Foto: Martina Sauerstein

Pünktlich zur Qualifikation in Garmisch-Partenkirchen hat Domen Prevc wieder abgeliefert. Der Weltcup- und Vierschanzentourneeführende erhielt für einen Sprung auf 139,5 Meter insgesamt 150,6 Punkte. Damit setzte sich der Slowene vor den beiden Österreichern Jan Hörl (138m/146,2 Punkte) und Stephan Embacher (145,5m/143,2 Punkte) durch. Insgesamt sechs DSV-Adler schafften die Qualifikation und werden am Neujahrstag mit dabei sein.

Für Domen Prevc begann der Tag mit Platz sechs im ersten Trainingsdurchgang nicht ganz wie erhofft. Zur Verwunderung der 7.000 Zuschauer ließ er den zweiten Probeversuch anschließend aus, um Körner für die Qualifikation zu sparen. Diese Taktik ging voll auf und der Slowene war, als es darauf ankam, wieder zur Stelle. Später in der Mixed-Zone erklärte er sein strategisches Vorgehen. „Am Morgen habe ich mich nicht so gut gefühlt und das Training lief auch nicht so gut, deshalb habe ich die zweite Runde ausgelassen“, begründete er seine Entscheidung und führte mit Blickrichtung auf die Planung des Silvesterabends aus: „Ich möchte einfach entspannt bleiben, mich ausruhen und so viel wie möglich schlafen, denn morgen ist der Wettkampf und meine Beine sind schon etwas steif. Daher möchte ich mich einfach ausruhen und morgen in Bestform sein“, so Prevc.

Auch der Zweitplatzierte in der Qualifikation, Jan Hörl, sparte in Garmisch-Partenkirchen ein paar Körner und lies den ersten Probeversuch aus. Im zweiten Trainingsdurchgang platzierte er sich dann (unter Abwesenheit von Domen Prevc) ganz vorne. In der anschließenden Qualifikation sprang er bis auf 4,4 Punkte an Prevc heran. „Ich glaube, dass ich einen guten Job gemacht habe und etwas näher an Domen herangerückt bin. Vielleicht sieht er jetzt, dass der Abstand geringer wird und fängt an, nachdenklich zu werden oder darüber zu grübeln“, schmunzelt Hörl, der seinerseits sehr zufrieden war und darauf hofft, dass das neue Jahr für ihn in ähnlicher Form beginnt. „Die Tournee ist generell sehr kräftezehrend, aber der eigentliche Plan dahinter, warum ich einen Durchgang ausgelassen habe war, dass die ersten Sprünge auf einer Schanze immer meine besseren sind. Daher wollten wir mal ausprobieren, einen Versuch einzusparen und es hat ganz gut funktioniert“, so der Österreicher weiter.

Stephan Embacher mit zweitem Schanzenrekord binnen weniger Tage

Für den größten Paukenschlag sorgte allerdings sein Landsmann Stephan Embacher, der mit 145,5 Metern einen neuen Schanzenrekord in Garmisch-Partenkirchen aufstellte. Dem Youngster aus dem Team von Andreas Widhölzl gelang dieses Kunststück zuvor bereits in Engelberg, bei der Generalprobe für die Vierschanzentournee.

Dahinter konnte sich Anze Lanisek (4.) Selbstvertrauen holen, nachdem die Formkurve des Slowenen zuletzt nach unten gezeigt hatte. Als bester Deutscher platzierte sich Philipp Raimund in der Qualifikation auf dem fünften Rang. „Es war ein gelungener Jahresabschluss. Der Sprung war auf einem ziemlich guten Level, weshalb ich mit einem guten, lockeren Gefühl in den Wettkampf hineinstarten kann. Es war zwar noch eine kleine Ecke drin, aber wie sagt man so schön: der perfekte Sprung gelingt einem vielleicht einmal in der ganzen Karriere. Aber nichtsdestotrotz, ich habe ein gutes Gefühl und kann daher auch versöhnlich mit 2025 abschließen“, so Raimund.

Neben ihm konnte auch Felix Hoffmann als Achter wieder in die Top-10 springen. „Mein Resümee fällt wieder positiv aus. Ich bin gleich im Training wieder gut reingekommen, dann mit der Mittagspause war es heute für uns ein bisschen ungewöhnlich, ich konnte aber die Zeit gut nutzen, um etwas herunterfahren. Und der Qualisprung würde ich sagen war wieder einer mit viel Vertrauen, der gut funktioniert hat. Ich ärgere mich aber noch so ein bisschen über das Ausfahren nach der Landung, weil die Punkte hätte ich gerne noch mitgenommen“, bilanzierte Hoffmann im Anschluss in der Mixed-Zone. Zwischen den beiden derzeitigen Top-Athleten des DSV reihten sich Ren Nikaido (6.) und Manuel Fettner (7.) ein. Kamil Stoch und Timi Zajc teilten sich punktgleich den neunten Platz.

Kobayashi, Tschofenig und Kraft lassen Luft nach oben – Granerud disqualifiziert

Für Ryoyu Kobayashi (11.), Daniel Tschofenig (13.) und Stefan Kraft (25.) lief die Qualifikation nicht ideal. Man darf gespannt sein, ob sie am morgigen Tag noch zulegen können. Vor allem Tschofenig, der nach dem Auftaktspringen in der Tournee-Gesamtwertung derzeit hinter Prevc auf Platz zwei liegt und um die Titelverteidigung kämpft. „Prinzipiell bin ich gut reingestartet in Garmisch, aber es gibt auch noch Luft nach oben. Hoffentlich gelingt es mir, dies morgen zu zeigen“, schildert er. Sein Landsmann Stefan Kraft führt aus: „Es ist schon bisschen gemein, wenn es ohnehin schon nicht ganz so leicht von der Hand geht und dann vor mir wieder um zwei Luken verkürzt wird. Zudem ist dann auf einmal plötzlich wieder aus Aufwind Rückenwind geworden, und wenn man dann nicht das Selbstvertrauen hat, killt es dich. Das sieht man derzeit oft bei mir, was ich zugeben muss. Mein Niveau ist gerade irgendwo von Platz fünf bis zehn und dann wird es mir durch solche Sachen noch schwerer gemacht, sodass dann auch schon mal Rang 25 bei herauskommt. Daran muss ich weiter arbeiten“, so Kraft.

Noch schlechter lief es allerdings für Ex-Vierschanzentourneesieger Halvor Egner Granerud, der nach der Materialkontrolle disqualifiziert wurde und das Neujahrspringen damit morgen verpassen wird.

Sechs Deutsche nehmen am Neujahrsspringen teil

Neben Raimund und Hoffmann lösten auch Pius Paschke (20.), Ben Bayer und Andreas Wellinger (beide punktgleich 27.) sowie Karl Geiger (31.) das Ticket für den morgigen Wettbewerb. „Der Sprung war solide, vor allem weil die Idee gestimmt hat, die ich über die drei Sprünge hinweg verfolgt habe und es stetig besser geworden ist“, freute sich Paschke. Auch Wellinger wirkte mit seinem Abschneiden durchaus zufrieden. „Es war ein Schritt nach vorne. Natürlich würde ich auch gerne Hill-Size springen, aber ich weiß, dass das nicht von heute auf morgen funktioniert. Aber der Tag heute war besser und konstanter als zuletzt – also die Richtung stimmt.“ Ähnlich positiv bewertet auch Geiger seinen Jahresabschluss: „Das Jahr so zu beenden, ist durchaus ordentlich. Die Tagesaufgabe für heute ist gemacht und es war wieder ein Schritt in die richtige Richtung. Da muss ich jetzt dranbleiben.“

Für die größte Überraschung unter den DSV-Adlern sorgte Ben Bayer, der aus der nationalen Gruppe den Sprung in den Wettbewerb schaffte. „Ich bin sehr glücklich, der Sprung war gut und auch das Gefühl, über längere Zeit in der Leadersbox stehen zu dürfen, war cool. Vorher war ich schon ein bisschen nervöser als sonst, weil es auch meine erste Vierschanzentournee ist und es schon anders ist, wenn so viele Leute zuschauen“, gab Bayer zu.

Constantin Schmid (51.), Luca Roth (54.) und Max Unglaube (65.) bleibt hingegen nur die Zuschauerrolle. „Der Sprung war ok, es war jetzt keine Bombe aber auch kein schlechter Versuch im Rahmen meines derzeitigen Leistungsstands. Es war maximal knapp mit der Qualifikation und es ist letztlich natürlich schade, dass es nicht gereicht hat, um morgen mit dabei sein zu dürfen“, so Schmid.

KO-Duelle der Deutschen im Überblick:

Andreas Wellinger vs. Robin Pedersen, Ben Bayer vs. Sandro Hauswirth, Karl Geiger vs. Pius Paschke, Felix Hoffmann vs. Fatih Arda Ipcioglu und Philipp Raimund vs. Eetu Nousiainen.

Das neue Jahr beginnt für die Herren am 01.01.26 um 12:30 Uhr mit einem Probedurchgang, ehe ab 14:00 der Wettkampf auf dem Programm steht.

>>> Ergebnis Qualifikation

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