfachführung aus dem ersten Durchgang noch zu sprengen und immerhin noch an Opseth (125,5 m) und Traaserud (119,5 m) vorbeizuziehen. Mit der Bronzemedaille wird die Slowenin jedoch nach der bisher so famosen Weltcupsaison nicht wirklich zufrieden sein. An der Spitze entschied derweil Anna Odine Stroem den Wettkampf knapp für sich und krönte sich mit einem Sprung auf 132 m zur Doppel-Olympiasiegerin. Ausschlaggebend hierfür waren gegenüber Kvandal, die im Finale eineinhalb Meter weiter als Stroem sprang, vor allem die deutlich besseren Haltungsnoten.

Schwedin Frida Westman auf starkem vierten Rang

Einen starken Wettkampf lieferte auch Frida Westman (129,5 m/127,5 m; 265,4 Punkte) ab. Bereits nach dem ersten Durchgang fand sich die Schwedin auf dem sechsten Rang wieder und arbeitete sich im Finale sogar noch bis auf Position vier nach vorne. Nicht auszudenken, was für sie ohne die regelmäßig vorgenommene „freiwillige Lukenverkürzung“ heute möglich gewesen wäre. Aufgrund ihrer drei Kreuzbandrisse gehen sie und ihr Trainer Roar Ljökelsöy allerdings weiterhin kein Risiko ein und nehmen den Druck bei der Landung etwas heraus.

Silje Opseth (126,5 m/125,5 m; 262,6 Punkte) rundete dahinter die Top 5 ab, vor ihrer Teamkollegin Heidi Dyhre Traaserud (124,5 m/119,5 m; 259,1 Punkte). Die Österreicherin Lisa Eder (125,5 m/132 m; 257,6 Punkte) verbesserte sich dank eines starken zweiten Sprungs noch auf Rang sieben vor Nozomi Maruyama (128 m/125 m; 257,0 Punkte/8.) und Nika Vodan (112 m/129,5 m; 254,9 Punkte/9.).

DSV-Damen bleiben ohne olympische Medaille

Das deutsche Team hatte nach der schlechten Ausgangsposition aus Durchgang eins erwartungsgemäß nichts mehr mit der Entscheidung um Edelmetall zu tun. Agnes Reisch (111m/123m; 244,2 Punkte) platzierte sich als beste DSV-Dame auf Rang zehn. Selina Freitag (115,5m/124m; 229,7 Punkte) arbeitete sich im zweiten Durchgang noch bis auf Platz 17 nach vorne, haderte allerdings verständlicherweise mit sich und den Olympischen Spielen, wo sie sich deutlich mehr ausgerechnet hatte. „Im Ersten waren einfach zu viele Fehler drin, und ich weiß auch gar nicht, wie der Wind war. Aber im Zweiten hatte ich wieder relativ viel Rückenwind. Manchmal soll es einfach nicht sein – es ist mega ärgerlich. Aber es bringt nichts, einfach weitermachen. Für mich lief es echt nicht wie erhofft, und die Schanzen kamen mir nicht so entgegen, wie ich es mir vorgestellt hatte. Es war vom Springen her sehr zäh, aber rundum war es wirklich ein cooles Event. Es hat mega Spaß gemacht, vor allem, dass so viele Zuschauer da waren und dass die Familie dabei sein konnte – die sehe ich ja nicht so oft. Deshalb war es trotzdem ein schönes Event, auch wenn es sportlich nicht so gepasst hat“, erklärte Freitag gegenüber dem ZDF.

Juliane Seyfarth (119m/109m; 217,2 Punkte), die krank in den Wettkampf ging, fiel nach einem schwachen zweiten Sprung im Endklassement bis auf Platz 23 zurück. Nach Durchgang eins hatte sie als beste DSV-Dame noch auf Rang neun gelegen.

Besonders bitter verlief der letzte olympische Wettkampf für Katharina Schmid (42.), die den Finaldurchgang der Top-30 deutlich verpasste. Entsprechend enttäuscht zeigte sie sich im Anschluss am ZDF-Mikrofon. „Ich wusste, es wird schwierig. Die Schanze liegt mir nicht. Und ja, es tut einfach nur weh. Klar weiß ich, dass ich schon zwei olympische Medaillen habe, aber dann hätte ich ja schon vorher aufhören können, wenn ich gewusst hätte, dass es so ausgeht. Ich dachte, ich schaffe es vielleicht noch etwas weiter nach vorne zu kommen, auch in der Saison, die jetzt schon recht schwierig für mich war. Aber das ist schon hart jetzt, und es wird wohl auch noch eine Weile weh tun – aber auch das vergeht“, so Schmid.

Damen-Bundestrainer Heinz Kuttin: „Unser Team war etwas zu schwach, um hier wirklich ganz vorne mitzukämpfen“

Die deutsche Mannschaft bleibt damit seit der Zugehörigkeit des Damenskispringens zu den Olympischen Spielen zum ersten Mal ohne eine Medaille. „Wir sind mit dem Ziel hierher gefahren, eine Medaille zu holen. Ich glaube, wir hätten es drauf gehabt, speziell im Mixed-Team. Und ja, im Einzel wollten wir einfach ein bisschen zu viel. Man hat gemerkt, dass wir, wenn es zäh wird, kleine Fehler machen – und diese werden direkt mit der Höchststrafe bestraft. Man kann jetzt über den Wind oder andere Dinge reden, aber unter dem Strich war unser Team etwas zu schwach, um hier wirklich ganz vorne mitzukämpfen“, bilanzierte Heinz Kuttin im ZDF.

Olympische Spiele

Nach einer verpassten Medaille auf der Normalschanze hat sich Domen Prevc bei den Olympischen Spielen in Predazzo nun doch noch zum Olympiasieger gekrönt. Der Slowene zeigte mit Sprüngen auf 138,5 m und herausragende 141,5 m inklusive starker Landung eine überragende Leistung und sicherte sich verdient die Goldmedaille von der Großschanze. Er holte damit zudem erstmals in der Skisprungeschichte Einzelgold für die Nation Slowenien.

Für Silber sorgte der Japaner Ren Nikaido, der mit 140,0 m und 136,5 m seine starke Form von der Normalschanze bestätigte und erneut Edelmetall gewann, nachdem er nach dem 1. Durchgang sogar noch auf dem ersten Rang lag. Die kurzzeitige Enttäuschung Gold verpasst zu haben, zeigten seine Tränen wenige Minuten später. Die Bronzemedaille ging an den jungen Polen Kacper Tomasiak, der mit 133,0 m und starken 138,5 m vor allem im Finale überzeugte und sich nach der Normalschanze erneut eine Medaille sicherte.

Sundal und Hörl knapp an den Medaillen vorbei – Kobayashi arbeitet sich nach vorne

Knapp am Podium vorbei sprang der Norweger Kristoffer Eriksen Sundal, der mit 136,0 m und 135,5 m den vierten Platz belegte und damit genau wie auf der Normalschanze eine Medaille in seinem Finalsprung verschenkte. Auch Jan Hörl zeigte mit 134,5 m und 136,0 m als Fünfter eine starke Leistung, konnte jedoch nicht ganz an seine Trainingssprünge anschließen. Eine Einzelmedaille für Österreich blieb damit erneut aus. Eine starke Aufholjagd gelang Ryoyu Kobayashi. Nach einem schwächeren Auftakt im ersten Durchgang katapultierte er sich mit einem Flug auf 138,5 m noch auf den sechsten Platz nach vorne.

Raimund ohne Medaille – Wellinger verbessert

Aus deutscher Sicht blieb eine Medaille auf der Großschanze aus. Besonders Philipp Raimund, der als Olympiasieger von der Normalschanze hoffnungsvoll war, konnte mit 131,0 m und 136,0 m nicht ganz vorne eingreifen und belegte am Ende einen etwas enttäuschenden neunten Platz. Im Anschluss betonte er jedoch, dass ihm bereits im Vorfeld bewusst war, dass er im Vergleich zu den Konkurrenten nicht ganz zu gut auf der Schanze zurechtkam. Eine solide Leistung zeigte dagegen Andreas Wellinger. Mit 127,0 m und 127,5 m präsentierte er sich deutlich verbessert und erreichte einen guten 15. Platz.

Für die weiteren Deutschen verlief der Wettkampf eher enttäuschend: Pius Paschke kam auf Rang 24, direkt dahinter folgte Felix Hoffmann, der auf der Großschanze überhaupt nicht zurechtkam und sich scheinbar von Sprung zu Sprung verschlechterte.

Für eine besondere Überraschung sorgte am heutigen Tage der Kasache Ilya Mizernykh, der nach einem starken ersten Sprung auf 140,5 m und 136,0 m im Finale starker Achter wurde und sich damit sogar vor dem besten Deutschen platzierte.

Super-Teamentscheidung als nächster und letzter Höhepunkt

Nach der Entscheidung auf der Großschanze richtet sich der Blick nun auf den Super-Teamwettbewerb, bei dem vor allem Slowenien, Japan und Norwegen als Medaillenkandidaten gelten. Doch auch die deutsche Mannschaft wird versuchen, im Kampf um eine Medaille noch einmal anzugreifen.

Vorher geht es jedoch für die Damen in die letzte Olympia-Entscheidung. Morgen findet auch für sie die Einzelentscheidung von der Großschanze statt.

Olympische Spiele Polnischer Skiverband

Die beiden Youngsters Kacper Tomasiak und Pawel Wasek sowie „Altmeister“ Kamil Stoch, der seine letzte Saison bestreitet, wurden von der polnischen Mannschaft für die Olympischen Spiele 2026 nominiert. Piotr Zyla und auch Dawid Kubacki bleiben beim großen Saisonhighlight in Predazzo nur die Zuschauerrolle. Gegenüber Skispringen-News.de hat Kubacki nun offen über seine Nichtnominierung gesprochen.

Während Kacper Tomasiak nach seinen bisherigen Saisonleistungen (aktuell als bester Pole Zwölfter im Gesamtweltcup) für die Olympischen Spiele ohnehin als gesetzt galt und dieses Vertrauen mit der Silbermedaille auf der Normalschanze bereits mehr als rechtfertigen konnte, war die Frage offen, für wen sich die polnische Mannschaft dahinter entscheidet. Die Wahl fiel einerseits auf Kamil Stoch, dessen Formkurve nach einem starken Saisonbeginn jedoch deutlich abfiel, sowie auf Pawel Wasek, der bei Weitem noch nicht an seine starke Vorjahressaison anknüpfen konnte.

Dawid Kubacki, der bei den Olympischen Spielen 2018 in Pyeongchang Team-Bronze gewann und 2022 in Peking auf der Normalschanze Bronze im Einzel holte, fehlt im Aufgebot und sagt gegenüber Skispringen-News.de hierzu: „Natürlich ist es enttäuschend, denn vor der Saison war ich ziemlich zuversichtlich, dass ich dieses Ziel erreiche. Ich wusste, dass es vielleicht nicht einfach sein wird, aber dass es durchaus machbar ist. Am Ende hat es nicht für die Olympischen Spiele gereicht. Das muss ich akzeptieren und weiter an meinen Sprüngen arbeiten. Ich weiß persönlich auch, dass meine Leistung in dieser Saison nicht ausgereicht hat, um mich für Olympia zu qualifizieren“, so Kubacki.

Der Pole nutzt derzeit die COC-Wettbewerbe, um an seiner Form zu arbeiten. In Kranj sprang er am vergangenen Wochenende am Samstag hinter Luca Roth und Jonas Schuster als Dritter auf das Podium und wurde am Sonntag 15. „Ich muss mich jetzt darauf konzentrieren, meine Sprünge zu verbessern. Und natürlich soll der Spaß an den Schanzen nicht zu kurz kommen. Währenddessen drücke ich unseren Jungs bei den Olympischen Spielen die Daumen und wünsche ihnen weiterhin alles Gute.“ An diesem Wochenende ist Kubacki erneut beim COC am Start, der in Oberhof stattfindet.

Zum bisherigen Saisonverlauf führt Kubacki aus: „Natürlich ist es nicht das, was ich von mir selbst erwartet hätte. Bisher konnte ich mein volles Potenzial nicht ausschöpfen. An den Schanzen hatte ich mit vielen Problemen zu kämpfen. Aber ich denke, jetzt ist der Punkt erreicht, an dem es wieder besser wird und ich mich auf der Schanze auch viel wohler fühle. Ich möchte nicht so viel über die Vergangenheit nachdenken, sondern mich auf das konzentrieren, was ich in Zukunft leisten kann.“ Dementsprechend nimmt er sich auch viel für die Weltcup-Wettbewerbe nach den Olympischen Spielen vor. „Es stehen noch einige Wettkämpfe in diesem Winter an. Ich glaube fest daran, dass ich mich bei diesen auch ganz gut schlagen und die Saison trotzdem mit einem Lächeln beenden kann.“

Auf seine letzte Olympiateilnahme 2022 blickt Kubacki derweil trotzdem mit einem Strahlen im Gesicht zurück. „Olympia 2022 war eine verrückte Zeit für mich, weil ich vor den Spielen nicht gut in Form war. Es war ein harter Kampf um die Olympiaqualifikation. Und dann noch der letzte Wettkampf vor den Olympischen Spielen in Zakopane: Ich war wegen Covid zu Hause und konnte deshalb nicht daran teilnehmen beziehungsweise trainieren. Aber abgesehen davon hat mir mein Trainer großes Vertrauen geschenkt und mir zugetraut, dass ich es schaffen und gute Leistungen erbringen kann. Ich denke, ich habe dieses Vertrauen gut genutzt und bin mit einer Medaille von den Olympischen Spielen zurückgekehrt. Das ist eine fantastische Geschichte, die mir niemand nehmen kann.“

Olympische Spiele

Nur einen Tag nach dem spannungsvollen Normalschanzenwettbewerb der Herren stand bereits das nächste Highlight bei den Olympischen Winterspielen auf dem Programm. Für die besten Skispringerinnen und Skispringer wurden am Dienstagabend die Medaillen im gemeinsamen Mixed-Teamwettbewerb vergeben. Auch in diesem Wettbewerb lieferten sich die Top-Nationen einen spannenden Kampf.

Einen Tag nachdem bereits ein erster kleiner Goldtraum für die deutschen Skispringer in Erfüllung ging, verpasste Deutschland im Mixed‑Team‑Wettbewerb knapp eine Medaille und belegte am Ende Rang vier. Ein Ergebnis, welches sich bereits zu Beginn des Wettbewerbs ein wenig abzeichnete. An der Spitze entwickelte sich im ersten Durchgang ein enger Kampf zwischen Slowenien, Österreich, Japan und Norwegen. Das deutsche Quartett erwischte hingegen einen eher verhaltenen Start: Felix Hoffmann und Agnes Reisch zeigten zwar solide Sprünge, doch der Anschluss an die führenden Nationen blieb außer Reichweite. Besonders bitter verlief der erste Durchgang für Selina Freitag, die gegenüber der starken Norwegerin Erin Maria Kvandal fast zehn Meter verlor – ein deutlicher Rückstand auf der kleinen Schanze. Auch der frisch gebackene Olympiasieger Philipp Raimund konnte in der letzten Gruppe nichts mehr ausrichten und fand selbst nicht optimal in den Wettkampf.

Der zweite Durchgang entwickelte sich weiter spannend, vor allem in Kampf um Silber und Bronze, in dem Deutschland jedoch nicht mehr mitmischen konnte. Gold schien nach einem starken Sprung von Nika Prevc und Anze Lanisek ebenfalls bereits vergeben. Und je näher das Ende des Finales rückte, desto deutlicher wurde, dass Deutschland auf Fehler der Konkurrenz angewiesen war, um noch in Richtung Podest schielen zu können. Doch weder Lindvik noch Prevc ließen etwas liegen – eine schwierige Ausgangslage für Philipp Raimund. Bundestrainer Stefan Horngacher setzte als letzte Option den Joker ein und verkürzte den Anlauf um ein Gate, um weitere mögliche Punkte herauszuholen. Raimund zeigte einen guten Sprung und erreichte die erforderliche Weite, doch für eine Medaille reichte es dennoch nicht mehr. Mit nur 1,2 Punkten verpasste das DSV-Quartett damit die Bronzemedaille und musste sich mit dem undankbaren vierten Platz begnügen.

Kurze Verwirrung gab es beim letzten japanischen Starter, dem Bronzemedaille-Gewinner des Vortages, Ren Nikaido. Denn auch er startete aus dem Gate von Raimund, erreichte jedoch nicht die nötige Weite von 101,5m. Scheinbar war es jedoch eine nicht angezeigte Jury-Entscheidung, denn nachträglich wurde das Ergebnis nicht mehr korrigiert. Bronze sicherte sich damit das Team aus Japan mit Nozomi Maruyama, Ryoyu Kobayashi, Sara Takanashi und Ren Nikaido.

Besser als im Einzel der Herren lief es heute bei dem Quartett aus Norwegen mit Kristoffer Eriksen Sundal, der gestern durch eine schlechte Landung seine Medaille verschenkte, sowie Marius Lindvik. Letzterer sicherte zum Schluss die Silbermedaille mit einem starken Sprung ab. Zusammen mit der Olympiasiegerin Anna Odine Stroem und Erin Maria Kvandal waren die vier Norweger von Anfang an auf Medaillenkurs. Olympiasieger dürfen sich am heutigen Tage verdient die vier Teilnehmer aus dem slowenischen Team nennen. Nika Vodan, Anze Lanisek, Nika Prevc und Domen Prevc gaben durchweg den Ton an – besonders für den bisherigen Weltcup-Dominator Domen Prevc und auch für Anze Lanisek gab es damit nochmals eine deutliche Steigerung, rückblickend zum gestrigen Einzel.

Olympische Spiele

Deutschland erlebt sein Olympia Märchen. Philipp Raimund holt bei seinen ersten Olympischen Spielen Gold auf der Normalschanze in Predazzo. Mit einer beeindruckenden Leistung entscheidet er die erste Männer Entscheidung vor Kacper Tomasiak und auf dem geteilten dritten Platz Ren Nikaido und Gregor Deschwanden für sich.

Überglücklich strahlte Philipp Raimund nachdem er gelandet war und wusste: das könnte reichen. Mit einem Traumsprung auf 106,5 Meter und Traumnoten darf sich Raimund nun also wirklich Olympiasieger nennen. Bereits nach 102,0 Metern im ersten Durchgang lag er auf Goldkurs und hielt dem Druck stand. Über Silber durfte sich mit Sprüngen auf 103,0 und 107,0 Metern Kacper Tomasiak freuen. Bronze ging gleich an zwei Springer. Ren Nikaido und Gregor Deschwanden teilen sich den dritten Rang mit je 266,0 Punkten.

Valentin Foubert lag nach Durchgang eins noch auf Medaillen Kurs, verpasste jedoch mit einem schwächeren zweiten Sprung die Top 3 und wurde Fünfter. Ähnlich erging es Kristoffer Eriksen Sundal, der sogar noch auf den zehnten Platz zurückfiel. Top Favorit Domen Prevc, der aber zugegebenermaßen schon im Training Probleme hatte wurde guter Sechster. Stephan Embacher wurde als Siebter bester Österreicher und war damit auch der einzige Österreicher in den Top Ten.

Diese Top Ten wurden komplettiert durch Ryoyu Kobayashi auf Platz acht und Johann Andre Forfang auf Position neun. Marius Lindivk, der im gestrigen Training durchaus Ambitionen auf den Titel anmeldete tat sich an diesem Tag überraschend schwer und wurde Zwölfter.

Für die anderen deutschen lief es mehr oder weniger durchwachsen, was aber durch Raimunds Erfolg wohl hinten ansteht. Felix Hoffmann wurde 13. Andreas Wellinger 17. und Pius Paschke 23.

Olympische Spiele

Im Vorfeld der Olympischen Spiele haben wir uns im Springerlager umgehört, die Athleten zu ihren bisherigen Erfahrungen bei Olympia befragt bzw. um eine Einschätzung zum großen Saisonhighlight gebeten. Für die Herren steht am Montag auf der Normalschanze die erste Medaillenentscheidung an.

Philipp Raimund (Deutschland):
„Olympia hat einfach eine gewisse Eigendynamik – so wie eigentlich jeder andere Wettkampf auch. Man sieht, dass mit Ausnahme von Domen nicht immer dieselben Athleten auf dem Podium stehen. Ich werde alles geben und freue mich sehr auf meine ersten Olympischen Spiele. Ich versuche, dort auf meinem höchsten Level zu performen. Am Ende kommt dann das heraus, was herauskommt. Wenn ich zwei super Sprünge mache, kann es sehr cool werden. Von daher schätze ich die Chancen sehr positiv ein. Wir sind auf jeden Fall in Schlagdistanz – sowohl im Einzel als auch im Super-Team bzw. Mixed-Team. Ich glaube, da könnte etwas möglich sein. Bisher lief Olympia bei mir eigentlich immer im Fernsehen, egal ob Sommer oder Winter. Und jetzt freue ich mich extrem darauf, selbst teilzunehmen – ich habe mega Bock.“

Andreas Wellinger (Deutschland; Team-Gold Sotschi 2014; Einzel-Gold Normalschanze Pyeongchang 2018; Einzel-Silber Großschanze Pyeongchang 2018 u. Team-Silber Pyeongchang 2018):
„Ob ich in Willingen schon das gefunden habe, was ich zuletzt gesucht habe, weiß ich noch nicht. Aber ich bin definitiv nah dran. Ich merke im Wettkampf, dass es von der Kante her ein flüssiger Sprung ist und dass es mich wieder hebt – dass ich merke: jawoll, jetzt ist die Hüfte oben, der Körper wird leicht, und dann kann ich das in den Flug übersetzen. Das war lange nicht möglich, und das ist der große Unterschied. Und zu Olympia: Ich freue mich natürlich, dass ich wieder dabei sein darf. 2014 in Sotschi durfte ich als junger Stöpsel im Team Gold holen, was für mich vollkommen überwältigend war – mit der Mannschaft die Leistung abzurufen und am Ende ganz oben zu stehen. Und dann gab es noch die Spiele in Pyeongchang 2018, wo ich bei allen drei Wettkämpfen zur Siegerehrung gehen durfte und beim ersten Wettkampf auf der Normalschanze ganz oben stand. Das war genau so, wie man sich das erhofft. Da bin ich einfach verdammt genial Ski gesprungen, und es ist mir extrem gut gelungen. Das war sicherlich einer der schönsten Momente meiner Sportkarriere.“

Felix Hoffmann (Deutschland):
„Willingen war gut für mich, um zu sehen, dass ich die Leistung im Wettkampf wieder abrufen kann, dass die Sprünge wieder laufen und das Selbstvertrauen da ist. Das war wichtig, und ich bin froh, dass es geklappt hat. Die Vorfreude auf die Olympischen Spiele ist groß und ich bin sehr gespannt, wie es wird. Bisher habe ich Olympia immer nur im Fernsehen verfolgt, weil die Spiele meist sehr weit weg waren.“

Ren Nikaido (Japan):
„Ich gehe mit einem guten Gefühl zu Olympia, aber wie es dort letztlich wird, weiß man natürlich nicht.“

Jan Hörl (Österreich; Team-Gold Peking 2022):
„Mit Olympia verbinde ich eigentlich sehr gute Gefühle. 2022 sind wir mit dem Team Olympiasieger geworden, was sehr emotional und sehr cool war, ein Teil davon zu sein. Leider war es genau das Jahr mit Corona, daher war es ein bisschen stressig mit den Kontrollen und rundherum war es auch nicht das Feeling – das hätte ich mir bei meiner ersten Olympiade anders vorgestellt. Aber nach wie vor macht mich das Gold mit dem Team sehr stolz.“

Stefan Kraft (Österreich; Team-Gold Peking 2022):
„Olympiasieger zu werden mit dem Team war echt genial. Die ganze Mannschaft war in Ekstase und überglücklich. Es war sicherlich einer der emotionalsten Tage, und es sind bis heute wunderschöne Erinnerungen, vor allem weil es damals ein richtiger Fight um die Medaillen war. Ich freue mich schon auf die Olympischen Spiele. Meine Sprünge sind derzeit echt okay, und ich bin nicht unzufrieden. Mit den Ergebnissen zuletzt zwar schon, aber die Entwicklung geht in die richtige Richtung.“

Johann André Forfang (Norwegen; Team-Gold Normalschanze Pyeongchang 2018; Einzel-Silber Normalschanze Pyeongchang 2018):
„Ich hätte mich natürlich besser vorbereitet gefühlt, wenn ich in Willingen um den Sieg mitgekämpft hätte. Aber die Olympischen Spiele sind etwas ganz anderes. Sobald man dort ist, übernimmt der olympische Flair die Kontrolle, und dann ist alles möglich. Generell sind die Olympischen Spiele etwas ganz Besonderes, weil sie nur alle vier Jahre stattfinden – daher ist der Druck enorm. Ich hatte in Pyeongchang wirklich gute Olympische Spiele mit zwei Medaillen, und meine Sprünge waren auch sehr gut. In Peking war ich ein paar Wochen zuvor an COVID erkrankt und konnte vor der Reise keine negativen Tests mehr bekommen. Deshalb konnte ich nicht hinfahren. Umso mehr freue ich mich jetzt, im Team zu sein und wieder bei den Olympischen Spielen anzutreten.“

Niko Kytosaho (Finnland):
„Ich möchte die Olympischen Spiele einfach genießen und mein Bestes geben. Hoffentlich kann ich mein Niveau von Willingen dort einigermaßen halten.“

Auch die nachfolgenden Athleten haben uns an ihren Eindrücken zu Olympia teilhaben lassen, obwohl sie für die Olympischen Winterspiele 2026 nicht nominiert wurden:

Manuel Fettner (Österreich; Team-Gold Peking 2022 und Einzel-Silber Normalschanze Peking 2022):
„Die Olympischen Spiele 2022 waren sicherlich das Highlight meiner Karriere und sehr emotionale Momente für mich. Generell hatte ich immer wieder ein paar Highlights in meiner Laufbahn, aber dann ging es auch schnell wieder nach unten.“

Dawid Kubacki (Polen; Team-Bronze Pyeongchang 2018; Einzel-Bronze Normalschanze Peking 2022):
„Olympia 2022 war eine verrückte Zeit für mich, weil ich vor den Spielen nicht gut genug in Form war. Es war ein harter Kampf um die Olympiaqualifikation. Und dann noch der letzte Wettkampf vor den Olympischen Spielen in Zakopane: ich war wegen Covid zu Hause und konnte deshalb nicht daran teilnehmen bzw. trainieren. Aber abgesehen davon hat mir mein Trainer großes Vertrauen geschenkt und mir zugetraut, dass ich es schaffen und gute Leistungen erbringen kann. Ich denke, ich habe dieses Vertrauen gut genutzt und bin mit einer Medaille von den Olympischen Spielen zurückgekehrt. Das ist eine fantastische Geschichte, und die kann mir niemand nehmen.“

Constantin Schmid (Deutschland, Team-Bronze Peking 2022):
„2022 war traumhaft und für mich bisher das Highlight meiner Karriere. Es war ein ganz tolles Erlebnis trotz Corona. Ich habe viele schöne Erinnerungen daran, und die werden mir immer bleiben.“

Olympische Spiele Slowenischer Skiverband

Vierschanzentourneesieger, Skiflug-Weltmeister, Weltcup-Dominator und schon bald Olympiasieger? In jedem Fall geht Domen Prevc in Predazzo als Topfavorit auf die Goldmedaille an den Start. Im Rahmen einer Pressekonferenz in Willingen schilderte der Slowene, wie er selbst mit dieser großen Erwartungshaltung umgeht.

Mit drei Siegen aus Willingen im Gepäck (einmal im Mixed und zweimal im Einzel) ist Domen Prevc nach Predazzo gereist. Ein erfolgreicheres letztes Wettkampfwochenende hätte er nicht absolvieren können. Entsprechend groß ist also auch die Last, die während der Olympischen Spiele auf den Schultern des Slowenen liegt. Doch was erwartet er eigentlich selbst von sich beim großen Saisonhighlight?

„Zu Beginn der Saison habe ich mir gesagt, es gibt drei große Ereignisse. Das eine ist die Vierschanzentournee, das zweite ist die Skiflug-Weltmeisterschaft und das dritte sind die Olympischen Spiele. Und ich habe mir gesagt, wenn ich nur eines dieser Dinge gewinne, dann bin ich wirklich zufrieden. Jetzt habe ich mit der Vierschanzentournee und der Skiflug-WM schon zwei dieser Erfolge gesammelt. Daher stehe ich unter keinem Druck“, betont der Slowene und führt weiter aus: „Was auch immer in Predazzo passiert, ich werde am Ende der Saison trotzdem glücklich sein.“

Auf die Frage, ob er aktuell nicht Mitleid mit der Konkurrenz habe, antwortete er: „Ich hoffe, dass ich ihnen etwas zum Nachdenken gebe. Aber ich denke, das ist nur das Ergebnis davon, dass zum richtigen Zeitpunkt alles zusammengepasst hat – harte Arbeit in den letzten paar Saisons und dieses Jahr ganz besonders. Jeden Tag habe ich mich darauf konzentriert, etwas zu tun, das mich besser macht, das mich erfolgreich macht. Ich denke also, man muss jeden Tag konsequent arbeiten. Dann müssen die Ergebnisse kommen, egal was passiert. Ich bin einfach superglücklich, dass die Dinge zusammenkommen.“

Ob es innerlich in ihm wirklich so gelassen aussieht, wie er es auf der Pressekonferenz darstellt, kann nur er selbst beurteilen. Trotzdem wird er bei den Wettkämpfen wieder versuchen, das Maximum herauszuholen. „Ich werde das Ganze in Predazzo natürlich konzentriert angehen, aber hauptsächlich werde ich dorthin fahren, um die Olympischen Spiele zu genießen, so viel Spaß wie möglich zu haben und allen Zuschauern eine Show zu bieten.“

Seine Schwester Nika Prevc, die bei den Damen die bisherige Saison nach Belieben dominiert, musste sich im ersten Wettbewerb auf der Normalschanze am gestrigen Tag ganz knapp der Norwegerin Anna Odine Stroem geschlagen geben. Ihr war die Enttäuschung anzusehen, nachdem sie sich „nur“ mit Silber begnügen musste. Bleibt abzuwarten, ob es in einem solchen Falle bei Domen Prevc genauso wäre und ob die Olympischen Spiele nicht doch noch einmal einen größeren Stellenwert gegenüber einem Triumph bei der Vierschanzentournee oder einer WM haben.

Fakt ist jedoch, dass Domen Prevc mit einer ordentlichen Portion Selbstbewusstsein an den Start geht. Das erste Training in Predazzo am Donnerstag ließ der slowenische Fahnenträger komplett aus und absolvierte keinen der möglichen drei Sprünge. Am heutigen Sonntag um 19:00 Uhr wird dies aber sehr wahrscheinlich anders aussehen, wenn weitere drei Testsprünge im Rahmen des zweiten Trainings auf dem Programm stehen.

DSV Olympische Spiele

Am Montag steht für die Herren auf der Normalschanze in Predazzo der erste Einzelwettkampf auf dem Programm. Bundestrainer Stefan Horngacher rechnet sich speziell für die kleine Anlage viel aus, wie er uns in einem Interview bei der Generalprobe in Willingen verriet. Außerdem gibt der Bundestrainer eine Einschätzung zum derzeitigen Leistungsstand seiner Top-Athleten sowie zu den Olympia-Favoriten.

„Stefan, was rechnest du dir bei Olympia aus?“

Stefan Horngacher: „Ja, also auf der kleinen Schanze rechnet sich Deutschland immer etwas aus. Da ist man schon immer gut gewesen. Und ich glaube, wir haben mit dem Felix (Hoffmann) und Hille (Raimund) zwei ganz starke Springer, aber man darf auch den Andi (Wellinger) nicht unterschätzen. Wenn der mal in Schwung kommt mit seinem langen Hebel, den er hat, das hilft auch extrem auf der kleinen Schanze. Er hat auch schon viele Medaillen gewonnen und ist ja auch nicht umsonst Olympiasieger auf der Normalschanze. Also ich bin aktuell sehr zuversichtlich, weil wir jetzt drei Sportler haben, die wirklich auch Medaillenchancen haben. Das sind jetzt nicht irgendwie hinterhergesagte Chancen, sondern die sind realistisch. Wir müssen halt jetzt in Ruhe weitermachen und versuchen, dass wir dann am Tag X optimal dastehen.“

„Ist Domen Prevc Favorit bei allen Wettbewerben?“

Stefan Horngacher: „Also auf der kleinen Schanze kann ich mir eigentlich nicht vorstellen, dass Domen den anderen so weit vorne wegspringt. Er wird sicher vorne dabei sein, aber er wird hier nicht seinen Flug so extrem ausspielen können und so viel rausholen. Er wird sicher gut sein. Aber es werden auch so Leute wie Kobayashi oder Nikaido, vielleicht auch der eine oder andere Österreicher, der heute nicht da war (Jan Hörl, Stephan Embacher) ganz stark sein – ich glaube, die bereiten sich gerade auch richtig gut vor. Das werden ganz enge Kisten, und du kannst am Ende nur hoffen, dass du genau am Tag X die richtigen Sprünge machst. Dann bist du dabei bei der Musik – oder halt nicht.“

„Ein paar Worte zu Philipp Raimund und seinem derzeitigen Leistungsstand?“

Stefan Horngacher: „Hille hat es jetzt hier in Willingen ganz gut gemacht, aber er hat immer ein bisschen Probleme, speziell bei Aufwindverhältnissen, dass er oben durchkommt. Im ersten Sprung am Samstag hat er den Ski zu weit auseinandergenommen. Beim zweiten Sprung war es dann schon deutlich besser, aber man ist relativ schnell ein bisschen weit weg von der Elite, hier auf einer so großen Anlage. Da muss er noch ein bisschen besser werden. Und bei so Windspringen – er hat es schon ab und zu mal hinbekommen –, aber das ist ein bisschen seine Achillesferse, würde ich sagen, wo er noch nicht ganz so bereit ist. Aber in Predazzo mit dem Rückenwind, das ist genau sein Wetter, und da werden wir einiges von ihm sehen.“

„Felix Hoffmann ist in Willingen auch gut gesprungen. Man hatte bei der Skiflug-WM in Oberstdorf noch so ein bisschen den Eindruck, auch wegen seiner Verletzung, dass er ein bisschen den Anschluss verloren hat. Aber jetzt scheint er doch wieder pünktlich da zu sein?“

Stefan Horngacher: „Ja, Oberstdorf war schwierig für ihn, denn er war zwei Wochen raus, war nur einmal auf der Schanze, und dann ging es gleich zum Skifliegen. Er hat nicht ganz optimal reingefunden, von Anfang an war das schwierig, was auch verständlich war. Auch körperlich war er noch nicht da, wo er sein sollte. Jetzt wird es langsam immer besser. Technisch springt er schon wieder deutlich auf höherem Niveau, und fliegen kann er ja. In Willingen hat er so 90 Prozent seiner Leistung abrufen können.“

„Und bei Andi Wellinger ist es so, dass du auch das Gefühl hast, dass sich der Knoten jetzt gelöst hat?“

Stefan Horngacher: „Der Prozess läuft, und er hat in Willingen endlich mal im Wettkampf zwei Sprünge hingekriegt, die er schon im Training gezeigt hat. Training und Wettkampf sind immer zwei Paar Schuhe. Er hat das in Oberstdorf leider nicht hinbekommen, war dann als Vorspringer dabei, das hat er gut gemacht – richtig gut. Das Training in Willingen war dann nicht ganz optimal, aber heute hat er eine deutliche Steigerung gezeigt. Bei ihm ist es ganz, ganz wenig, und dann funktioniert das sofort richtig gut. Da bin ich echt sehr, sehr froh, dass das so ist. Und ja, logisch: Der Knoten hat sich schon länger gelöst. Er hat es nur nicht so in den Wettkampf reingebracht. Und das ist eigentlich das Wichtigste, dass er jetzt in Willingen mal ein gutes Ergebnis gemacht hat, und dann löst sich das Ding von selbst auf.“

Olympische Spiele

Nika Prevc ist geschlagen – und das ausgerechnet beim ersten Olympia-Wettkampf in Predazzo. Die erste Goldmedaille bei den diesjährigen Olympischen Spielen geht nach Norwegen an Anna Odine Stroem. Prevz landet mit 1,1 Punkten Rückstand auf dem zweiten Rang. Bronze geht an die Japanerin Nozomi Maruyama.

Mit Weiten von 100,0 und 101,0 Metern zeigt Anna Odine Stroem nicht nur den weitesten Sprung auf der Normalschanze, sondern sicherte sich auch die Goldmedaille. Mit 267,3 Punkten setze sie sich gegen die Konkurrenz durch.

Silber geht an die Slowenin Nika Prevc. Prevc, die den Absprung in beiden Durchgängen nicht ideal traf, landete im ersten Sprung bereits nach 98,0 Metern und lag damit einen Punkt hinter Stroem. Mit 99,5 Meter im zweiten Durchgang konnte sie die Norwegerin nicht mehr einholen und musste sich mit 266,2 Punkten mit Platz zwei zufriedengeben. Nozomi Maruyama (261,8 Pkt.) sicherte sich mit 97,0 und 100,0 Metern den Bronzerang.

DSV-Athletinnen ohne Medaillenchance

Bereits im vorangegangenen Probedurchgang waren die deutschen Damen abgeschlagen. Selina Freitag landete als beste Deutsche nur auf Rang 13. Im Wettkampf lief es dann zwar etwas besser, mit dem Kampf um die Medaillen hatten die DSV-Athletinnen heute jedoch nichts zu tun.

Selina Freitag, die nach dem ersten Durchgang noch auf Rang elf lag, machte mit 97,5 Metern im zweiten Sprung noch einige Plätze gut. Am Ende wurde sie als Siebte beste Deutsche. Zufrieden ist sie damit nicht, gegenüber Eurosport zeigt sie sich jedoch positiv in Hinblick auf die kommenden Wettkämpfe: „Ich konnte jetzt den zweiten Durchgang mit einem besseren Gefühl beenden. Jetzt ist der Druck weg, der zweite Sprung macht mir auf jeden Fall Hoffnung für die weiteren Wettkämpfe.“ Agnes Reisch landete auf Platz neun. Auch für Katharina Schmid lief es nicht wie gewünscht, sie musste sich mit Platz 16 zufrieden geben. Juliane Seyfarth schaffte den Sprung unter die besten 30 knapp nicht.

Ebenfalls nicht fürs Podest reichte es für die Österreicherin Lisa Eder, die auf dem vierten Platz landete. Mit Rang vier noch in Medaillenreichweite war nach dem ersten Durchgang Eirin Maria Kvandal. Diese rutschte nach ihrem zweiten Sprung jedoch noch etwas zurück und wurde am Ende Fünfte. Mit Heidi Dyhre Traaserud landete auf Platz sechs eine weitere Norwegerin. Auf Platz neun landete Nika Vodan aus Slowenien.

Top Ergebnis für Anna Twardosz, Abigail Strate enttäuscht

Zwar nicht in die Nähe der Medaillen, dafür jedoch mit dem besten Olympia-Ergebnis für die polnischen Damen überhaupt landete Anna Twardosz auf Rang zehn. Knapp hinter ihr, darüber jedoch nicht annähernd so glücklich wie die Polin, landete die Kanadierin Abigail Strate auf Rang elf.

Für die Damen geht es morgen bereits mit zwei weiteren Trainingsdurchgängen weiter, bevor am Montag dann der Mixed Bewerb auf dem Plan steht.