DSV

Am vergangenen Wochenende kämpften die deutschen Skispringerinnen und Skispringer in Hinterzarten um die deutschen Meistertitel 2026. In diesem Jahr fanden die Wettbewerbe somit auf einer Normalschanze statt. Zum ersten Mal seit einigen Jahren fanden die nationalen Meisterschaften im Skispringen und der Nordischen Kombination zudem wieder am gleichen Ort und am selben Wochenende statt.

Bei den Kämpfen um die Einzeltitel am Freitagabend kam es dabei bereits zur ein oder anderen Überraschung im Adlerskistadion. Denn der Umstand des gemeinsamen Austragungsortes und -zeitpunktes führte auch dazu, dass einige Kombinierer im Einzelwettbewerb der Spezialspringer an den Start gingen. Insgesamt sind die Sieger bei Damen und Herren jedoch die Favoritensieger, die nach vorherigen Eindrücken so zu erwarten waren. Bei den Damen konnte sich Agnes Reisch (254.0 P.) den Meistertitel sichern. Sie zeigte bereits zwei Wochen zuvor beim Intercontinental Cup, dass Sie sich gut fühlt und auf der Schanze gut zurechtkommt. Im Feld der Herren setzte sich mit Philipp Raimund (255.9 P.) der Olympiasieger von der Normalschanze diesen Jahres im Kampf gegen Andreas Wellinger (253.2 P.) durch.

Silber bei den Damen ging an Selina Freitag (251.0 P.), während sich Luisa Görlich (241.3 P.), die sich nach ihrer erneuten Kreuzbandverletzung von 2025 stark zurückgekämpft hat, Bronze sichern konnte. Bei den Herren fiel besonders positiv Ben Bayer auf, der sich zuletzt mehrere Podestplatz im Continentalcup sichern konnte und sich nun auch Bronze bei den Meisterschaften sichern konnte.

Überraschen konnten im Feld der Herren auch Jannik Faißt, der seinen Heimvorteil nutzen konnte und sich auf einem starken vierten Platz, noch vor Karl Geiger, einreihen konnte. Dieser gab erst im Nachgang bekannt, dass er die vergangenen Wochen verletzungsbedingt eine Pause einlegen musste. Mit Platz fünf zeigte sich der Oberstdorfer also durchaus zufrieden als Wiedereinstieg. Bei beiden Geschlechtern mischten auch Kombinierer im vorderen Feld mit. So sicherte sich Jenny Nowak (Sachsen) Platz sechs bei den Damen und Richard Stenzel (Thüringen) Rang acht bei den Herren, vor Athleten wie Felix Hoffmann (9.) und einigen Vertretern des deutschen B-Kaders.

Bei den Juniorinnen und Junioren gingen die Titel dieses Jahr mit Anna Deufel und Yann Kullmann beide Male an den baden-württembergischen Skiverband. Besonders der erst 17-jährige Yann Kullmann setzte sich dabei mit fast 30 Punkten Vorsprung deutlich von der Konkurrenz ab.

Titel im Team an Baden-Württemberg und Bayern

Den Titel im Team sicherten sich die beiden Einzel-Siegerinnen Anna Deufel und Agnes Reisch im gemeinsamen Team Baden-Würrtemberg. Sie setzten sich gegen Megi Lou Schmidt, die zusammen mit Selina Freitag ein Team für den sächsischen Skiverband bildete. Dahinter holten sich Juliane Seyfarth und Luisa Görlich Bronze für Thüringen.

Bei den Herren gab es einen glasklaren Sieg des bayerischen Teams mit Philipp Raimund, Constantin Schmid, Karl Geiger und Andreas Wellinger, die sich mit insgesamt knapp 80 Punkten gegen die weiteren Teams durchsetzten. Das Quartett aus Baden-Württemberg mit Jannik Faißt, Yann Kullmann, Ben Bayer und Luca Roth gewann Silber, das 2. Team aus gleichem Bundesland mit Amadeus Horngacher, Janne Holz, Finn Braun und Lasse Deimel, Bronze.

Als letzter Akt vor dem Start der Wintersaison in knapp sechs Wochen steht für die Skispringer das Finale des Sommer Grand Prix im sächsischen Klingenthal von 23.-25. Oktober 2026 an.

Ergebnisse Einzel

Ergebnisse Team

DSV Weltcup Damen Weltcup Herren

Nachdem die Trainerklausuren des Deutschen Skiverbandes (DSV) in den vergangenen zwei Wochen beendet und alle Kader besprochen wurden, gab der Verband am Mittwoch alle Änderungen für die Damen- und Herren-Mannschaften entsprechend bekannt. Die Lehrgangsgruppe 1a umfasst für die Saison 2026/2027 insgesamt neun Springerinnen bei den Damen sowie sechs Springer im Herren-Team.

Bei den Damen vereint die Gruppe sowohl etablierte Athletinnen mit Selina Freitag, Juliane Seyfarth, Agnes Reisch und Luisa Görlich, als auch junge Springerinnen. Alvine Holz und vor allem Emely Torazza waren in den vergangenen zwei Jahren bereits mehrmals im Weltcup eingesetzt. Luisa Görlich möchte nach ihrem zweiten Kreuzbandriss in Folge wieder im Weltcupgeschehen eingreifen. „Neu“ hinzu kommen nun Anne Häckel, Julina Kreibich und Anna-Fay Scharfenberg, die sich in den vergangenen zwei Jahren stark über den Inter-Continental Cup weiterentwickelt haben.

Die Mannschaft der Herren bleibt im Grunde mit Philipp Raimund, Felix Hoffmann, Andreas Wellinger, Karl Geiger und Pius Paschke bestehen. Zum Team des neuen Bundestrainers Andreas Mitter kommt lediglich Luca Roth, der nach mehreren Jahren im Continental Cup nun noch eine Ebene nach oben rutscht. Vergangene Saison bekam er einige Weltcup-Einsätze als Ersatz für Wellinger oder Geiger und erzielte dort für ihn solide Ergebnisse – nun soll er sich im Weltcup-Team stabilisieren.

Eine spannende Veränderung gibt es vor allem im B-Kader der Herren zu vermelden, welches Zuwachs aus einem Nachbarland erhalten hat. Nicht nur den Verein, sondern auch die Nation hat Timon Pascal Kahofer gewechselt, der ab sofort für den Skiclub Oberstdorf starten wird. Der gebürtige Österreicher dürfte sich im deutschen Team bessere Chancen für einen möglichen Aufstieg nach ganz oben erhoffen als unter der starken und extrem großen Konkurrenz in der Alpenrepublik.

<Die gesamte Kaderliste im Überblick>

DSV Weltcup Weltcup Damen

Katharina Schmid hat in Planica ihre eindrucksvolle Karriere beendet und möchte, wie sie gegenüber dem ZDF bestätigte, künftig dem Skispringen weiter treu bleiben, mit dem Ziel, Nachwuchstrainerin in Oberstdorf zu werden. Andreas Bauer, der von 2011 bis 2021 Bundestrainer des Damenteams war, hält dies für eine tolle Entscheidung und schildert uns im Interview, was Schmid als Athletin über die Jahre ausgezeichnet hat und ihr in dieser neuen Rolle zugutekommen würde.

Skispringen-News.de: „Andreas Bauer, Katharina Schmid hat ihr Karriereende bekannt gegeben. Sie haben eine lange Wegstrecke mit ihr gemeinsam bestritten. Was hat sie als Athletin über all die Jahre ausgezeichnet, und welche besonderen Erinnerungen gibt es aus dieser Zeit?“

Andreas Bauer: „Ja, es sind besondere Erinnerungen. Sie hat ausgezeichnet, dass sie schon sehr früh eine sehr komplette und gute Skispringerin war. Mit 15 Jahren war sie schon bei mir im Weltcup dabei. Wir mussten sie mitnehmen, weil sie einfach gut war. Sie ist vorher Ski-Alpin gefahren und hat dadurch natürlich unheimlich gute Grundlagen gehabt. Ihren beiden Brüdern, die auch Skispringer waren, hat sie immer nachgeeifert. Und dann war sie mit 15 Jahren schon so gut, dass sie eigentlich ins Weltcup Team gehörte.

Mit diesem Alter durch die ganze Welt zu reisen, war natürlich eine große Herausforderung. Ich weiß noch ganz gut, wie sie das erste Mal im Sommer-Grand-Prix in Nizny Tagil auf dem Podest stand. Und sie musste dann zur Pressekonferenz, die auf Englisch war. Das war für sie dann so die erste große Challenge damals (schmunzelt). Und ich sage immer: gerade junge Sportler können sich über den Sport extrem gut als Persönlichkeit entwickeln. Genau das hat sie getan. Inzwischen ist sie zudem siebenfache Weltmeisterin und hat zweimal Silber bei Olympia gewonnen.

Jetzt möchte sie einfach diesen Schritt ins Familienleben machen, dieses genießen und das steht ihr auch zu. Sie ist ja seit drei Jahren schon verheiratet.“

Skispringen-News.de: „Familienleben einerseits, aber sie hat ja auch einen Trainerschein gemacht mit der Absicht, künftig ins Trainergeschäft für den Nachwuchs einzusteigen. Wie wichtig wäre es gerade für die jungen Damen, mit Katha Schmid ein solches Zugpferd in einer entsprechenden Position zu haben?“

Andreas Bauer: „Also, das soll jetzt nicht abwertend klingen, aber ich glaube, die Katha kann hervorragend mit Kindern umgehen. Sie hat auch damals während der Fachoberschule schon ihr Praktikum im Kindergarten gemacht. Also wie gesagt, sie kann hervorragend mit Kindern umgehen und ich glaube, sie wäre daher auch eine extrem gute Jugendtrainerin. So die Talentsichtung, die Talente gewinnen und diese für das Skispringen begeistern – ich glaube darin wäre sie extrem gut und das würde ihr auch Spaß machen.“

Skispringen-News.de: „Vielen Dank für die Einschätzung. Wir sind dann gespannt, ob Katharina Schmid schon in der nächsten Saison diese neue Funktion ausübt, oder ob sie sich erst einmal noch vorübergehend eine Auszeit nimmt.“

DSV Weltcup Herren

Lange haben alle Beteiligten auf die Veröffentlichung des Nachfolgers von Stefan Horngacher gewartet. Nun hat der Deutsche Skiverband den personellen Wechsel im Trainerteam der Skisprung-Herren bekanntgegeben: Andreas Mitter übernimmt ab kommender Saison das Amt des Bundestrainers und folgt damit auf Horngacher, der das Team seit 2019 betreut hatte.

Stefan Horngacher kann auf eine erfolgreiche Amtszeit als Bundestrainer der deutschen Skispringer zurückblicken. Unter seiner Führung gewann das Team unter anderem den Nationen‑Weltcup, stellte einen Skiflug‑Weltmeister und feierte bei der Heim-WM 2021 in Oberstdorf drei Goldmedaillen. Ein besonderer Höhepunkt war zudem der Olympiasieg von Philipp Raimund auf der Normalschanze in Predazzo in diesem Winter, ergänzt durch weitere Podestplätze wie die Bronzemedaille von Karl Geiger. Trotz dieser starken Bilanz blieb ein großer Traum unerfüllt: ein deutscher Gesamtsieg bei der Vierschanzentournee.

Andreas Mitter, der bereits international umfangreiche Erfahrung als Chef- und Nachwuchstrainer gesammelt hat, soll neue Impulse setzen und die Entwicklung der deutschen Mannschaft weiter vorantreiben. Unterstützt wird er dabei unter anderem von Jens Deimel sowie Tino Haase, die künftig erneut als Co‑Trainer ins Weltcupteam zurückkehren werden. Beide waren bereits in der Ära Werner Schuster in der Verantwortung und betreuten zuletzt Athleten im B- bzw. C-Kader des DSV.

„Ich freue mich sehr auf meine neue Aufgabe im Deutschen Skiverband und möchte mein Kow-how und meine Erfahrung als langjähriger Trainer einbringen“, sagt Andreas Mitter. „Zusammen mit meinen Trainerkollegen wollen wir neue Impulse in der Trainingsarbeit setzen, um das Potenzial der Mannschaft bestmöglich zu entwickeln. Darüber hinaus gilt es, mit den Trainern aller Lehrgangsgruppen im DSV inhaltliche Schwerpunkte für eine langfristige und positive Entwicklung für den Skisprung in Deutschland zu setzen.“

DSV Weltcup Weltcup Herren

Im Skisprung-Weltcup ist Vladimir Zografski bereits seit 2008 aktiv. Seit zwei Jahren trainiert der Bulgare mit dem deutschen Team – und hat im Vergleich zu seinen früheren Jahren als Einzelkämpfer einen deutlichen Leistungssprung gemacht.

„Die Saison war von einem Auf und Ab geprägt. Im Moment läuft es aber ziemlich gut, würde ich sagen – ich bin recht zufrieden“, erklärte Zografski gegenüber Skispringen-News.de. Und das aus gutem Grund: Aktuell erlebt er seine bisher stärkste Weltcup-Saison. Auf Rang neun in Falun Ende November 2025 folgte in Ruka mit Platz vier sein bislang bestes Weltcup-Ergebnis. In Wisła bestätigte er seine Form mit Rang sechs, in Willingen wurde er Achter. Vier Top-10-Platzierungen in einer Saison – zum Vergleich: Seit seinem Debüt 2008 hatte er zuvor insgesamt nur sechs Ergebnisse unter den besten Zehn erreicht. Diese Entwicklung unterstreicht eindrucksvoll, wie sehr er sein Niveau gesteigert hat. Auch bei den Olympischen Winterspielen in Predazzo überzeugte er mit Platz zehn im Einzel auf der Großschanze.

Ein wesentlicher Faktor für diesen Aufwärtstrend ist die Zusammenarbeit mit dem deutschen Team. Zografski fühlt sich längst als fester Bestandteil der Mannschaft. Das zeigt sich nicht nur daran, dass er sich im Auslauf gemeinsam mit den DSV-Adlern positioniert und sich über gute Resultate deutscher Athleten mitfreut. Auch bei Siegerehrungen ist er regelmäßig dabei, wenn ein deutscher Springer auf dem Podest steht – gelebter Teamgeist.

Über die Kooperation sagt er: „Es ist einfach unglaublich. Für mich ist es das zweite Jahr der Zusammenarbeit mit dem deutschen Team. Man sieht, dass meine Sprünge immer besser werden – und die Ergebnisse ebenfalls. Es war eine großartige Gelegenheit für mich. Ich möchte mich beim Deutschen Skiverband bedanken, dass ich Teil des Teams sein darf. Alle sind supernett, der Trainer ist klasse, die Athleten auch – es ist wirklich toll.“

Das Lächeln steht ihm dabei ins Gesicht geschrieben – und man gönnt es ihm. Über Jahre hinweg blieb Zografski beharrlich, trotz zahlreicher Rückschläge. Am 17. Dezember 2010 sammelte er in Engelberg mit Rang 28 erstmals Weltcup-Punkte. Am 3. Dezember 2011 gelang ihm in Lillehammer als Achter die erste Top-10-Platzierung. 2013 stellte er in Planica mit 213,5 Metern einen neuen bulgarischen Rekord auf. Allerdings konnte er diese Leistungen lange Zeit nicht konstant bestätigen: Von der Saison 2013/14 bis 2016/17 erreichte er lediglich dreimal den zweiten Durchgang.

Neuen Schwung erhielt seine Karriere bei den Olympischen Winterspielen 2018 in Pyeongchang, wo er im Einzel auf der Normalschanze überraschend Platz 14 belegte. Ein weiterer Höhepunkt folgte 2023 mit dem Gesamtsieg im Sommer-Grand-Prix – inklusive drei Einzelerfolgen. In der Saison 2024/25 verbesserte er beim Skifliegen in Oberstdorf den bulgarischen Rekord auf 215 Meter und sprang bei den Nordischen Ski-Weltmeisterschaften 2025 auf der Normalschanze in Trondheim auf einen starken neunten Platz.

Es bleibt spannend, welche Impulse die enge Zusammenarbeit mit dem deutschen Team noch bringen wird. Aktuell liegt Zografski auf Rang 13 im Gesamtweltcup.

DSV SGP Damen Sommer Grand Prix Weltcup Damen

Am nächsten Wochenende beginnt in Lillehammer die diesjährige Weltcup-Saison. Letztes Jahr verlief der Auftakt für die deutschen Damen direkt grandios, und er war – wie Cheftrainer Heinz Kuttin heute sagt – der „Knochenbrecher“ für eine erfolgreiche Wintersaison. Dennoch wurde die Vorbereitung dieses Mal bewusst etwas anders gesteuert. Im Interview verrät er uns, was das Ziel dahinter ist und äußert sich auch zur Materialumstellung infolge der vielen schweren Stürze während des Sommer-Grand-Prix.

Der Sieg im Mixed-Wettbewerb am Freitag, danach am Samstag die Plätze zwei und drei für Katharina Schmid und Selina Freitag im Einzel und anschließend noch einmal am Sonntag ein Doppelsieg im Einzel (Katharina Schmid gewann vor Selina Freitag) – ein Auftakt nach Maß für die deutschen Damen im letzten Winter in Lillehammer. Daher stellt sich die Frage, ob wir direkt zum Start wieder einen solchen „Knochenbrecher“ erwarten dürfen. Cheftrainer Heinz Kuttin dämpft allerdings die Erwartungen für den Weltcupstart etwas.

Skispringen-News.de: „Heinz, wie fällt die Analyse zum letzten Sommer-Grand-Prix in Klingenthal sowie zur bisherigen Vorbereitung bei den deutschen Damen aus?“

Heinz Kuttin: „Durchwachsen, sage ich jetzt einmal. Durchwachsen deswegen, weil wir sehr viel gearbeitet haben. Wir haben in letzter Zeit natürlich durch die ganze Materialumstellung erneut viel Fokus auf diesen Bereich gelegt. Wir haben im September noch einmal einen richtigen Konditionsblock gemacht. Das heißt: Wir wissen, dass wir jetzt noch nicht in Hochform sind. Aber unser Team ist gut aufgestellt. Wir haben wirklich sieben Athletinnen, die jederzeit um Punkte springen können. Wir haben aber gesehen, dass die Sprünge noch nicht hundertprozentig laufen – und das ist notwendig, um ganz vorne dabei zu sein. Hier in Klingenthal sind jetzt drei in den Top Ten gewesen. Das ist sehr vielversprechend und ich bin mir sicher, dass wir, wenn wir dann in Lillehammer am Start stehen und noch einmal die notwendige Ruhe haben – mit dem letzten Lehrgang auf Zypern, wo wir Energie tanken –, wirklich gut aufgestellt sind.“

Skispringen-News.de: „Ist es dieses Mal auch eine etwas andere Art der Vorbereitung im Vergleich zu den vergangenen Jahren, weil später im Jahr noch Olympia ansteht?“

Heinz Kuttin: „Logisch hat jeder den Fokus auf Olympia. Grundsätzlich haben wir ein paar Dinge gegenüber dem letzten Jahr geändert. Wir waren am Anfang top in Form, und das wollten wir dieses Mal ein bisschen verzögern. Deswegen haben wir im Herbst den Block noch einmal etwas länger gezogen. Und dann kam das Thema Material dazu. Das war leider keine schöne Sache, weil es viele Verletzungen gab und die Mädels sehr viel diskutiert haben. Der Fokus lag plötzlich ganz woanders. Das hat uns sicher etwas durcheinandergebracht – wie viele andere Nationen wahrscheinlich auch. Aber jetzt passt es gut. Ich sehe das nicht als Problem, sondern ganz im Gegenteil: Es motiviert uns noch einmal, genau und akribisch zu arbeiten und Ruhe zu bewahren.“

Skispringen-News.de: „Wie schwer ist es, auf Athletinnen mit Kniebeschwerden wie Agnes Reisch Rücksicht zu nehmen? Gibt es eine eigene Belastungssteuerung? Auch Anna Hollandt hat erzählt, dass sie zuletzt Kniebeschwerden hatte. Wie könnt ihr das im Training steuern?“

Heinz Kuttin: „Das kannst du nur über das Gefühl der Athletinnen richtig gut steuern, wenn ‘Wehwehchen’ auftreten – ich sage das bewusst unter Anführungszeichen, denn das sind ja wirkliche Schmerzen. Bei Anna ist es ein anderes Schmerzbild als bei Agnes, aber sie haben alle ihre Vorgeschichte. Deswegen habe ich ein individuelles Programm und mache das mit jeder Athletin einzeln. Ich gebe den Athletinnen mehr Entscheidungsfreiheit bei den Fragen: Kann ich heute gut trainieren? Bin ich heute so fit, dass ich Kraft- oder Sprungtraining machen kann? Das versuchen wir möglichst gut zu steuern. Und jede Athletin im Team hat dafür Verständnis – und das ist ganz, ganz wichtig. Am Ende der Saison können wir dann sagen: Wir haben vieles richtig gemacht oder es waren doch ein paar Fehler dabei.“

Skispringen-News.de: „Ist es generell schwierig, wenn man Anzüge erst enger macht und dann wieder etwas weiter? Wäre es wichtig, da endlich Kontinuität reinzubringen?“

Heinz Kuttin: „Ja, das stimmt. Aber Gott sei Dank ist jetzt der Schritt gemacht worden und die FIS sowie die Gremien haben es auch so gesehen. Wir haben von Anfang an gesagt: Die Sprünge werden schneller und der Impact bei der Landung wird größer. Aber man hat zugeschaut, und das mit Predazzo war wirklich nicht schön. Da sind drei Top-Athletinnen schwer gestürzt, eine bereits in Courchevel – also vier Athletinnen, die Medaillenchancen hatten, sind jetzt raus. Jede Verletzung ist eine zu viel. Wenn man sieht, dass schon 2014 diese Entscheidungen mit den engeren Anzügen zu vielen Verletzungen geführt haben, und man jetzt wieder denselben Fehler macht – das ist aus sportlicher Sicht unverständlich. Jetzt ist es Gott sei Dank wieder weg. Klar, wir arbeiten daran, das optimale Setup zu finden. Wir sind noch nicht dort, wie man gesehen hat. Die Sprünge sind noch nicht hundertprozentig. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir vorne mitspringen können.“

Skispringen-News.de: „Heute in Klingenthal hat es die Kanadierin Abigail Strate erwischt, die disqualifiziert wurde. Ist das einfach so einzuordnen, dass jeder trotzdem versucht, bis ans Limit zu gehen?“

Heinz Kuttin: „Nein, das sind Kleinigkeiten. Da geht es um die Hüfte, und man weiß, wie schnell das geht. Man trinkt halt ein bisschen weniger oder fühlt sich nicht so wohl, dann hat man gleich mal ein, zwei Zentimeter zu wenig Umfang oder der Anzug wird zu groß. Das sind Kleinigkeiten. Die Ursache, warum jetzt so genau kontrolliert wird, wissen wir alle, liegt ganz woanders. Ich hoffe, dass das im Winter rhythmisch wird und dass da nicht zu viel passiert.“

Skispringen-News.de: „Wenn wie vorhin die Wartezeit bis zur Siegerehrung extrem lange wird, ist das ja auch schwierig für die Zuschauer. Aber trotzdem sagst du, das müssen wir so machen, damit einfach eine Art ‚Gerechtigkeit‘ wiederhergestellt wird?“

Heinz Kuttin: „Ja, also ich unterstütze diese guten Kontrollen, die jetzt gemacht werden. Ich glaube, speziell im Damensport sind letztes Jahr die Kontrollen am Anfang richtig gut geworden, und dann ist es im Laufe der Saison ein bisschen ausgeufert, was man beobachtet hat. Es ist ganz etwas anderes als das, was bei den Männern passiert ist, speziell in Norwegen. Dass ein Anzug ein bisschen zu groß ist, wird es weiterhin geben, weil man durch Tagesform etc. mal, wie gesagt, ein bisschen weniger Umfang hat. Oder man hat nicht gut gefrühstückt oder der Tag dauert lange. Dann geht das schnell.“

Skispringen-News.de: „Wie zufrieden bist du derzeit mit Selina Freitag, die wieder einen starken Eindruck hinterlässt?“

Heinz Kuttin: „Selina ist die Einzige, die jetzt richtig konstant gut gesprungen ist und die mit diesen ganzen Änderungen am besten umgehen konnte. Also wenn sie ihren Fluss und ihren Rhythmus hat und den Sprung richtig rotieren kann über den Vorbau, dann glaube ich, kann sie ganz vorne mitspringen und um Podiumsplätze kämpfen. Eine gute Entwicklung hat sie auch bei der Landung gemacht: Landeanflug, Landung – da hat sie richtig gut gearbeitet. Und vor allem hat sie sich immer mehr überwunden, den Schritt zu machen, in Richtung Hillsize zu springen mit Telemark. Also bin ich zuversichtlich, weil das letztes Jahr auf einmal der Fall war, dass sie da leider ein paar Wettkämpfe nicht ganz so durchgezogen hat.“

Skispringen-News.de: „Und jetzt, wo die Anzüge wieder ein bisschen weiter sind, kommt ihr dabei sicherlich auch entgegen, dass man wieder mit weniger Geschwindigkeit zur Landung kommt?“

Heinz Kuttin: „Ja, genau. Es kommt jeder Athletin entgegen, weil der Impact etwas kleiner wird. Es geht gar nicht so um die Geschwindigkeit, sondern einfach um die Flugkurve, die für die Athletinnen entsteht, und sie können deswegen auch wieder weiter mit Telemark springen.“

Skispringen-News.de: „Dankeschön und viel Erfolg für den Auftakt in die neue Saison!“

Heinz Kuttin: „Danke auch.“

DSV SGP Herren Sommer Grand Prix

Bei den Junioren-Weltmeisterschaften 2024 in Planica gewann Adrian Tittel Silber mit dem Team sowie Bronze im Einzel und im Mixed-Team. Aufgrund des Reglements hatte er durch diesen Erfolg bis zu den Junioren-Weltmeisterschaften 2025 in Lake Placid automatisch einen festen Startplatz im Weltcupteam von Bundestrainer Stefan Horngacher. In der aktuellen Wintersaison heißt es für Tittel, der an den Stützpunkt nach Oberstdorf gewechselt ist, sich erneut zu beweisen.

Skispringen-News.de sprach mit ihm im Rahmen des letzten Sommer-Grand-Prix in Klingenthal.

Skispringen-News.de: „Adrian, wie schätzt du derzeit deinen Leistungsstand ein und woran arbeitest du momentan besonders?“

Adrian Tittel: „Ich glaube, ich bin nicht viel schlechter als letztes Jahr aber man sieht ja, dass das Feld wieder extrem stark ist. Am Fliegen muss ich noch ein bisschen arbeiten und meinen Absprung stabilisieren. Aktuell bin ich froh, dass es schon deutlich besser läuft als in den vergangenen Wochen. Da habe ich mich eher schwergetan, aber jetzt stabilisiert es sich und ich bekomme wieder mehr Lockerheit rein. Daran arbeite ich weiter, und dann schauen wir, wohin die Reise geht.“

Skispringen-News.de: „Muss man durch die neuen, engeren Anzüge mehr Absprungkraft einbringen?“

Adrian Tittel: „Ich glaube, an der Absprungkraft liegt es nicht, die ist eigentlich ziemlich gut. Man muss jedoch unglaublich gut fliegen, den Ski optimal in den Wind stellen und einfach die Körperhaltung gut machen. Daran arbeite ich momentan noch. Es ist aber schon deutlich besser als im Sommer, und wenn ich so weitermache, sehe ich eine gute Entwicklung.“

Skispringen-News.de: „Kommen dir die engeren Anzüge eher entgegen oder waren die weiteren Modelle der vergangenen Saison für dich besser?“

Adrian Tittel: „Die weiteren Anzüge waren auch nicht unbedingt ideal, da bin ich ebenfalls nicht besonders gut geflogen. Wenn ich unter dem Ski stand, blieb ich dort. Jetzt gelingt es mir besser, da rüberzukommen und mehr Geschwindigkeit aufzubauen. Insgesamt habe ich aber keinen riesigen Unterschied gespürt.“

Skispringen-News.de: „Welche Ziele hast du dir gesetzt?“

Adrian Tittel: „Ich habe mir keine festen Ziele gesteckt, aber ich liebäugele natürlich wieder mit Weltcup-Einsätzen. Letzte Saison hatte ich die Premiumvariante mit meinem fixen Startplatz – und ich glaube, genau dadurch habe ich mich selbst ein wenig unter Druck gesetzt. Im Moment geht es darum, meine Sprünge zu stabilisieren und dort, wo ich eingesetzt werde, einfach bestmöglich zu springen. Aktuell rechne ich eher mit Starts im Continental Cup, und dann sehen wir, was daraus wird.“

Skispringen-News.de: „Vielen Dank und viel Erfolg.“

Adrian Tittel: „Dankeschön.“

DSV SGP Herren Sommer Grand Prix

Mit dem Gesamtsieg beim Sommer-Grand-Prix 2025 hat sich Philipp Raimund viel Selbstvertrauen für die kommende Wintersaison geholt. Insgesamt fünfmal sprang „Hille“ auf das Podium, darunter auch ein Tagessieg in Hinzenbach. Den letzten internationalen Vergleich in Klingenthal schloss er hinter Ryoyu Kobayashi auf dem zweiten Platz ab. Skispringen-News.de hat mit dem aktuell formstärksten DSV-Adler gesprochen und ist dabei auch der Frage nachgegangen, inwieweit sich die neuen Anzüge bemerkbar machen.

Skispringen-News.de: „Philipp, wie wichtig ist dir der Titel ‚Gesamtsieger Sommer-Grand-Prix 2025‘?“

Philipp Raimund: „Ich würde es persönlich auf einer Skala von 1 bis 10 mit einer 7 oder 8 bewerten. Klar, es ist mir dieses Jahr wichtiger, bei Olympia, der Weltmeisterschaft oder Ähnlichem abzuliefern – oder im Winter generell. Aber es ist für mich einfach mal eine Bestätigung, ein Schritt, auf den ich lange hingearbeitet habe. Und dann letztendlich im Sommer ganz oben zu stehen und als Bester in den Winter zu starten, ist schon mal ein cooles Gefühl. Deswegen: ja, schon viel.“

Skispringen-News.de: „Hast du dir zugetraut, mal auf so eine Welle zu kommen und konstant vorne mit dabei zu sein?“

Philipp Raimund: „Definitiv. Also es war tatsächlich so, dass ich oft im Training ziemlich gut mithalten konnte. Das Problem war nur, dass ich es im Wettkampf nicht ganz rüberbringen konnte. Aber dieses Jahr habe ich es einfach geschafft, die Lockerheit aus dem Sommer in die Wettkampfsprünge mitzunehmen. Und von dem her ist es gerade relativ unkompliziert, und ich springe einfach so wie im Training – und es macht halt Spaß. Dann ist es gleich doppelt so gut.“

Skispringen-News.de: „Kann man sagen, dass die Anzugregelung dir ein bisschen entgegenkommt, oder spielt das keine Rolle in dieser Geschichte?“

Philipp Raimund: „Ich würde sagen, schon. Mein erster Eindruck war dieses Jahr im Sommer, dass ich ein anderes Gefühl in der Luft hatte. Vielleicht musste ich auch selbst ein bisschen aktiver in der Luft sein, damit das Ganze wirklich zum Fliegen kommt. Und dann habe ich einfach ein anderes Gefühl für den Flug entwickelt. Deswegen würde ich sagen, es ist sowohl die Anzugänderung als auch persönlicher Fortschritt.“

Skispringen-News.de: „Dankeschön für das Gespräch und viel Erfolg in der Wintersaison.“

Philipp Raimund: „Danke auch!“

DSV SGP Herren Sommer Grand Prix

Während sich Philipp Raimund und Pius Paschke mit ihren Auftritten bei den Sommer-Grand-Prix-Wettbewerben Selbstvertrauen für die Wintersaison holen konnten, sah es bei Karl Geiger zuletzt anders aus. So blieb ihm als 53. der Qualifikation beim abschließenden Wettbewerb in Klingenthal nur die Zuschauerrolle. Skispringen-News.de hat sich im Anschluss mit ihm über seinen derzeitigen Leistungsstand und das neue Fluggefühl in Folge der Materialanpassungen unterhalten.

Skispringen-News.de: „Karl, wie fällt deine persönliche Analyse nach der Qualifikation aus?“

Karl Geiger: „Ja, sehr überschaubar, also echt ziemlich bitter eigentlich. In der Quali auszuscheiden war nicht der Plan.“

Skispringen-News.de: „Wie läuft sonst momentan die Vorbereitung, und was fehlt noch bis zum Saisonstart im Winter?“

Karl Geiger: „Also, Stand jetzt würde ich sagen, fehlt noch einiges. Es schien so, als ob es in Hinzenbach eigentlich in die richtige Richtung geht, aber hier habe ich es leider gar nicht umsetzen können. Jetzt heißt es: zuerst mal sacken lassen, anschauen und dann besser machen.“

Skispringen-News.de: „Wenn wir mal zurückschauen: Klingenthal ist zuletzt ein gutes Pflaster für dich gewesen, und es wird ja auch dieses Jahr noch ein Winter-Weltcup hier stattfinden. Was sagst du selbst zur Schanze hier im Vogtland?“

Karl Geiger: „Also, Klingenthal ist immer ein hervorragendes Pflaster, was die Zuschauer angeht. Ich bin auch so extrem gerne da. Die Schanze ist cool, wenn auch nicht ganz einfach. Ich weiß, dass sie sehr streut. Ich habe hier schon sehr viele sehr gute, aber auch sehr viele sehr schlechte Wettkämpfe gemacht. Deshalb ist es kein Selbstläufer hier. Aber ich weiß, dass ich sie grundsätzlich kann. Nur so wie heute geht sie nicht.“

Skispringen-News.de: „Lass uns noch einen kurzen Ausblick auf die neue Saison werfen. Mit welchen Zielen gehst du in die Saison?“

Karl Geiger: „Ich gehe jetzt erstmal in die nächsten Wochen mit dem Ziel, dass das Niveau deutlich angehoben werden muss. Und was die Saison angeht – da habe ich eigentlich schon einiges vor, und es ist nicht so, dass ich da jetzt sage: ‚Okay, das lassen wir jetzt mal auf uns zukommen.‘ Sondern ich will da schon angreifen und mitmischen. Aber dafür müssen noch ein paar Sachen getan werden.“

Skispringen-News.de: „Was sind die größten Änderungen im Vergleich zur letzten Saison?“

Karl Geiger: „Also klar, das Material hat sich nochmal relativ stark verändert. Da muss man sich erstmal drauf einstellen und das richtige Setup finden. Und ansonsten: Das Skispringen an sich hat sich nicht verändert. Das heißt, wenn man sehr sauber springt, dann wird man auch weit vorne rauskommen. Momentan ist das Problem, dass ich meine Stärke, die ich eigentlich sonst über den Absprung und über die Druckwirkung habe, nicht abrufen kann. Und deshalb muss ich erstmal das in den Griff kriegen, bevor wir über den Rest reden.“

Skispringen-News.de: „Wie ist deine Einschätzung zur Einführung der gelben und roten Karten durch die FIS – natürlich auch vor dem Hintergrund dessen, was bei der WM in Trondheim passiert ist?“

Karl Geiger: „Ich glaube, grundsätzlich ist es ein System, das Wiederholungstäter härter zur Strafe ziehen soll. Wie es dann genau umgesetzt wird und wie es letztendlich wird, kann ich schwer einschätzen. Ich glaube, wenn das Material passt, dann braucht man sich darüber nicht die megagroßen Gedanken zu machen. Daher bin ich einfach mal offen dafür und schaue, wie es wird.“

Skispringen-News.de: „Muss man sich mit den engeren Anzügen das Fluggefühl erst wieder neu erarbeiten?“

Karl Geiger: „Es ändert sich einfach ein bisschen, wie das System in der Luft fliegt, wie es greift und wo die Drehmomente bzw. die Achsen sind. Aber grundsätzlich müsste es von der Theorie her mir eigentlich in die Karten spielen, weil ich ein guter Abspringer bin und über den Druck komme. Aber momentan sieht es noch nicht so aus.“

Skispringen-News.de: „Wir drücken dir die Daumen, dass es bis zum Saisonstart besser wird, und danken dir für das Gespräch.“

Karl Geiger: „Danke auch!“

DSV SGP Herren Sommer Grand Prix

Im Rahmen des Sommer-Grand-Prix der Skispringer in Klingenthal haben wir uns mit DSV-Sportdirektor Horst Hüttel getroffen, um mit ihm über den derzeitigen Leistungsstand bei den DSV-Adlern aber auch über die Ziele für die neue Wintersaison 2025/26 zu sprechen. Zudem gibt er uns im Interview auch einen Einblick in den Generationenumbruch des deutschen Skisprungkaders und schildert uns seine Meinung zu den beschlossenen Änderungen im Materialbereich der FIS.

Skispringen-News.de: „Herr Hüttel, der letzte Sommerwettbewerb in Klingenthal ist immer ein guter Zeitpunkt, um ein wenig Bilanz nach den ersten Wettkämpfen zu ziehen. Wie ist im Moment der Leistungsstand bei den Männern?“

Horst Hüttel: „Ja, also wir haben mit Philipp Raimund und Luca Roth heuer schon zwei verschiedene Athleten im Rahmen des Sommer-Grand-Prix auf dem Podium gehabt. Grundsätzlich ist jetzt schon eine gewisse Dynamik drin, einmal aufgrund des Materials aber auch der Tatsache geschuldet, dass junge Athleten nach oben kommen. Von der Seite her haben wir unterschiedlich gewichtet. Ich glaube, es ist sicher noch nicht jeder zufrieden mit seiner Performance, die er jetzt im Moment so gezeigt hat. Aber ich denke, der Weg passt, vor allem natürlich bei Philipp. Jetzt schaut es im Moment auch beim Pius (Paschke) wieder deutlich besser aus, wie noch vor vier oder sechs Wochen. Daher glaube ich, dass wir auf jeden Fall ein paar Dinge richtig identifiziert haben und da werden wir weiter dran arbeiten. Und der Zwischenstand: ich würde mal sagen, es ist okay, aber es gibt auch noch einiges zu tun.“

Skispringen-News.de: „Wenn man mal so ein bisschen auf das Material eingeht und diese ganzen Veränderungen, was transportieren die Athleten und auch die Athletinnen als Rückmeldung hierzu?“

Horst Hüttel: „Ich glaube schon, dass seitens der FIS hier überwiegend die richtigen Entscheidungen getroffen wurden und dass jetzt auch mit neuen Personen im System, wie hier mit Mathias Hafele und Jürgen Winkler Leute da sind, die ein paar neue Ansätze reinbringen und das schaut im Moment mal sehr klar und gut aus. Man muss jetzt schauen, wenn dann mit diesem Sanktionssystem gewisse Eventualitäten auch im Winter auftreten, wie dann damit umgegangen wird, aber ich glaube schon, dass die FIS die Zeichen der Zeit erkannt hat und hier zumindest mal klar kommuniziert und klar agiert. Und jetzt hoffen wir einfach mal, dass dies so bleibt und dass der Fokus wieder mehr auf den Sport gerichtet ist und weniger auf das Material.“

Skispringen-News.de: „Das wünschen wir uns sicherlich alle. Mit Blick auf die neue bevorstehende Saison – wie sehen die Zielsetzungen des DSV aus?“

Horst Hüttel: „Wir wollen auf jeden Fall ganz vorne mitkämpfen. Natürlich stehen die Olympischen Spiele bevor, aber ich war noch nie ein Freund von diesen Medaillenprognosen, weil ich einfach sage, das macht keinen Sportler besser. Ich glaube, wir haben selber einen hohen Anspruch und gerade auch etliche Athleten und Athletinnen, die schon bei Olympia dabei waren, wie z.B. Katharina Schmid oder Andi Wellinger, die Olympiasieger sind und Medaillen gewonnen haben. Da muss es der Anspruch sein, was bei ihnen auch der Fall ist, wieder in diese Richtung zu performen. Das ist mal das Eine. Aber wir haben natürlich mit der Skiflug-Weltmeisterschaft und der Vierschanzentournee noch weitere Highlights in diesem Winter. Da wollen wir einfach vorne mitkämpfen. Darüber hinaus ist es uns als Verband aber auch enorm wichtig, jüngere Athleten oder auch Athletinnen aus der zweiten Reihe nach vorne zu bringen. In den nächsten ein, zwei, drei Jahren ist ein gewisser Generationenumbruch notwendig. Und da arbeiten wir parallel dran. Dass natürlich jetzt, wenn ein junger Athlet, wie hier ein Max Unglaube, Ben Bayer, Jannik Feist oder auch ein Luca Roth, reinkommt nicht gleich Bäume ausreißen kann, ist auch klar, aber dass sie sich etablieren und mehr und mehr als Stütze ins System wirken ist wichtig. Das ist sicher ein zweites Ziel bei den Damen wie bei den Herren, was wir als Verband natürlich auch verfolgen.“

Skispringen-News.de: „Katharina Schmid hat sich lange Zeit gelassen mit ihrer Entscheidung, ob sie ihre Karriere weiter fortsetzt. Sie ist jetzt noch weiter mit dabei. Wie wichtig ist das auch als Signal für die jungen Springerinnen? Und gleichzeitig die Frage, welche Lücke hinterlassen Markus Eisenbichler und Stephan Leyhe bei den Männern?“

Horst Hüttel: „Ja, also bei der Katha sind wir sehr froh. Sie kann das natürlich komplett selber entscheiden, aber solange sie noch Lust drauf hat, solange sie gierig ist (und den Eindruck macht sie) und sich bewusst dafür entscheidet, sind wir natürlich sehr glücklich. Nicht nur die jüngeren Athletinnen, sondern auch alle im Team profitieren von der Katha, von ihrer Professionalität und ihrem Zugang. Und deswegen sind wir sehr froh, dass wir sie in der Saison noch dabei haben. Bei den Männern ist es richtig, dass Markus Eisenbichler und Stephan Leyhe eine Lücke hinterlassen. Und da müssen wir jetzt mit Hochdruck dran arbeiten, was wir vom Nachwuchs her auch schon tun. Werner Schuster ist sehr aktiv, um hier diese Lücke peu à peu mit jüngeren Athleten zu schließen. Wir haben heuer erstmals, glaube ich, in den letzten zehn Jahren einen Dreifach-Sieg im Alpencup gelandet. Hier sind ein paar gute Anzeichen da, aber der Weg dieser jungen Athleten in den Weltcup hinein ist natürlich noch sehr lang. Da kommt erst noch die COC-Thematik und etliche Stufen vorher. Aber wir haben hier auf jeden Fall den Fokus gleichermaßen auf diesen Top-Bereich und auf den Bereich, der dahinter kommt, weil das natürlich letzten Endes über die Zukunft entscheidet.“

Skispringen-News.de: „Kommen wir noch zu ein paar anderen Themen. Bei den Sommer-Grand-Prix Wettbewerben in Courchevel und in Wisla wurde das sog. „High-Five-Format“ getestet. Wie ist das insgesamt aufgenommen worden? Und wie blickt der DSV auf solche Veränderungen in den „normalen Strukturen“ des Skispringens?“

Horst Hüttel: „Ja, also dieses „High-Five-Format“ hat mich persönlich und auch viele aus unserem Team, muss ich sagen, jetzt nicht so vom Hocker gerissen. Vielleicht muss man es erst noch ein Stück weit wirken lassen, aber ich glaube, dass andere Ansätze aus meiner Sicht wichtiger wären, was den Sommer angeht oder generell die Weiterentwicklung des Skispringens. Man sollte versuchen, den Sommer mal wieder in dieses Blickfeld zu rücken, wo er schon mal war. Wir hatten früher in Hinterzarten mehr als 10.000 Zuschauer und das ist jetzt leider abgeebbt, auch weil der Sommer-Grand-Prix ziemlich zerrissen ist. Ich weiß nicht, ob diese Streckung von Juli bis Oktober das Richtige ist, oder ob man das vielleicht komprimierter angehen sollte. An sich weiß ich auch nicht, ob der Skisprung neue Formate unbedingt braucht. Aber es ist noch kein abschließendes Urteil. Generell würde ich sagen, dass auch was ich so wahrgenommen habe von den anderen Nationen, dieses High-Five-Format eher gedämpft aufgenommen wurde.“

Skispringen-News.de: „Die FIS plant ja auch, die Weltcup-Kalender der Damen und Männer zusammenzuführen, also dass immer mehr Wettbewerbe gleichzeitig stattfinden. Es gibt sicherlich sehr viel, was dafür spricht. Man hört aber auch immer wieder ein paar Stimmen, die bemängeln, dass dadurch einzelne Standorte mit 90-Meter-Schanzen im Weltcupkalender gänzlich wegfallen könnten. Wie ist Ihre persönliche Meinung hierzu?„

Horst Hüttel: „Also da haben wir als Verband eine ganz klare Meinung dazu. Und die schaut folgendermaßen aus: dass wir grundsätzlich dieses Bestreben, Herren- und Frauenwettbewerbe mehr zusammenzuführen absolut unterstützen. Aber man muss die Dinge wirklich zu Ende denken, weil zum einen auf die Veranstalter und die Durchführung der Wettkämpfe andere Rahmenbedingungen zukommen. Man darf auch nicht die Zuschauer im Stadion überfordern, wenn man dann drei, vier oder fünf Stunden an der Schanze stehen muss. Das muss man alles gut bedenken. Das andere ist aber, ich finde, ähnlich wie mein Kollege Mario Stecher aus Österreich, dass wir weiterhin gewisse Orte aufrechterhalten sollten, wo halt dann unter Umständen nur die Damen vor Ort sind, wie in Hinzenbach, Villach sowie vielleicht auch in Deutschland noch in Hinterzarten oder an anderen Orten. Ich finde, dass dies nach wie vor möglich sein sollte, sodass wir als nationale Verbände diese Infrastruktur aufrechterhalten können – und dazu brauchen wir auch dieses Schaufenster „Weltcup“ nach außen. Da geht es anderen Ländern, wie Slowenien mit Ljubno, genauso. Diese Option sollte bei allem Zusammenführen weiterhin aufrechterhalten bleiben können. Das wäre uns in diesem Kontext enorm wichtig.“

Skispringen-News.de: „Und es könnte auch für den Nachwuchs bei den Damen vielleicht wichtig sein, um sie mit einer 90-Meter-Schanze besser an den Weltcup heranführen zu können?“

Horst Hüttel: „Richtig. Es kommt noch dazu, dass diese Anlagen gerade für die kleineren Nationen und für die jüngeren Athletinnen einfach wichtig sind. Und da hat sich ja auch etwas aufgebaut, wenn ich sehe, dass z.B. in Ljubno 8.000 oder 10.000 Zuschauer vor Ort sind. Ich war letztes Jahr selber in Villach, wo eine ganz tolle Atmosphäre war. Warum diese Wettkämpfe aus dem Kalender streichen? Da haben wir so unser Problem mit. Und ich finde, da darf sich die FIS nicht zurückziehen, dass nur wir als nationale Verbände die Infrastruktur klären sollen. Wir müssen hier zusammenarbeiten! Und deswegen nochmal: ich finde die Zusammenlegung, auch jetzt dann hoffentlich bald in einer gleichförmig verlaufenden Vierschanzentournee, absolut richtig. Davon profitiert der Skisprungsport in Summe. Aber es sollte auch die Möglichkeit offen gehalten werden, einzelne Weltcup-Veranstaltungen zu erhalten. Wenn es um das Skifliegen bei den Männern geht, muss man z.B. gut überlegen, ob dann da immer die Damen dabei sein sollten oder man dann vielleicht auf die Normalschanze geht an den Orten, die ich angesprochen habe. Ich finde, man muss die Kalender nicht zu 100 Prozent deckungsgleich gestalten. Es wäre gut, wenn man sagt, man will 80 Prozent gemeinsam gehen und in 20 Prozent bleibt man offen, so wie das auch der Alpinrennsport macht – dann ist das doch absolut okay!

Skispringen-News.de: „Vielen Dank für das Gespräch und vor allem viel Erfolg in der neuen Wintersaison!“

Horst Hüttel: „Sehr gerne, vielen Dank!“