Foto: Martina Sauerstein

Neben dem Slowenen Domen Prevc hat sich in den letzten Wochen vor allem Stephan Embacher ins Rampenlicht gesprungen. Der 19-jährige Österreicher stellte in Garmisch-Partenkirchen mit einem Sprung auf 145,5 Meter einen neuen Schanzenrekord auf und sorgte damit zugleich für den längsten Sprung, den es in der 74-jährigen Geschichte der Vierschanzentournee je gegeben hat. Doch auch insgesamt belegte er beim ersten großen Saisonhighlight einen starken dritten Platz in der Gesamtwertung.

„Ich hätte nie gedacht, dass ich die Tournee auf dem Podium abschließen kann. Es ist so cool – auch zusammen mit Jan (Hörl) oben stehen zu dürfen, ist mega. Es war einfach eine richtig, richtig gute Tournee“, schwärmte Embacher in Bischofshofen am Mikrofon des ORF. Auch sein Cheftrainer Andreas Widhölzl war voll des Lobes für den Youngster: „Hut ab, wie Stephan es in seinen jungen Jahren durchgezogen hat und wie cool er dabei geblieben ist.“

Doch der Reihe nach. Zum ersten Mal richtig auf sich aufmerksam im Weltcup machte der aktuelle Junioren-Weltmeister am 26.11.2025, als er mit dem zweiten Platz in Falun seine erste Podiumsplatzierung in einem Einzelwettbewerb feierte. Abseits dieses Resultats sammelte „Bambi“, wie er von seinem österreichischen Landsmann Stefan Kraft gerne genannt wird, mehrere Top-10-Platzierungen. Ein durchaus gelungener Saisonstart, mit dem man ihm allerdings nicht unbedingt einen Podiumsplatz bei der Tournee zugetraut hätte.

Bei der Generalprobe zur Vierschanzentournee in Engelberg erlebte Embacher dann eine Schrecksekunde, als er am ersten Wettkampftag stürzte. Doch er zeigte sich davon völlig unbeeindruckt und stellte am darauffolgenden Tag mit 145 Metern einen neuen Schanzenrekord auf der Gross-Titlis-Schanze auf. Ex-DSV-Bundestrainer Werner Schuster, der an diesem Tag als Eurosport-Experte fungierte, sagte im Anschluss zu diesem Sprung, dass dieser „noch nicht einmal optimal“ gewesen sei – das zeigt, wie viel Potenzial bei Embacher eigentlich noch vorhanden ist.

In Oberstdorf startete Embacher dann sehr ordentlich in die Vierschanzentournee und wurde Siebter, ehe er in Garmisch-Partenkirchen so richtig aufdrehte und dort den Grundstein für den dritten Platz in der Tournee-Gesamtwertung legte.

Neuer Schanzenrekord: 145,5 Meter – „Ich bin ohne Rücksicht auf Verluste gesprungen“

Am Silvestertag zündete Embacher mit 145,5 Metern in Garmisch-Partenkirchen eine richtige Rakete und zeigte den längsten Sprung in der Tourneegeschichte. „Ich bin den Sprung genau gleich angegangen wie sonst auch und bin ohne Rücksicht auf Verluste gesprungen. Ich habe von der Höhe her gleich gemerkt, dass es weit geht. In den Trainingssprüngen zuvor war es vom Tisch her noch nicht ganz so gut. Ich bin dort noch sehr flach rausgekommen, aber trotzdem schon relativ weit gesprungen. In dem Quali-Sprung war ich gut ein bis zwei Meter höher und habe gewusst, dass der gut geht“, äußerte sich Embacher im Anschluss am Mikrofon von Skispringen-News.de.

Im ORF-Interview führte er zu diesem ganz besonderen Sprung weiter aus: „Ich habe ihn am Tisch gut getroffen und war gleich in einer Position, in der ich Gas geben und ihn durchziehen konnte. Klar, die Landung war auf Sicherheit, aber das passt – man muss in der Quali nicht alle Risiken eingehen. Nach Engelberg den zweiten Schanzenrekord binnen einer Woche aufstellen zu dürfen, ist einfach mega.“

Noch einmal genauer auf den Landedruck angesprochen, sagte Embacher gegenüber Skispringen-News.de: „Es würde, glaube ich, schon gehen, dass man auf der Schanze in diesem Weitenbereich einen Telemark setzt, aber ich habe die Sicherheitsvariante bevorzugt, da ich schon einen Sturz in dieser Saison hatte. Von daher brauche ich keinen zweiten.“

Probleme mit der Hüfte seit dem Sturz in Engelberg

Doch auch wenn er den Sturz mental gut verarbeitet hat, ist dieser nicht ganz spurlos an ihm vorbeigegangen. „Seit dem Sturz habe ich ein paar Probleme mit der Hüfte gehabt, habe es aber mit den Physios immer wieder in den Griff bekommen. Bei diesem Qualisprung ist es mir auch wieder ein bisschen ‚reingeschossen‘, aber auch hier haben wir es gut gemanagt bekommen und bleiben weiter dran.“

Podiumsplätze in Garmisch-Partenkirchen und Innsbruck

Getragen von der großen Euphorie des Vortages legte der 19-Jährige am Neujahrstag in Garmisch-Partenkirchen mit dem dritten Platz im Wettkampf eindrucksvoll nach. Am Bergisel wiederholte er dieses Podiumsergebnis und wurde erneut Dritter. Das Tourneefinale in Bischofshofen schloss er auf Position fünf der Tageswertung ab, womit es ihm gelang, den dritten Rang in der Gesamtwertung erfolgreich bis zum Schluss zu verteidigen. Nur Teamkollege Jan Hörl und Dominator Domen Prevc waren besser als der aufstrebende ÖSV-Youngster.

„Wir haben es uns im Duell um den zweiten Platz in der Tourneewertung schon gegeben, aber ich gönne es Jan von Herzen. Er ist so ein cooler Typ und immer für mich da – zum Beispiel in Innsbruck, wo er zu mir gesagt hat, dass ich einfach ruhig bleiben und meine Sachen durchziehen soll. Auch generell verstehen wir uns alle sehr gut im Team. Es ist eine coole Truppe, und hier hilft jeder jedem.“

Was die Fortschritte in seiner Entwicklung seit den Junioren-Weltmeisterschaften angeht, schildert Embacher: „Im Sommer bin ich gleich gut reingestartet und habe die richtigen Schlüsse gezogen. Ich habe viel Erfahrung gesammelt und es, glaube ich, ganz gut umgesetzt. Von daher finde ich meine Entwicklung sehr cool und möchte daran anschließen und weiter kämpfen.“

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