Foto: Martina Sauerstein

Vom 22. bis 25. Januar 2026 wird auf der Heini-Klopfer-Skiflugschanze in Oberstdorf die Skiflug-Weltmeisterschaft ausgetragen. Nach der Vierschanzentournee stellt sie für die Herren das zweite große Highlight der aktuellen Wintersaison dar. Als Titelverteidiger geht Stefan Kraft an den Start, der sich 2024 am Kulm vor heimischem Publikum die Goldmedaille sichern konnte. Skispringen-News.de hat sich mit dem ÖSV-Routinier getroffen und blickt gemeinsam mit ihm sowohl auf diesen besonderen Erfolg als auch auf seine bisherige Saison zurück. Darüber hinaus spricht Kraft über sein Erfolgsrezept, mit dem er sich über Jahre hinweg erfolgreich den zahlreichen Reglementveränderungen angepasst hat.

2024 wurde die Skiflug-WM im Einzel bereits nach drei statt der ursprünglich geplanten vier Durchgänge entschieden. Während der erste Wettkampftag noch problemlos über die Bühne ging, sorgte starker Wind am zweiten Tag für lange Verzögerungen. Diese führten letztlich dazu, dass zu den beiden Sprüngen vom Vortag nur noch ein dritter Durchgang hinzukam. Stefan Kraft lag nach Weiten von 225,5 Metern und 219 Metern zunächst auf dem zweiten Zwischenrang hinter dem Slowenen Timi Zajc (228,5 m und 227 m). Mit einem starken Flug auf 228 Meter drehte „Krafti“ den Wettbewerb im dritten Durchgang jedoch noch zu seinen Gunsten und sicherte sich die Goldmedaille. Für Österreich war es der erste Einzeltitel bei einer Skiflug-WM seit dem Triumph von Gregor Schlierenzauer 2008 – ebenfalls in Oberstdorf.

Zajc fiel mit 209,5 Metern noch auf Rang drei zurück und musste sich mit Bronze begnügen. Dazwischen schob sich Andreas Wellinger, der mit 229 Metern im dritten Durchgang noch an Johann Andre Forfang und Zajc vorbeiziehen konnte. Für den Bayern war es die erste Einzelmedaille bei einer Skiflug-Weltmeisterschaft.

„Es ist schön, als amtierender Skiflug-Weltmeister nach Oberstdorf zu kommen“, sagt Kraft, für den der Triumph am Kulm 2024 einen ganz besonderen Stellenwert hat. „Das war natürlich eines meiner Karriere-Highlights, daheim am Kulm Skiflug-Weltmeister zu werden“, so der ÖSV-Athlet. Ähnlich ordnet er aber auch die Team-Goldmedaille bei den Olympischen Spielen 2022 in Peking ein. Mit Blick auf die beiden noch ausstehenden Saison-Highlights hat „Krafti“ jedenfalls klare Ziele vor Augen.

„Ich habe wunderschöne Erinnerungen an die beiden Events, auf die ich mich voll konzentriere, da der Gesamtweltcup kein Thema mehr ist.“ Diese Einschätzung ist nachvollziehbar, denn der Gesamtweltcup dürfte aller Voraussicht nach an Domen Prevc gehen, der aktuell mit einem deutlichen Vorsprung von 467 Punkten vor dem Zweitplatzierten im Gesamtweltcup, Ryoyu Kobayashi, führt.

In Topform zu Olympia – und zum Skifliegen?

„Seitdem die Vierschanzentournee vorüber ist, geht mein Fokus noch ein bisschen auf das Skifliegen, aber natürlich schon sehr viel auf Olympia. Da werde ich alles daran setzen, dass ich da in Topform bin“, erklärt Kraft. Der Österreicher zählt seit vielen Jahren zu den besten Skifliegern im Starterfeld und hielt bis zur vergangenen Saison auch den Skiflug-Weltrekord, ehe ihn Domen Prevc ablöste.

Nach einem sehr starken Saisonbeginn läuft es für Kraft derzeit allerdings noch nicht ganz rund. „Es war ganz okay bisher. Natürlich wünscht man sich immer, dass alles wie am Schnürchen läuft, aber es ist viel Arbeit und es gelingt mir immer mal wieder, einen sehr coolen Wettkampf zusammenzubringen. Es geht nicht alles leicht von der Hand, aber ich schaffe es doch immer wieder, Anwärter für einen Platz auf dem „Stockerl“ zu sein und deswegen ja solide, aber nicht ganz zufrieden.“ Bei seiner Paradedisziplin, dem Skifliegen, wird jedoch sicherlich wieder mit ihm ganz vorne zu rechnen sein.

„Ich habe immer versucht, mich nicht zu verheizen“

Dabei spielen Stefan Kraft vor allem seine schnelle Anpassungsfähigkeiten in die Karten. Während sich andere Athleten mit Regelanpassungen über die Jahre hinweg schwertaten, wirkt es bei ihm so, als könne er sich immer wieder problemlos an neue Gegebenheiten anpassen. Doch worin liegt eigentlich sein Erfolgsrezept?

„Da müssen viele Puzzleteile ineinandergreifen, und natürlich müssen auch der Background von Familie, Freunden, meinem Trainerteam und meinem Management passen. Ich habe immer darauf geachtet, dass ich mich nicht verheize, dass ich am Boden bleibe und dass ich der Stefan bleibe, der ich bin. Das hat sehr gut funktioniert, auch wenn es natürlich viel Arbeit ist. Im Sommer habe ich schon oft gedacht, jetzt wird es nichts mehr mit einem guten Stefan. Aber zum Winter hin habe ich es immer wieder geschafft und bin dabei vor allem ruhig geblieben. Skispringen kann sehr kompliziert sein, daher ist es wichtig, cool zu bleiben und in Ruhe weiterzuarbeiten – deswegen funktioniert es schon lange sehr gut.“ Und genau deshalb sollte man Stefan Kraft wohl auch bei der Skiflug-WM in Oberstdorf wieder ganz oben mit auf der Rechnung haben.

Österreich im Gold-Duell gegen Slowenien

Im Team wartet Österreich bei der Skiflug-WM im übrigen seit 2012 auf eine Goldmedaille. Damals triumphierten Thomas Morgenstern, Andreas Kofler, Gregor Schlierenzauer und Martin Koch. In den folgenden Jahren dominierten ausschließlich Norwegen und Slowenien. Während die Norweger nach den bisherigen Saisoneindrücken nicht ganz so stark einzuschätzen sind, dürfte sich der Kampf um Gold erneut zwischen Österreich und Slowenien entscheiden.

Bei der letzten Skiflug-WM 2024 am Kulm setzten sich die Slowenen mit Lovro Kos, Peter Prevc, Domen Prevc und Timi Zajc deutlich durch und hatten am Ende 26,5 Punkte Vorsprung auf das österreichische Team mit Michael Hayböck, Manuel Fettner, Jan Hörl und Stefan Kraft. Dahinter belegte die deutsche Mannschaft mit Pius Paschke, Karl Geiger, Stephan Leyhe und Andreas Wellinger den dritten Platz.

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