Photo Credit: action press / Yohei Osada

Nach ihrem Triumph auf der Normalschanze hat sich Anna Odine Stroem (284,8 Punkte) in Predazzo auch auf der Großschanze die Goldmedaille gesichert. Die Norwegerin schrieb damit zugleich Geschichte: Sie ist die erste Olympia-Siegerin überhaupt bei den Damen auf der Großschanze, da der Wettbewerb seine Premiere feierte. Rang zwei ging an ihre Teamkameradin Eirin Maria Kvandal (282,7 Punkte) vor der Slowenin Nika Prevc (271,5 Punkte). Die DSV-Damen bleiben erstmals bei den Olympischen Spielen ohne eine Medaille.

Nach den Eindrücken aus den Trainingsdurchgängen deutete einiges auf ein Gold-Duell zwischen Eirin Maria Kvandal und Nika Prevc hin. Doch wie schon auf der Normalschanze setzte sich unter dem Strich Anna Odine Stroem überraschend gegen die nominellen Top-Favoritinnen durch. Nach dem ersten Durchgang hatte noch ihre Teamgefährtin Eirin Maria Kvandal mit einem Sprung auf 129 m in Führung gelegen, Stroem folgte mit einem Sprung auf 130,5 m auf Rang zwei. Die Plätze drei und vier gingen mit Silje Opseth (126,5m) und Heidi Dyhre Traaserud (124,5m) ebenfalls nach Norwegen. Nika Prevc, die sich nach der Silbermedaille auf der Normalschanze ihren Goldtraum erfüllen wollte, kam nicht über Rang fünf hinaus.

Windbedingungen wirbeln ersten Durchgang durcheinander

Maßgeblich geprägt wurde der erste Durchgang vor allem durch den Wind. Kvandal, die im Vergleich zu den übrigen Favoritinnen etwas früher an der Reihe war, erwischte bei ihrem Versuch noch eine gute Phase. Nach den 129 m war ihre Freude im Auslauf eher verhalten, da sie sich nach dem Training doch mehr ausgerechnet hatte. Wieviel Wert dieser Sprung war, wurde erst danach klar, als der Rückenwind bei den Weltcupbesten gegen Ende stark zunahm. So erwischte es zunächst die Slowenin Nika Vodan, die bei 112 m landete und mit Rang 12 nach dem ersten Durchgang schon aussichtslos zurücklag. Auch Sara Takanashi kam nicht über 114 m hinaus (P17), Katharina Schmid strandete sogar schon bei 96,5 m (P42). Und aus deutscher Sicht sollte es bitter weitergehen, denn auch Agnes Reisch (111 m/P13) hatte mit der Medaillenentscheidung schon zur Halbzeit nichts mehr zu tun. Die Jury reagierte darauf und ging vor Abigail Strate zwei Luken nach oben. Da sich die Windbedingungen jedoch nur leicht verbesserten, war es für die Folgeathletinnen ebenfalls schwierig, vorne hineinzuspringen. So war auch für die zuvor hochgehandelte Kanadierin Strate (117 m/P26) klar, dass sie heute leer ausgehen würde. Gleiches galt im Anschluss auch für Selina Freitag (115,5 m/P28). Anna Odine Stroem war die einzige Dame aus dem Topklassement, der es gelang, mit Kvandal mitzuhalten. Auch Lisa Eder (P15/125,5 m), Nozomi Maruyama (P7/128 m) und Nika Prevc (P5/128 m) bissen sich im ersten Durchgang an den Bedingungen die Zähne aus.

Im zweiten Durchgang gelang es Nika Prevc (127,5 m) dann, die norwegische Vierfachführung aus dem ersten Durchgang noch zu sprengen und immerhin noch an Opseth (125,5 m) und Traaserud (119,5 m) vorbeizuziehen. Mit der Bronzemedaille wird die Slowenin jedoch nach der bisher so famosen Weltcupsaison nicht wirklich zufrieden sein. An der Spitze entschied derweil Anna Odine Stroem den Wettkampf knapp für sich und krönte sich mit einem Sprung auf 132 m zur Doppel-Olympiasiegerin. Ausschlaggebend hierfür waren gegenüber Kvandal, die im Finale eineinhalb Meter weiter als Stroem sprang, vor allem die deutlich besseren Haltungsnoten.

Schwedin Frida Westman auf starkem vierten Rang

Einen starken Wettkampf lieferte auch Frida Westman (129,5 m/127,5 m; 265,4 Punkte) ab. Bereits nach dem ersten Durchgang fand sich die Schwedin auf dem sechsten Rang wieder und arbeitete sich im Finale sogar noch bis auf Position vier nach vorne. Nicht auszudenken, was für sie ohne die regelmäßig vorgenommene „freiwillige Lukenverkürzung“ heute möglich gewesen wäre. Aufgrund ihrer drei Kreuzbandrisse gehen sie und ihr Trainer Roar Ljökelsöy allerdings weiterhin kein Risiko ein und nehmen den Druck bei der Landung etwas heraus.

Silje Opseth (126,5 m/125,5 m; 262,6 Punkte) rundete dahinter die Top 5 ab, vor ihrer Teamkollegin Heidi Dyhre Traaserud (124,5 m/119,5 m; 259,1 Punkte). Die Österreicherin Lisa Eder (125,5 m/132 m; 257,6 Punkte) verbesserte sich dank eines starken zweiten Sprungs noch auf Rang sieben vor Nozomi Maruyama (128 m/125 m; 257,0 Punkte/8.) und Nika Vodan (112 m/129,5 m; 254,9 Punkte/9.).

DSV-Damen bleiben ohne olympische Medaille

Das deutsche Team hatte nach der schlechten Ausgangsposition aus Durchgang eins erwartungsgemäß nichts mehr mit der Entscheidung um Edelmetall zu tun. Agnes Reisch (111m/123m; 244,2 Punkte) platzierte sich als beste DSV-Dame auf Rang zehn. Selina Freitag (115,5m/124m; 229,7 Punkte) arbeitete sich im zweiten Durchgang noch bis auf Platz 17 nach vorne, haderte allerdings verständlicherweise mit sich und den Olympischen Spielen, wo sie sich deutlich mehr ausgerechnet hatte. „Im Ersten waren einfach zu viele Fehler drin, und ich weiß auch gar nicht, wie der Wind war. Aber im Zweiten hatte ich wieder relativ viel Rückenwind. Manchmal soll es einfach nicht sein – es ist mega ärgerlich. Aber es bringt nichts, einfach weitermachen. Für mich lief es echt nicht wie erhofft, und die Schanzen kamen mir nicht so entgegen, wie ich es mir vorgestellt hatte. Es war vom Springen her sehr zäh, aber rundum war es wirklich ein cooles Event. Es hat mega Spaß gemacht, vor allem, dass so viele Zuschauer da waren und dass die Familie dabei sein konnte – die sehe ich ja nicht so oft. Deshalb war es trotzdem ein schönes Event, auch wenn es sportlich nicht so gepasst hat“, erklärte Freitag gegenüber dem ZDF.

Juliane Seyfarth (119m/109m; 217,2 Punkte), die krank in den Wettkampf ging, fiel nach einem schwachen zweiten Sprung im Endklassement bis auf Platz 23 zurück. Nach Durchgang eins hatte sie als beste DSV-Dame noch auf Rang neun gelegen.

Besonders bitter verlief der letzte olympische Wettkampf für Katharina Schmid (42.), die den Finaldurchgang der Top-30 deutlich verpasste. Entsprechend enttäuscht zeigte sie sich im Anschluss am ZDF-Mikrofon. „Ich wusste, es wird schwierig. Die Schanze liegt mir nicht. Und ja, es tut einfach nur weh. Klar weiß ich, dass ich schon zwei olympische Medaillen habe, aber dann hätte ich ja schon vorher aufhören können, wenn ich gewusst hätte, dass es so ausgeht. Ich dachte, ich schaffe es vielleicht noch etwas weiter nach vorne zu kommen, auch in der Saison, die jetzt schon recht schwierig für mich war. Aber das ist schon hart jetzt, und es wird wohl auch noch eine Weile weh tun – aber auch das vergeht“, so Schmid.

Damen-Bundestrainer Heinz Kuttin: „Unser Team war etwas zu schwach, um hier wirklich ganz vorne mitzukämpfen“

Die deutsche Mannschaft bleibt damit seit der Zugehörigkeit des Damenskispringens zu den Olympischen Spielen ohne eine Medaille. „Wir sind mit dem Ziel hierher gefahren, eine Medaille zu holen. Ich glaube, wir hätten es drauf gehabt, speziell im Mixed-Team. Und ja, im Einzel wollten wir einfach ein bisschen zu viel. Man hat gemerkt, dass wir, wenn es zäh wird, kleine Fehler machen – und diese werden direkt mit der Höchststrafe bestraft. Man kann jetzt über den Wind oder andere Dinge reden, aber unter dem Strich war unser Team etwas zu schwach, um hier wirklich ganz vorne mitzukämpfen“, bilanzierte Heinz Kuttin im ZDF.

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