Nach dem deutlichen Formanstieg in Sapporo sowie bei der Skiflug-WM in Oberstdorf platzte am gestrigen Tag mit dem dritten Platz in Willingen für Karl Geiger wohl endgültig der Knoten. Doch obwohl er als bester Deutscher auf das Podium sprang, wird er bei den Olympischen Spielen fehlen. Wie er das Ganze selbst empfindet und welch große Bedeutung für ihn der dritte Platz hat, erklärte er unmittelbar nach dem Wettbewerb im Rahmen der Top-3-Pressekonferenz.
Karl, was für eine sichtbare Freude und Erleichterung für dich. Du springst hier beim Heimweltcup in Willingen vor vollem Haus, nach einer – kann man so sagen – ziemlich verkorksten Saison aufs Podium. Was hat da bei dir jetzt gezündet und was bedeutet dir dieser Erfolg? Du hast ja deine große Freude förmlich aus dir herausgeschrien.
Karl Geiger: „Es war wirklich ein sehr besonderer Moment für mich, weil es sich diese Saison noch nicht abgezeichnet hat, dass ich in der Lage bin, aufs Podium zu springen. Aber die letzten zwei Wochen waren sehr produktiv, effektiv und es gingen wirklich die Schritte in die richtige Richtung. Und ja, heute habe ich einfach zwei wirklich gute Sprünge gemacht und ich bin unglaublich glücklich, erleichtert und dankbar, dass mir das gelungen ist.“
Und es gibt ja dann nochmal eine Chance auf eine Top-Platzierung bei einem weiteren Weltcup hier auf der Mühlenkopfschanze. Aber leider findet Olympia ohne dich statt. Das war ja nun eines der großen Ziele. Du scheinst wirklich diesen Tiefschlag sehr gut verdaut zu haben. Oder liegt es jetzt vielleicht gerade daran, dass du da frei bist und dass der Druck weg ist? Wie empfindest du das?
Karl Geiger: „Also der Olympia-Schlag sitzt schon noch, so ist es nicht. Das ist schon ein großes Ziel gewesen. Hätte man mich jetzt aber vor drei Wochen gefragt, hätte ich auch gesagt, da habe ich nichts verloren. In der aktuellen Form, wo ich bin, brauche ich da auch nicht irgendwie an den Start gehen, weil ich nicht um die Medaille mitkämpfen kann. Mittlerweile sieht das ein bisschen anders aus. Ich bekomme ein bisschen Schwung, deshalb ist es sehr schade. Aber nichtsdestotrotz, es gibt einfach eine Deadline. Bis dahin habe ich es nicht geschafft. Von dem her nehme ich das so, wie es ist. Ich bin jetzt froh, dass es trotzdem in die richtige Richtung geht, dass die Sprünge wieder kommen und das möchte ich mitnehmen.“
Hast du in der Zwischenzeit, die ja lange gedauert hat, bis du es jetzt geschafft hast, auch mal gedacht, ich werfe alles hin?
Karl Geiger: „Ja, klar. Ich denke auch, dass das gerade auch menschlich ist. Ich bin in die Saison reingestartet und habe nur Haue gekriegt. Da kämpft man auf einmal darum, ob man die Quali schafft oder nicht. Und um den zweiten Durchgang zu erreichen, war es zeitweise auch noch so, dass ich gesagt habe, da brauche ich jetzt einen richtig guten Sprung, verhältnismäßig, dass ich das überhaupt schaffe. Das ist nicht mein Anspruch. Da gehen natürlich schon viele Gedanken durch den Kopf, die definitiv nicht positiv sind. Da braucht man nicht reden. Nach dem Weltcup in Wisla, wo ich zweimal in der Quali ausgeschieden bin, bin ich in mich gegangen und habe mir gedacht, wie gehe ich jetzt die restliche Saison an. Ich habe auch meine Sprungtechnik mal ziemlich auf den Kopf gestellt. Ich hatte dann zwei Wochen Auszeit, habe dort trainiert. Dort gingen auch schon Schritte vorwärts. Aber dann kommt man zur Vierschanzentournee und scheidet wieder in der Quali aus. Da muss man dann schon mit sich selber sehr arg kämpfen, damit man überzeugt bleibt, dass es der richtige Weg ist und man kontinuierlich dran bleibt. Ich habe es trotzdem weiterhin versucht, weiterhin durchgezogen. Ich hatte dann ein paar Sprünge dabei, wo ich gemerkt habe, hier komme ich weiter und hier komme ich nicht weiter. Die Sachen habe ich für mich versucht zu sortieren. Und langsam schließt sich das System wieder ein bisschen kompakter zusammen.“
In so einer Situation wie jetzt, wo du noch nicht so dieses Selbstvertrauen gefasst hast, einen starken ersten Sprung gezeigt hast, dass du dann den zweiten genauso gut oder sogar noch besser machst und weiterspringst. Hättest du dir das zugetraut, dass du dir wieder diese Konstanz zeigen würdest?
Karl Geiger: „Ja, ich weiß schon, dass ich das kann. Ich habe aber auch diese Saison wieder dazulernen müssen. In Japan war ich auch schon mal in einer guten Ausgangssituation und habe es dann weggeworfen. Den Fehler wollte ich nicht nochmal machen. Mir ist dort auch ein Sprungfehler passiert, wo ich gemerkt habe, das geht momentan einfach überhaupt nicht. Deshalb habe ich versucht, das rhythmisch zu lösen und mich nicht zu sehr auf das Ergebnis zu versteifen. Ich versuche einfach, meinen Sprung zu machen.“
Würdest du auch so weit gehen nach dieser ganzen Leidenszeit durch dieses Tal, dass es auch mit einer der bedeutendsten dritten Plätze überhaupt für dich in deiner Karriere ist heute?
Karl Geiger: „Ja, würde ich schon so sagen. In dieser Saison habe ich es nicht mehr so auf den Schirm gehabt, dass ich noch auf das Podium springe, sondern ich habe mir gedacht, ich muss mich jetzt irgendwie aus dem Sumpf wieder rausziehen. Was auch immer dann kommen mag, ich möchte diesen Weg gehen, aber ich versuche mich möglichst von den Ergebnissen zu lösen, was natürlich nicht einfacher ist, wenn man dann wieder keine zweiten Sprünge kriegt und so weiter. Aber dieser dritte Platz bedeutet mir unglaublich viel.“
