Olympische Spiele

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat am Dienstag in Abstimmung mit der Sportführung des Deutschen Skiverbands (DSV) seine Athletinnen und Athleten für die Wettbewerbe der Olympischen Winterspiele Milano Cortina 2026 benannt. Am vergangenen Wochenende war die Frist für eine mögliche Qualifikation für alle Athletinnen und Athleten abgelaufen – diese verpasste unter anderem Karl Geiger, der die Norm auf den letzten Drücker nur zum Teil erfüllen konnte.

Die Olympischen Winterspiele 2026 finden vom 6. bis 22. Februar in mehreren Regionen Italiens statt. Die Skisprung-Wettbewerbe werden dabei auf den erst kürzlich neu eröffneten Schanzen von Predazzo im Fleimstal (Val di Fiemme) ausgetragen .

Nominiert für das Team Skisprung Frauen:

  • Selina Freitag (WSC Erzgebirge Oberwiesenthal)
  • Agnes Reisch (WSV Isny)
  • Katharina Schmid (SC Oberstdorf)
  • Juliane Seyfarth (WSC 07 Ruhla)

Nominiert für das Team Skisprung Männer:

  • Felix Hoffmann (SWV Goldlauter-Heidersbach)
  • Pius Paschke (WSV Kiefersfelden)
  • Philipp Raimund (SC Oberstdorf)
  • Andreas Wellinger (SC Ruhpolding)

Gleich mehrere der deutschen Skispringerinnen und Skispringer stehen damit in Milano Cortina 2026 erstmals auf olympischer Bühne. Bei den Frauen feiert Agnes Reisch ihr Olympia-Debüt, während Katharina Schmid sowie Juliane Seyfarth bereits auf Erfahrungen aus Pyeongchang und Peking zurückgreifen können, ebenso wie Selina Freitag, die in Peking erstmals nominiert war. Im Männerteam bestreiten Felix Hoffmann und Philipp Raimund ihre ersten Olympischen Winterspiele, wohingegen Pius Paschke schon 2022 am Start war. Andreas Wellinger ist als Olympiasieger im Einzel (2018) und Team (2014) der routinierteste Springer mit der größten Olympia-Erfahrung im deutschen Aufgebot.

Weltcup Weltcup Herren

Karl Geiger steckt in einer der schwierigsten Phasen seiner Karriere. Nach Jahren an der Weltspitze kämpft der Oberstdorfer in dieser Saison um den Anschluss. In Garmisch-Partenkirchen sprach er am Neujahrstag mit uns über seine aktuelle Lage, die Ursachen der Probleme und seine Perspektiven für die Skiflug-WM sowie die Olympischen Spiele.

Skispringen-News.de: „Karl, du hast schon vor vielen Herausforderungen in deiner Karriere gestanden, aber würdest du sagen, dass das hier dieses Mal die größte ist?“

Karl Geiger: „Ja, das würde ich schon so sagen. Leistungstechnisch war ich zwar schon einmal in einer ähnlichen Situation, aber davor hatte ich noch nicht diese großen Erfolge. Deshalb ist es nicht einfach, das so hinzunehmen und weiterzuarbeiten. Aber Sport ist einfach ein schnelllebiges Geschäft. Nach jedem Wettkampf wird einem eiskalt die Liste vor die Nase gehalten, und dann steht dort, was es wert ist. Von daher: Ja, es ist eine Herausforderung.“

Skispringen-News.de: „Wie kann man sich die Veränderungen gegenüber dem Vorjahr vorstellen? Ist das Fluggefühl durch die neuen Anzüge ein anderes oder was sind die Hauptprobleme?“

Karl Geiger: „Das momentane Reglement und die Abstimmung, die ich habe, passen nicht zusammen. Grundsätzlich ist das neue Reglement kein Problem. Es müsste mir eigentlich zugutekommen, weil ich ein absprungstarker Athlet bin und es auch über die Flugform immer ganz gut gemacht habe. Aber die Abstimmung passt nicht, und es war von Anfang an schwierig. Das war bei ein paar anderen Teamkollegen, zum Beispiel bei Felix Hoffmann oder Hille Raimund, anders – für sie war es kein großer Unterschied. Bei Andi Wellinger, Pius Paschke und mir ist es so, dass wir damit springen können, aber es ist nicht so effektiv. Wir müssen schauen, dass wir effektiver werden, und daran scheitern wir momentan.“

Skispringen-News.de: „In Garmisch-Partenkirchen bist du beispielsweise auch einen Tag früher angereist. Aber so eine zusätzliche Testmöglichkeit bringt in der Kürze der Zeit dann auch nichts, oder?“

Karl Geiger: „Ich sage es mal so: Am Material ändere ich momentan nichts mehr. Ich habe gesagt, ich brauche jetzt die Konstanz und muss an meinem Sprung arbeiten. Wenn das Material nicht auf mich zugeschnitten ist, dann muss ich meinen Sprung auf das Material zuschneiden. Das ist möglich, aber nicht leicht.“

Skispringen-News.de: „Die Rückkehr nach vorne ist ja dein großes Ziel. Wie schwer ist das für dich gerade auch mental?“

Karl Geiger: „Es ist sehr schwer. Speziell, wenn man dann so ein Brett wie in Oberstdorf bekommt – das muss man erst einmal verkraften, und da geht auch das Kopfkino los. Das geht nicht spurlos an mir vorbei. Da muss man wirklich wieder mit sich selbst ins Reine kommen, das ist der erste Schritt. Aber es ist möglich, und ich weiß auch, dass ich das kann, weil ich in solchen Situationen eigentlich ziemlich gut bin. Aber einfach ist es sicher nicht.“

Skispringen-News.de: „Kannst du so etwas gut aus dem Privatleben raushalten, oder merkt es deine Familie, wenn es nicht läuft – so wie man es bei anderen Arbeitnehmern auch merkt, wenn es auf der Arbeit nicht gut läuft?“

Karl Geiger: „Also, so ein Tag wie in Oberstdorf – da braucht man mir, glaube ich, nur ins Gesicht zu schauen. Das sieht und merkt jeder, weil man das auch nicht komplett trennen kann. Aber ich versuche, das innerhalb kürzester Zeit wieder wegzupacken und zu sagen: Das ist jetzt der Sportler und nicht der Mensch oder die Privatperson. Ich habe unglaubliches Glück mit meiner Familie. Wir sind alle gesund, uns geht es gut, und es gibt viele schöne Momente, die man auch abseits vom Sport genießen und aufsaugen kann. Da möchte ich die Stimmung nicht verderben, sondern versuche, handlungsorientiert zu sein und zu schauen: Was kann ich als Nächstes machen? Wenn ich mir dann einen Plan überlegt habe, kann ich das auch irgendwann wieder wegpacken.“

Skispringen-News.de: „Was trägt dich jetzt durch diese ganz schwere Zeit? Spürst du noch die Liebe zum Sport oder überwiegen inzwischen die Zweifel?“

Karl Geiger: „Die Liebe zu diesem Sport ist ungebrochen, auch wenn er gerade gnadenlos ist. Ich habe viele positive und nette Nachrichten erhalten und wirklich viel Aufbauarbeit von den Leuten um mich herum erfahren. Ich hatte einfach das Gefühl, dass wirklich alle hinter mir stehen – oder zumindest die meisten. Die wichtigsten auf jeden Fall. Das macht es natürlich leichter, wieder aufzustehen, den Schnee abzuklopfen und weiterzulaufen.“

Skispringen-News.de: „Mit der Skiflug-WM und den Olympischen Spielen stehen noch zwei große Saisonhöhepunkte an. Kannst du uns an deinen bisherigen Erinnerungen teilhaben lassen, und wie schätzt du die Situation derzeit ein?“

Karl Geiger: „Bei der Skiflug-WM habe ich im Einzel schon einmal einen Titel gewonnen und mit dem Team drei Medaillen geholt. Das sind natürlich ganz besondere Momente, gerade jetzt hier in der Heimat, auf die ich hinarbeite. Ich möchte dort auch im Team helfen können, mit meinen Sprüngen und Flügen. Momentan bin ich dazu noch nicht in der Lage, aber es sind definitiv große Ziele – die Skiflug-WM und die Olympischen Spiele. Ich möchte das im Moment aber noch nicht zu sehr forcieren, weil ich an meinem Sprung arbeiten will. Wenn mein Sprung passt oder besser wird, dann bin ich auch in der Lage, bei diesen großen Events der Mannschaft zu helfen und gute Ergebnisse zu erzielen. In der aktuellen Form würden mir allerdings auch die Olympischen Spiele, die zwar sehr schön sind, nichts bringen. Ich war zweimal dabei und kenne den olympischen Flair und Spirit – das ist etwas ganz Besonderes. Aber wenn ich dort an den Start gehe, möchte ich auch in der Lage sein, schlagkräftig zu sein.“

Skispringen-News.de: „Dankeschön und weiterhin viel Erfolg.“

Karl Geiger: „Vielen Dank.“

COC Herren Continental Cup DSV Vierschanzentournee

Während derzeit eine große Lücke zwischen Felix Hoffmann, Philipp Raimund und dem Rest des DSV-Teams aufklafft, gibt es mit Ben Bayer auch jemanden aus dem DSV-Nachwuchs, der bei den Herren ein wenig Hoffnung bereitet. In Garmisch-Partenkirchen gelang dem 21-Jährigen mit dem 28. Platz souverän die Qualifikation zum Neujahrspringen, und beim COC in Sapporo erreichte er an diesem Wochenende mit den Rängen drei und neun gleich zwei Top-10-Platzierungen.

„Also, es hat bisher in dieser Saison eigentlich ganz gut funktioniert. Ich bin auch froh, dass ich in Engelberg mein Weltcup-Debüt feiern durfte. In Oberstdorf, wo wir mit der nationalen Gruppe am Start waren, hat es dann leider nicht für die Qualifikation gereicht, das war schade. Dafür war ich mit der Quali in Garmisch-Partenkirchen umso glücklicher. Der Sprung war gut, und auch das Gefühl, längere Zeit in der Leader-Box zu stehen, war cool“, äußerte sich Bayer am Mikrofon von Skispringen-News.de zu seinem bisherigen Saisonverlauf.

Am Neujahrstag konnte er seine gute Leistung aus der Qualifikation nicht ganz bestätigen und musste wiederum einen kleinen Rückschlag hinnehmen. „Es war leider nicht mehr ganz so gut wie gestern. Ich bin ein bisschen verkrampfter gewesen, und ja, dann wird es einfach zäh aus der Luke.“

Vielleicht war es dort aber auch noch die Nervosität, vor einer solch großen Kulisse wie in Garmisch-Partenkirchen springen zu dürfen. „Ja, man ist noch etwas nervöser. Ich habe versucht, es so gut es geht aufzusaugen, aber es ist natürlich noch einmal eine ganz andere Anspannung oben. Und ich meine, es ist ja auch die erste Vierschanzentournee für mich gewesen. Es ist einfach anders, wenn so viele Leute zuschauen“, gab Bayer anschließend zu.

In Innsbruck und Bischofshofen setzte Bundestrainer Stefan Horngacher neben Felix Hoffmann und Philipp Raimund daher zunächst weiterhin auf die derzeit formschwachen DSV-Adler Pius Paschke, Andreas Wellinger und Karl Geiger. Für Bayer stand seit seinem Auftritt in Garmisch-Partenkirchen daher erst einmal eine kleine Wettkampfpause auf dem Programm, bis es für ihn an diesem Wochenende mit dem COC in Sapporo weiterging. Mit den Plätzen drei und neun steigerte er sich deutlich im Vergleich zum Saisonbeginn, als er bei den COC-Wettbewerben in Ruka die Positionen 28 und 17 belegte. Und wer weiß, vielleicht erhält er vom Bundestrainer ja noch einmal in dieser Saison die Chance, Erfahrungen im Weltcup zu sammeln.

„Im Sommer war es schon etwas Cooles, in der obersten Kategorie mit dabei sein zu dürfen, aber im Winter ist es dann auch noch einmal anders. Da zählt es, und es liegt der volle Fokus auf uns Sportlern“, so Bayer weiter.

Deutliche Steigerung gegenüber dem Vorjahr – gute Zusammenarbeit mit Thomas Thurnbichler

Der letzten Saison kann Bayer nicht viel Positives abgewinnen und erklärt gegenüber Skispringen-News.de, dass er diese eher mit der Schulnote „ausreichend“ (4) bewerten würde. Umso zufriedener zeigt er sich jedoch mit dem bisherigen Verlauf der neuen Saison und der zuvor absolvierten Vorbereitung. „2026 möchte ich einfach an meine Leistung anknüpfen und mich weiter verbessern. Zudem ist ein weiteres großes Ziel von mir, auch einmal Skifliegen zu gehen.“

Bayer lobt zudem ausdrücklich die Zusammenarbeit mit Thomas Thurnbichler, der sich nach seiner Entlassung als polnischer Cheftrainer dem DSV angeschlossen hat und sich dort seither dem Nachwuchs widmet. „Es ist super mit ihm, wir kommen richtig gut miteinander aus. Er ist sehr motiviert, auch in der Zusammenarbeit mit uns jüngeren Athleten. Ich glaube, da hat sich in der Vorbereitung einiges getan. Und ja, er ist echt ein super Trainer.“

Ryoyu Kobayashi als Vorbild

Auf die Frage, was ihn am Skisprungsport fasziniert und wer ihn dabei inspiriert hat, antwortet er: „Einfach das Gefühl zu fliegen und die Schwerelosigkeit – man ist irgendwie frei, und das treibt einen an. Früher waren es die großen Deutschen wie Markus Eisenbichler – mittlerweile ist Ryoyu Kobayashi mein großes Vorbild.“

Man darf gespannt sein, wie sich Ben Bayer in den nächsten Jahren weiterentwickelt. Für die deutsche Mannschaft wäre es gerade in der aktuellen Situation wichtiger denn je, wenn starker Nachwuchs nachkäme und die Lücke hinter Felix Hoffmann und Philipp Raimund auf absehbare Zeit kleiner würde.

Weltcup Weltcup Herren

Am späten Samstagnachmittag fand in Zakopane der Super-Team-Wettbewerb statt – ein Format, bei dem pro Nation nur zwei Athleten an den Start gehen. Für viele Springer war es ein kräftezehrender Tag: Wer an allen Durchgängen inklusive Training und Qualifikation teilnahm, absolvierte insgesamt sechs Sprünge.

Für eine Überraschung zum Auftakt sorgte das ukrainische Duo: Yevhen Marusiak eröffnete mit einem hervorragenden Satz, und auch Vitaly Kalinichenko überzeugte. Nach dem ersten Durchgang lag die Ukraine sensationell auf Rang vier – deutlich vor dem deutschen Team.

Für Deutschland verlief der Auftakt hingegen enttäuschend. Karl Geiger missglückte sein erster Sprung komplett, was nur Rang zehn bedeutete. Auch Pius Paschke konnte mit seinem Versuch nur zwei Plätze gutmachen, sodass es nach Durchgang eins lediglich für Platz acht reichte. Ein Ausrufezeichen setzte das österreichische Duo: Jan Hörl dominierte bereits mit dem ersten Sprung, und Stephan Embacher zog souverän nach. Nach dem ersten Durchgang führte Österreich vor Slowenien und der Schweiz.

In Durchgang zwei kämpften zwölf Teams um den Einzug ins Finale. Für Deutschland war das Minimalziel klar: ein Platz unter den besten acht. Trotz Rückenwind gelang Geiger ein etwas besserer Sprung, doch Paschke verlor erneut an Boden. Das DSV-Duo rettete sich gerade noch als achte Mannschaft ins Finale. Die Ukraine hielt sich weiterhin gut vor den deutschen Adlern. Vor allem Polen rückte dank des jungen Kacper Tomasiak nach vorne. Österreich baute seinen Vorsprung deutlich aus – der Sieg schien bereits zu diesem Zeitpunkt sicher. Dahinter behaupteten sich Slowenien und Polen auf den Plätzen zwei und drei.

Im dritten Durchgang waren noch acht Teams im Rennen. Norwegen überraschte mit Sundal und rückte vorübergehend auf Rang zwei vor. Karl Geiger zeigte einen guten Abschlusssprung und brachte Deutschland auf Platz sieben. Pius Paschke schob das Team Am Ende noch auf Rang sechs – nur hauchdünn gegen die Ukraine. Für Polen setzte Tomasiak den entscheidenden Schlusssprung und sicherte sich und seine Teamkollegen Dawid Kubacki Rang drei vor Heimpublikum. Anže Lanišek krönte den slowenischen Auftritt mit einem Satz auf 140 Meter und rettete damit Platz zwei – hinter dem souveränen Sieger Österreich mit Jan Hörl und Stephan Embacher.

Anzugmanipulation im italienischen Team

Wieder einmal war heute auch ein Anzug Thema. Nämlich der des Italieners Francesco Cecon, der kurz nach seinem ersten Sprung im ersten Durchgang disqualifiziert wurde. Als Grund wurde vom Internationalen Skiverband im Liveticker „Manipulation des Anzugs vor dem Start“ eingeblendet. Was sich genau dahinter in seinem Fall verbirgt, wurde nicht genannt. In jedem Fall sorgte er dafür, dass sein Teamkollege Giovanna Bresdaola gar nicht erst zum Einsatz kam.

Fettner in der Qualifikation vorne

In der vorangegangenen Qualifikation am frühen Nachmittag präsentierten sich besonders die österreichischen Skispringer in herausragender Form, sodass das Fehlen von Stefan Kraft und Daniel Tschofenig kaum auffiel. Manuel Fettner sicherte sich mit 133,7 Punkten den ersten Platz, dicht gefolgt von seinen Teamkollegen Jan Hörl (131,6 Punkte) und Maximilian Ortner, der sich den dritten Rang mit dem Slowenen Anže Lanišek (jeweils 130,7 Punkte) teilte. Insgesamt landeten fünf ÖSV-Athleten unter den Top Acht, darunter auch Stephan Embacher (5. Platz) und Jonas Schuster (8. Platz).

Auch die Slowenen zeigten sich stark: Neben Lanišek überzeugte Timi Zajc (7.), der nach seiner Disqualifikations-Sperre zurück im Weltcup ist. Der Gesamtweltcup-Führende Domen Prevc landete „nur“ auf Rang zehn. In Abwesenheit von Philipp Raimund und Felix Hoffmann zeigten sich die teilnehmenden drei Deutschen leicht verbessert. Karl Geiger belegte Platz 19, Pius Paschke wurde 24. und Andreas Wellinger Rang 34.

DSV Weltcup Weltcup Herren

Die deutsche Skisprung-Nationalmannschaft der Herren wird am kommenden Wochenende lediglich mit drei Athleten beim Weltcup im polnischen Zakopane antreten. Nominiert sind Karl Geiger, Andreas Wellinger und Pius Paschke.

Grund für das reduzierte Aufgebot sind zwei Ausfälle, die sich bereits zur Vierschanzentournee abgezeichnet hatten: Felix Hoffmann verzichtet aufgrund anhaltender Kniebeschwerden im linken Knie auf die Reise nach Polen. Nach der Vierschanzentournee ließ Felix Hoffmann sein linkes Knie per MRT überprüfen. Die Untersuchung ergab zwar keine strukturellen Verletzungen, bestätigte jedoch die vermutete Reizung der deutschen Teamärzte. Diese wird nun mit konservativen Maßnahmen und Physiotherapie behandelt, zudem soll das Knie in den kommenden Tagen komplett geschont werden. Ein Start beim Weltcup in Zakopane ist damit ausgeschlossen.

Auch Philipp Raimund wird nicht nach Polen reisen. Er hatte bereits beim Finale in Bischofshofen mit zurückkehrenden Erkältungsbeschwerden zu kämpfen. In Abstimmung mit dem medizinischen Team wurde daher entschieden, dass ein Wettkampfeinsatz noch zu früh wäre und seine vollständige Genesung Vorrang hat.

„Da unsere COC-Mannschaft in Japan unterwegs ist, werden wir in Zakopane mit Karl Geiger, Pius Paschke und Andreas Wellinger an den Start gehen. Alle drei Athleten wollen die Wettkämpfe nutzen, um an ihrer Sprungtechnik zu arbeiten“, erklärt Bundestrainer Stefan Horngacher das nur dreiköpfige Mannschaftsaufgebot.

COC Damen DSV Two-Nights-Tour Weltcup Damen

Im Rahmen der Two-Nights-Tour hat die junge Nachwuchsathletin Julina Kreibich ihre ersten Weltcuppunkte erzielt. Obwohl nur die besten 30 Athletinnen für den Wettbewerb startberechtigt waren, nahm die 18-jährige Leipzigerin in Garmisch-Partenkirchen erfolgreich die Qualifikationshürde und belohnte sich damit gewissermaßen selbst. So wird sie beim nächsten Weltcup in Villach (05./06.01.2026) im Weltcupaufgebot der DSV-Damen mit dabei sein.

Neben dem starken Auftritt von Selina Freitag fiel aus dem deutschen Team bei der Two-Nights-Tour vor allem Julina Kreibich auf. Nach starken Trainingssprüngen zeigte die 18-Jährige auch in der Qualifikation einen gelungenen Versuch und reihte sich auf dem 27. Platz ein. Damit nahm sie erfolgreich die hohe Hürde, die den Damen bei der Two-Nights-Tour gestellt wird. In einem „normalen“ Weltcup dürfen 40 Athletinnen an den Start gehen, bei der Two-Nights-Tour hingegen qualifizieren sich nur die besten 30 Damen für den Wettbewerb.

„Es macht einfach Spaß, hier bei der Two-Nights-Tour über die nationale Gruppe dabei sein zu können. Ich habe es geschafft, meine Trainingsleistung abzurufen und bin voll zufrieden“, freute sich Kreibich nach ihrer erfolgreichen Qualifikation am Mikrofon von Skispringen-News.de. Am darauffolgenden Wettkampftag erwischte sie mit ihrer Teamkollegin Selina Freitag allerdings einen äußerst harten Gegner im „K.-o.“-Duell und schied nach dem ersten Durchgang aus. Dennoch sammelte die 18-Jährige mit dem 26. Platz ihre ersten Weltcuppunkte sowie wertvolle Erfahrungen.

„Es war ein solider Sprung. Für den Finaldurchgang wird es zwar nicht reichen, aber ich bin trotzdem sehr zufrieden“, gab sie anschließend zu Protokoll. Verständlich, denn sie ließ insgesamt 38 Damen hinter sich (64 traten tags zuvor zur Qualifikation an). „Die ersten Weltcuppunkte einfahren zu können, ist natürlich etwas ganz Besonderes, und ich freue mich einfach extrem. Es war natürlich auch ein sehr schönes Duell, gegen Selina springen zu dürfen.“

Selina Freitag äußerte sich im Nachgang wie folgt zu ihr: „Sie hat sich stabil qualifiziert. Klar, war es ärgerlich, dass wir gegeneinander springen mussten. Aber da geht auf jeden Fall etwas voran und das freut mich brutal! Ich hoffe, dass sie jetzt ein wenig die Weltcupluft genossen hat und es motivierend für sie ist.“

Beim zweiten Wettbewerb der Two-Nights-Tour in Oberstdorf verpasste Julina Kreibich mit Rang 32 zwar hauchdünn die Qualifikation, konnte jedoch auch dort mit guten Leistungen überzeugen. Und was man an dieser Stelle nicht vergessen darf: Bei einem „normalen“ Damen-Weltcup hätte auch diese Platzierung für die Qualifikation gereicht – nur eben nicht bei der Two-Nights-Tour. „Es ist sehr schade, dass sich hier nur 30 Damen qualifizieren können. Dadurch ist es extrem schwer, hineinzukommen, vor allem, weil wir von der Anzahl her auch nicht viel weniger sind als die Männer. Daher echt schade, aber vielleicht wird das ja in Zukunft noch angepasst.“

Vor einer solch großen Zuschauerkulisse wie bei der Two-Nights-Tour zu springen, war für Kreibich ebenfalls etwas Besonderes. „Es ist schon etwas ganz Neues für mich und natürlich auch anders. Da spielt ein bisschen die Nervosität mit, aber die Freude hat überwogen.“

Ein Sieg und ein zweiter Platz beim Saisonauftakt des ICOC in Notodden

Die gute Form von Julina Kreibich zeigte sich bereits beim Saisonauftakt des ICOC Mitte Dezember im norwegischen Notodden. Im ersten Wettbewerb belegte sie hinter Taja Terbovšek den zweiten Platz. Am zweiten Wettkampftag drehte sie den Spieß um und sicherte sich den Tagessieg vor der Slowenin. „Es war auf jeden Fall ein guter Winterauftakt in Notodden. Die Schanze hat echt Spaß gemacht, und es war einfach ein sehr toller Einstieg“, so Kreibich. Eine Woche später erreichte sie beim Alpen Cup in Seefeld noch den dritten und vierten Rang.

Heinz Kuttin: „Die ersten Weltcuppunkte für Julina – ein ganz toller Schritt“

Voll des Lobes über die Entwicklung von Julina Kreibich zeigte sich auch Damen-Bundestrainer Heinz Kuttin: „Sie war in den letzten Jahren schon ein paar Mal in dieser Situation, hat es in der Qualifikation aber noch nicht ganz geschafft – nur im Training. Das zeigt, dass sie jetzt einen Schritt gemacht hat, auch in ihrer gesamten Einstellung und Herangehensweise“, so der erfahrene Österreicher.

Sicherlich auch ein Grund, weshalb Julina Kreibich nun für den nächsten Damen-Weltcup in Villach nominiert wurde. Neben der jungen Deutschen gehören am 05./06.01.2026 Selina Freitag, Katharina Schmid, Juliane Seyfarth, Agnes Reisch und Emely Torazza zum Aufgebot. Anna Hollandt ist dieses Mal nicht am Start.

Goldmedaille im Team bei der Junioren-WM 2025 in Lake Placid

Einen ihrer größten Momente erlebte Julina Kreibich bei der Junioren-WM 2025 in Lake Placid. Zusammen mit Lia Böhme, Anna-Fay Scharfenberg und Kim Amy Duschek gewann sie die Goldmedaille im Teamwettbewerb vor den Mannschaften aus Slowenien und Japan. „Das war ein ganz besonderer Moment für das ganze Team. Als das Ergebnis bekannt war, herrschte einfach pure Freude“, erinnert sich Kreibich, die dem Jahr 2025 insgesamt eine „2+“ als Schulnote zuschreibt.

Julina Kreibich: „Ich möchte mich unter den Top 3 im ICOC etablieren“

Für das Jahr 2026 nimmt sich Julina Kreibich vor, sich dauerhaft unter den Top 3 im ICOC zu etablieren und natürlich auch im Weltcup Fuß zu fassen. Letzteres hat sie zumindest für das Villach-Wochenende bereits geschafft. Im ICOC geht es am 24./25.01.2026 in Eisenerz weiter. Aber wer weiß – vielleicht gelingt es ihr sogar, sich längerfristig im Weltcupteam zu behaupten.

Im Alter von acht Jahren mit dem Skispringen begonnen

Mit acht Jahren begann Julina Kreibich mit dem Skispringen. „Ich bin durch eine Freundin dazu gekommen, die nebenbei Skispringen gemacht hat, und bin dadurch zum SV Lok Eilenburg gestoßen“, verrät sie. „Man fängt natürlich mit Abfahrten an, und dann haben uns unsere Trainer zu unserem ersten Sprung auf einer kleinen Schanze geführt. Das war damals schon aufregend.“

Man darf gespannt sein, wohin die Reise von Julina Kreibich in den kommenden Jahren führen wird.

DSV Weltcup Weltcup Herren

Nach den schwachen Leistungen von Karl Geiger und Andreas Wellinger hatte Bundestrainer Stefan Horngacher bereits am Sonntag mögliche Konsequenzen angekündigt. Nun rückt die erste Hoffnung aus dem B-Kader nach.

Karl Geiger scheiterte sowohl am vergangenen Freitag als auch am Sonntag bereits an der Qualifikation in Wisla und musste somit seinen Teamkollegen zuschauen. Frust gab es auch bei Andreas Wellinger, der in beiden Einzelwettbewerben den Finaldurchgang verpasste. Seit dem Weltcup-Auftakt in Lillehammer hat sich die Situation für die beiden nicht wirklich verbessert, sondern eher zugespitzt.

Schon am Montag folgten deshalb Gespräche zwischen Trainer und Athleten. Dabei wurde entschieden, dass Geiger vorerst mit Maxi Mechler trainieren und den kommenden Heimweltcup auslassen wird. Wellinger bleibt hingegen vorerst im Team. Neu in die Mannschaft rückt dafür der B-Kader-Springer Luca Roth. Das starke Trio der ersten Weltcup-Stationen um Philipp Raimund, Felix Hoffmann und Pius Paschke bleibt selbstverständlich unverändert.

Bei de Damen steht für den Heimweltcup in Klingenthal am kommenden Wochenende ein fünfköpfiges Damen-Team – nur Alvine Holz fällt wieder aus dem Team. Mit von der Partie werden demnach sein: Selina Freitag, Anna Hollandt, Agnes Reisch, Katharina Schmid und Juliane Seyfarth.

Weltcup Weltcup Damen Weltcup Herren

Am kommenden Wochenende beginnt für die deutschen Skispringerinnen und Skispringer die Olympia-Saison mit dem Weltcup-Auftakt im norwegischen Lillehammer. Von Freitag bis Sonntag stehen zunächst ein Mixed-Team-Wettbewerb sowie jeweils zwei Einzelspringen für Frauen und Männer auf dem Programm.

Das deutsche Aufgebot umfasst bei den Frauen Selina Freitag, Anna Hollandt, Agnes Reisch, Katharina Schmid, Juliane Seyfarth und Emely Torazza. Das gab der Deutsche Skiverband (DSV) am Mittwoch bekannt. Für die Männer gehen Karl Geiger, Felix Hoffmann, Pius Paschke, Philipp Raimund und Andreas Wellinger an den Start.

Die Vorfreude im Team ist kurz vor Saisonstart groß. Selina Freitag betonte vor der Abreise: „Ich bin auf jeden Fall bereit und freue mich, dass es jetzt losgeht. Die Taschen sind bereits auf dem Weg nach Norwegen, wir sind am Dienstag geflogen. Leider ist noch nicht so ganz Winter-Wonderland – die Schanze ist trotzdem eine meiner Lieblingsschanzen. Deshalb freue ich mich da richtig drauf. Schauen wir mal, dass wir richtig gut in die Weltcup-Saison einsteigen – am besten mal direkt mit vorne reinspringen, das wäre richtig cool!“

Auch der diesjährige Sommer-Grand-Prix-Gesamtsieger, Philipp Raimund, blickt optimistisch auf den Auftakt: „Aus den letzten Lehrgängen habe ich ein gutes Gefühl mitgenommen und bin jetzt auch froh, dass es schon bald losgeht. Am Ende kommt der Auftakt dann doch gefühlt schneller als man denkt. Aber auf der anderen Seite kann man es auch kaum erwarten. Deswegen freue ich mich schon echt drauf und bin bereit für den Saisonstart. Ich bin gespannt, wie ich letztendlich performen, was ich von meinen Trainingsleistungen abrufen kann.“

Mit dieser positiven Stimmung und dem klaren Ziel, gleich zu Beginn vorne mitzumischen, will das deutsche Team in Lillehammer ein starkes Zeichen setzen und die Olympia-Saison mit Selbstvertrauen eröffnen.

Markus Eisenbichler feiert sein Debüt als TV-Kommentator

Erst im Frühjahr hat er seine aktive Karriere beendet, nun bleibt er dem Skispringen in neuer Rolle erhalten: Als Experte verstärkt der sechsmalige Weltmeister ab sofort das Eurosport-Team rund um Werner Schuster und Martin Schmitt.

Eisenbichler bringt dabei seine eigenen und dazu noch frischen Erfahrungen aus dem Leistungssport ein und möchte den Zuschauern die Emotionen und Gedanken der Athleten authentisch näherbringen. Seine Premiere gibt er direkt beim Mixed-Team-Bewerb in Lillehammer, zudem wird er auch bei ausgewählten Weltcups und den Olympischen Spielen in Mailand-Cortina 2026 im Einsatz sein.

DSV SGP Damen Sommer Grand Prix Weltcup Damen

Am nächsten Wochenende beginnt in Lillehammer die diesjährige Weltcup-Saison. Letztes Jahr verlief der Auftakt für die deutschen Damen direkt grandios, und er war – wie Cheftrainer Heinz Kuttin heute sagt – der „Knochenbrecher“ für eine erfolgreiche Wintersaison. Dennoch wurde die Vorbereitung dieses Mal bewusst etwas anders gesteuert. Im Interview verrät er uns, was das Ziel dahinter ist und äußert sich auch zur Materialumstellung infolge der vielen schweren Stürze während des Sommer-Grand-Prix.

Der Sieg im Mixed-Wettbewerb am Freitag, danach am Samstag die Plätze zwei und drei für Katharina Schmid und Selina Freitag im Einzel und anschließend noch einmal am Sonntag ein Doppelsieg im Einzel (Katharina Schmid gewann vor Selina Freitag) – ein Auftakt nach Maß für die deutschen Damen im letzten Winter in Lillehammer. Daher stellt sich die Frage, ob wir direkt zum Start wieder einen solchen „Knochenbrecher“ erwarten dürfen. Cheftrainer Heinz Kuttin dämpft allerdings die Erwartungen für den Weltcupstart etwas.

Skispringen-News.de: „Heinz, wie fällt die Analyse zum letzten Sommer-Grand-Prix in Klingenthal sowie zur bisherigen Vorbereitung bei den deutschen Damen aus?“

Heinz Kuttin: „Durchwachsen, sage ich jetzt einmal. Durchwachsen deswegen, weil wir sehr viel gearbeitet haben. Wir haben in letzter Zeit natürlich durch die ganze Materialumstellung erneut viel Fokus auf diesen Bereich gelegt. Wir haben im September noch einmal einen richtigen Konditionsblock gemacht. Das heißt: Wir wissen, dass wir jetzt noch nicht in Hochform sind. Aber unser Team ist gut aufgestellt. Wir haben wirklich sieben Athletinnen, die jederzeit um Punkte springen können. Wir haben aber gesehen, dass die Sprünge noch nicht hundertprozentig laufen – und das ist notwendig, um ganz vorne dabei zu sein. Hier in Klingenthal sind jetzt drei in den Top Ten gewesen. Das ist sehr vielversprechend und ich bin mir sicher, dass wir, wenn wir dann in Lillehammer am Start stehen und noch einmal die notwendige Ruhe haben – mit dem letzten Lehrgang auf Zypern, wo wir Energie tanken –, wirklich gut aufgestellt sind.“

Skispringen-News.de: „Ist es dieses Mal auch eine etwas andere Art der Vorbereitung im Vergleich zu den vergangenen Jahren, weil später im Jahr noch Olympia ansteht?“

Heinz Kuttin: „Logisch hat jeder den Fokus auf Olympia. Grundsätzlich haben wir ein paar Dinge gegenüber dem letzten Jahr geändert. Wir waren am Anfang top in Form, und das wollten wir dieses Mal ein bisschen verzögern. Deswegen haben wir im Herbst den Block noch einmal etwas länger gezogen. Und dann kam das Thema Material dazu. Das war leider keine schöne Sache, weil es viele Verletzungen gab und die Mädels sehr viel diskutiert haben. Der Fokus lag plötzlich ganz woanders. Das hat uns sicher etwas durcheinandergebracht – wie viele andere Nationen wahrscheinlich auch. Aber jetzt passt es gut. Ich sehe das nicht als Problem, sondern ganz im Gegenteil: Es motiviert uns noch einmal, genau und akribisch zu arbeiten und Ruhe zu bewahren.“

Skispringen-News.de: „Wie schwer ist es, auf Athletinnen mit Kniebeschwerden wie Agnes Reisch Rücksicht zu nehmen? Gibt es eine eigene Belastungssteuerung? Auch Anna Hollandt hat erzählt, dass sie zuletzt Kniebeschwerden hatte. Wie könnt ihr das im Training steuern?“

Heinz Kuttin: „Das kannst du nur über das Gefühl der Athletinnen richtig gut steuern, wenn ‘Wehwehchen’ auftreten – ich sage das bewusst unter Anführungszeichen, denn das sind ja wirkliche Schmerzen. Bei Anna ist es ein anderes Schmerzbild als bei Agnes, aber sie haben alle ihre Vorgeschichte. Deswegen habe ich ein individuelles Programm und mache das mit jeder Athletin einzeln. Ich gebe den Athletinnen mehr Entscheidungsfreiheit bei den Fragen: Kann ich heute gut trainieren? Bin ich heute so fit, dass ich Kraft- oder Sprungtraining machen kann? Das versuchen wir möglichst gut zu steuern. Und jede Athletin im Team hat dafür Verständnis – und das ist ganz, ganz wichtig. Am Ende der Saison können wir dann sagen: Wir haben vieles richtig gemacht oder es waren doch ein paar Fehler dabei.“

Skispringen-News.de: „Ist es generell schwierig, wenn man Anzüge erst enger macht und dann wieder etwas weiter? Wäre es wichtig, da endlich Kontinuität reinzubringen?“

Heinz Kuttin: „Ja, das stimmt. Aber Gott sei Dank ist jetzt der Schritt gemacht worden und die FIS sowie die Gremien haben es auch so gesehen. Wir haben von Anfang an gesagt: Die Sprünge werden schneller und der Impact bei der Landung wird größer. Aber man hat zugeschaut, und das mit Predazzo war wirklich nicht schön. Da sind drei Top-Athletinnen schwer gestürzt, eine bereits in Courchevel – also vier Athletinnen, die Medaillenchancen hatten, sind jetzt raus. Jede Verletzung ist eine zu viel. Wenn man sieht, dass schon 2014 diese Entscheidungen mit den engeren Anzügen zu vielen Verletzungen geführt haben, und man jetzt wieder denselben Fehler macht – das ist aus sportlicher Sicht unverständlich. Jetzt ist es Gott sei Dank wieder weg. Klar, wir arbeiten daran, das optimale Setup zu finden. Wir sind noch nicht dort, wie man gesehen hat. Die Sprünge sind noch nicht hundertprozentig. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir vorne mitspringen können.“

Skispringen-News.de: „Heute in Klingenthal hat es die Kanadierin Abigail Strate erwischt, die disqualifiziert wurde. Ist das einfach so einzuordnen, dass jeder trotzdem versucht, bis ans Limit zu gehen?“

Heinz Kuttin: „Nein, das sind Kleinigkeiten. Da geht es um die Hüfte, und man weiß, wie schnell das geht. Man trinkt halt ein bisschen weniger oder fühlt sich nicht so wohl, dann hat man gleich mal ein, zwei Zentimeter zu wenig Umfang oder der Anzug wird zu groß. Das sind Kleinigkeiten. Die Ursache, warum jetzt so genau kontrolliert wird, wissen wir alle, liegt ganz woanders. Ich hoffe, dass das im Winter rhythmisch wird und dass da nicht zu viel passiert.“

Skispringen-News.de: „Wenn wie vorhin die Wartezeit bis zur Siegerehrung extrem lange wird, ist das ja auch schwierig für die Zuschauer. Aber trotzdem sagst du, das müssen wir so machen, damit einfach eine Art ‚Gerechtigkeit‘ wiederhergestellt wird?“

Heinz Kuttin: „Ja, also ich unterstütze diese guten Kontrollen, die jetzt gemacht werden. Ich glaube, speziell im Damensport sind letztes Jahr die Kontrollen am Anfang richtig gut geworden, und dann ist es im Laufe der Saison ein bisschen ausgeufert, was man beobachtet hat. Es ist ganz etwas anderes als das, was bei den Männern passiert ist, speziell in Norwegen. Dass ein Anzug ein bisschen zu groß ist, wird es weiterhin geben, weil man durch Tagesform etc. mal, wie gesagt, ein bisschen weniger Umfang hat. Oder man hat nicht gut gefrühstückt oder der Tag dauert lange. Dann geht das schnell.“

Skispringen-News.de: „Wie zufrieden bist du derzeit mit Selina Freitag, die wieder einen starken Eindruck hinterlässt?“

Heinz Kuttin: „Selina ist die Einzige, die jetzt richtig konstant gut gesprungen ist und die mit diesen ganzen Änderungen am besten umgehen konnte. Also wenn sie ihren Fluss und ihren Rhythmus hat und den Sprung richtig rotieren kann über den Vorbau, dann glaube ich, kann sie ganz vorne mitspringen und um Podiumsplätze kämpfen. Eine gute Entwicklung hat sie auch bei der Landung gemacht: Landeanflug, Landung – da hat sie richtig gut gearbeitet. Und vor allem hat sie sich immer mehr überwunden, den Schritt zu machen, in Richtung Hillsize zu springen mit Telemark. Also bin ich zuversichtlich, weil das letztes Jahr auf einmal der Fall war, dass sie da leider ein paar Wettkämpfe nicht ganz so durchgezogen hat.“

Skispringen-News.de: „Und jetzt, wo die Anzüge wieder ein bisschen weiter sind, kommt ihr dabei sicherlich auch entgegen, dass man wieder mit weniger Geschwindigkeit zur Landung kommt?“

Heinz Kuttin: „Ja, genau. Es kommt jeder Athletin entgegen, weil der Impact etwas kleiner wird. Es geht gar nicht so um die Geschwindigkeit, sondern einfach um die Flugkurve, die für die Athletinnen entsteht, und sie können deswegen auch wieder weiter mit Telemark springen.“

Skispringen-News.de: „Dankeschön und viel Erfolg für den Auftakt in die neue Saison!“

Heinz Kuttin: „Danke auch.“

DSV SGP Herren Sommer Grand Prix

Im Rahmen des Sommer-Grand-Prix der Skispringer in Klingenthal haben wir uns mit DSV-Sportdirektor Horst Hüttel getroffen, um mit ihm über den derzeitigen Leistungsstand bei den DSV-Adlern aber auch über die Ziele für die neue Wintersaison 2025/26 zu sprechen. Zudem gibt er uns im Interview auch einen Einblick in den Generationenumbruch des deutschen Skisprungkaders und schildert uns seine Meinung zu den beschlossenen Änderungen im Materialbereich der FIS.

Skispringen-News.de: „Herr Hüttel, der letzte Sommerwettbewerb in Klingenthal ist immer ein guter Zeitpunkt, um ein wenig Bilanz nach den ersten Wettkämpfen zu ziehen. Wie ist im Moment der Leistungsstand bei den Männern?“

Horst Hüttel: „Ja, also wir haben mit Philipp Raimund und Luca Roth heuer schon zwei verschiedene Athleten im Rahmen des Sommer-Grand-Prix auf dem Podium gehabt. Grundsätzlich ist jetzt schon eine gewisse Dynamik drin, einmal aufgrund des Materials aber auch der Tatsache geschuldet, dass junge Athleten nach oben kommen. Von der Seite her haben wir unterschiedlich gewichtet. Ich glaube, es ist sicher noch nicht jeder zufrieden mit seiner Performance, die er jetzt im Moment so gezeigt hat. Aber ich denke, der Weg passt, vor allem natürlich bei Philipp. Jetzt schaut es im Moment auch beim Pius (Paschke) wieder deutlich besser aus, wie noch vor vier oder sechs Wochen. Daher glaube ich, dass wir auf jeden Fall ein paar Dinge richtig identifiziert haben und da werden wir weiter dran arbeiten. Und der Zwischenstand: ich würde mal sagen, es ist okay, aber es gibt auch noch einiges zu tun.“

Skispringen-News.de: „Wenn man mal so ein bisschen auf das Material eingeht und diese ganzen Veränderungen, was transportieren die Athleten und auch die Athletinnen als Rückmeldung hierzu?“

Horst Hüttel: „Ich glaube schon, dass seitens der FIS hier überwiegend die richtigen Entscheidungen getroffen wurden und dass jetzt auch mit neuen Personen im System, wie hier mit Mathias Hafele und Jürgen Winkler Leute da sind, die ein paar neue Ansätze reinbringen und das schaut im Moment mal sehr klar und gut aus. Man muss jetzt schauen, wenn dann mit diesem Sanktionssystem gewisse Eventualitäten auch im Winter auftreten, wie dann damit umgegangen wird, aber ich glaube schon, dass die FIS die Zeichen der Zeit erkannt hat und hier zumindest mal klar kommuniziert und klar agiert. Und jetzt hoffen wir einfach mal, dass dies so bleibt und dass der Fokus wieder mehr auf den Sport gerichtet ist und weniger auf das Material.“

Skispringen-News.de: „Das wünschen wir uns sicherlich alle. Mit Blick auf die neue bevorstehende Saison – wie sehen die Zielsetzungen des DSV aus?“

Horst Hüttel: „Wir wollen auf jeden Fall ganz vorne mitkämpfen. Natürlich stehen die Olympischen Spiele bevor, aber ich war noch nie ein Freund von diesen Medaillenprognosen, weil ich einfach sage, das macht keinen Sportler besser. Ich glaube, wir haben selber einen hohen Anspruch und gerade auch etliche Athleten und Athletinnen, die schon bei Olympia dabei waren, wie z.B. Katharina Schmid oder Andi Wellinger, die Olympiasieger sind und Medaillen gewonnen haben. Da muss es der Anspruch sein, was bei ihnen auch der Fall ist, wieder in diese Richtung zu performen. Das ist mal das Eine. Aber wir haben natürlich mit der Skiflug-Weltmeisterschaft und der Vierschanzentournee noch weitere Highlights in diesem Winter. Da wollen wir einfach vorne mitkämpfen. Darüber hinaus ist es uns als Verband aber auch enorm wichtig, jüngere Athleten oder auch Athletinnen aus der zweiten Reihe nach vorne zu bringen. In den nächsten ein, zwei, drei Jahren ist ein gewisser Generationenumbruch notwendig. Und da arbeiten wir parallel dran. Dass natürlich jetzt, wenn ein junger Athlet, wie hier ein Max Unglaube, Ben Bayer, Jannik Feist oder auch ein Luca Roth, reinkommt nicht gleich Bäume ausreißen kann, ist auch klar, aber dass sie sich etablieren und mehr und mehr als Stütze ins System wirken ist wichtig. Das ist sicher ein zweites Ziel bei den Damen wie bei den Herren, was wir als Verband natürlich auch verfolgen.“

Skispringen-News.de: „Katharina Schmid hat sich lange Zeit gelassen mit ihrer Entscheidung, ob sie ihre Karriere weiter fortsetzt. Sie ist jetzt noch weiter mit dabei. Wie wichtig ist das auch als Signal für die jungen Springerinnen? Und gleichzeitig die Frage, welche Lücke hinterlassen Markus Eisenbichler und Stephan Leyhe bei den Männern?“

Horst Hüttel: „Ja, also bei der Katha sind wir sehr froh. Sie kann das natürlich komplett selber entscheiden, aber solange sie noch Lust drauf hat, solange sie gierig ist (und den Eindruck macht sie) und sich bewusst dafür entscheidet, sind wir natürlich sehr glücklich. Nicht nur die jüngeren Athletinnen, sondern auch alle im Team profitieren von der Katha, von ihrer Professionalität und ihrem Zugang. Und deswegen sind wir sehr froh, dass wir sie in der Saison noch dabei haben. Bei den Männern ist es richtig, dass Markus Eisenbichler und Stephan Leyhe eine Lücke hinterlassen. Und da müssen wir jetzt mit Hochdruck dran arbeiten, was wir vom Nachwuchs her auch schon tun. Werner Schuster ist sehr aktiv, um hier diese Lücke peu à peu mit jüngeren Athleten zu schließen. Wir haben heuer erstmals, glaube ich, in den letzten zehn Jahren einen Dreifach-Sieg im Alpencup gelandet. Hier sind ein paar gute Anzeichen da, aber der Weg dieser jungen Athleten in den Weltcup hinein ist natürlich noch sehr lang. Da kommt erst noch die COC-Thematik und etliche Stufen vorher. Aber wir haben hier auf jeden Fall den Fokus gleichermaßen auf diesen Top-Bereich und auf den Bereich, der dahinter kommt, weil das natürlich letzten Endes über die Zukunft entscheidet.“

Skispringen-News.de: „Kommen wir noch zu ein paar anderen Themen. Bei den Sommer-Grand-Prix Wettbewerben in Courchevel und in Wisla wurde das sog. „High-Five-Format“ getestet. Wie ist das insgesamt aufgenommen worden? Und wie blickt der DSV auf solche Veränderungen in den „normalen Strukturen“ des Skispringens?“

Horst Hüttel: „Ja, also dieses „High-Five-Format“ hat mich persönlich und auch viele aus unserem Team, muss ich sagen, jetzt nicht so vom Hocker gerissen. Vielleicht muss man es erst noch ein Stück weit wirken lassen, aber ich glaube, dass andere Ansätze aus meiner Sicht wichtiger wären, was den Sommer angeht oder generell die Weiterentwicklung des Skispringens. Man sollte versuchen, den Sommer mal wieder in dieses Blickfeld zu rücken, wo er schon mal war. Wir hatten früher in Hinterzarten mehr als 10.000 Zuschauer und das ist jetzt leider abgeebbt, auch weil der Sommer-Grand-Prix ziemlich zerrissen ist. Ich weiß nicht, ob diese Streckung von Juli bis Oktober das Richtige ist, oder ob man das vielleicht komprimierter angehen sollte. An sich weiß ich auch nicht, ob der Skisprung neue Formate unbedingt braucht. Aber es ist noch kein abschließendes Urteil. Generell würde ich sagen, dass auch was ich so wahrgenommen habe von den anderen Nationen, dieses High-Five-Format eher gedämpft aufgenommen wurde.“

Skispringen-News.de: „Die FIS plant ja auch, die Weltcup-Kalender der Damen und Männer zusammenzuführen, also dass immer mehr Wettbewerbe gleichzeitig stattfinden. Es gibt sicherlich sehr viel, was dafür spricht. Man hört aber auch immer wieder ein paar Stimmen, die bemängeln, dass dadurch einzelne Standorte mit 90-Meter-Schanzen im Weltcupkalender gänzlich wegfallen könnten. Wie ist Ihre persönliche Meinung hierzu?„

Horst Hüttel: „Also da haben wir als Verband eine ganz klare Meinung dazu. Und die schaut folgendermaßen aus: dass wir grundsätzlich dieses Bestreben, Herren- und Frauenwettbewerbe mehr zusammenzuführen absolut unterstützen. Aber man muss die Dinge wirklich zu Ende denken, weil zum einen auf die Veranstalter und die Durchführung der Wettkämpfe andere Rahmenbedingungen zukommen. Man darf auch nicht die Zuschauer im Stadion überfordern, wenn man dann drei, vier oder fünf Stunden an der Schanze stehen muss. Das muss man alles gut bedenken. Das andere ist aber, ich finde, ähnlich wie mein Kollege Mario Stecher aus Österreich, dass wir weiterhin gewisse Orte aufrechterhalten sollten, wo halt dann unter Umständen nur die Damen vor Ort sind, wie in Hinzenbach, Villach sowie vielleicht auch in Deutschland noch in Hinterzarten oder an anderen Orten. Ich finde, dass dies nach wie vor möglich sein sollte, sodass wir als nationale Verbände diese Infrastruktur aufrechterhalten können – und dazu brauchen wir auch dieses Schaufenster „Weltcup“ nach außen. Da geht es anderen Ländern, wie Slowenien mit Ljubno, genauso. Diese Option sollte bei allem Zusammenführen weiterhin aufrechterhalten bleiben können. Das wäre uns in diesem Kontext enorm wichtig.“

Skispringen-News.de: „Und es könnte auch für den Nachwuchs bei den Damen vielleicht wichtig sein, um sie mit einer 90-Meter-Schanze besser an den Weltcup heranführen zu können?“

Horst Hüttel: „Richtig. Es kommt noch dazu, dass diese Anlagen gerade für die kleineren Nationen und für die jüngeren Athletinnen einfach wichtig sind. Und da hat sich ja auch etwas aufgebaut, wenn ich sehe, dass z.B. in Ljubno 8.000 oder 10.000 Zuschauer vor Ort sind. Ich war letztes Jahr selber in Villach, wo eine ganz tolle Atmosphäre war. Warum diese Wettkämpfe aus dem Kalender streichen? Da haben wir so unser Problem mit. Und ich finde, da darf sich die FIS nicht zurückziehen, dass nur wir als nationale Verbände die Infrastruktur klären sollen. Wir müssen hier zusammenarbeiten! Und deswegen nochmal: ich finde die Zusammenlegung, auch jetzt dann hoffentlich bald in einer gleichförmig verlaufenden Vierschanzentournee, absolut richtig. Davon profitiert der Skisprungsport in Summe. Aber es sollte auch die Möglichkeit offen gehalten werden, einzelne Weltcup-Veranstaltungen zu erhalten. Wenn es um das Skifliegen bei den Männern geht, muss man z.B. gut überlegen, ob dann da immer die Damen dabei sein sollten oder man dann vielleicht auf die Normalschanze geht an den Orten, die ich angesprochen habe. Ich finde, man muss die Kalender nicht zu 100 Prozent deckungsgleich gestalten. Es wäre gut, wenn man sagt, man will 80 Prozent gemeinsam gehen und in 20 Prozent bleibt man offen, so wie das auch der Alpinrennsport macht – dann ist das doch absolut okay!

Skispringen-News.de: „Vielen Dank für das Gespräch und vor allem viel Erfolg in der neuen Wintersaison!“

Horst Hüttel: „Sehr gerne, vielen Dank!“