Skifliegen Weltcup Herren

Acht Jahre lang hielt Stefan Kraft mit 253,5 m in Vikersund den Weltrekord im Skifliegen, bis er am 30.03.2025 von Domen Prevc abgelöst wurde. Der Slowene flog vor heimischem Publikum in Planica auf 254,5 m. Doch wie lange wird dieser neue Rekord wohl Bestand haben? Wenn es nach Stefan Kraft geht, wird die Weite schon bald wieder übertroffen werden.

Wie weit kann es auf den Skiflugschanzen künftig noch gehen? Diese Frage haben wir kürzlich Ex-Skiflugweltrekordler Stefan Kraft gestellt und von ihm folgende Antwort erhalten: „Man muss schauen, ob sie heuer schon irgendwo runtergegraben haben, weil ja jetzt auch ein neues Reglement erlaubt ist (schmunzelt er). Deswegen glaube ich auch, dass der Weltrekord von Domen nicht lange halten wird“, so der Österreicher. Voller Respekt vor der derzeitigen Leistung von Prevc fügt er seiner Aussage jedoch noch hinzu: „Er hat aber natürlich auch die beste Chance, ihn selbst wieder zu schlagen, weil er einfach in Topform ist.“

Kraft bezieht sich bei seinen Einschätzungen auf die jüngsten Änderungen der FIS, die nun einen um fünf Meter erhöhten Höhenunterschied vom Ende des Schanzentisches bis zum tiefsten Punkt der Anlage zulassen (von bisher 135 auf 140 Meter). Dadurch könnten künftig Skiflüge bis zu 270 m Realität werden. Medienberichten zufolge hat Planica bereits konkrete Pläne, die bestehende Skiflugschanze zu erweitern. Hierfür sollen finanzielle Mittel in Höhe von rund 2,69 Millionen Euro bereitstehen, die von der slowenischen Regierung bereits bewilligt worden sein sollen. Sicherlich wird auch Vikersund versuchen, hier mitzuziehen; schließlich hat man sich in der Vergangenheit immer wieder mit Planica um den Weltrekord duelliert.

Natürlich würde sich dabei auch Stefan Kraft wünschen, den Rekord irgendwann selbst wieder zurückzuerobern. „Skifliegen ist meine Lieblingsdisziplin, und ich freue mich immer wieder sehr darauf. Wenn ich die Chance bekomme, werde ich sie immer nutzen.“ Bis dahin bleiben ihm die Erinnerungen an seinen persönlichen Highlight-Flug vom 18. März 2017 auf 253,5 m.

Skiflug-Weltrekord hat höchsten Stellenwert für Domen Prevc

Nachdem Domen Prevc sich bereits letzte Saison in Trondheim zum Weltmeister krönte, folgte in diesem Winter mit dem Gewinn der Vierschanzentournee, der Goldmedaille bei Olympia, dem Triumph bei der SKiflug-WM sowie dem Sieg im Gesamtweltcup eine beeindruckende Erfolgsserie. Im Eurosport Interview gab Prevc jedoch kürzlich zu, dass ihm der Skiflug-Weltrekord persönlich bis heute am meisten bedeutet.

ÖSV Skiflug-Weltmeisterschaften

Vom 22. bis 25. Januar 2026 wird auf der Heini-Klopfer-Skiflugschanze in Oberstdorf die Skiflug-Weltmeisterschaft ausgetragen. Nach der Vierschanzentournee stellt sie für die Herren das zweite große Highlight der aktuellen Wintersaison dar. Als Titelverteidiger geht Stefan Kraft an den Start, der sich 2024 am Kulm vor heimischem Publikum die Goldmedaille sichern konnte. Skispringen-News.de hat sich mit dem ÖSV-Routinier getroffen und blickt gemeinsam mit ihm sowohl auf diesen besonderen Erfolg als auch auf seine bisherige Saison zurück. Darüber hinaus spricht Kraft über sein Erfolgsrezept, mit dem er sich über Jahre hinweg erfolgreich den zahlreichen Reglementveränderungen angepasst hat.

2024 wurde die Skiflug-WM im Einzel bereits nach drei statt der ursprünglich geplanten vier Durchgänge entschieden. Während der erste Wettkampftag noch problemlos über die Bühne ging, sorgte starker Wind am zweiten Tag für lange Verzögerungen. Diese führten letztlich dazu, dass zu den beiden Sprüngen vom Vortag nur noch ein dritter Durchgang hinzukam. Stefan Kraft lag nach Weiten von 225,5 Metern und 219 Metern zunächst auf dem zweiten Zwischenrang hinter dem Slowenen Timi Zajc (228,5 m und 227 m). Mit einem starken Flug auf 228 Meter drehte „Krafti“ den Wettbewerb im dritten Durchgang jedoch noch zu seinen Gunsten und sicherte sich die Goldmedaille. Für Österreich war es der erste Einzeltitel bei einer Skiflug-WM seit dem Triumph von Gregor Schlierenzauer 2008 – ebenfalls in Oberstdorf.

Zajc fiel mit 209,5 Metern noch auf Rang drei zurück und musste sich mit Bronze begnügen. Dazwischen schob sich Andreas Wellinger, der mit 229 Metern im dritten Durchgang noch an Johann Andre Forfang und Zajc vorbeiziehen konnte. Für den Bayern war es die erste Einzelmedaille bei einer Skiflug-Weltmeisterschaft.

„Es ist schön, als amtierender Skiflug-Weltmeister nach Oberstdorf zu kommen“, sagt Kraft, für den der Triumph am Kulm 2024 einen ganz besonderen Stellenwert hat. „Das war natürlich eines meiner Karriere-Highlights, daheim am Kulm Skiflug-Weltmeister zu werden“, so der ÖSV-Athlet. Ähnlich ordnet er aber auch die Team-Goldmedaille bei den Olympischen Spielen 2022 in Peking ein. Mit Blick auf die beiden noch ausstehenden Saison-Highlights hat „Krafti“ jedenfalls klare Ziele vor Augen.

„Ich habe wunderschöne Erinnerungen an die beiden Events, auf die ich mich voll konzentriere, da der Gesamtweltcup kein Thema mehr ist.“ Diese Einschätzung ist nachvollziehbar, denn der Gesamtweltcup dürfte aller Voraussicht nach an Domen Prevc gehen, der aktuell mit einem deutlichen Vorsprung von 467 Punkten vor dem Zweitplatzierten im Gesamtweltcup, Ryoyu Kobayashi, führt.

In Topform zu Olympia – und zum Skifliegen?

„Seitdem die Vierschanzentournee vorüber ist, geht mein Fokus noch ein bisschen auf das Skifliegen, aber natürlich schon sehr viel auf Olympia. Da werde ich alles daran setzen, dass ich da in Topform bin“, erklärt Kraft. Der Österreicher zählt seit vielen Jahren zu den besten Skifliegern im Starterfeld und hielt bis zur vergangenen Saison auch den Skiflug-Weltrekord, ehe ihn Domen Prevc ablöste.

Nach einem sehr starken Saisonbeginn läuft es für Kraft derzeit allerdings noch nicht ganz rund. „Es war ganz okay bisher. Natürlich wünscht man sich immer, dass alles wie am Schnürchen läuft, aber es ist viel Arbeit und es gelingt mir immer mal wieder, einen sehr coolen Wettkampf zusammenzubringen. Es geht nicht alles leicht von der Hand, aber ich schaffe es doch immer wieder, Anwärter für einen Platz auf dem „Stockerl“ zu sein und deswegen ja solide, aber nicht ganz zufrieden.“ Bei seiner Paradedisziplin, dem Skifliegen, wird jedoch sicherlich wieder mit ihm ganz vorne zu rechnen sein.

„Ich habe immer versucht, mich nicht zu verheizen“

Dabei spielen Stefan Kraft vor allem seine schnelle Anpassungsfähigkeiten in die Karten. Während sich andere Athleten mit Regelanpassungen über die Jahre hinweg schwertaten, wirkt es bei ihm so, als könne er sich immer wieder problemlos an neue Gegebenheiten anpassen. Doch worin liegt eigentlich sein Erfolgsrezept?

„Da müssen viele Puzzleteile ineinandergreifen, und natürlich müssen auch der Background von Familie, Freunden, meinem Trainerteam und meinem Management passen. Ich habe immer darauf geachtet, dass ich mich nicht verheize, dass ich am Boden bleibe und dass ich der Stefan bleibe, der ich bin. Das hat sehr gut funktioniert, auch wenn es natürlich viel Arbeit ist. Im Sommer habe ich schon oft gedacht, jetzt wird es nichts mehr mit einem guten Stefan. Aber zum Winter hin habe ich es immer wieder geschafft und bin dabei vor allem ruhig geblieben. Skispringen kann sehr kompliziert sein, daher ist es wichtig, cool zu bleiben und in Ruhe weiterzuarbeiten – deswegen funktioniert es schon lange sehr gut.“ Und genau deshalb sollte man Stefan Kraft wohl auch bei der Skiflug-WM in Oberstdorf wieder ganz oben mit auf der Rechnung haben.

Österreich im Gold-Duell gegen Slowenien

Im Team wartet Österreich bei der Skiflug-WM im übrigen seit 2012 auf eine Goldmedaille. Damals triumphierten Thomas Morgenstern, Andreas Kofler, Gregor Schlierenzauer und Martin Koch. In den folgenden Jahren dominierten ausschließlich Norwegen und Slowenien. Während die Norweger nach den bisherigen Saisoneindrücken nicht ganz so stark einzuschätzen sind, dürfte sich der Kampf um Gold erneut zwischen Österreich und Slowenien entscheiden.

Bei der letzten Skiflug-WM 2024 am Kulm setzten sich die Slowenen mit Lovro Kos, Peter Prevc, Domen Prevc und Timi Zajc deutlich durch und hatten am Ende 26,5 Punkte Vorsprung auf das österreichische Team mit Michael Hayböck, Manuel Fettner, Jan Hörl und Stefan Kraft. Dahinter belegte die deutsche Mannschaft mit Pius Paschke, Karl Geiger, Stephan Leyhe und Andreas Wellinger den dritten Platz.

Weltcup Weltcup Herren

Nachdem seine Schwester im heutigen Wettkamp bereits ganz oben auf dem Treppchen stand, flog Domen Prevc am Abend seiner Konkurrenz davon. Stefan Kraft wird im ersten Wettkampf nach seiner Baby-Pause Zweiter, während Philipp Raimund die deutsche Fahne auf Rang drei hoch hält.

Viel zu sehen gab es in Klingenthal aufgrund des immer dichter werdenden Nebels kaum etwas, das tat der Stimmung der fast 8.000 Fans im Stadion jedoch keinen Abbruch. Besonders die Sprünge von Domen Prevc, der auf 142,5 und 143,0 Meter flog, brachten die Menge zum kochen. Mit 298,5 Punkten siegte er überlegen vor Stefan Kraft. Kraft meldet sich in seinem ersten Wettkampf nach der kurz eingelegten Baby-Pause mit gewohnter Stärke zurück. Mit 132,5 und 133,5 Metern und 273,0 Punkten lag er zwar mit einem Abstand von 25,5 Punkten deutlich hinter Prevc, konnte sich jedoch über Platz zwei freuen. Auch der Sieger der Qualifikation am Vortag, Philipp Raimund (271,9 Pkt.), lies die heimischen Zuschauer jubeln. Mit Weiten von 134,0 und 131,0 Metern landete er nur knapp hinter Kraft auf dem dritten Platz.

Raimund zeigte sich im Interview nach dem Springen zufrieden: „Im letzten Sprung habe ich leider ein bisschen die Kante verfehlt. Das ist mir hier schon so oft passiert, dass ich es gar nicht mehr zählen kann, aber den ersten hab‘ ich mega getroffen und der war echt schön. Und wenn ich morgen dann zweimal die Kante treffe, dann sieht es auch gleich nochmal ein Stückchen besser aus.“

Auf Platz vier landete der Japaner Ren Nikaido, der nach Durchgang eins noch auf Platz 11 lag. Mit 133,0 Metern im zweiten Durchgang konnte er es sich jedoch eine ganze Weile in der Leaders-Box gemütlich machen, auch wenn es nicht mehr für das Podest reichte. Sein Landsmann Ryoyu Kobayashi startete in Durchgang zwei ebenfalls eine kleine Aufholjagd und verbesserte sich von Platz 13 noch auf den fünften Platz.

Norweger stark formverbessert

Anders lief es dagegen für Jan Hörl, der nach Durchgang eins noch auf Platz drei lag, sich am Ende jedoch mit dem sechsten Platz zufrieden geben musste. Auf den Rängen Sieben, Acht und Zehn landeten mit Halvor Egner Granerud, Kristoffer Eriksen Sundal und Johann Andre Forfang außerdem drei Norweger unter den besten Zehn. Komplettiert wurden diese von Timi Zajc auf Platz Neun.

Deutsches Team enttäuscht, Wellinger vor Weltcuppause

Das deutsche Team zeigte sich ausgenommen von Philipp Raimund wahrlich nicht von der besten Seite. Einzig Felix Hoffmann konnte sich überhaupt in den Punkten platzieren, wurde jedoch auch nur 29. Pius Paschke erwischte ganz schlechte Bedingungen und kam damit nicht in die Finalrunde. Am Ende wurde er 41. Knapp vor ihm Andreas Wellinger auf Rang 40. Dieser kündigte im Interview mit BR24 Sport bereits an, dass er in Engelberg nicht am Start sein wird. Für Luca Roth, der Karl Geiger in Klingenthal ersetzte, lief es ebenfalls nicht gut. Er kam nicht über einen 45. Platz hinaus.

Auch das polnische Team konnte heute nicht überzeugen. Der junge Kacper Tomasiak lag zwar nach Durchgang Eins noch auf einem aussichtsreichen fünften Platz, landete im zweiten Durchgang jedoch bereits bei 126,5 Metern und rutschte bis auf den 18. Rang durch. Damit wurde er jedoch immer noch bester Pole vor Kamil Stoch (20.), Maciej Kot (25.) und Piotr Zyla (28.).

Am morgigen Sonntag findet auf der heute neu benannten Harry-Glaß-Schanze (näheres dazu folgt in den kommenden Tagen) in Klingenthal ein weiterer Einzelwettkampf der Männer statt. Start der Qualifikation ist hier um 14:30 Uhr, ehe es um 16:00 Uhr mit dem Wettkampf los geht.

Offizielles Ergebnis

ÖSV Raw Air Skifliegen Weltcup Weltcup Herren

An diesem Wochenende gastiert der Skisprungzirkus im norwegischen Vikersund. Vikersund – da war doch etwas? Richtig, am 18. März 2017 segelte Stefan Kraft auf dem dortigen „Monsterbakken“ zum bis heute ungebrochenen Weltrekord von 253,5 Metern. Wir haben zusammen mit dem Österreicher noch einmal auf diesen einzigartigen Flug zurückgeschaut und ihn gleichzeitig auch zu seiner Einschätzung über den 291-Meter-Flug von Ryoyu Kobayashi im Winter befragt, der außerhalb der Wettkämpfe stattfand und daher „nur“ inoffiziellen Charakter hat.

Rückblickend beschreibt Kraft den Tag, an dem er den Weltrekord mit einer Weite von 253,5 Metern knackte, gegenüber Skispringen-News.de wie folgt: „Ich habe gewusst, dass jeder Sprung eine Chance ist, Weltrekord zu fliegen. Die Bedingungen an dem Tag waren einfach super! Im ersten Moment meines 253,5 Meter-Fluges habe ich dann allerdings nicht gedacht, dass es mit diesem Versuch gelingt, denn ich war ein bisschen spät am Absprung. Aber ich glaube jetzt im Nachgang, dass es genau das Richtige war!“, so der Österreicher.

Bei der 100-Meter-Marke kam der Glaube zurück. „So bei 100 Metern habe ich mir gedacht, oh, das könnte doch was werden. Und bei 150 Metern habe ich gemerkt, oh ja, das wird wahrscheinlich Weltrekord.“ Mit zunehmender Weite kamen die Gedanken: „Irgendwo bei 200 Metern sind mir echt viele Gedanken durch den Kopf gegangen. Ich dachte, ich muss den nur irgendwie stehen – nicht mit dem Arsch in den Schnee oder mit den Händen in den Schnee.“ Als er sicher landete, brach die pure Freude aus. „Dann ist das Adrenalin gekommen und viele Emotionen, die man nicht vergessen wird.“

Der Rekord hält – zur Überraschung auch von Kraft selbst

Ob sein Weltrekord in naher Zukunft gebrochen wird, bleibt abzuwarten. Auch Kraft selbst ist erstaunt, dass seine Bestmarke seit mittlerweile sieben Jahren unangefochten ist: „Ich habe kürzlich noch mit Michi (Hayböck) hierüber gesprochen. Es ist echt schon sehr lange, aber es hat an diesem Tag einfach alles zusammengepasst. Es war eine Chance, die ich ausnutzen konnte.“

Krafts Einschätzung zu Kobayashis 291-Meter-Flug

Zuletzt sorgte Ryoyu Kobayashi mit einem spektakulären Flug über 291 Meter in Island für Schlagzeilen – allerdings unter speziellen Bedingungen und außerhalb des Wettkampfbetriebs. Als amtierender Weltrekordhalter hat sich auch Kraft natürlich intensiv mit dem Thema beschäftigt und sich das Video genaustens angesehen: „In erster Linie ist es ein brutales Projekt gewesen. Da kann man nur den Hut ziehen, wie man sowas aufziehen kann. Was man da für Mittel haben muss, was da alles dahinter steckt – Respekt!“

Besonders beeindruckte Kraft der Mut von Kobayashi: „Dort herunterzuspringen ohne Vorspringer und ohne, dass das zuvor überhaupt von Jemandem getestet wurde…da muss man echt großen Mut besitzen.“ Gleichzeitig hätte er sich gewünscht, selbst Teil des Projekts zu sein: „Natürlich wären wir alle gerne geflogen. Wenn sie zehn Leute mitgenommen hätten, hätte ich mich natürlich sehr, sehr gefreut. Das ist das weinende Auge dabei.“

Dennoch erkennt Kraft die Dimension dieses Flugs an: „Es war ja kein Ende in Sicht. Es hat so ausgesehen, als wären auch 350 Meter möglich gewesen. Sehr beeindruckend, wie sie das dort aufgestellt und umgesetzt haben.“

Ob Kobayashis Flug die Zukunft des Skifliegens beeinflussen wird oder ob Krafts offizieller Weltrekord auch weiterhin bestehen bleibt, wird die Zeit zeigen. Doch eines ist sicher: der Österreicher bleibt einer der größten Skiflieger aller Zeiten.

Kraft erneut stark in Vikersund – Topform in der Qualifikation

Dass er nach wie vor zu den besten Skifliegern der Welt gehört, bewies Kraft auch in der gestrigen Qualifikation in Vikersund. Mit 226 Metern stellte er seine herausragenden Skiflug-Qualitäten einmal mehr unter Beweis und erzielte die drittbeste Weite. Nach Punkten landete er hinter dem Slowenen Domen Prevc (236 Meter) auf Platz zwei und holte sich damit viel Selbstvertrauen für die beiden Wettkämpfe am heutigen Samstag bzw. morgigen Sonntag.

Weltcup Weltcup Herren

Am frühen Freitagmorgen deutscher Zeit starteten die Herren bei ihrer nächsten Weltcup-Station im japanischen Sapporo in das Training und die Qualifikation für den ersten Einzelwettbewerb am Samstag. Ganz vorne im Feld waren einmal mehr die Österreicher zu finden. Für ein Ausrufezeichen im Training sorgte aber der Norweger Robin Pedersen, der das zweite Training für sich entscheiden konnte.

Angeführt von Stefan Kraft, der mit einer Weite von 134,5 Metern und 125,9 Punkten den ersten Platz belegte, dominierte das österreichische Team die Qualifikationsrunde in Sapporo. Daniel Tschofenig und Jan Hörl folgten auf den Plätzen zwei und drei und bewiesen mit Sprüngen von jeweils 132,0 Metern ebenfalls weiterhin ihre Ansprüche auf die Podestplätze. Auch Maximilian Ortner sicherte sich mit einer Weite von 133,5 Metern einen respektablen fünften Platz, was die Dominanz der österreichischen Mannschaft weiterhin unterstreicht. Johann André Forfang aus Norwegen, der zuletzt im amerikanischen Lake Placid seinen ersten Saisonsieg feiern konnte, reihte sich als Vierter ebenfalls in Schlagdistanz ein.

Die größte Weite des Tages und ein neuer (aber nicht offizieller) Schanzenrekord gelang Robin Pedersen. Im zweiten Trainingssprung zeigte der Norweger einen Satz auf 152,5 Meter, den er überraschend sogar ohne in den Schnee greifen zu müssen, stehen konnte. Damit führte er das zweite Training deutlich an. Der Weltcup-Führende Daniel Tschofenig entschied das erste Training für sich.

Für das deutsche Team heißt es weiterhin sich von hinten nach vorne zu arbeiten. Als bester Deutscher in der Qualifikation zeigte sich Pius Paschke, der nach einer kurzen Pause in den Weltcup zurückkehrt ist. Mit einem Sprung auf 131,5 Meter belegte er den 18. Platz. Dahinter reihten sich Adrian Tittel als 20., Felix Hoffmann als 22. und Andreas Wellinger als 26. ein. Stephan Leyhe bildete das Schlusslicht der deutschen Mannschaft auf Platz 31.

Pech hatte in der Qualifikation vor allem der japanische Oldie Noriaki Kasai, der mit seinen 52 Jahren in seiner Heimat einen weiteren Weltcupstart erhalten hat. An der Qualifikation scheiterte der Zuschauerliebling jedoch als 52. des Feldes. Im Einzelwettbewerb am Samstag fehlt Kasai damit leider. Um 07:10 Uhr MEZ (15:10 Uhr LOC) geht’s weiter in Japan (live bei Eurosport).

Vierschanzentournee Weltcup Weltcup Herren

Stefan Kraft hat in der Qualifikation für das morgige Finale der Vierschanzentournee den stärksten Eindruck hinterlassen. Nach seinem gestrigen Sieg in Innsbruck setzte er sich auch heute in Bischofshofen mit einem Sprung auf 142 Meter (155,4 Punkte) gegen die gesamte Konkurrenz durch. ÖSV-Nachwuchshoffnung Maximilian Ortner (139,5m/147,2 Punkte) sowie der Schweizer Gregor Deschwanden (142m/146,6 Punkte) reihten sich auf den Plätzen zwei und drei ein. Kraft untermauerte damit noch einmal eindrucksvoll seine Ambitionen im Hinblick auf den goldenen Adler.

Kraft, Hörl oder Tschofenig: wer wird die 73. Vierschanzentournee für sich entscheiden? In der Tourneewertung trennen die drei bärenstarken Österreicher vor dem finalen Showdown am morgigen Tag gerade einmal 1,3 Punkte. Wenn es nach den heutigen Eindrücken geht, deutet vieles auf Stefan Kraft hin. Denn im ersten Training hatte der aktuelle Tourneeleader auf Anhieb die Nase vorne und konnte mit Rang zwei im zweiten Probeversuch den starken Eindruck noch einmal bestätigen. In der anschließenden Qualifikation führte ebenfalls kein Weg an dem erfahrenen Routinier vorbei, was ihn für das große Finale morgen gegenüber seinen beiden Landsmännern vielleicht in eine ganz kleine Favoritenstellung bringt.

„Wenn es läuft, dann läuft es. Ich habe mich sehr gut eingesprungen auf die Schanze hier in Bischofshofen, bin immer lockerer geworden und wusste von Sprung zu Sprung genau, was zu tun ist. Es hat richtig viel Spaß gemacht“, strahlte Kraft, der damit gleichzeitig eine Kampfansage in Richtung seiner beiden ärgsten Kontrahenten im Kampf um die Tourneewertung abgab. Während sich Daniel Tschofenig (137m/146,3 Punkte) hinter Ortner und Deschwanden, punktgleich mit dem Polen Pawel Wasek auf Platz vier einreihte, schloss Hörl (139m/145,8 Punkte) die Qualifikation dahinter auf dem sechsten Rang ab.

„Es ging schonmal in die richtige Richtung. Jetzt in der Quali war es ein bisschen auf der späten Seite bei mir, also es ist einfach eine Timinggeschichte. Aber ich weiß, was ich zu tun habe und kenne die Schanze gut, von daher freue ich mich morgen auf den Wettkampf“, so Hörl, der folgende Einschätzung zum Dreikampf um die Tourneewertung abgibt: „Stefan hat letztes Jahr hier in Bischofshofen gewonnen. Er kennt das und er hat den Adler schon, sodass ich glaube, dass er am wenigsten Druck hat. Von dem her werden wir versuchen, dass wir, die beiden Jüngeren, den Älteren noch ein bisschen ärgern.“ Was Hörl in jedem Fall als positives Element aus dem heutigen Tage mitnehmen kann, ist sein starker zweiter Probesprung. In diesem Versuch ließ er auch Kraft ganz knapp hinter sich.

Bei Daniel Tschofenig stimmt die Tendenz ebenfalls, nachdem er in den beiden Trainingssprüngen zunächst „nur“ die Plätze sieben und elf erreichte. „Es ist viel drin morgen. Die heutigen Sprünge waren allerdings noch nicht wirklich gut. Den in der Quali habe ich wenigstens auf dem Tisch wieder halbwegs getroffen, was Selbstvertrauen bringt, weil die beiden Sprünge vorher echt schlecht waren“, bilanzierte er im Anschluss am Mikrofon des ZDF.

ÖSV-Cheftrainier Andreas Widhölzl fasst die Ausgangslage wie folgt zusammen: „Grundsätzlich liegt allen Drei die Schanze, sie sind auch alle hier schon sehr gut gesprungen. Ich glaube, das entscheidende ist, wer morgen am besten auf dem Punkt ist, wer am coolsten bleibt, und wer auch das nötige Glück hat. Ich denke einfach der, der an dem Tag am besten in Form ist und am besten performt, wird gewinnen.“

Die Top-10 in der Qualifikation komplettierten der Norweger Benjamin Oestvold (7.), der Japaner Ryoyu Kobayashi (8.), Andreas Wellinger als bester Deutscher auf Rang 9 sowie der immer stärker werdende Slowene Domen Prevc (10.).

Alle DSV-Adler qualifiziert

Erfreulich aus deutscher Sicht ist, dass alle sechs Athleten die Qualifikation für den Abschlusswettbewerb der Vierschanzentournee geschafft haben. Im Tagesklassement reihten sich wie folgt ein: Andreas Wellinger (9.), Pius Paschke (13.), Philipp Raimund (15.), Karl Geiger (16.), Felix Hoffmann (37.), Adrian Tittel (44.).

„Heute haben sich alle ein bisschen freigesprungen von dem Tag gestern, der für uns nicht leicht war. Es waren durchaus gute Sprünge dabei. Zur Spitze fehlt noch etwas, aber wir sind auf dem richtigen Weg. Jetzt heißt es, sich morgen noch ein bisschen zu steigern und dann sind wir wieder mit dabei“, so Horngacher.

Raimund, der seine deutlich aufsteigende Form auch in Bischofshofen bestätigen konnte, fasste den Tag wie folgt zusammen: „Ich bin insgesamt sehr, sehr zufrieden mit den Sprüngen hier. Im letzten Versuch wäre sogar noch einiges mehr möglich gewesen, demnach kann ich mit viel Selbstvertrauen morgen wieder reinstarten.“

Granerud vs. Paschke – eines der spannendsten K.O. Duelle

In einem der spannendsten K.O. Duelle des morgigen Tages treffen der Norweger Halvor Egner Granerud und Pius Paschke aus Kiefersfelden aufeinander. Die weiteren Begegnungen mit deutscher Beteiligung lauten: Karl Geiger vs. Sakutaro Kobayashi, Felix Hoffmann vs. Johann Andre Forfang, Philipp Raimund vs. Naoki Nakamura, Andreas Wellinger vs. Roman Koudelka und Adrian Tittel vs. Benjamin Oestvold.

Vierschanzentournee Weltcup Weltcup Herren

Am Bergisel, der berüchtigten „Schicksalsschanze“, mussten sich schon viele Skispringer endgültig vom Traum des goldenen Adlers verabschieden. Vor allem die deutschen Skispringer wie Richard Freitag und Karl Geiger mussten hier (zum Teil mehrfach) ihre Tourneehoffnungen begraben, so auch in diesem Jahr. Anders ergeht es derzeit den starken ÖSV-Adlern, die sich scheinbar von nichts und niemandem aus der Ruhe bringen lassen – auch nicht von einem ausverkauften Stadion in Innsbruck.

Die rot-weiß-rote Mannschaft springt weiterhin in einer eigenen Liga: Der Tournee-Führende Daniel Tschofenig sprang im ersten Durchgang bereits auf beeindruckende 132,5 Meter. Stefan Kraft zog auf seiner Lieblingsschanze nach und ließ nichts anbrennen. Der Sieger der gestrigen Qualifikation, Jan Hörl, setzte er als Letzter des ersten Durchganges noch eins drauf. Dank der guten Verhältnisse und einem absoluten Top-Sprung auf 134 Meter machte er gegenüber seinen Teamkollegen in der Tournee-Wertung sogar etwas an Boden gut und setzte sich in Führung.

Im Finale lieferten sich die drei ÖSV-Topspringer Tschofenig, Kraft und Hörl dann ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen am Bergisel. Der Sieg ging nach einem bärenstarken zweiten Sprung auf 132,5 Meter an Stefan Kraft, der damit seinen allerersten Sieg auf seiner Lieblingsschanze Bergisel sichern konnte. „Es ist ein ganz besonderer Tag, ein echter Kindheitstraum für mich. Jetzt gibt es dann erstmal eine Lasagne, das ist mein Lieblingsessen. Es wird eher ein ruhiger Abend, den Partymodus heben wir uns für den 06. Januar auf“, so Kraft nach seinem Tagessieg. Mit 1,4 Punkten setzte er sich schlussendlich gegen Jan Hörl durch. Tschofenig kam 10 Punkte hinter Kraft auf dem dritten Platz ein.

In der Tournee-Gesamtwertung ist Stefan Kraft damit mit 0,9 Punkten an Jan Hörl vorbeigezogen. Daniel Tschofenig liegt mit 1,3 Punkten ebenfalls nur minimal dahinter.

Deutsche Tournee-Hoffnungen endgültig abgehakt

Für den ersten DSV-Starter Felix Hoffmann lief es im Wettbewerb nicht optimal: Er erwischte keinen guten Sprung und verlor sein Duell. Seine Weite von 115,5 Metern reichte auch nicht für die fünf Lucky Loser. Adrian Tittel hatte ebenfalls Pech und landete zu früh auf 114 Metern. Er schied nach dem ersten Durchgang gegen seinen Duell-Partner Roman Koudelka aus Tschechien aus.

Karl Geigers Duell-Partner, der Amerikaner Kevin Bickner, legte mit 125,5 Metern gut vor. Karl Geiger schaffte zwar eine ähnliche Weite von 124 Metern, strauchelte jedoch bei der Landung, was ihn entscheidende Punkte bei den Haltungsnoten kostete. Damit verpasste er nicht nur den direkten Einzug ins Finale, sondern erlitt auch erneut einen Tiefschlag bei der Vierschanzentournee am Bergisel – eine Schanze, mit der sich der Oberstdorfer vermutlich nicht mehr anfreunden wird. Auch bei Andreas Wellinger geht es aktuell alles andere als leicht von der Hand. Er reihte sich auf dem 13. Platz sein.

Pius Paschke hingegen erwischte im ersten Durchgang endlich wieder einen ordentlichen Sprung auf 128,5 Meter. Dennoch fehlten ihm die entscheidenden Meter zur Spitze, und der Rückstand auf die starken Österreicher wuchs weiter an. Bei seinem zweiten Sprung fehlte ihm dann die Windunterstützung, um noch weitere Plätze gutmachen zu können. Er landete schließlich auf Platz acht. Die deutschen Hoffnungen dürften damit nach der dritten Station endgültig abgehakt sein.

Philipp Raimund, der nach einem starken vierten Platz im Probedurchgang große Erwartungen hatte, fand im ersten Durchgang nicht ganz zu einem lockeren Sprung. „Ich habe jetzt hier in Innsbruck funktioniert wie ein Uhrwerk. Nach dem vierten Platz im Probedurchgang habe ich mir mehr erhofft, wahrscheinlich ein bisschen zu viel. Daher hatte ich dann nicht so ganz die feine Klinge“, erklärt er nach seinem 15. Rang in der ARD. Den positiven Trend nimmt er aber dennoch mit: „Nichtsdestotrotz bin ich sehr zufrieden mit Innsbruck. Man sieht den Aufwärtstrend und dass ich schon Vierter in einem Probedurchgang werden kann verspricht viel.“

Forfang und Deschwanden verlieren weiter an Boden

Gregor Deschwanden erwischte im ersten Durchgang keine einfachen Bedingungen, zeigte aber mit 126 Metern einen starken Sprung. Dennoch verlor er im ersten Durchgang einige Plätze und Meter gegen das starke ÖSV-Trio um Hörl, Kraft und Tschofenig. Im Finale konnte er sich erneut ein wenig anpirschen und sich zumindest auf Platz vier in Schlagdistanz halten. Johann André Forfang konnte als Fünfter insgesamt nicht ganz so gut dagegenhalten. Beide büßten erneut einige Punkte gegen die ÖSV-Adler in der Tournee-Wertung ein.

Für beide dürfte der Kampf in Bischofshofen eine mehr als schwere Aufgabe werden. Das Podest in der Gesamtwertung ist bei beiden mit mehr als 23 bzw. 34 Punkten Rückstand in weite Ferne gerückt. Eins dürfte aber bereits jetzt feststehen: Der Sieger der diesjährigen Vierschanzentournee wird aus Österreich kommen. Die Frage bleibt nur, welcher Name am Ende ganz oben stehen wird.

zum Gesamtstand 73. Vierschanzentournee 2024/25

Vierschanzentournee Weltcup Weltcup Herren

Nach dem spannenden Auftaktspringen zur 73. Vierschanzentournee steht für die Skispringer am heutigen Montag ein Ruhetag auf dem Programm, ehe es traditionell an Silvester und Neujahr in Garmisch-Partenkirchen weitergeht. Wir haben mal versucht zu beleuchten, wem die Große Olympiaschanze mehr und wem eher weniger entgegen kommt.

Bei Betrachtung der Ergebnislisten aus den letzten beiden Jahren sticht bei den Herren vor allem ein Name hervor: Anze Lanisek. Dieser feierte im vergangenen Winter nicht nur den Sieg auf der Großen Olympiaschanze, sondern war im Jahr zuvor auch starker Zweiter. Nach einem schwierigen Saisonstart ging die Formkurve des Slowenen zuletzt steil bergauf. Den Auftaktwettbewerb in Oberstdorf – eine Schanze, auf der er sich immer eher schwer tut, schloss er am Sonntag auf Platz 15 ab. Bei den vorangegangenen Weltcups lag er zuletzt jedoch auch schon unter den Top-10 des Gesamtklassements. Man darf daher gespannt sein, ob er von seinen guten Auftritten in Garmisch aus jüngerer Vergangenheit zehren und die starken Österreicher bei der zweiten Tourneestation an der Spitze ein wenig aufmischen kann.

Stichwort Österreich und Stefan Kraft: Für den Führenden in der Tourneewertung ist Garmisch-Partenkirchen zuletzt häufig so etwas wie die „Schicksalsschanze“ gewesen, etwa vergleichbar mit dem Bergisel in Innsbruck für das deutsche Team. Kraft scheint rechtzeitig zur Tournee die passende Form erreicht zu haben, doch bezwingt er auch die Anlage in Garmisch? Er selbst sagt: „Ich habe in den letzten Wochen viel probiert und vielleicht auch auf das ein oder andere gute Ergebnis verzichtet, weil ich noch ein bisschen mit dem Gefühl in der Hocke sowie dem Material gespielt habe. In Engelberg habe ich das schon gut aussortieren können, aber dass das jetzt so gut aufgeht, macht mich schon sehr happy.“
Auf Garmisch angesprochen führt er aus: „Es ist immer so ein bisschen das Problemkindchen bei mir, aber ich habe einen guten Sommer dort gehabt und konnte auch einen Trainingswettkampf gewinnen. Deshalb gehe ich optimistisch ans Werk“, so Kraft. Der Trend gibt ihm dabei in jedem Fall recht, denn beim letzten Weltcup zu Jahresbeginn 2024 erreichte er einen vorzeigbaren sechsten Rang. Schwieriger war es 2023, als er nicht über den 18. Platz hinaus kam oder 2022 als er auf Position 59 bereits an der Qualifikation zum Wettbewerb scheiterte.

Und wie sieht es bei den beiden anderen österreichischen Überfliegern Jan Hörl (aktuell Tourneezweiter) und Daniel Tschofenig (aktuell Tourneedritter) aus? Hörl zeigte sich in den Vorjahren in Garmisch zweimal konstant als Fünfter und Tschofenig reihte sich auf den Rängen 18 und 7 ein. Doch Beide kommen derzeit in einer solchen Überform daher, dass sie die Sprünge fast vom Fließband aus abrufen können. Oder etwa doch nicht?

„Wir wissen, dass Garmisch nicht immer die leichteste Schanze für uns ist. Aber wir haben ein extrem starkes Team und wissen auch, was zu tun ist“, äußert sich Tschofenig eher verhalten. Etwas euphorischer ist da schon Cheftrainer Andreas Widhölzl, der in der Vergangenheit eher Oberstdorf als Schwachpunkt für die Österreicher ausgemacht hat. „Ich bin froh, dass Oberstdorf hinter uns liegt, was für uns eher die Angststation war. In den letzten Jahren waren wir hier nie so gut und sind danach immer erst besser geworden. Die Vorzeichen sind also ganz gut.“

Und aus deutscher Sicht? Pius Paschke belegte bei den Neujahrsspringen zuletzt die Plätze 24 und 10. Doch da sich der Routinier aus Kiefersfelden derzeit in der Form seines Lebens befindet, fällt es schwer, diese Resultate als Maßstab heranzuziehen. Wichtig wird für ihn auf jeden Fall sein, möglichst nah an den drei Österreichern dranzubleiben und wenn einer von ihnen eine Schwäche zeigt, passend zur Stelle zu sein. Seine deutliche Leistungssteigerung gegenüber den beiden Wettbewerben in Engelberg und während des Oberstdorf-Wochenendes spielen ihm dabei mental in die Karten.

Von den reinen Ergebnissen aus den beiden Vorjahren war Andreas Wellinger in Garmisch zuletzt bester DSV-Athlet. 2024 stand er als Dritter hinter Anze Lanisek und Ryoyu Kobayashi auf dem Podium, im Jahr zuvor belegte er Rang acht. Vielleicht können ihn die positiven Erinnerungen hieran etwas beflügeln, damit er sich von seinem derzeitigen 20. Tourneeplatz aus weiter nach vorne arbeiten kann.

Wer die Anlage in Garmisch ebenfalls sehr mag, ist Stephan Leyhe. Er beschreibt uns im Gespräch die Schanze wie folgt: „Sie hat einen knackigen, also eher scharfen Radius. Der Tisch ist von der Tendenz her ein bisschen kürzer und man erreicht eine eher höhere Flugkurve. Mir macht es dort immer sehr viel Spaß und es ist auch neben Bischofshofen meine Lieblingstourneeschanze.“ Vielleicht ein gutes Omen für eine vordere Platzierung, die Leyhe nach dem 48. Platz beim Auftaktspringen in Oberstdorf mit Blickrichtung auf die weiteren Weltcupwettbewerbe auch dringend braucht. Ähnlich wie sein Teamgefährte Philipp Raimund, der mit dem 40. Rang beim Auftaktspringen ebenfalls deutlich hinter seinen eigenen Erwartungen und Möglichkeiten zurückblieb.

In Garmisch stößt zum aktuellen A-Kader dann auch die nationale Gruppe hinzu, zu der u.a. Markus Eisenbichler zählen wird. Nach seiner Nichtnominierung in Oberstdorf ist davon auszugehen, dass er dem Trainerteam eine deutliche Leistungssteigerung zeigen und damit zugleich auch den Druck auf Leyhe und Raimund noch einmal erhöhen möchte. Neben Eisenbichler nominierte Bundestrainer Stefan Horngacher für Garmisch auch Felix Hoffmann, Constantin Schmid und Luca Roth.

Weltcup Weltcup Herren

Daniel Tschofenig hat sich in Engelberg den zweiten Weltcupsieg seiner Karriere gesichert und damit eine perfekte Generalprobe für die bevorstehende Vierschanzentournee abgeliefert. Der 22-Jährige trotzte dem dichten Schneetreiben und setzte sich am Ende vor seinen beiden Teamkollegen Jan Hörl und Stefan Kraft durch, die den Dreifachsieg für die österreichische Mannschaft perfekt machten. Als bester Deutscher belegte Karl Geiger den neunten Platz.

„Die Österreicher machen einen unheimlich starken und geschlossenen Eindruck gerade, aber man sollte es jetzt auch nicht überbewerten. Es sind immer Momentaufnahmen, in Oberstdorf kann die Welt wieder ganz anders ausschauen“, sagte Geiger nach dem Wettkampf am ARD-Mikrofon. Zu seinem persönlichen Ergebnis führt er aus: „Es war mein bisher bestes Wochenende in diesem Weltcupwinter. Meine heutigen beiden Sprünge waren auf einem guten Niveau, aber auch noch mit Potential nach oben. Es waren noch keine Oberraketen, aber ich bin gut ins Gleiten gekommen“, so der Oberstdorfer nach seinen Flügen auf 133,5 Meter und 132,5 Meter.

Die Machtdemonstration der Österreicher begann schon im ersten Durchgang. Mit einem Sprung auf 135 Meter führte Tschofenig das Feld an vor Stefan Kraft, der die gleiche Weite erzielte. Nur dem Schweizer Gregor Deschwanden gelang es zur Halbzeit das bärenstarke österreichische Trio an der Spitze zu sprengen. Jan Hörl sortierte sich dahinter auf der vierten Position ein, der jedoch mit einem Fabelsprung auf 138,5 Meter im zweiten Durchgang noch einmal kontern konnte. Zwar fehlten ihm in der Endabrechnung 5,1 Punkte auf Tschofenig, allerdings gelang es ihm sich mit diesem Satz noch auf den zweiten Platz nach vorne zu schieben. Tschofenig wiederum ließ im Finale nichts mehr anbrennen und feierte nach 137,5 Metern seinen zweiten Weltcupsieg.

„Es ist schon ziemlich genial. Bei diesem Wetter mit dem leichten Schneefall und uns Dreien auf den Plätzen 1-3 ist es fast schon ein wenig kitschig. Viel besser kann man es fast nicht haben. Wir gehen nun sehr zufrieden in die Weihnachtspause“, freute sich Tschofenig. Sein Teamkollege Hörl fasste das Geschehen wie folgt zusammen: „Es war ein cooles Wochenende für mich, nicht nur durch den gestrigen Sieg, sondern auch mit dem heutigen Dreifacherfolg. Jetzt können wir mit einem guten Gefühl in die kurze Pause gehen und dann in Oberstdorf wieder angreifen.“

Auch Stefan Kraft war mit seinem dritten Rang am Ende mehr als zufrieden: „Wir haben uns nach der gestrigen Weihnachtsfeier heute ein kleines Weihnachtsgeschenk gemacht. Ich bin mega happy mit dem dritten Platz. Die Sprünge waren sehr gut, obwohl ich am Schanzentisch zweimal ein bisschen zu spät dran war. Aber ich konnte viel aussortieren und habe viel richtig gemacht.“

ÖSV-Shootingstar Maximilian Ortner trumpft weiterhin auf

Für großes Aufsehen sorgte einmal mehr auch Maximilian Ortner, der zunächst die auf den frühen Vormittag vorgezogene Qualifikation gewann. Im Wettkampf stellte er mit zwei Sprüngen auf jeweils 134 Meter dann noch einmal seine Klasse unter Beweis und wurde Sechster. „Mit dem Qualisieg habe ich mir heute schon ein kleines Weihnachtsgeschenk gemacht. Meine Sprünge sind eigentlich von Tag zu Tag besser geworden, daher bin ich sehr zufrieden mit dem Wochenende. Jetzt genieße ich ein paar ruhige Tage mit der Familie und dann geht’s mit voller Energie nach Oberstdorf.“

Norweger mit deutlichem Aufwärtstrend

Doch nicht nur die Österreicher schossen sich in Engelberg auf die Tournee ein, auch die Norweger machten einen großen Schritt nach vorne. Vor allem Johann Andre Forfang, der einen starken Wettkampf zeigte und sich im Finale noch an Deschwanden (am Ende Platz 5) vorbeikämpfte. Als bester „Nicht-Österreicher“ belegte er in der Endabrechnung den vierten Rang. Und auch Kristoffer Eriksen Sundal (Platz 7) und Benjamin Oestvold (Platz 8) schafften den Sprung in die Top-10, was den Norwegern entsprechend Auftrieb geben sollte.

Rückschlag für Pius Paschke – nur drei Deutsche im Finale

Für die deutsche Mannschaft lief die Generalprobe hingegen nicht wie erhofft. Neben Karl Geiger waren lediglich Andreas Wellinger (Platz 15) und Pius Paschke (Platz 18) noch im zweiten Durchgang vertreten. Stephan Leyhe (Platz 32), Adrian Tittel (Platz 41), Philipp Raimund (Platz 45) und Markus Eisenbichler (Platz 47) mussten allesamt im Finaldurchgang zuschauen.

„Heute war es mannschaftlich wirklich nicht so gut. Es war zu wenig Dynamik am Schanzentisch. Zudem haben wir den Schwerpunkt nicht optimal gefunden und auch die Flugperformance war nicht optimal. Immerhin hat sich Karl noch ganz gut rausgearbeitet, was positiv zu bewerten ist“, bilanziert Cheftrainer Stefan Horngacher am ARD-Mikrofon. Zu Pius Paschke, der in dieser Saison bereits fünf Weltcupsiege erzielt hat, heute jedoch nicht über Platz 18 hinauskam, führt er aus: „Pius war leicht krank und ist körperlich nicht ganz fit nach Engelberg angereist. Die Position und der Absprung hat bei ihm an diesem Wochenende nicht zu 100% gepasst und dann fällt man in diesem engen Feld leider schnell weit zurück.“

Entscheidung um die deutschen Tourneeplätze fällt am morgigen Montag

Wie Stefan Horngacher weiter bekannt gab, wird die deutsche Tourneemannschaft am morgigen Montag endgültig festgelegt. Während Pius Paschke, Andreas Wellinger, Karl Geiger und Adrian Tittel schon vor dem Engelberg-Wochenende als gesetzt galten, konnten Stephan Leyhe, Markus Eisenbichler und Philipp Raimund noch ihre Empfehlung für die verbleibenden beiden Tickets abgeben. Alle Drei blieben jedoch an beiden Wettkampftagen weit hinter ihren eigenen Möglichkeiten zurück, weshalb es keinen klaren Favoriten gibt und eine enge Entscheidung werden wird.