Während derzeit eine große Lücke zwischen Felix Hoffmann, Philipp Raimund und dem Rest des DSV-Teams aufklafft, gibt es mit Ben Bayer auch jemanden aus dem DSV-Nachwuchs, der bei den Herren ein wenig Hoffnung bereitet. In Garmisch-Partenkirchen gelang dem 21-Jährigen mit dem 28. Platz souverän die Qualifikation zum Neujahrspringen, und beim COC in Sapporo erreichte er an diesem Wochenende mit den Rängen drei und neun gleich zwei Top-10-Platzierungen.
„Also, es hat bisher in dieser Saison eigentlich ganz gut funktioniert. Ich bin auch froh, dass ich in Engelberg mein Weltcup-Debüt feiern durfte. In Oberstdorf, wo wir mit der nationalen Gruppe am Start waren, hat es dann leider nicht für die Qualifikation gereicht, das war schade. Dafür war ich mit der Quali in Garmisch-Partenkirchen umso glücklicher. Der Sprung war gut, und auch das Gefühl, längere Zeit in der Leader-Box zu stehen, war cool“, äußerte sich Bayer am Mikrofon von Skispringen-News.de zu seinem bisherigen Saisonverlauf.
Am Neujahrstag konnte er seine gute Leistung aus der Qualifikation nicht ganz bestätigen und musste wiederum einen kleinen Rückschlag hinnehmen. „Es war leider nicht mehr ganz so gut wie gestern. Ich bin ein bisschen verkrampfter gewesen, und ja, dann wird es einfach zäh aus der Luke.“
Vielleicht war es dort aber auch noch die Nervosität, vor einer solch großen Kulisse wie in Garmisch-Partenkirchen springen zu dürfen. „Ja, man ist noch etwas nervöser. Ich habe versucht, es so gut es geht aufzusaugen, aber es ist natürlich noch einmal eine ganz andere Anspannung oben. Und ich meine, es ist ja auch die erste Vierschanzentournee für mich gewesen. Es ist einfach anders, wenn so viele Leute zuschauen“, gab Bayer anschließend zu.
In Innsbruck und Bischofshofen setzte Bundestrainer Stefan Horngacher neben Felix Hoffmann und Philipp Raimund daher zunächst weiterhin auf die derzeit formschwachen DSV-Adler Pius Paschke, Andreas Wellinger und Karl Geiger. Für Bayer stand seit seinem Auftritt in Garmisch-Partenkirchen daher erst einmal eine kleine Wettkampfpause auf dem Programm, bis es für ihn an diesem Wochenende mit dem COC in Sapporo weiterging. Mit den Plätzen drei und neun steigerte er sich deutlich im Vergleich zum Saisonbeginn, als er bei den COC-Wettbewerben in Ruka die Positionen 28 und 17 belegte. Und wer weiß, vielleicht erhält er vom Bundestrainer ja noch einmal in dieser Saison die Chance, Erfahrungen im Weltcup zu sammeln.
„Im Sommer war es schon etwas Cooles, in der obersten Kategorie mit dabei sein zu dürfen, aber im Winter ist es dann auch noch einmal anders. Da zählt es, und es liegt der volle Fokus auf uns Sportlern“, so Bayer weiter.
Deutliche Steigerung gegenüber dem Vorjahr – gute Zusammenarbeit mit Thomas Thurnbichler
Der letzten Saison kann Bayer nicht viel Positives abgewinnen und erklärt gegenüber Skispringen-News.de, dass er diese eher mit der Schulnote „ausreichend“ (4) bewerten würde. Umso zufriedener zeigt er sich jedoch mit dem bisherigen Verlauf der neuen Saison und der zuvor absolvierten Vorbereitung. „2026 möchte ich einfach an meine Leistung anknüpfen und mich weiter verbessern. Zudem ist ein weiteres großes Ziel von mir, auch einmal Skifliegen zu gehen.“
Bayer lobt zudem ausdrücklich die Zusammenarbeit mit Thomas Thurnbichler, der sich nach seiner Entlassung als polnischer Cheftrainer dem DSV angeschlossen hat und sich dort seither dem Nachwuchs widmet. „Es ist super mit ihm, wir kommen richtig gut miteinander aus. Er ist sehr motiviert, auch in der Zusammenarbeit mit uns jüngeren Athleten. Ich glaube, da hat sich in der Vorbereitung einiges getan. Und ja, er ist echt ein super Trainer.“
Ryoyu Kobayashi als Vorbild
Auf die Frage, was ihn am Skisprungsport fasziniert und wer ihn dabei inspiriert hat, antwortet er: „Einfach das Gefühl zu fliegen und die Schwerelosigkeit – man ist irgendwie frei, und das treibt einen an. Früher waren es die großen Deutschen wie Markus Eisenbichler – mittlerweile ist Ryoyu Kobayashi mein großes Vorbild.“
Man darf gespannt sein, wie sich Ben Bayer in den nächsten Jahren weiterentwickelt. Für die deutsche Mannschaft wäre es gerade in der aktuellen Situation wichtiger denn je, wenn starker Nachwuchs nachkäme und die Lücke hinter Felix Hoffmann und Philipp Raimund auf absehbare Zeit kleiner würde.

