Die deutschen Skispringerinnen können auf eine unheimlich starke Weltcupsaison 2024/2025 zurückblicken. Nicht nur die beiden Top-Athletinnen Selina Freitag und Katharina Schmid überzeugten als Zweite bzw. Dritte des Gesamtweltcups, sondern auch der Nachwuchs. So krönte sich Emely Torazza mit einem großen Vorsprung zur Gesamtsiegerin des Intercontinental Cups und gilt nicht zuletzt durch diesen Erfolg als eine der großen Hoffnungsträgerinnen für die Zukunft. Dabei stand die 20-Jährige schon kurz vor dem Ende ihrer Skisprungkarriere.
Emely Torazza zählt aktuell sicherlich zu den größten Talenten im internationalen Skispringen. Die 20-Jährige, in Weimar geboren und im Kanton Glarus in der Schweiz aufgewachsen, entdeckte 2015 ihre Leidenschaft für den Skisprung. Ihre schulische und sportliche Ausbildung absolvierte sie am renommierten Skigymnasium in Stams im österreichischen Bundesland Tirol – ein Ort, der zahlreiche Weltklasse-Athletinnen hervorgebracht hat.
Bereits in jungen Jahren feierte Torazza ihre ersten Erfolge: 2019 und 2021 wurde sie Schweizer Meisterin. In den Jahren 2020 und 2022 verpasste sie die Titelverteidigung jeweils nur knapp und wurde Zweite. Im Frühjahr 2024 wagte sie den großen Schritt und entschied sich für einen Verbandswechsel – vom Schweizer Skiverband zum Deutschen Skiverband (DSV). Seither startet sie für den SC Oberstdorf und lebt sowie trainiert in der bayerischen Skisprung-Hochburg Oberstdorf.
„Entweder höre ich auf – oder ich probiere es beim DSV“
In einem Interview mit Skispringen-News.de sprach Emely Torazza offen über die Hintergründe ihres Wechsels: „Hauptsächlich waren es persönliche Gründe, auch mit den Verantwortlichen dort [in der Schweiz] und natürlich die ganzen Trainingsbedingungen. Ich bin jetzt mit Stams fertig geworden und da musste ich entscheiden: Wie mache ich weiter? Ziehe ich irgendwohin, zum Beispiel nach Einsiedeln? Aber es war schwierig, eine Lösung zu finden, bei der ich nicht täglich zwei Stunden pendeln muss. Es war dann für mich ziemlich klar: Entweder ich höre auf mit Skispringen – oder ich probiere es beim DSV. Und der DSV hat mich glücklicherweise genommen“, freut sie sich bis heute immer noch.
„Hier macht es mir auch richtig Spaß. Ich bin jetzt in Oberstdorf und habe richtig Glück – die Katha [Schmid] hat mich super aufgenommen. Wenn wir unterwegs sind, darf ich immer mit ihr ins Zimmer – das ist richtig cool“, strahlt sie weiter.
Gemeinsam mit Katharina Schmid setzte sie im September 2024 sogar schon ein kleines Ausrufezeichen: Bei den Deutschen Meisterschaften in Garmisch-Partenkirchen gewann das Duo den Teamtitel – Torazzas dritter nationaler Titel, aber der erste auf deutschem Boden.
Von der Energie und dem Spirit im deutschen Team profitiert sie seit ihrem Wechsel sichtlich: „Ich finde schon, dass man sich im Training einfach noch ein bisschen mehr pusht. Wenn Katha (so wie zu Beginn der Saison) viele Weltcups am Stück gewinnt und ich sehe: Wenn ich gut springe, bin ich auch vorne dabei. Auch das Miteinander im Team und die Positivität – das motiviert total.“
Starke Leistungen und bestes Weltcupergebnis in Willingen
Ihr internationales Debüt für Deutschland feierte Torazza am 10. August 2024 im Intercontinental Cup in Hinterzarten – mit einem starken fünften Platz. Was folgte, war eine beeindruckende Entwicklung. So sicherte sie sich mit acht Einzelsiegen (2x Falun, 2x Bischofshofen, 2x Eisenerz, 2x Lahti) den Gesamtsieg des Intercontinental Cups.
Zusätzlich sammelte Torazza auch im Weltcup wertvolle Erfahrung. Besonders in Willingen überzeugte sie mit einem 19. Platz – ihrem bisher besten Weltcupergebnis. „Ich konnte schon im Sommer befreit aufspringen, auch im COC lief es ganz gut. Dann hatte ich das Glück, ins Weltcup-Team mitgenommen zu werden. Da wurde es ein bisschen schwieriger. Umso schöner war es danach für mich meine ersten Siege überhaupt im COC feiern zu können. Dass ich das erreicht habe, macht mich sehr glücklich“, äußert sich Torazza selbst über ihre positive Entwicklung in dieser Saison.
Erneute WM-Erfahrung
Weltmeisterschaftsluft schnupperte Torazza erstmals 2023 in Planica, damals noch unter der Schweizer Flagge. Bei der WM 2025 in Trondheim durfte sie die besondere Atmosphäre ein weiteres Mal erleben: Nach der Verletzung von Luisa Görlich wurde sie kurzfristig als Ersatzspringerin für den Teamwettbewerb im DSV-Team nachnominiert – auch wenn sie letztlich nicht zum Einsatz kam.
Mit ihrem internationalen Background, ihrem Ehrgeiz und ihrer beeindruckenden Entwicklung gilt Emely Torazza schon jetzt als große Hoffnung im deutschen Damen-Skisprung und als Symbol für neue Dynamik im DSV-Team. Denn nicht nur sie konnte über die Saison hinweg Akzente setzen, sondern beispielsweise auch die ebenfalls erst 20-jährige Alvine Holz. Sie wurde hinter Torazza und der Österreicherin Chiara Kreuzer Dritte im Intercontinental Cup.
Neben der deutlichen Leistungssteigerung der etablierten Athletinnen im Vergleich zur Weltcupsaison 2023/2024, was auch der Gewinn des Nationen-Cups unterstreicht, trägt damit auch die geleistete Nachwuchsarbeit im DSV ihre Früchte. Hoffen wir aus deutscher Sicht, dass die Entwicklung auch in Zukunft so weitergeht.