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Foto: FIS Ski Jumping Chaikovsky
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Das slowenische Team ist Jahr für Jahr ein wenig die Wundertüte unter den Top-Nationen. Im Hinblick auf die kommende Saison stehen wieder zahlreiche junge und erfahrene Springer mit gewaltigem Potenzial zur Verfügung, allerdings sind einige davon eher unsichere Kantonisten. Bei den Damen ist zumindest mit Gesamt-Weltcup-Siegerin aber zumindest eine Springerin mit dabei, die konstant in der absoluten Spitze mitwirkt. Offene Fragen gibt es vor dem Saisonstart dennoch wahrlich genügend.

Lange hat sich die kleine Skisprungverrückte Nation Slowenien auf die Skiflug-WM in Planica gefreut. Allerdings entwickelte sich das Event für die Gastgeber-Nation eher zum Alptraum. Wenngleich die Wettbewerbe aus dem März in den Dezember geschoben wurden, fanden sie aufgrund der Pandemie ohne Zuschauer statt. Die ohnehin gedämpfte Stimmung wurde durch die mehr als enttäuschenden Ergebnisse zudem noch mal deutlich schlechter. Anze Lanisek räumte als Zwölftplatzierter die beste Einzelplatzierung ab, ehe das Team zumindest den vierten Platz erspringen konnte. Dies geriet aber um den Disput von Timi Zajc und Gorazd Bertoncelj fast ein wenig unter. Der Springer hatte seinem Coach via Social Media die Schuld an der schlechten Form gegeben, worauf Bertoncelj seinen Stuhl räumte und Zajc vorübergehend aus dem Weltcup-Team ausgeschlossen wurde.

Im weiteren Saisonverlauf gelang es vor allem Anze Lanisek und abschnittsweise auch Bor Pavlovcic, die slowenische Fahne hochzuhalten. Ersterer präsentierte sich auch bei der WM in Oberstdorf in Top-Form und erreichte Rang fünf von der Großchance und Bronze von der Normalschanze. Im Gesamtweltcup fiel er beim abschließenden Flug-Wochenende in Planica leider noch vom fünften auf den neunten Gesamtrang zurück.

Nach WM-Bronze von Oberstdorf: Anze Lanisek kann weiterhin um Medaillen kämpfen

Alles in allem ist Anze Lanisek der einzige Slowene, mit dem man auch in dieser Saison fest rechnen kann. Der 25-Jährige nahm im Sommer die gut besetzten Springen von Wisla, Couchevel, Hinzenbach und Klingenthal wahr und belegte die Ränge 7, 3, 4, 12 und 6. Seine starke und konstante Form bestätigte er auch im Rahmen der nationalen Titelkämpfe, die er knapp vor Cene Prevc gewann.
Mit seinen 25 Jahren gehört Lanisek zu den jüngsten Springern aus der Weltspitze und wird im kommenden Winter versuchen, noch ein Pfund draufzulegen. Der slowenische Journalist Bostjan Rebersak von Radios Val 202 warnt jedoch davor, das Augenmerk zu sehr auf Lanisek zu legen.

„Ich würde die Slowenen nicht auf der Grundlage von beschreiben: Lanisek und der Rest. Er ist der Beste, aber nicht dominant, und die anderen werden sich in den Wettbewerben von ihrer besten Seite zeigen können. In Peking können sie hoffen, dass ein Athlet auf das Podium springen kann. Wir sollten ihnen ihre Chancen nicht nehmen. Es wird wahrscheinlich eine schwierige, aber meiner Meinung nach fruchtbare Saison für sie werden“, erklärte er.

Sorgen um Bor Pavlovcic: Senkrechtstarter fehlt zunächst wegen Gewichtsproblemen

Während bei Lanisek alles in Lot zu sein scheint, bereitet Bor Pavlovcic Sorgen. Der 23-Jährige trumpfte in der zweiten Winterhälfte mächtig auf und feierte zwei Podestplätze in Klingenthal und einen weiteren im heimischen Planica. Dort konnte er seine persönliche Bestweite auf beträchtliche 249,5 Meter steigern.


Im Sommer bekamen wir den Youngster dann aber nur noch im COC zu sehen, wo er allerdings nicht über einen 13. Platz hinauskam. Bei den Meisterschaften belegte er lediglich den 11. Rang. Zuletzt erklärte der Springer gegenüber NRK, dass er noch mit Gewichtproblemen zu kämpfen hat und noch einige Kilo bis zum Saisonstart abnehmen muss. Hierfür benötigt er offenbar noch ein wenig Zeit, zumal er nicht im slowenischen Aufgebot für den Auftakt in Nizhny-Tagil steht.

Nach enttäuschender letzter Saison: Prevc-Brüder wollen wieder attackieren

Ebenfalls nicht zum Weltcup-Aufgebot gehört Domen Prevc. Der einstige Senkrechtstarter hat wie bereits in den vergangenen Jahren einen ergebnistechnisch sehr schwachen Sommer hinter sich gebracht. Lediglich bei den COC-Springen von Klingenthal präsentierte sich der 22-Jährige auf Wettkampfebene und belegte die Ränge 18 und 21. Bei den slowenischen Meisterschaften reichte es ebenfalls nur für den 21. Platz. Dies muss bei der Wundertüte Domen Prevc aber nicht heißen, dass er auch im Winter hinterherspringt. Insbesondere auf den großen Anlagen ist mit dem aggressiven Springertyp immer zu rechnen. Bostjan Rebersak möchte den Athleten ebenfalls nicht abschreiben.
„Domen Prevc könnte mit seiner Form überraschen. Der 22-Jährige gilt als völlig unberechenbar, nachdem er seine Anlaufposition komplett verändert hat, was einen Dominoeffekt und weitere Verbesserungen in seiner Absprung- und Flugphase zur Folge hatte. Er soll eine etwas andere Silhouette haben als die, die wir gewohnt sind, wenn wir ihn bei Wettkämpfen beobachten“, wird Bostjan Rebersak von „SPORT.PL“ zitiert.

Die Rückkehr zur absoluten Weltspitze will auch Peter Prevc schaffen. Der einstige Dominator der Szene hatte in den vergangenen Jahren mit Material- und Verletzungsproblemen zu kämpfen. Sein Sommer verlief recht unspektakulär mit Platzierungen zwischen 13 und 20 beim SGP und Platz fünf bei den Meisterschaften.
Eine wirkliche Prognose im Hinblick auf den kommenden Winter möchte er nicht abgeben. „Es ist sehr schwierig, eine Bewertung abzugeben, denn in 12 Jahren habe ich mich nach dem Sommer schlecht gefühlt, oder die Gefühle waren nicht gut, aber dann war die Saison erfolgreich. Aber es war auch andersherum, als ich dachte, das war’s, und dann hat sich der Winter nicht so entwickelt, wie ich es mir gewünscht hätte“, erklärte er im Interview mit RTV SLO.
Dennoch hofft der 29-Jährigen auf einen guten Start in Nizhny-Tagil. „Es hängt wirklich davon ab, wie die Saison beginnt. Es ist sehr gut, ein gutes erstes Wochenende zu haben, und dann kann man weitermachen. Wenn das nicht der Fall ist, will man das am nächsten Ort nachholen, und es herrscht ein gewisser Wettbewerbsdruck. Solange der Krampf nicht weg ist, ist es sehr schwierig“, erläuterte er.

Die größte Änderung im Vergleich zur Vorsaison hat Prevc im Materialbereich vorgenommen. Im kommenden Winter wird er auf Slatnar-Ski zu Höhenflügen ansetzen. „Ich hatte schon im Sommer so viele gute Gefühle mit diesen Skiern. Es war einfacher und besser, mit ihnen zu trainieren. Es ist schwer zu beschreiben, aber ich spüre die Unterstützung mehr, oder selbst wenn der Sprung schlechter ist, kann ich die Skier leichter abfangen. Wenn die Form nicht optimal ist, ist dies sehr wichtig“, stellte er klar.

Mit deutlich weniger Problemen als seine Brüder hatte im Sommer Cene Prevc zu kämpfen. Der 25-Jährige sprang in Hinzenbach und Klingenthal auf die Ränge 6 und 14 und verpasste bei den slowenischen Meisterschaften als Zweiter nur wegen der Haltungsnoten die Goldmedaille.

Der Trainer hat mich dafür gelobt, dass ich es geschafft habe, im Sommer stabil zu sein, was mir vorher nie gelungen ist. Ich hoffe, es wird eine schöne Reise – sagte Prevc. – Es ist sehr schwer für mich, mit mir selbst zufrieden zu sein. Und dieses Jahr möchte ich wirklich mehr erreichen als letztes Jahr“, erklärte der 38. Gesamtweltcups 2020/21 gegenüber „skokipolska.pl“. Um die Olympischen Spiele von Peking geht es ihm dabei aber eher weniger.

„Für die meisten Athleten mögen die Olympischen Spiele mehr bedeuten als für mich. Natürlich ist das etwas Besonderes, aber um ehrlich zu sein, habe ich mehr Lust, in Norwegen oder Finnland anzutreten. In gewisser Weise bin ich eher versucht, dorthin zu gehen als nach Peking. Natürlich sind die Olympischen Spiele das größte Sportereignis, das man erleben kann. Mein Hauptziel ist es immer noch, in der Mannschaft für die höchstrangigen Wettbewerbe zu sein“, resümiert er.


Zajc, Bartol und Kos zum Auftakt dabei

Zum Auftakt dabei ist auch Timi Zajc, der eine echter Horror-Saison hinter sich hat. Das Mega-Talent stürzte im Gesamt-Weltcup auf Rang 46 ab und konnte mit den Rängen 40 und 44 in Hinzenbach und Klingenthal auch die Sommer-Saison wenig gelungen abschließen. Zu viel darf man vom hochveranlagten 21-Jährigen aber nicht, wenngleich dieser immerhin schon einen Weltcup-Sieg und sechs Podestplätze auf dem Konto hat. „Timi Zajc ist nicht gut auf die neue Saison vorbereitet. Er hat ein bereits bekanntes Problem mit der Psyche und der Übertragung guter Form vom Training auf den Wettkampf“, erklärte Journalist Rebersak.

Das slowenische Weltcup-Team zum Start ergänzen Tilen Bartol und Lovro Kos. Während Bartol schon ein bekannteres Gesicht im Weltcup ist, sahen wir Kos meist im COC. Mit den Rängen zwei und drei bei den Springen in Klingenthal bewies er aber, dass er bereit für den Aufstieg in die oberste Liga ist.

Corona: Ziga Jelar vom Virus heftig betroffen

Zum Auftakt fehlen wird hingegen Ziga Jelar. Der fünftbeste Slowene der Vorsaison infizierte sich mit dem Corona-Virus und wurde von diesem ziemlich aus der Bahn geworfen.

https://www.instagram.com/p/CVkdBooMdJZ/

„Vor ein paar Tagen wurde ich positiv auf COVID getestet. Ich befinde mich derzeit in Selbstisolierung und befolge alle Maßnahmen und Empfehlungen. Ich bin nicht in der besten Verfassung und habe auch im Krankenhaus Hilfe gesucht. Ich war ehrlich gesagt überrascht, dass ein junger Sportler so stark von einem Virus betroffen sein konnte. Ich wünsche mir nur eine rasche Genesung und dass ich wieder zu mir selbst zurückfinden kann“, erklärte er via Instagram.

Hier gilt es wirklich nur zu hoffen, dass der Springer die Nachwirkungen der Erkrankung schnell hinter sich lassen kann und wir ihn bald wieder zurück im Weltcup sehen dürfen.

Gesamtsiegerin Nika Kriznar führt das slowenische Damen-Team an

In einem echten Krimi konnte sich Nika Kriznar im vergangenen Winter die Gesamtwertung gewinnen. Neben zwei Einzelsiegen im Weltcup konnte sie bei der WM in Oberstdorf zudem Bronze von der Großchance gewinnen. Die 21-Jährige zeichnet sich vor allem durch ihre Stabilität aus. Ausrutscher nach unten gibt es bei Kriznar praktisch nicht. Im Vorjahr verpasste sie nur einmal die Top-6 und auch beim SGP konnte sie sich immer unter den ersten sieben platzieren. Allerdings wird es für die Slowenin dennoch schwer, im kommenden Winter mit Sarah Marita Kramer mitzuhalten. Die Österreicherin zeigte schon in der vergangenen Saison, dass sie in Einzelsprüngen praktisch unschlagbar ist.

Das slowenische Damen-Team hat jedoch noch mehr potenzielle Podest-Springerinnen auf Lager. Eine davon ist Ursa Bogataj, die sich bei den slowenischen Meisterschaften nur knapp hinter Nika Kriznar auf Rang zwei platzieren konnte.

Bogataj sichert sich SGP-Gesamtwertung: Kann sie auch im Winter vorne angreifen?

Die 26-Jährige präsentierte sich im Sommer so stark wie nie und entschied sogar die Gesamtwertung des Grand-Prix für sich. Ganze vier Springern konnte Bogataj gewinnen und auch beim Abschluss in Klingenthal immerhin Rang zwei belegen.
„Der Sommer-Grand-Prix ist auf jeden Fall eine gute Motivation für den Winter. Wenn man so etwas tut, setzt man seine Ziele noch höher. Ich habe mir selbst bewiesen, dass ich der Beste sein kann, wenn ich mein Bestes gebe. Aber dafür braucht man eine Topform. Ich möchte die technisch guten Dinge für den Winter beibehalten oder darauf aufbauen und ausbessern, was nicht in Ordnung war. Ich hoffe, dass ich im Winter so gut abschneiden kann wie im Sommer. Ich möchte meine Form finden und sie so lange wie möglich beibehalten“, erklärte die Springerin gegenüber „RTV SLO“.

Die Entwicklung der 26-Jährigen ist umso eindrucksvoller, wenn man bedenkt, dass sie im Jahr 2019 einen Kreuzbandriss erlitt. Im Vorjahr gelang es der Springerin nicht immer eine große Höhe auch in Weite umzumünzen und offenbarte Probleme bei der Landung. Gelingt es ihr ähnlich wie im Sommer, diese Schwächen auszumerzen, kann Bogataj definitiv vorne mitmischen.

Nach WM-Titel 2021: Fragezeichen um Ema Klinec

Ein paar Fragezeichen gibt es um Ema Klinec, die im Vorjahr ziemlich überraschend Weltmeisterin von der Normalschanze wurde. Im Anschluss an den Triumph ging der Springerin gegen Ende der Saison ein wenig die Luft aus. Im Sommer zeigte sie ebenfalls schwankende Leistungen, wenngleich die Ränge drei und vier in Chaikovsky durchaus vielversprechend waren. Allerdings nahm die Weltmeisterin nicht an den slowenischen Meisterschaften teil und fehlte auch bei den abschließenden Grand-Prix-Springen. Dennoch ist mit der 23-Jährigen im Winter wieder zu rechnen, selbst wenn sie nicht zu den ganz großen Favoritinnen zählt. Jedenfalls zeigte sich sich in den Sozialen Medien bereit für die kommende Saison.

Sehr stark präsentierte sich gegen Sommerende auch Jerneja Brecl. Die Drittplatzierte bei den nationalen Meisterschaften gewann zwei COC-Springen und belegte beim abschließenden SGP in Klingenthal Rang sieben. Die 20-Jährige hat definitiv Chancen, sich unter den Top-10 zu etablieren.

Zudem ist auch mit der erfahrenen Spela Rogelj zu rechnen, wenngleich die 27-Jährige in den letzten Jahren nicht mehr an ihre besten Zeiten anschließen konnte. Gespannt darf man außerdem auf die erst 16-Jährige Nika Prevc sein, die möglicherweise ihre ersten Weltcup-Einsätze erhalten wird. Im Sommer reichte es immerhin zu zwei fünften Plätzen im COC.

Sicher ist jedenfalls, dass wir im Winter ein extrem stark und breit aufgestelltes Damen-Team sehen. Nach Rang zwei im Team in Oberstdorf, könnte in Peking schon der ganz große Wurf folgen.

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