Raw Air Weltcup

Ryoyu Kobayashi setzt beim ersten Wettkampf nach dem Anzugs-Skandal ein gewaltiges Ausrufezeichen. Doch auch das deutsche Team meldete sich in Abwesenheit der besten Norweger mit drei Top-Platzierungen eindrucksvoll zurück.

Der Auftakt in die RAW Air ist geschafft! Während das norwegische Team nicht nur auf Marius Lindvik und Johann André Forfang, sondern auch auf die ebenfalls gesperrten Sundal, Pedersen und Johansson verzichten mussten, zeigten die anderen Adler am Holmenkollen großartigen Sport.

Am besten machte es der Japaner Ryoyu Kobayashi, der ähnlich furios wie in Sapporo sprang und mit Sprüngen auf 129,5 und 127 Meter einen letztlich ungefährdeten Sieg einfahren konnte. Während der Japaner mit 10,8 Punkten Vorsprung triumphierte, wurde es auf den weiteren Plätzen verdammt eng. Lediglich 4,1 Punkte trennten Rang zwei und acht, wobei Jan Hörl bei den österreichisch-deutsch-slowenischen Positionskämpfen das beste Ende für sich verzeichnen konnte.

Geiger folgt Hörl aufs Podium: Bitterer Ausgang für Wellinger

Hörl schob sich nach 126 Metern in Durchgang eins mit starken 129 Metern im Finale noch auf den zweiten Platz nach vorne. Nur neun Zehntel dahinter sicherte sich Karl Geiger überraschend den dritten Podiumsplatz. Der Oberstdorfer kam am Holmenkollen auf Anhieb gut klar, gewann die Qualifikation und zeigte auch im Wettkampf starke Sprünge auf 126 und 128 Meter. Geiger behauptete sich wiederum nur mit vier Zehntel Punkten vor Anze Lanisek (123,5 und 129,5 Meter).

Noch enger ging es zwischen Weltmeister Domen Prevc (125 und 127,5 Meter) und DSV-Adler Philipp (129,5 und 129 Meter) Raimund zu. Die beiden sicherten sich mit 250,3 Zählern gemeinsam den fünften Platz. Ziemlich bitter endete der Wettkampf hingegen für Andreas Wellinger. Nach Rang zwei in der Quali und im ersten Durchgang, machte der 29-Jährige einen entscheidenden Fehler im zweiten Sprung und erreichte nach 125,5 und 125 Meter den etwas undankbaren siebten Rang. Auf das Podium fehlten Wellinger lediglich 2,3 Punkte. Mit 3,2 Punkten Abstand auf das Podest, war auch Manuel Fettner am Ende ganz nahe dran. Der Österreicher kam in Durchgang eins nur auf 121,5 Meter, zeigte dann aber den weitesten Finalsprung auf 130 Meter und schob sich auf Platz acht nach vorne.

Bestes Saison-Resultat für Embacher: Kraft & Tschofenig schwächeln

Die ÖSV-Adler zeigten sich in der Spitze nicht ganz so dominant wie vor der WM, jedoch waren auch nach Hörl und Fettner noch vereinzelt erfreuliche Leistungen dabei. Dies gilt nicht unbedingt für Daniel Tschofenig und Stefan Kraft, die mit den Rängen neun und zehn nicht ganz zufrieden sein konnten, sondern vielmehr für Stephan Embacher, der sich direkt dahinter auf Platz elf einsortierte. Michael Hayböck blieb als 24. blass, während Maximian Ortner überraschend in der Quali gescheitert war.

Paschke und Eisenbichler ohne Punkte – Norwegisches “B-Team“ enttäuscht

Beim deutschen Team ging abgesehen von den drei Top-Platzierungen für Geiger, Raimund und Wellinger nicht ganz so viel. Pius Paschke verpasste als 35. mit 116 Metern das Finale und auch Markus Eisenbichler konnte seine starken COC-Ergebnisse nicht in den Weltcup transportieren. Der Routinier, der am Ende der Saison die Ski an den Nagel hängt, kam nur auf 111,5 Meter und Platz 42.

Wenig zu lachen hatte das norwegische Team. Zunächst wurden auch noch Kristoffer Erik Sundal, Robert Johansson und Robin Pedersen nach dem ersten Trainingssprung wegen Auffälligkeiten am Anzug ausgeschlossen, dann sprang das B-Team vor spärlicher Kulisse hinterher. Fredrik Villumstadt konnte als einziger Norweger als 27. Punkte sammeln.

RAW Air: Deutsches Duo macht Jagd auf Kobayashi

Nach seinem Sieg im Einzelspringen ist es nicht überraschend, dass Ryoyu Kobayashi (382,6 Punkte) die RAW-Air-Wertung anführt. Der Japaner wird allerdings von Karl Geiger (372,5 Punkte) und Andreas Wellinger (370,1 Punkte) gejagt, die auf den Rängen zwei und drei liegen. Knapp dahinter folgt Anze Lanisek auf Platz vier. Noch ist in der Wertung aber rein gar nichts entschieden zumal die fetten Punkte ohnehin erst auf dem Riesen-Bakken von Vikersund vergeben werden. Dieser dürfte insbesondere Domen Prevc (355,9 P.) besonders liegen, der knapp hinter Tschofenig, Fettner und Hörl und unmittelbar vor Philipp Raimund (352,2 P.) auf dem achten Platz liegt.

In der Weltcup-Gesamtwertung verteidigte Daniel Tschofenig seine Führung, hat aber nur noch 132 Punkte Vorsprung auf Jan Hörl. Noch ist der Kampf um die Große Kristallkugel voll im Gange.

Ergebnis Einzelspringen Oslo

RAW Air Wertung

Weltcup Gesamtstand

Weltcup Weltcup Herren Weltmeisterschaften

Zum Abschluss der Nordischen Ski-Weltmeisterschaften in Trondheim hat sich Domen Prevc von der Großschanze die Goldmedaille gesichert. Mit Weiten von 138m und 140,5m (301,8 Punkte) sprang der Slowene zum Tagessieg. Silber ging an den Österreicher Jan Hörl (286,6 Punkte) vor dem Japaner Ryoyu Kobayashi (284,7 Punkte), der sich über Bronze freuen darf. Die beiden Norweger Marius Lindvik und Johann Andre Forfang wurden wegen des Verdachtes auf Anzugmanipulation disqualifiziert. Lindvik hatte den Wettkampf zuvor hinter Prevc auf dem zweiten Rang beendet.

In der zuvor ausgetragenen Qualifikation hatte sich angedeutet, dass Marius Lindvik und Domen Prevc zu den ganz großen Favoriten im Kampf um die Goldmedaille zählen würden. Mit einer Weite von 143 Metern stellte Lindvik hier einen neuen Schanzenrekord auf und entschied den Qualidurchgang für sich. Prevc reihte sich hinter dem Japaner Kobayashi auf einem vielversprechenden dritten Rang ein.

Im Wettkampf kam es dann zu einem spannenden Duell zwischen Lindvik und Prevc. Den ersten Durchgang entschied der Slowene mit einem Sprung auf 138 Metern für sich, knapp vor dem Norweger, dem trotz gleicher Weite zur Halbzeit 0,7 Punkte fehlten. Auf Rang drei sortierte sich mit Jan Hörl der beste Österreicher ein. Johann Andre Forfang (4.), Ryoyu Kobayashi (5.), Philipp Raimund (6.) und Anze Lanisek (7.) folgten knapp dahinter und hatten vor dem zweiten Versuch allesamt noch gute Chancen auf eine Medaille. Raimund trennten als Sechstplatzierten beispielsweise gerade einmal 0,9 Punkte zum Bronzerang von Hörl.

Die mit Spannung erwartete Entscheidung im Medaillenrennen eröffnete Anze Lanisek mit einem starken zweiten Sprung auf 136 Metern. Mit diesem konnte er sich an Raimund vorbeischieben, der nach einem starken ersten Versuch (137,5 m) dieses Mal bei 133 Metern landete. Kobayashi gelang es danach jedoch den Sprung von Lanisek zu kontern und sich mit 137 Metern an die Spitze zu setzen. Johann-Andre Forfang schaffte es im Anschluss nicht den Japaner zu verdrängen, erst Hörl, der damit auch als erster Medaillengewinner feststand. Den Showdown am Ende um Gold machten Lindvik (139,5m) und Prevc (140,5m) unter sich aus. Mit 301,8 Punkten behielt der Slowene hierbei die Oberhand und tritt damit die Nachfolge seines Mannschaftskameraden Timi Zajc an, der sich 2023 in Planica den Weltmeistertitel von der Großschanze gesichert hatte. Doch das Sportliche Geschehen rückte an diesem Tage in den Hintergrund.

Heftige Diskussionen um norwegische Sprunganzüge

Bereits im Vorfeld zum heutigen Wettkampf kursierte ein Video im Springerlager, welches zeigt, wie in der Nacht die abgenommenen Anzüge der norwegischen Mannschaft „umgenäht/verändert“ wurden (die ARD veröffentlichte dieses Video auch im Rahmen ihrer Berichterstattung). Daraufhin legten die Österreicher, Polen und Slowenen einen gemeinsamen Protest gegen die Starterlaubnis der Norweger ein, nachdem sich schon in den vergangenen Tagen immer wieder Gerüchte über nicht regelkonforme Anzüge der Lokalmatadoren in der Öffentlichkeit breit machten. Dieser Protest, an dem sich der deutsche Skiverband im Übrigen nicht beteiligte (dieser übersendete anstelle dessen ein eigenständiges Schreiben an die FIS, in der um genaue Aufklärung der Umstände gebeten wird), wurde allerdings abgewiesen.

Nach dem Wettkampf wurden Marius Lindvik und Johann-Andre Forfang allerdings aufgrund der Manipulationsvorwürfe disqualifiziert, nachdem sich diese bei der Materialkontrolle bestätigten. Lindvik verliert damit seine Silbermedaille und das norwegische Skispringen vielleicht noch mehr an Glaubwürdigkeit, was die Erfolge aus den letzten Tagen bei ihrer Heim-WM angeht.

Im übrigen wurde Kristoffer-Eriksen Sundal bereits nach dem ersten Durchgang disqualifiziert. Einziger Norweger in Wertung ist damit Robert Johansson, der allerdings nicht über Rang 19 hinauskam.

Im Sinne des Skispringens hoffen wir bei Skispringen-News.de auf eine genaue Aufklärung und eine baldige Rückkehr zu dem Sport, den wir so sehr lieben und der uns unter fairen Bedingungen so viel Freude bereitet!

Raimund und Wellinger in den Top-10

Hinter den drei Medaillengewinnern Prevc, Hörl und Kobayashi reihten sich Anze Lanisek (4.), Philipp Raimund (5.), Maximilian Ortner (6.), Gregor Deschwanden (7.), Andreas Wellinger (8.), Daniel Tschofenig (9.) sowie Lovro Kos (10.) ein. Karl Geiger (21.) und Pius Paschke (28.) erreichten ebenfalls den zweiten Durchgang der Top-30, blieben aber deutlich hinter ihren eigenen Erwartungen zurück.

Weltcup Weltcup Herren

Mit einem beeindruckenden Vorsprung von 19,7 Punkten hat sich Ryoyu Kobayashi in Sapporo seinen ersten Saisonsieg gesichert und sich ganz vorne an der Weltspitze zurückgemeldet. Rang zwei ging an den Österreicher Jan Hörl vor dem Slowenen Domen Prevc. Weltcupleader Daniel Tschofenig reihte sich dahinter auf der vierten Position ein.

Ryoyu Kobayashi ist zurück! Gerade einmal eine Woche nach seinem Aus in der Qualifikation von Lake Placid (52.) bewies der Japaner vor heimischem Publikum auf eindrucksvolle Art und Weise, wie schnell es manchmal im Skispringen gehen kann. Bereits im ersten Durchgang zauberte er bei schwierigen Windbedingungen eine Fabelweite von 137 Metern in den Schnee und lieferte mit 136,5 Metern im Finaldurchgang noch einmal einen ähnlich starken Sprung ab. Damit setzte Kobayashi zugleich auch im Hinblick auf die bevorstehende Weltmeisterschaft in Trondheim ein dickes Ausrufzeichen an die Konkurrenz, gerade auch an die bislang so überzeugenden Österreicher.

Sapporo war genau die Schanze, die Kobayashi Mitte Januar für eine Trainingseinheit nutzte, als er die Weltcupstation in Zakopane ausließ. Seit seiner Rückkehr in den Weltcup steigerte er sich stetig in seinen Sprüngen und ließ in einzelnen Versuchen seine Klasse bereits aufblitzen. Im Interview gegenüber Skispringen-News.de kommentierte er kürzlich in Willingen seine eingelegte Trainingspause mit den Worten: „Ich habe es ruhig angehen lassen.“ Was genau er in Sapporo getestet bzw. verändert hat, ließ Kobayashi offen. Im Hinblick auf die WM gab er sich zudem kämpferisch: „Ich freue mich sehr auf die WM in Trondheim und möchte gerne die Goldmedaille holen.“ Bislang hatte man dieses Ziel nicht für realistisch gehalten, doch nach der heutigen Konkurrenz muss man ihn wohl doch auf dem Zettel haben. Man darf gespannt sein, ob er diese Leistung beim zweiten Einzelwettbewerb in Sapporo am morgigen Tag bestätigen kann und ob es ihm gelingt, in Trondheim ähnliches zu vollbringen. Der Formaufbau scheint in jedem Fall pünktlich zum Highlight in die absolut richtige Richtung zu gehen und Lake Placid offenbar nur ein einmaliger Ausrutscher gewesen zu sein.

Jan Hörl, der zuvor den Probedurchgang für sich entscheiden konnte, sorgte mit dem zweiten Platz für ein erneutes Podium der ÖSV-Adler. Kobayashi hatte diesen Probeversuch im Übrigen ausgelassen und sparte sich dementsprechend seine Kräfte für die beiden Sprünge im Wettbewerb auf. Rang drei ging an den Slowenen Domen Prevc, der im Finaldurchgang noch von Jan Hörl abgefangen wurde, sich allerdings um 0,1 Punkte vor Daniel Tschofenig halten konnte. Der Weltcupführende Österreicher musste sich dieses Mal mit Rang vier begnügen.

Nicht nur bei Kobayashi, auch beim Norweger Marius Lindvik zeigt die Formkurve deutlich nach oben. Mit dem fünften Platz holte er sich Selbstvertrauen für die bevorstehende WM im eigenen Land. Stefan Kraft (6.), Kristoffer Eriksen Sundal (7.), Manuel Fettner (8.), Ren Nikaido (9.) und Naoki Nakamura (10.) rundeten die Top-10 ab.

Johann Andre Forfang, der zuletzt in Lake Placid noch seinen ersten Saisonsieg feierte, reihte sich am Ende auf dem 14. Platz ein. Der Norweger erwischte im ersten Durchgang äußerst schlechte Bedingungen, weshalb er nicht über eine Weite von 114 Metern und Rang 27 hinauskam. Im zweiten Durchgang gelang ihm mit 131,5 Metern dann jedoch eine Aufholjagd.

Starke Ergebnisse für Aigro, Foubert und Insam

Eine überzeugende Leistung boten in Sapporo auch die kleinen Skisprungnationen. So gelangen dem Esten Artti Aigro (11.), dem Franzosen Valentin Foubert (13.) sowie dem Italiener Alex Insam (15.) jeweils Top-15 Resultate.

Gregor Deschwanden mit „Leihski“ auf Platz 17

Wie schon in der Qualifikation am Vortag mussten die Schweizer im Wettkampf auf „Leihski“ zurückgreifen, da ihre eigenen Skier noch nicht den Weg an die Schanze nach Sapporo gefunden haben und lange im europäischen Raum festhingen. Gregor Deschwanden (17.) wurde mit Material vom US-Amerikaner Kevin Bickner versorgt, Kilian Peier (35.) standen Skier vom japanischen Verband zur Verfügung. Beim morgigen Wettkampf sollen die Schweizer allerdings wieder auf ihr vertrautes Material zurückgreifen können.

Kein DSV-Adler unter den Top-20

Für die DSV-Adler geht die Formsuche derweil weiter. Mit 131,5 Metern lag Pius Paschke nach dem ersten Durchgang als Zwölfter noch in Reichweite der Top-10. Man hatte hier den Eindruck, dass sich seine Weltcuppause in Lake Placid zugunsten eines Trainings positiv bemerkbar gemacht hat. Mit 119,5 Metern im zweiten Versuch fiel er dann jedoch in das Muster der letzten Wochen zurück und rutschte noch auf den 23. Platz im Endklassement ab. Sein Teamgefährte Andreas Wellinger erwischte ebenfalls keinen guten Tag und beendete den ersten Wettkampf in Sapporo nach Weiten von 125,5 Metern und 113 Metern gerade einmal auf der 24. Position. Stephan Leyhe (118,5m/118m), der als dritter Deutsche den Finaldurchgang der besten 30 erreichte, wurde am Ende 29.

Für Adrian Tittel (37./112,5m) war trotz eines guten Probesprungs, mit dem er sich unter den Top-20 einreihen konnte, bereits nach dem ersten Durchgang Feierabend. Auch Felix Hoffmann (42./105,5m) verpasste deutlich die Weltcuppunkte.

Karl Geiger und Philipp Raimund hatten die Reise nach Japan nicht angetreten. Sie bereiten sich zu Hause auf die bevorstehende WM vor.

Vierschanzentournee Weltcup Weltcup Herren

Wenn am 28./29.12.2024 in Oberstdorf die 73. Vierschanzentournee beginnt, wird Ryoyu Kobayashi als Titelverteidiger an den Start gehen. Doch bei den bisherigen fünf Saisonstationen war der Japaner sehr deutlich von den übrigen Spitzenathleten entfernt. Daher stellt sich die Frage, ob es ihm rechtzeitig zur Tournee noch gelingt, in Form zu kommen. Skispringen-News.de hat sich mit dem „Grand-Slam Sieger“ der Saison 2018/19 hierüber unterhalten.

„Ich bin überhaupt nicht zufrieden mit dem Wochenende“, resümierte Ryoyu Kobayashi nach den drei Wettkämpfen in Titisee-Neustadt. Und auch bei der Generalprobe für die diesjährige Vierschanzentournee in Engelberg kam er nicht über die Plätze 13 und 12 hinaus. Doch darf man den dreifachen Tourneesieger im Kampf um den goldenen Adler jetzt schon so einfach abschreiben?

Blicken wir hierzu einmal auf den letzten Weltcupwinter zurück, in dem sich ein ähnliches Bild zeigte. Vor der Vierschanzentournee erzielte Kobayashi keinen Tagessieg, stand lediglich bei einem Wettkampf auf dem Podium und beendete die beiden Springen in Engelberg gerade einmal auf den Plätzen 10 und 12. Damit zählte der inoffizielle Skiflugrekordhalter (291 Meter) auch damals nur zum erweiterten Favoritenkreis. Top-Favoriten waren andere. In Oberstdorf ließ er dann allerdings seine Muskeln spielen und belegte hinter Andreas Wellinger den zweiten Rang. Dieses unerwartete Resultat sorgte plötzlich dafür, dass der Knoten platzte. Die darauffolgenden Wettbewerbe in Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck sowie Bischofshofen schloss Kobayashi ebenfalls allesamt auf dem zweiten Platz ab und sicherte sich damit seinen dritten Gesamterfolg bei der Vierschanzentournee.

Doch wie groß ist die Zuversicht des Japaners selbst, dass ihm ein solches Kunststück dieses Mal erneut gelingen kann? Auf die Frage, was ihm derzeit noch fehlt, um wieder ganz vorne dabei zu sein, erklärt er uns ratlos am Mikrofon: „Ich weiß nicht, woran es aktuell genau liegt. Wenn Ihr mir den Punkt nennen könnt, würde ich es direkt versuchen umzusetzen.“ Aufgegeben hat er im Hinblick auf die Tournee allerdings nicht. „Es sind noch ein paar Tage bis zum ersten Wettkampf in Oberstdorf. Ich nehme mir die Zeit und bereite mich bestmöglich vor.“ Ob er als amtierender Titelträger mehr Druck verspürt, entgegnet er uns: „Dadurch, dass ich nicht in so einem guten Zustand bin, erwartet eigentlich keiner etwas von mir. Dementsprechend verspüre ich auch keinen Druck.“

Wer weiß, vielleicht ist genau dies auch die große Chance von Kobayashi, wenn er sich zu 100% auf sich konzentrieren kann und allen Erwartungen aus dem Weg gehen kann. Die Tournee hat in der Vergangenheit schließlich immer ihre eigenen Gesetze geschrieben und viele Überraschungen mit sich gebracht. Das Zeug für konstant starke Auftritte auf allen vier Schanzen hat Kobayashi in jedem Fall, was seine Tourneesiege 2018/2019, 2021/2022 und 2023/2024 beweisen. 2018/2019 gelang ihm sogar das Kunststück, als drittem Springer in der Geschichte der Vierschanzentournee alle vier Springen zu gewinnen. Zuvor schafften diesen „Grand-Slam“ nur Sven Hannawald und Kamil Stoch.