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Fatih Arda Ipcioglu: „Es wäre schon mal interessant, wenn wir einen Weltcup in Erzurum hätten“

Foto: Konstanze Schneider

Fatih Arda Ipcioglu ist der wohl bekannteste Skispringer aus der Türkei. Der 24-Jährige war 2017 der erste türkische Springer bei einer Vierschanzentournee und durfte nur wenige Wochen später sein Land bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang (Südkorea) vertreten. In diesem Sommer hat Ipcioglu einen weiteren Meilenstein geschafft: Beim Sommer-Grand-Prix im kasachischen Schtschutschinsk sprang mit den Plätzen 23 und 29 zum ersten Mal in seiner Karriere und als erster türkischer Skispringer überhaupt in die Punktränge in einer der höchsten Wettkampfklassen – also Weltcup oder Sommer-Grand-Prix. Skispringen-news.de-Redakteur Lars-Henrik Wacker hat mit Fatih Arda Ipcioglu am Wettkampf-Wochenende in Klingenthal gesprochen und unter anderem nachgefragt, wie der Sommer gelaufen ist und was die zukünftigen Ziele sind.

Skispringen-news.de: Wie würdest du deine Sommervorbereitung für den anstehenden Winter beschreiben?

Fatih Arda Ipcioglu: Es ist hart aufgrund der Covid-Situation. Wir haben durch den Lockdown viel in der Türkei trainiert. Wir haben uns aber körperlich gut für den Sommer vorbereitet und damit auch Erfolge im Sommer-Grand-Prix geschafft. Ich habe die ersten türkischen Weltcup-Punkte überhaupt gewonnen. Wir sind auf dem Weg. Es ist aber schade, dass wir nicht auf unseren Heimschanzen im Sommer springen können, weil wir Probleme mit den Anlagen haben. Aber wir trainieren nun in Europa und kommen zu den Wettkämpfen. Die Sprünge werden besser und mal sehen, was die Zukunft bringt. Wir haben viele Ziele für die Zukunft.

Skispringen-news.de: Wie waren eigentlich die Reaktionen in der Heimat nach deinen ersten Punkten für die Türkei?

Fatih Arda Ipcioglu: Die Medien waren sehr interessiert, weil das wirklich eine große Sache in der Türkei ist. In der Türkei wird sehr gerne Skispringen geschaut. Wenn ich in den sozialen Medien ein Video veröffentliche, dann schauen das schon mal mehrere Millionen Menschen. Es wäre schon interessant, wenn wir mal einen Weltcup in Erzurum hätten. Das Stadion wäre bestimmt voller Zuschauer.

Skispringen-news.de: Was ist in der Zeit nach den Olympischen Winterspielen 2018 passiert?

Fatih Arda Ipcioglu: Nach den Olympischen Spielen gingen meine Leistungen nach unten. Wir wissen aber, dass die neue Olympia-Saison so wichtig ist. Wir müssen in einer guten Verfassung sein und hart arbeiten. Erste Erfolge gab es in diesem Sommer ja schon in Tschechien, im Frenstat-Wettbewerb (Anm. der Redaktion: 13. Platz im Continentalcup). Nach Tschechien musste ich aber zurück in die Türkei reisen, weil meine Großvater gestorben ist. Ich habe in den Tagen nicht trainiert, bin aber mit dem sechsten Platz (Anm. der Redaktion: Continentalcup in Rasnov) meinen besten COC gesprungen. Ich bin aktuell in guter Form.

Skispringen-news.de: Wie würdest du eigentlich deinen Sprungstil beschreiben? Würdest du dich beispielsweise als aggressiven Springer bezeichnen?

Fatih Arda Ipcioglu: Ja, ich bin manchmal zu aggressiv in meinem Sprung. Ich müsste da etwas ruhiger sein und mich noch mehr kontrollieren. Manchmal will ich auch einfach zu viel, dass ich mir sogar selbst Probleme im Sprung mache. Aber ich mache Fortschritte. Wie auch das gesamte Team und da meine ich auch meine Team-Kollegen. Wir sind sehr fokussiert in unseren Leistungen.

Skispringen-news.de: Da es in der Türkei nur die Schanzen in Erzurum gibt, seid ihr viel in Europa unterwegs.Wie ist es eigentlich für euch so viel auf Achse zu sein?

Fatih Arda Ipcioglu: Wir sind meistens in Europa unterwegs und da vermissen wir unser Zuhause schon. Manchmal ist es sogar ein bisschen eintönig, wenn eben nur Training und Skispringen ansteht. Aber wir nehmen die Situation so an wie sie ist.

Skispringen-news.de: Ist es dann auch realistisch, dass du Weltcup-Punkte im Winter sammelst?

Fatih Arda Ipcioglu: Ja, warum eigentlich nicht. Von jetzt an ist das Skispringen besonders interessant. Manchmal sind die Weltcups leichter als die Continentalcups. Man weiß es aber nicht. Wir werden aber im Weltcup an den Start gehen. Unsere größten Ziele sind die Olympischen Spiele und das erste Mal Skifliegen. Ich hoffe, dass ich dann über 200 Meter fliegen kann und den türkischen Rekord brechen kann. Bis jetzt war noch kein Türke beim Skifliegen. Deshalb ist unser Plan, dass wir in diesem Jahr auch mal auf eine Skiflug-Schanze gehen.

Skispringen-news.de: Vielen Dank für das Interview und alles Gute für den anstehenden Winter.


Zur Person:

Fatih Arda Ipcioglu ist Jahrgang 1997 und kommt aus dem ostanatolischen Städtchen Erzurum. Im Alter von 11 Jahren hat Ipcioglu mit dem Skispringen angefangen. Seit 2012 besitzt der 24-Jährige den Nationalkader-Status. Seit 2014 startet Ipcioglu im Continentalcup, wo er als bestes Resultat einen sechsten Platz in Rasnov (2021) verbucht hat. 2018 war Fatih Arda Ipcioglu auch bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang mit dabei – und der Fahnenträger seines Landes. Weltcuppunkte im Winter konnte Ipcioglu noch nicht sammeln. Dafür schaffte er es diesen Sommer erstmalig in ein Finale des Sommer-Grand-Prixs.  

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