Im Rahmen der Two-Nights-Tour hat die junge Nachwuchsathletin Julina Kreibich ihre ersten Weltcuppunkte erzielt. Obwohl nur die besten 30 Athletinnen für den Wettbewerb startberechtigt waren, nahm die 18-jährige Leipzigerin in Garmisch-Partenkirchen erfolgreich die Qualifikationshürde und belohnte sich damit gewissermaßen selbst. So wird sie beim nächsten Weltcup in Villach (05./06.01.2026) im Weltcupaufgebot der DSV-Damen mit dabei sein.
Neben dem starken Auftritt von Selina Freitag fiel aus dem deutschen Team bei der Two-Nights-Tour vor allem Julina Kreibich auf. Nach starken Trainingssprüngen zeigte die 18-Jährige auch in der Qualifikation einen gelungenen Versuch und reihte sich auf dem 27. Platz ein. Damit nahm sie erfolgreich die hohe Hürde, die den Damen bei der Two-Nights-Tour gestellt wird. In einem „normalen“ Weltcup dürfen 40 Athletinnen an den Start gehen, bei der Two-Nights-Tour hingegen qualifizieren sich nur die besten 30 Damen für den Wettbewerb.
„Es macht einfach Spaß, hier bei der Two-Nights-Tour über die nationale Gruppe dabei sein zu können. Ich habe es geschafft, meine Trainingsleistung abzurufen und bin voll zufrieden“, freute sich Kreibich nach ihrer erfolgreichen Qualifikation am Mikrofon von Skispringen-News.de. Am darauffolgenden Wettkampftag erwischte sie mit ihrer Teamkollegin Selina Freitag allerdings einen äußerst harten Gegner im „K.-o.“-Duell und schied nach dem ersten Durchgang aus. Dennoch sammelte die 18-Jährige mit dem 26. Platz ihre ersten Weltcuppunkte sowie wertvolle Erfahrungen.
„Es war ein solider Sprung. Für den Finaldurchgang wird es zwar nicht reichen, aber ich bin trotzdem sehr zufrieden“, gab sie anschließend zu Protokoll. Verständlich, denn sie ließ insgesamt 38 Damen hinter sich (64 traten tags zuvor zur Qualifikation an). „Die ersten Weltcuppunkte einfahren zu können, ist natürlich etwas ganz Besonderes, und ich freue mich einfach extrem. Es war natürlich auch ein sehr schönes Duell, gegen Selina springen zu dürfen.“
Selina Freitag äußerte sich im Nachgang wie folgt zu ihr: „Sie hat sich stabil qualifiziert. Klar, war es ärgerlich, dass wir gegeneinander springen mussten. Aber da geht auf jeden Fall etwas voran und das freut mich brutal! Ich hoffe, dass sie jetzt ein wenig die Weltcupluft genossen hat und es motivierend für sie ist.“
Beim zweiten Wettbewerb der Two-Nights-Tour in Oberstdorf verpasste Julina Kreibich mit Rang 32 zwar hauchdünn die Qualifikation, konnte jedoch auch dort mit guten Leistungen überzeugen. Und was man an dieser Stelle nicht vergessen darf: Bei einem „normalen“ Damen-Weltcup hätte auch diese Platzierung für die Qualifikation gereicht – nur eben nicht bei der Two-Nights-Tour. „Es ist sehr schade, dass sich hier nur 30 Damen qualifizieren können. Dadurch ist es extrem schwer, hineinzukommen, vor allem, weil wir von der Anzahl her auch nicht viel weniger sind als die Männer. Daher echt schade, aber vielleicht wird das ja in Zukunft noch angepasst.“
Vor einer solch großen Zuschauerkulisse wie bei der Two-Nights-Tour zu springen, war für Kreibich ebenfalls etwas Besonderes. „Es ist schon etwas ganz Neues für mich und natürlich auch anders. Da spielt ein bisschen die Nervosität mit, aber die Freude hat überwogen.“
Ein Sieg und ein zweiter Platz beim Saisonauftakt des ICOC in Notodden
Die gute Form von Julina Kreibich zeigte sich bereits beim Saisonauftakt des ICOC Mitte Dezember im norwegischen Notodden. Im ersten Wettbewerb belegte sie hinter Taja Terbovšek den zweiten Platz. Am zweiten Wettkampftag drehte sie den Spieß um und sicherte sich den Tagessieg vor der Slowenin. „Es war auf jeden Fall ein guter Winterauftakt in Notodden. Die Schanze hat echt Spaß gemacht, und es war einfach ein sehr toller Einstieg“, so Kreibich. Eine Woche später erreichte sie beim Alpen Cup in Seefeld noch den dritten und vierten Rang.
Heinz Kuttin: „Die ersten Weltcuppunkte für Julina – ein ganz toller Schritt“
Voll des Lobes über die Entwicklung von Julina Kreibich zeigte sich auch Damen-Bundestrainer Heinz Kuttin: „Sie war in den letzten Jahren schon ein paar Mal in dieser Situation, hat es in der Qualifikation aber noch nicht ganz geschafft – nur im Training. Das zeigt, dass sie jetzt einen Schritt gemacht hat, auch in ihrer gesamten Einstellung und Herangehensweise“, so der erfahrene Österreicher.
Sicherlich auch ein Grund, weshalb Julina Kreibich nun für den nächsten Damen-Weltcup in Villach nominiert wurde. Neben der jungen Deutschen gehören am 05./06.01.2026 Selina Freitag, Katharina Schmid, Juliane Seyfarth, Agnes Reisch und Emely Torazza zum Aufgebot. Anna Hollandt ist dieses Mal nicht am Start.
Goldmedaille im Team bei der Junioren-WM 2025 in Lake Placid
Einen ihrer größten Momente erlebte Julina Kreibich bei der Junioren-WM 2025 in Lake Placid. Zusammen mit Lia Böhme, Anna-Fay Scharfenberg und Kim Amy Duschek gewann sie die Goldmedaille im Teamwettbewerb vor den Mannschaften aus Slowenien und Japan. „Das war ein ganz besonderer Moment für das ganze Team. Als das Ergebnis bekannt war, herrschte einfach pure Freude“, erinnert sich Kreibich, die dem Jahr 2025 insgesamt eine „2+“ als Schulnote zuschreibt.
Julina Kreibich: „Ich möchte mich unter den Top 3 im ICOC etablieren“
Für das Jahr 2026 nimmt sich Julina Kreibich vor, sich dauerhaft unter den Top 3 im ICOC zu etablieren und natürlich auch im Weltcup Fuß zu fassen. Letzteres hat sie zumindest für das Villach-Wochenende bereits geschafft. Im ICOC geht es am 24./25.01.2026 in Eisenerz weiter. Aber wer weiß – vielleicht gelingt es ihr sogar, sich längerfristig im Weltcupteam zu behaupten.
Im Alter von acht Jahren mit dem Skispringen begonnen
Mit acht Jahren begann Julina Kreibich mit dem Skispringen. „Ich bin durch eine Freundin dazu gekommen, die nebenbei Skispringen gemacht hat, und bin dadurch zum SV Lok Eilenburg gestoßen“, verrät sie. „Man fängt natürlich mit Abfahrten an, und dann haben uns unsere Trainer zu unserem ersten Sprung auf einer kleinen Schanze geführt. Das war damals schon aufregend.“
Man darf gespannt sein, wohin die Reise von Julina Kreibich in den kommenden Jahren führen wird.

