Nika Prevc hat sich mit einem deutlichen Vorsprung von 23,1 Punkten in Garmisch-Partenkirchen den Auftaktsieg bei der Two-Nights-Tour gesichert. Selina Freitag belegte dahinter einen starken zweiten Platz noch vor der Weltcupführenden Nozomi Maruyama aus Japan. Mit Katharina Schmid und Agnes Reisch gelang zwei weiteren deutschen Athletinnen der Sprung in die Top-10.
Bereits nach dem ersten Durchgang zeigte Nika Prevc mit einer Weite von 136,5 Metern in beeindruckender Manier auf, dass der Sieg an diesem Tag nur an ihr vorbeigehen wird. Ihre Dauerrivalin aus der diesjährigen Saison, Nozomi Maruyama, die am gestrigen Tag noch den Qualifikationssieg holte, reihte sich mit einer Weite von 127 Metern hinter der Slowenin, Selina Freitag und Lisa Eder zunächst auf Rang vier ein. Die Lücke, die Prevc zwischen sich und die Konkurrenz legen konnte, betrug schon zur Halbzeit 14,8 Punkte.
Im zweiten Durchgang baute Prevc mit einem Satz auf 134,5 Metern dieses Polster dann nochmal bis auf 23,1 Punkte aus. Zweifel an der Siegerin kamen zu keinem Zeitpunkt im Wettbewerb auf. Erfreulich aber für die rund 5.000 Zuschauer an der Großen Olympiaschanze war der starke Auftritt von Selina Freitag. Sie zeigte sich von ihrem Sturz aus Engelberg top erholt und sprang mit 127 Metern und 135,5 Metern zu ihrem ersten Podiumsergebnis in dieser Saison vor Nozomi Maruyama, die sich im zweiten Durchgang noch an der Österreicherin Lisa Eder (4.) vorbeischieben konnte.
„Ich bin richtig glücklich, vor allem nach dem Sturz in Engelberg jetzt auf dem Podest zu stehen, ist nicht ganz so selbstverständlich. Ich habe da schon etwas mit gehadert, bin aber im Training gleich gut reingekommen und habe mir da direkt wieder das Selbstvertrauen geholt. Und heute war alles mega, das Wetter, die Stimmung – es hat ultraviel Spaß gemacht. Ich saß oben auf dem Balken und habe mich einfach nur gefreut, als ich los durfte und freue mich, dass ich mich mit dem zweiten Platz auch belohnen konnte“, strahlte Freitag nach ihrem besten Saisonergebnis.
Lisa Eder bilanzierte den Wettkampf wie folgt: „Ich bin zufrieden mit dem, was in der Luft passiert ist, da geht der Schritt in die richtige Richtung. Ich war heute aber ein bisschen verkrampft, da fehlt mir noch etwas der Rhythmus. Jetzt gilt es sich schnell auf die Schanze in Oberstdorf einzustellen, Spaß zu haben und Gas zu geben.“ Ihr Cheftrainer, Ex-Vierschanzentourneesieger Thomas Diethart, zog ebenfalls ein positives Fazit. „Wir haben zwar das Podest leider ganz knapp nicht erreicht, weil die anderen Drei heute zu gut gesprungen sind, aber ich bin mit der Lisa sehr zufrieden. Sie macht ihren Job sehr gut, wird immer konstanter und die Top-Sprünge kommen langsam, von dem her bin ich sehr zufrieden.“
Agnes Reisch und Katharina Schmid punktgleich auf Rang acht
Hinter Sara Takanashi (5.), der überraschend starken Chinesin Ping Zeng (6.) sowie Abigail Strate (7.) platzierten sich Agnes Reisch und Katharina Schmid punktgleich auf Platz acht.
„Ich bin recht zufrieden. Die Sprünge waren besser als gestern und insgesamt ganz gut, noch nicht sehr gut aber das Feld ist derzeit auch so stark, da muss man wirklich Top-Sprünge zeigen, um ganz vorne zu landen. Aber ich bin ganz froh, punktgleich mit Agnes auf Platz acht zu sein und die Seli auf dem Podium- mannschaftlich kann sich das sehen lassen“, so Schmid, die sich nun auf ihre Heimatschanze in Oberstdorf freut. „Ich mag die Schanze in Oberstdorf ein bisschen mehr als die hier in Garmisch-Partenkirchen. Wichtig wird sein, dass ich mich dort einfach konzentrieren muss auf meine Aufgaben, was ich zu tun habe und dann schauen wir mal, was bei rauskommt.“
Bei Agnes Reisch überwog hingegen eher die Enttäuschung. „Es hätte besser sein können, ich bin nicht ganz zufrieden mit meinem Wettkampf. Ich weiß, dass die Sprünge auf einem extrem hohen Niveau sind aber sie waren heute nicht ganz so edel. Im Training war ich mal Dritte und jetzt war es nicht so einfach, bisschen zu passiv im ersten Versuch, bisschen zu aggressiv im Zweiten – aber immerhin ein Top-10 Ergebnis.“
Die Norwegerin Eirin Maria Kvandal (10.) komplettierte dahinter zum Auftakt der Two-Nights-Tour die Top-10.
Disqualifikation von Anna Odine Ström sorgt für Aufruhr
Die Dritte des Gesamtweltcups, Anna Odine Ström blieb in Garmisch hinter ihren eigenen Erwartungen zurück und kam nach den beiden Durchgängen nicht über Rang elf hinaus. Doch nach dem Wettkampf wurde es für die Norwegerin noch schlimmer. Medienberichten zu Folge wurde eine weitere Sohle in einem Socken entdeckt, was laut Regelwerk verboten ist. Die Folge: Disqualifikation, was nach dem Anzugsskandal ein weiteres schlechtes Licht auf die norwegische Mannschaft wirft.
Erste Weltcuppunkte für Julina Kreibich – Juliane Seyfarth verpasst Finaldurchgang
Sehr erfreulich verlief Garmisch-Partenkirchen auch für Julina Kreibich (26.) aus der nationalen Gruppe des DSV. Nachdem sie sich mit einem starken Auftritt gestern für den Wettbewerb qualifizieren konnte, zog sie zwar K.O.-Duell gegen Selina Freitag den kürzeren und schied nach dem ersten Durchgang aus, durfte sich aber dennoch über die ersten Weltcuppunkte in ihrer noch jungen Karriere freuen.
„Es war ein solider Sprung, auch wenn es für den Finaldurchgang nicht gereicht hat, bin ich sehr zufrieden. Vor dieser Kulisse zu springen war etwas ganz neues für mich, da kommt ein wenig die Nervosität mit ins Spiel, aber die Freude hat überwogen“, so Kreibich.
Juliane Seyfarth (25.) verpasste wie Kreibich den Einzug in den Finaldurchgang, nachdem sie im K.O.-Duell gegen die Chinesin Ping Zeng unterlag und ihre Punktzahl auch nicht reichte, um über die „Lucky-Loser“ weiter zu kommen.
DSV-Bundestrainer Heinz Kuttin zog nach dem Auftakt insgesamt ein positives Fazit. „Ich muss sagen, dass ich sehr zufrieden bin. Ich fang mal mit Julina Kreibich an, die ihre ersten Weltcuppunkte gesammelt hat und die hier in Garmisch vier wirklich gute Sprünge gezeigt hat. Das ist sehr gut und ist ein Beleg für die gute Nachwuchsarbeit. Jule Seyfarth hat ihren Sprung heute leider etwas verhauen, weshalb sie nicht im Finale mit dabei war. Katha Schmid und Agnes Reisch haben ein paar Kleinigkeiten in ihren Sprüngen drin gehabt, trotzdem war es ganz knapp, sonst hätten sie auch in den Top-5 landen können – das sehe ich auch sehr positiv. Gerade Agnes ärgert sich ein bisschen, dafür wird es morgen besser werden. Und die Selina hat zwei sehr gute Sprünge gemacht, speziell nach ihrem Sturz in Engelberg jetzt wieder so zurückzukommen, weit zu springen und auch noch den Telemark zu probieren – Hut ab.“
Für die Damen geht es am morgigen Tag bereits mit der zweiten Station der Two-Nights Tour in Oberstdorf weiter.

