Am 22. März 2025 beendete Stephan Leyhe in Lahti nach 240 Einsätzen im Weltcup seine aktive Skisprungkarriere. In Willingen kehrte der 34-Jährige erstmals seit seinem Rücktritt wieder an eine Schanze zurück. Skispringen-News.de hat sich mit dem zweifachen Team-Olympiamedaillengewinner und Ex-Teamweltmeister über sein Leben nach dem Leistungssport sowie über den Zeitpunkt seines Karriereendes unterhalten.
Skispringen-News.de: „Stephan, der Weltcup in Willingen ist sicherlich immer etwas ganz Besonderes für dich, gerade weil es deine Heimat ist. Dieses Mal erlebst du das Skispringen nach vielen Jahren als aktiver Springer jedoch von einer anderen Seite. Wie gefällt es dir und wie sieht deine Aufgabe für das Wochenende aus?“
Stephan Leyhe: „Ja, es ist ganz cool, den Weltcup mal von einer ganz anderen Seite zu sehen, nicht als Aktiver, sondern so als ‚Free Willi‘. Die Sache ist: Ich habe nicht so eine richtige Aufgabe, aber dadurch habe ich ganz viele Aufgaben, weil dann immer die Frage kommt: „Hast du gerade was zu tun?“ Und wenn du nein sagst, wirst du halt sofort eingespannt und musst irgendwas machen (schmunzelt). Aber es macht auch echt Spaß im Moment, muss ich sagen.“
Skispringen-News.de: „Wie sieht denn jetzt so das Leben nach deiner aktiven Karriere aus?“
Stephan Leyhe: „Ich bin Vollzeitstudent in Kassel im Bereich Architektur, das ist meine Hauptaufgabe im Moment. Und neben dem Studium habe ich ansonsten nicht ganz so viel Zeit für andere Dinge.“
Skispringen-News.de: „Wenn du so an der Schanze bist, gibt es auch mal Momente, in denen du das Springen ein bisschen vermisst?“
Stephan Leyhe: „Ich war seit meinem Rücktritt bis jetzt noch nicht an der Schanze, also ist der Weltcup hier in Willingen tatsächlich der erste, den ich wieder live sehe. Aber natürlich habe ich auf der Couch dann schon immer mal zugeschaut, was die Jungs so machen. Ich vermisse auch eher die Jungs bzw. das Team als das Skispringen an sich, weil ich mit diesem Kapitel wirklich komplett abgeschlossen habe und damit fertig bin.“
Skispringen-News.de: „Warum war es Ende der letzten Saison der richtige Zeitpunkt aufzuhören?“
Stephan Leyhe: „Na ja, ich konnte selbst sagen: „Ich höre jetzt auf.“ Also ich bin nicht irgendwo in der zweiten oder dritten Reihe gelandet, sondern konnte im Weltcup oben aufhören. Ich bin, glaube ich, 15 Jahre international herumgereist und hatte halt auch einfach keine Lust mehr, jedes Wochenende die Tasche zu packen, dann wieder hierhin und dorthin – ich war einfach bereit, etwas Neues zu machen.“
Skispringen-News.de: „Was war rückblickend betrachtet für dich dein persönliches Karrierehighlight? Wir können uns z. B. noch an einen sehr erfolgreichen Auftritt hier in Willingen erinnern, als du einen Weltcupsieg feiern durftest. War es dieser Tag?“
Stephan Leyhe: „Ja, definitiv der 8. Februar 2020 hier in Willingen, aber auch die ganzen Medaillen, die ich mit dem Team gesammelt habe, oder auch der dritte Platz in der Gesamtwertung der Vierschanzentournee 2018/2019 – das war schon ganz gut.“
Skispringen-News.de: „Wir wünschen dir auf jeden Fall weiterhin viel Erfolg bei deinem Architekturstudium und möchten zum Abschluss noch gerne wissen: Wenn du ein ‚All-Star-Team‘ für einen Vierer-Wettkampf aufstellen würdest – wer wäre für dich neben dir in der Mannschaft?“
Stephan Leyhe: „Puh, na ja, da kommt es jetzt darauf an, ob wir auf einer kleinen Schanze, einer Großschanze oder einer Flugschanze springen. Aber ich würde auf jeden Fall Andreas Wellinger als Allrounder nehmen. Zudem hätte mich Sven Hannawald zu seiner aktiven Zeit interessiert – und Janne Ahonen. Ja, ich glaube, das wäre ein cooles Team.“

